Sind der Tod eines Menschen und eines Tieres so anders?

Aus dem Blog von Tierfreund Hubert

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Es ist schon verwunderlich welch seltsame Blüten manche menschliche Gehirne hervorbringen. Da wird gesagt, Betäubung, Sterilisation und Transport von Damhirschen und Mufflons seien zu stressig, der Tod sei weniger schlimm.

Hier einige Aussagen und Erklärungen zum Thema „Gatter“ :

Sind Rehe im Gatter, die aus Angst vor Hunden gegen den Zaun springen, keine Tierquälerei? Erstmals in der letzten Jagdsaison hat eine Tierschutzorganisation zahlreiche Gatterjagden dokumentieren und an die Öffentlichkeit bringen können. Besonders dramatisch war dabei jene Treibjagd im Gatter mittels Jagdhundemeuten und Treiberkolonnen in Ernstbrunn, bei der insgesamt 3 Rehe während ihrer Schonzeit so in Todesangst versetzt wurden, dass sie immer wieder gegen den Gatterzaun sprangen und sich dabei schwer verletzten. Den VGT-AktivistInnen gelang es, diese Tierquälereien zu filmen.

Schock-Video zeigt Leid der Gatter-Rehe
http://www.heute.at/news/oesterreich/Wirbel-um-Film-von-Gatter-Rehen;art23655,1263550

Da dieser von Hubert gesetzte Link zum besagten Video leider nicht mehr aufrufbar ist, habe ich nachfolgend ein kurzes Video eingebettet, welches uns zeigt, wie während einer Gatterjagd ein Reh unter Todesangst so lange gegen den Zaun rennt, bis seine Nase völlig zerschnitten ist:

Und hier sehen wir, wie zwecks einer Jagdhundeausbildung Wildschweine in einem Gatter gejagt und die Hunde auf diese Tiere „abgerichtet“ werden. Mein Kommentar dazu: Mir würde es besser gefallen, wenn anstelle der Tiere der Abschaum gewisser Zweibeiner  zum Teufel gejagt werden würde.

 Martin Balluch: Sind der Tod eines Menschen und eines Tieres so anders?
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Kürzlich habe ich mit dem Betreiber eines Schaugatters, in dem sich einige Damhirsche und Mufflons befinden, über dessen Auflösung diskutiert. Das Gatter soll geschlossen werden, aber wohin mit den Tieren? Mein Vorschlag: betäuben, sterilisieren und in einen Lebenshof transportieren. Der Gegenvorschlag: aus kurzer Distanz: schmerzfrei erschießen. Das Argument dafür? Betäubung, Sterilisation und Transport seien zu stressig, abgesehen davon würden die Tiere dann, wenn sie in 10 Jahren alt werden, an Altersschwäche leiden und vielleicht einsam sein.

Das ist für mich ein schon sehr seltsamer Gedanke, dass der Tod weniger schlimm sein soll, als Betäubung, Sterilisation und Transport. Ich glaube dem Gatterbetreiber aber, dass er das Ernst meint. Die EU-Richtlinie 2063/10 über Tierversuche wertet es als den geringsten Schaden für die Versuchstiere, wenn sie nach dem Tierversuch aus ihrer Betäubung nicht mehr aufwachen sondern getötet werden. Ein geringerer Schaden als „wenig Leid“, das z.B. durch einen Nadelstich ausgelöst wird. Bei Menschen würden wir doch niemals so reden, laut Strafgesetzbuch ist der schmerzfreie Mord im Schlaf schlimmer zu bewerten, als eine langanhaltende Folter, wenn diese nicht mit dem Tod endet. Woher dieser Unterschied?

Bei einer Tierversuchsdiskussion an der Uni Innsbruck verglich ich einmal medizinische Versuche an Tieren mit jenen an Menschen. Der Vertreter der Tierversuchsseite war entsetzt. Auf meine Frage, was der Unterschied sei, sagte er, dass die Bibel den Menschen als Ebenbild Gottes bezeichne. Naja, und ist der Schimpanse nicht Ebenbild des Menschen? Ist die Evolution nicht kontinuierlich? Aber über Religion lässt sich bekanntlich ewig streiten, weshalb wir die Trennung zwischen Staat und Kirche eingeführt haben. Für eine Begründung der gesetzlichen Praxis bleibt uns ein Rekurs zur Bibel also verwehrt.

