Das größte Schlachtunternehmen Deutschlands entdeckt den Süden

Tönnies steht dem größten deutschen Schlachtunternehmen vor, beschränkte aber seine Aktivitäten in Deutschland weitgehend auf den Norden und Osten der Republik. Weil er mit dem Schlachthofneubau in Kempten einen ersten Schritt gemacht hat, auch in Süddeutschland Fuß zu fassen, ist der Kontakt zum Viehhandel eine sinnvolle Option: Das Schlachtunternehmen ist damit ein interessanter Partner für die Viehkaufleute  geworden, die den Rohstoff „Schlachtvieh“ erfassen und transportieren.

Clemens Tönnies und sein Bruder Bernhard (er ist 1994 verstorben) gründeten 1971 ihr Unternehmen mit einem erklärten Ziel: Wachstum. Durchdachte Unternehmensstrategien, die auch auf handwerklichem Wissen basieren, ließen den Schlacht-und Zerlegebetrieb zu einem in Europa führenden Konzern anwachsen, der mittlerweile weltweit aktiv ist. Deutschlandweit erwirtschaften mittlerweile die rund 12.500 Tönnies-Mitarbeiter jährlich einen Umsatz von 6,3 Mrd. €. Mit derzeit rund 20 Mio. Schweineschlachtungen im Jahr ist man Marktführer in Deutschland und belegt bei Rindern mit etwa 424.000 Zerlegungen von Schlachtkörpern den Platz zwei im deutschen Ranking.

Der enorm wichtige Exportmarkt

Mehr als die Hälfte des erschlachteten Fleisches (gewichtsbasiert) geht in den Export. Tatsächlich ist es der Export, vor allem der in Drittländer, der die Zuwachsraten erwarten lässt, die für eine solide Unternehmensentwicklung notwendig sind.

Allerdings greift die Politik immer wieder in den natürlichen Marktablauf ein. Nicht zuletzt das Embargo, das den westlichen Ländern den Fleischexport nach Russland untersagt, hält Tönnies, der vor Embargobeginn jährlich 265 000 t Schweinefleisch in das Riesenreich im Osten lieferte, für kontraproduktiv und wirkungslos. Nach seinen Erfahrungen ersetzen die russischen Verbraucher zunehmend das importierte rote Fleisch (Rind, Schwein) durch selbst erzeugtes weißes (Geflügel).

Natürlich bleibt der Fleischabsatz in den EU-Ländern und vor allem im Inland bei Tönnies im Fokus. Doch ein beachtlicher Anteil der bundesdeutschen Gesellschaft steht  der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung und dem Fleischkonsum nicht sehr „wohlgesonnen“ gegenüber. An negative Berichterstattungen in den Medien mussten sich Schlachtvieherzeuger und Schlachtunternehmen fast schon gewöhnen. Tierschutzdiskussionen über Nutztierhaltung und -schlachtung haben Hochkonjunktur. Und darauf müssen, nach Tönnies Ansicht, Erzeuger und Schlachtunternehmen reagieren.

Beide sind Minderheiten in der Gesellschaft. Wollen sie akzeptiert werden, müssen sie unter anderem Maßnahmen ergreifen: Umweltfreundliche Erzeugung in der Tierproduktion (z. B.: Luftwäscher im Stall), ethische Aspekte (keine Schlachtung trächtiger Rinder), schonende Vorbereitung auf die Schlachtung und sichere Betäubung – das sind nur drei Kriterien einer langen Liste. Tönnies hält es für notwendig, sich mit all diesen Kriterien auseinander zu setzen, auch wenn das tatsächliche Verbraucherverhalten zu oft ganz andere Schlüsse nahelegt.

So hat zum Beispiel eine repräsentative Forsa-Frage (September 2014) zum Thema: „Wo haben Verbraucher in den letzten zwölf Monaten versucht, bei den Ausgaben im Alltag zu sparen?“, ergeben: 48 % der Befragten sparen in erster Linie bei Lebensmitteln. Demgegenüber waren aber nur 3 % von ihnen bereit, im Alltag auf Unnötiges zu verzichten. Erfahrungsgemäß hat das Nahrungsmittel Fleisch allgemein gute Karten. Die Discountermentalität der Konsumenten lässt diese jedoch immer häufiger zu preisgünstigem, weißem Fleisch, als zum wertvollen roten greifen. Zusätzlich sieht sich die Schlacht-und Fleischverarbeitungsbranche auch in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld. Steigende Produktionskosten lassen die Erlöse schrumpfen. Immer neue Auflagen für die Produktion im Stall, bei der Schlachtung und Fleischverarbeitung beschleunigen diese Entwicklung. Es ist also eine ganze Reihe von Einflüssen, die auf den Markt mit Schlachtvieh und Fleisch einwirken. Wie antwortet Tönnies darauf?“

