Essen ist Moralsache

Von Helmut F. Kaplan

Fleisch essen sollte verboten werden!

Politische Bewegungen brauchen klare Ziele. Ein Ziel der Tierrechtsbewegung muß es naheliegenderweise sein, daß die Menschen aufhören, Tiere zu essen. Da mittlerweile feststeht, daß die Menschen nicht freiwillig aufhören werden, Fleisch zu essen, muß es Ziel der Tierrechtsbewegung sein, Fleischessen zu verbieten. Das hat so natürlich noch kaum jemand gesagt, weil solch „radikale“ Forderungen wenig Zustimmung erwarten können. Die Tierrechtsbewegung befindet sich aber in der glücklichen Lage zu wissen, daß die viel harmlosere Forderung nach einem fleischfreien Tag pro Woche auch keinen Anklang findet. Ein generelles Fleischverbot zu verlangen, kann daher „zustimmungstechnisch“ keinen allzugroßen Schaden mehr anrichten. Augenscheinlicher Vorteil einer solch klaren Position: ein Ende der absurden argumentativen Verrenkungen der Art: Wir sind für Tierrechte, aber Essen ist natürlich Privatsache – so wie: Wir sind für Menschenrechte, aber Foltern ist natürlich Privatsache.

Fakten und Vernunft sind sowieso auf der Verbotsseite:

Hunger: Wenn Getreide und Soja nicht direkt, sondern über den Umweg über den Tierkörper konsumiert werden, gehen etwa 90 Prozent der Kalorien verloren. Die Umwandlung pflanzlicher Lebensmittel in Fleisch ist eine gigantische Verschwendung von Nahrungsmittelressourcen.

Umweltzerstörung: Laut FAO, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, werden 18 Prozent der globalen vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen von der Nutztierhaltung verursacht. Der Nutztiersektor erzeugt mehr Treibhausgase als der gesamte weltweite Verkehr.

Krankheit: Zahlreiche Studien belegen, dass der Konsum von Fleisch und anderen tierlichen Produkten negative gesundheitliche Folgen hat. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf Krebs, Herzkreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Und zu all diesen Nachteilen für Menschen kommt das einzigartige Verbrechen an Tieren: Jährlich werden – Fische nicht mitgezählt -über 60 Milliarden Tiere für unsere Ernährung getötet, meist nach einem grauenvollen Leben, meist auf grausame Weise, oft ohne Betäubung.

Gesellschaftliche Veränderungen bedürfen nicht unbedingt gesellschaftlicher Mehrheiten. Immer wieder werden Entscheidungen getroffen, die, wenigstens anfangs, nicht mehrheitsfähig sind. Man denke etwa an die Einführung der Gurtenpflicht, an Minderheitenrechte, die tatsächlich oder angeblich zu Lasten der Mehrheit gehen, oder an die Einführung des Euro. Solche Neuerungen werden entweder „still und leise“ eingeführt oder so lange vor- und aufbereitet, bis sie mehrheitsfähig sind oder zumindest keine allzugroßen Proteste mehr hervorrufen. Demokratie funktioniert zuweilen „undemokratischer“ als angenommen. Solche Korrektive sind notwendig, weil anderenfalls Vernunft und Moral oft auf der Strecke blieben. Nicht umsonst herrscht Einvernehmen darüber, über bestimmte Fragen, etwa die Einführung der Todesstrafe, nicht direkt abstimmen zu lassen.

Quelle: journalistenwatch.com

Helmut F. Kaplan ist Philosoph und Autor. Letzte Buchveröffentlichung: Tierrechte: Wider den Speziesismus, 2016. http://www.tierrechte-kaplan.de

Advertisements

4 Kommentare zu “Essen ist Moralsache

  1. Ein guter Ansatz von Herrn Kaplan. Fleisch verbieten, dies scheint wirklich der einzige Weg zu sein, um die Masse der Menschen davon abzubringen Tiere zu fressen. Mit Vernunft ist bei den meisten nichts auszurichten. Die Dummheit und Ignoranz überwiegt leider. Für dieses Ziel müssen wir gemeinsam kämpfen.

    • Liebe Elke,
      danke für Deine Worte, denen ich nur zustimmen kann. Aber realistisch betrachtet werden Du und ich angesichts unserer speziesistisch verseuchten Politiker und der grossen Masse fleisch(fr)essender Menschen auf diesem verbrecherischen Planeten namens Erde dieses unsererseits gewünschte und herbeigesehnte Fleischverbot wohl kaum noch erleben, was aber nichts daran ändert, das Helmut F. Kaplan den Nagel voll auf den Kopf trifft, denn mit Appellen an die „Vernunft“ der vielen egoistischen und empathielosen Fleischkonsumten werden wir für die jährlich über 60 Milliarden grausamst ermordeten Tiere und deren Rechte auf Leben und Freiheit nicht sonderlich viel bewirken und erreichen.
      Liebe Grüsse – Wolfgang

      • Lieber Wolfgang,
        leider hast du recht damit, dass wir Beide es nicht mehr erleben werden. Aber wenn die verbrecherischen Politiker merken, dass dies der einzig mögliche Versuch ist unseren Planeten vielleicht doch noch zum Teil zu retten, werden sie möglicherweise dieses Verbot aussprechen. Es ist ja auch so, dass die meisten dieser Marionetten Kinder haben und sie für diese Kinder noch einen Rettungsversuch unternehmen werden. Wahrscheinlich wird es jedoch zu spät sein. Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

      • Liebe Elke,
        das sehe ich auch so: Erst wenn die Politiker und Regierungen der Welt merken und feststellen, dass unser Planet Erde aufgrund der menschlichen Verbrechen gegenüber der Tierwelt, Umwelt und Natur wie die Titanic dem Untergang geweiht ist, werden sie aufwachen und versuchen zu retten, was eben noch zu retten ist – falls es dazu nicht schon längst zu spät sein sollte.
        LG – Wolfgang

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s