Das Zivilrecht, mit seiner Trennung in Menschen als Personen und Tieren als Sachen, bzw. nach § 285a ABGB mittlerweile nur noch als Entitäten, die wie Sachen zu behandeln sind, ist auf Immanuel Kant zurückzuführen. Tatsächlich argumentiert er explizit religionsunabhängig, zumindest seiner Auffassung nach. Kant war der Ansicht, dass nur die Vernunft eine freie Willensentscheidung ermöglicht. Unsere Triebe und Affekte lassen in uns die Lust so oder so zu handeln aufquellen, aber mit der Vernunft können wir das abwägen und uns gegebenenfalls anders entscheiden. Die Vernunft, so Kant, macht also den Unterschied zwischen einem Wesen mit freiem Willen und einer Biomaschine aus. Und diese Vernunft hat man entweder ganz oder gar nicht. Menschen hätten sie ganz, Tiere gar nicht. Deshalb wären letztere Biomaschinen. Das mache sie austauschbar, reduziere sie auf einen rein instrumentellen Wert für Menschen und Tierschutz bestünde dann darin, Tieren möglichst viel Leid zu ersparen. Der schmerzfreie Tod von Tieren wird damit völlig moralisch irrelevant.

Kant wusste aber noch nichts von der Evolution. Vernunft gibt’s auch graduell, sonst könnten Menschenkinder nicht von Null (bei der Empfängnis) bis zur vollen Eigenverantwortung (Volljährigkeit) eine graduelle Entwicklung durchlaufen. Mein Hundefreund Kuksi ist definitiv vernünftig, wenn er bei schwierigen Verhältnissen auf einer Bergtour umdrehen will oder wenn er entscheidet, ob er diese oder jene Kletterei riskieren will, ob er über die Straße laufen oder sich zurückhalten soll, ob er ein Essen grabschen oder ein Tier jagen soll oder nicht usw. Kuksi kann ohne jeden Zweifel bewusste Entscheidungen fällen, und darum geht es hier eigentlich. Er kann verschiedene Optionen abwägen und sich für eine entscheiden. Dieselbe Art von Freiheit, wie bei uns Menschen. Und dass Freiheit an sich für ihn relevant ist, zeigt sich darin, dass er sich ganz anders verhält, wenn er angeleint ist oder im Auto am Sicherheitsgurt hängt, oder nicht. Er ist sich bewusst, angehängt zu sein, ohne dass er durch Bewegung bis ans Leinenende stoßen muss und dadurch zurückgehalten wird. Er hat von sich einen Begriff, frei oder angehängt zu sein.

Peter Singer kommt zu einem ähnlichen Schluss wie Kant, aber auf einem anderen Weg. Er meint, Tiere (bis auf wenige Ausnahmen wie Menschenaffen) würden nur im Moment, nicht aber in der Zeit leben. Sie hätten keine Zukunftsplanung, keine Erwartungen, keine Hoffnungen. Sie überraschend und schmerzfrei zu töten, sei daher für sie kein Verlust und daher moralisch irrelevant. Komisch nur, dass mein Hundefreund Kuksi sehr wohl in der Zeit lebt. Wenn ich ihm sage, dass wir wandern gehen, dann freut er sich schon darauf, auch wenn ich erst zu packen beginne. Wenn ich ihm erkläre, dass ich leider ohne ihn weggehen müsse, dann wird er traurig und zieht sich zurück, auch wenn ich noch 10 Minuten lang im Raum bleibe. Wenn ich Kuksi bitte, heute unsere Wanderung anzuführen, dann arrangiert er z.B. eine 3 stündige Tour, die uns wieder nach Hause zurück bringt. Und wenn ich ihm gesagt habe, dass ich weggehen muss, aber dann 5 Minuten später wiederkehre, weil ich etwas vergessen habe, dann hebt er nicht einmal die Augenbrauen. Ganz anders, wenn ich zurückkehre, um zu bleiben, dann begrüßt er mich herzlich und freut sich. Keine Frage, er versteht, dass beim Abschied für eine längere Zeit die Rückkehr nach 5 oder 10 Minuten nicht dauerhaft sein kann. Er lebt also in der Zeit.