Tierwohl-Beratung für die Erzeuger

„Wir sind regional, national und international mit unseren Standorten in der Fläche sehr gut aufgestellt“, geht Tönnies in die Offensive. Vor allem aber deckt ein Netz von insgesamt 35 dem Unternehmen angehängten, organisatorischen Einheiten Deutschland ab. Es wird Forschung betrieben, es wird analysiert, was sich verantwortungsbewusst verbessern lässt und wo man den Rotstift ansetzen kann. Worauf konzentrieren sich diese Einheiten?

Wie schon angeführt, sind die Erzeugung von Schlachtvieh und dessen Schlachten selbst in der öffentlichen Diskussion. Unsachliche Kritik, besonders von Seiten einschlägiger nicht-Regierungsorganisationen (NGO) und daraus folgend, eine zum Teil irreführende Darstellung der landwirtschaftlichen Nutztierhaltung verunsichert die Öffentlichkeit. Tönnies: „Dieser Kritik stellen wir uns!“  Nicht nur mit Qualitätsmanagement in der Fleischerzeugung will das Unternehmen mehr Vertrauen schaffen. Mit „animal wellfare-Management“ (Tierwohl) und „animal wellfare-Resource“ (Beratung der Erzeuger) beteiligt man sich daran, die Diskussion zu versachlichen. Unter Einsatz verfügbarer technischer und personeller Kapazitäten steht das Unternehmen den Schlachtvieherzeugern beratend zur Seite, entwickelt den Schlachtvorgang weiter und sorgt dafür, dass den Konsumenten Fleisch und Fleischwaren von höchstem Standard präsentiert werden.

„Vertrauen in den hohen Qualitätsstandard lässt sich nur über Transparenz erzeugen.“ Davon ist man bei Tönnies überzeugt. Hier ist die gesamte Produktionskette gefragt. Tiergerechte Haltung der Nutztiere muss gesichert sein. „Beim Transport müssen die Schweine genauso wenig gestresst bleiben wie der Lkw-Fahrer“, erklärt Tönnies.

Stressfreie Tiere beim Schlachten

Auch, wenn normalerweise kein Verbraucher beim Schlachten der Rinder und Schweine anwesend ist, so steht der Augenblick der Tötung doch immer im kritischen Fokus der Konsumenten. Dem ist Rechnung zu tragen. Aufbauend auf den Ergebnissen der Tönnies-Forschung und der intensiven Schulung der Mitarbeiter konnte z. B. die Häufigkeit des zweiten Schusses bei der Rinderbetäubung von 20 auf 2 % reduziert werden. Das wirkt sich auch auf die Fleischqualität positiv aus.

Gleiches gilt für die Optimierung der Tierumwelt vor dem Schlachten. In Kempten z. B. hat man die Treibgänge so gestaltet, dass sie die Rinder freiwillig und ohne Treibhilfen des Stallpersonals, also stressfrei nutzen. Damit und einigem mehr werden die Ergebnisse aus der Tönnies-Forschung in die Praxis umgesetzt.

Dazu gehört auch, wenn beispielsweise die Schlachtschweine im gegen Lärm und Witterung geschützten Wartestall (Fußbodenheizung), mit Wasser berieselt und bei gedämpfter Musik beruhigt werden, bevor sie der CO2-Betäubung zugeführt werden. Der Betäubungserfolg wird anhand einer zweifachen Entblutungskontrolle und der Überprüfung des Schlusses der Augenlider bei jedem Schwein kontrolliert.

Fortschritte in den Schlachthöfen

Umfassende Untersuchungen des Schlachtkörpers (Einzeltier-Blutuntersuchung) bietet Produktionssicherheit. Das Untersuchungsprogramm kann risikobasiert anhand der Detektion von Zoonosen und anderen Krankheitserregern, sowie auf Rückstände von Tierarzneimitteln ausgewertet werden. Der Schweineschlachtkörper beziehungsweise seine Teilstücke durchlaufen schließlich definierte Temperaturzonen bei ebenfalls definierter Luftgeschwindigkeit, was die Muskelkontraktion minimiert. Eine schonende Kühlung („Warmkühlung“) ist schließlich die Voraussetzung für die Zartheit des Fleisches, geringen Tropfsaftverlust, Saftigkeit und Farbstabilität.

