Gesetzesverstöße erhöhen Gewinn: NDR Onlinespiel empört Bauern

Der NDR schreibt zu diesem Spiel: „Tierschutz kostet Geld. Deshalb stehen Landwirte oft vor schwierigen Entscheidungen: Mehr Platz für die Tiere? Stroh als Einstreu? Besseres Futter? Oder sparen sie lieber, um ihren Gewinn zu steigern oder schlicht, um nicht pleite zu gehen?“

Das Spiel ist „hier im Internet“ aufrufbar. Es gibt zwei Varianten, die man kurz durchspielen kann: entweder als Schweine- oder als Rinderhalter.  Ob man nun als Schweine – oder Rinderhalter die gesetzlichen Bestimmungen durchspielt: man hat ein Einkommen, kann allerdings keine Reichtümer anhäufen. Setzt sich der Spieler allzusehr für das Tierwohl ein, muss er  dafür erhebliche finanzielle Mittel aufbringen. Handelt der Spieler hingegen illegal, wird er von Kontrolleuren (leider nur im Spiel und weniger in der Realität) sanktioniert.

Sehr empört reagierte der Bauernverband Schleswig-Holstein auf das Spiel: „Mit billigster Stimmungsmache schiebt der NDR den Bauern im Norden Geldgier, Tierquälerei und Panscherei unter“, so der Verband in einer ersten Reaktion auf Facebook.

Hier noch einige Screenshots aus dem Spiel:

Essen ist Moralsache

Von Helmut F. Kaplan

Fleisch essen sollte verboten werden!

Politische Bewegungen brauchen klare Ziele. Ein Ziel der Tierrechtsbewegung muß es naheliegenderweise sein, daß die Menschen aufhören, Tiere zu essen. Da mittlerweile feststeht, daß die Menschen nicht freiwillig aufhören werden, Fleisch zu essen, muß es Ziel der Tierrechtsbewegung sein, Fleischessen zu verbieten. Das hat so natürlich noch kaum jemand gesagt, weil solch „radikale“ Forderungen wenig Zustimmung erwarten können. Die Tierrechtsbewegung befindet sich aber in der glücklichen Lage zu wissen, daß die viel harmlosere Forderung nach einem fleischfreien Tag pro Woche auch keinen Anklang findet. Ein generelles Fleischverbot zu verlangen, kann daher „zustimmungstechnisch“ keinen allzugroßen Schaden mehr anrichten. Augenscheinlicher Vorteil einer solch klaren Position: ein Ende der absurden argumentativen Verrenkungen der Art: Wir sind für Tierrechte, aber Essen ist natürlich Privatsache – so wie: Wir sind für Menschenrechte, aber Foltern ist natürlich Privatsache.

Fakten und Vernunft sind sowieso auf der Verbotsseite:

Hunger: Wenn Getreide und Soja nicht direkt, sondern über den Umweg über den Tierkörper konsumiert werden, gehen etwa 90 Prozent der Kalorien verloren. Die Umwandlung pflanzlicher Lebensmittel in Fleisch ist eine gigantische Verschwendung von Nahrungsmittelressourcen.

Umweltzerstörung: Laut FAO, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, werden 18 Prozent der globalen vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen von der Nutztierhaltung verursacht. Der Nutztiersektor erzeugt mehr Treibhausgase als der gesamte weltweite Verkehr.

Krankheit: Zahlreiche Studien belegen, dass der Konsum von Fleisch und anderen tierlichen Produkten negative gesundheitliche Folgen hat. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf Krebs, Herzkreislauf-Erkrankungen und Diabetes. Und zu all diesen Nachteilen für Menschen kommt das einzigartige Verbrechen an Tieren: Jährlich werden – Fische nicht mitgezählt -über 60 Milliarden Tiere für unsere Ernährung getötet, meist nach einem grauenvollen Leben, meist auf grausame Weise, oft ohne Betäubung.

Gesellschaftliche Veränderungen bedürfen nicht unbedingt gesellschaftlicher Mehrheiten. Immer wieder werden Entscheidungen getroffen, die, wenigstens anfangs, nicht mehrheitsfähig sind. Man denke etwa an die Einführung der Gurtenpflicht, an Minderheitenrechte, die tatsächlich oder angeblich zu Lasten der Mehrheit gehen, oder an die Einführung des Euro. Solche Neuerungen werden entweder „still und leise“ eingeführt oder so lange vor- und aufbereitet, bis sie mehrheitsfähig sind oder zumindest keine allzugroßen Proteste mehr hervorrufen. Demokratie funktioniert zuweilen „undemokratischer“ als angenommen. Solche Korrektive sind notwendig, weil anderenfalls Vernunft und Moral oft auf der Strecke blieben. Nicht umsonst herrscht Einvernehmen darüber, über bestimmte Fragen, etwa die Einführung der Todesstrafe, nicht direkt abstimmen zu lassen.

Quelle: journalistenwatch.com

Helmut F. Kaplan ist Philosoph und Autor. Letzte Buchveröffentlichung: Tierrechte: Wider den Speziesismus, 2016. http://www.tierrechte-kaplan.de