Ich glaube, aus dieser Vorstellung von Hunden als zeitlos, mit rein spontanen Entscheidungen ohne Überlegung, und damit unvernünftig, wird gefolgert, dass Hunde so unberechenbar wären. Deshalb müsse man sie immer anhängen und ihnen einen Beißkorb geben usw. Man wisse ja nie, was in ihnen vorgeht. Ich lebe mit einem vernünftigen Hund zusammen. Er ist völlig berechenbar und vertrauenswürdig. Genauso, wie ich sehr gut verstehe, was zu einem jeweiligen Zeitpunkt in ihm vorgeht, so versteht er auch mich und hat an mich Erwartungen. Ein Zusammenleben in gegenseitiger Abhängigkeit, wie zwischen uns, wäre sonst nicht möglich.

Ein Beispiel:

In einer Pause eines Tierschutzworkshops gehen wir zusammen – wie immer leinenfrei – auf die Straße. Kuksi läuft auf eine kleine Grasfläche vor einer Kirche zu, die von einem halbhohen Zaun mit spitzen Enden umgeben ist. Er will darüber springen, wägt ab, schaut zu mir und fragt mich um Rat. Ich verstehe ihn sofort, entdecke hinter ihm um die Ecke ein größeres Stück Wiese ohne Zaun und zeige dorthin. Er dreht sich um, sieht die Wiese auch und läuft sofort in diese Richtung. Hätte ich nicht verstanden, dass er auf das Gras wollte, und er nicht, dass ich ihm ein leichter erreichbares Gras gezeigt habe, dann wäre die Kommunikation nicht gelungen. Hätten wir ständig Missverständnisse wäre unser Zusammenleben niemals so harmonisch und rund. Ich bin mir daher sicher, dass Kuksi in der Zeit lebt und dass er vernünftig und bewusst entscheiden kann, im Rahmen seiner Möglichkeiten. Sein Tod wäre der größte Schaden, den man ihm antun kann.

Im Alter von 4 Jahren wurde bei Kuksi Lymphknotenkrebs entdeckt. Ohne zu zögern haben wir uns für eine Chemotherapie entschieden. 14 Monate lang musste er die Chemikalien nehmen. Mir hat das € 8.000 gekostet. Der Sprecher einer Bergbauernorganisation, für Tierschutz sehr aufgeschlossen, zeigte damals großes Unverständnis: mit den € 8.000 hätte ich viele Hunde aus Serbien retten können, Kuksi hätte ich schmerzfrei euthanisieren müssen. Aber Kuksi ist nicht irgendwer, er ist mein bester Freund. Sein Leben ist einzigartig, viel mehr als jedes Geld wert. Er ist unersetzbar. Und auch für ihn war die Chemotherapie die richtige Wahl. Wir haben den Krebs besiegt und er ist nun bald 10 Jahre alt und hat unzählige glückliche Stunden erlebt.

Nein, weder emotional noch intellektuell kann ich den Tod eines Menschen und eines Tieres grundsätzlich anders bewerten.
Sind der Tod eines Menschen und eines Tieres so anders?

Quelle: hubwen.wordpress.com

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2 Kommentare zu “Sind der Tod eines Menschen und eines Tieres so anders?

  1. das mit dem Hund Kuksi kann ich vollkommen nachvollziehen. Auch wenn ich „nur“ einen Nachbars-„Pflege“hund habe, den ich aber sehr lieb habe. Und er mich auch 😉 kann man auch in meinem Blog einiges drüber lesen.
    Tiere sind Lebewesen, Menschen sind Lebewesen. Mit Herz, Gefühlen, Nervenbahnen, Schmerzempfinden und Freude-Empfinden. Somit sind diese Lebewesen gleich“wertig“. Punkt. Für mich jedenfalls.
    Danke für diesen Beitrag!

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