Bei der Initiative „Tierwohl“ wirkt Tönnies maßgeblich mit. Was die Ebermast anbetrifft, hält man weniger von gesetzlichen Vorgaben. Man setzt auf eine dem Bedarf angepasste Produktion. Das sind derzeit 30 000 Schlachtkörper pro Woche, was etwa 10 % des wöchentlichen Aufkommens bei den Schweineschlachtungen entspricht.

Mit „Tönnies Livestock“, einem sehr jungen „Kind“ im Programmangebot, will das Unternehmen die Lieferkette von Nutz- und Schlachtvieh  sicherer machen. Man nimmt dabei direkten Einfluss auf die Erzeugung, indem man den Ein- und Verkauf sowie den Transport von Nutztieren mit organisiert. Man unterstützt also die Zuchtarbeit zur Erzeugung marktkonformer Lebensmittel, wobei auch Gesundheitsmanagement von der Ferkelaufzucht bis hin zur Mast einbezogen ist. Es ist also ein sehr umfassendes Programm, das Tönnies bereithält. Damit will das Unternehmen auch vermehrt für die süddeutschen Schlachtvieherzeuger zum interessanten Partner werden.

Quelle: agrarheute.com

Persönliche Anmerkung: Wenn ich so etwas lese, stehen mir regelrecht die Haare zu Berge und mir bleibt nur eines zu sagen und zu meinen übrig: Zum Teufel mit jeglicher Schlacht – und Fleischverarbeitungsbranche, denn Fleisch bedeutet immer Mord an Tieren und dieses alltägliche und milliardenfache Morden ist und bleibt ein unverzeihliches und niemals tolerierbares Verbrechen.

(Vielen Dank an Michael B. für den Hinweis betreffs dieses Artikels)

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2 Kommentare zu “Das größte Schlachtunternehmen Deutschlands entdeckt den Süden

  1. Lieber Wolfgang,
    ich könnte nie von so einem Verein wie Schalke 04 Fan sein, der einen Vorsitzenden hat, der zu den größten Fleischproduzenten in Europa gehört. Man sieht dass diesem Verein Tierwohl vollends egal ist und ich kann so einem Verein auch keinen guten Tabellenplatz wünschen. Ich wusste gar nicht, dass es den Beruf des „Fleischtechnikers“ gibt. Eine hochtrabende und euphemische Bezeichnung für einen brutalen „Beruf“, oder besser gesagt für ein verbrecherisches Geschäft.


    Clemens Tönnies

    Aus Wikipedia:
    Clemens Tönnies wurde als Sohn eines Metzgers in Rheda geboren. Er hatte fünf Schwestern und einen Bruder. Nach der Schule machte er eine Ausbildung als Fleischtechniker und Kaufmann. Sein Bruder Bernd Tönnies gründete 1971 auch mit seinem Namen einen Fleisch- und Wurstwaren-Großhandel. Nach und nach bauten sie gemeinsam die B. & C. Tönnies Fleischwerk GmbH & Co. KG (heute Tönnies Lebensmittel GmbH & Co. KG) auf. Sie wurde zu einem der größten Fleischproduzenten Europas. Bernd Tönnies, der als Präsident ebenfalls Funktionär des FC Schalke 04 war, verstarb am 1. Juli 1994 im Alter von 42 Jahren an den Folgen einer Nierentransplantation.
    Clemens Tönnies ist seit 1994 Mitglied des Aufsichtsrates des FC Schalke 04 und seit 2001 dessen Vorsitzender.

    https://de.wikipedia.org/wiki/Clemens_T%C3%B6nnies

    Liebe Grüße – Hubert

  2. Ob Tönnies bei Schalke 04 oder Wiesenhof bei Werder Bremen, die tierquälerische Fleischlobby kauft sich im Bundesliga Millionenspiel ein und somit werden die Fans manipuliert. Werder Bremen hat seine Mitarbeiter sogar in Kuschelställe von Wiesenhof geschickt, damit Werder Bremen seine umstrittene Partnerschaft mit Wiesenhof vereinsintern und nach außen besser verkaufen kann. Kritik an Wiesenhof ist bei Werder Bremen nicht erwünscht.

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