Wichtige Klarstellungen zum Schächten

Von pro-iure-animalis.de

Liebe Freunde der Tiere,

Schächten ist eine der grausamsten Methoden, ein Tier zu töten. Vorgebliche Begründung für die Notwendigkeit des Schächtens sind Religionsvorschriften im Alten Testament, auf die sich die monotheistischen Religionen ganz oder teilweise berufen.
Für den modernen, aufgeklärten, wissensorientierten Menschen ist es jedoch in heutiger Zeit eine Frage seiner freien und kritischen Vernunft, seiner Moral und seines ethischen Anspruchs, derartige Anweisungen und Vorschriften auf Notwendigkeit und Wahrheitsgehalt skeptisch zu hinterfragen, statt eine gedankenlose Befolgung fortzusetzen, eine Befolgung, die unermessliches Leid in der Tierwelt produziert.

Kontext Altes Testament

Schauen wir zunächst in den Kontext der Quellen. Die Quellen verweisen auf angebliche Gottesvorschriften aus einer Zeit, die bis zu 2800 Jahre zurückliegt und welche die Sitten und Gebräuche der Vorantike wiederspiegeln. Es sind Aufrufe und Befehle, die Brutalität, Genozid und Mord gegenüber Mensch und Tier als Gottesauftrag fordern. Diese archaisch-brutalen Vorschriften befolgt man heute so gut wie nicht mehr, da diesem abstrusen Treiben die weltliche Gesetzgebung inzwischen einen Riegel vorgeschoben hat, mit der schrecklichen Ausnahme, dass die Tötungsforderungen immer noch mit rigider Konsequenz gegenüber der wehr- und rechtlosen Tierwelt umgesetzt werden und weiterhin zum Glaubensritual gehören.

Damit Sie sich gezielt einmal über die Brutalität der „heiligen“ Vorschriften informieren können, haben wir eine Zusammenstellung aus den ersten Büchern der Bibel erstellt, die Grausamkeiten gegen den Mensch fordern:

http://www.pro-iure-animalis.de/index.php?option=com_content&task=view&id=1022&Itemid=54

Urteilen Sie also selbst, mit welcher Begründung diese „Gottesbefehle“ nicht mehr vollzogen werden, die irrsinnigen Metzeleien jedoch gegen die Wehrlosesten, gegen die Tierwelt, beibehalten werden.

Kontext Philosophie

Verlassen wir das Alte Testament und schauen, was Immanuel Kant – neben Platon wohl der bedeutendste Philosoph – zu Befolgung von Glaubensvorschriften in seinem Werk “Die Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft“ hervorgehoben hat.

„Der Wahn, durch religiöse Handlungen des Kultus etwas in Ansehung der Rechtfertigung vor Gott auszurichten, ist der religiöse Aberglaube sowie der Wahn, diese durch Bestrebung zu einem vermeintlichen Umgang mit Gott bewirken zu wollen, die religiöse Schwärmerei. Es ist abergläubischer Wahn, durch Handlungen, die ein jeder Mensch tun kann ohne dass er eben ein guter Mensch sein darf, Gott wohlgefällig werden zu wollen … Alles, was außer dem guten Lebenswandel der Mensch noch tun zu können meint um Gott wohlgefällig zu werden, ist bloßer Religionswahn und Afterdienst Gottes.“

Kontext Psyche

Aber nicht nur die Philosophie, sondern auch die Psychoanalyse hat zur Befolgung von Religionsvorschriften eine dezidierte Meinung. Siegmund Freud  scheibt in seinem Traktat „Die Zukunft einer Illusion“ folgende Sätze:

„Wenn  es sich um Fragen der Religion handelt, machen sich die Menschen aller möglichen Unaufrichtigkeiten und intellektuellen Unarten schuldig … Wer sich einmal dazu gebracht hat, all die Absurditäten, die die religiösen Lehren ihm zutragen, ohne Kritik hin zu nehmen und selbst die Widersprüche zwischen ihnen zu übersehen, dessen Denkschwäche braucht uns nicht arg zu verwundern … Diese, die sich als Lehrsätze ausgeben, sind nicht Niederschläge der Erfahrung oder Endresultate des Denkens, es sind Illusionen … Für die Illusion bleibt charakteristisch die Ableitung aus menschlichen Wünschen, sie nähert sich in dieser Beziehung der psychiatrischen Wahnidee … Es ist wiederholt darauf hingewiesen worden, bis in welche Einzelheiten sich die Analogie der Religion mit einer Zwangsneurose verfolgen, wieviel von den Sonderheiten und den Schicksalen der Religionsbildung sich auf diesem Weg verstehen lässt.“

Fazit

Es sind nur die wenigsten Menschen, die am Baum der Vorurteile und Glaubenswelten rütteln, aber es ist unbestreitbar ein Verbrechen, eine Glaubensvorstellung dargestellter Art – wie schauerlich weht uns dies alles, wie aus dem Grabe uralter Vergangenheit an! Sollte man glauben, daß so etwas noch geglaubt wird? (Friedrich Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches, 113) – über das Leben und Leiden real existierender Lebewesen zu stellen, das Recht auf freie Berufsausübung über Qual, Schmerz und Angst von Tieren zu stellen, die dem Menschen in seiner Leidensfähigkeit in nichts nachstehen.

Ein Staat, ein Mensch, der Phantasiewelten höher bewertet als das Leid in der Realität, hat sich moralisch diskreditiert, tritt alle menschlichen Werte und Wertvorstellungen in den Dreck des Profits, des eigenen Vorteils – er hat sich zum moralischen Paria zurückentwickelt. Solange Ehrfurcht vor dem Leben nur Ehrfurcht vor Menschenleben beinhaltet, ist jeder Humanismus grotesk und wertlos.

Es kommt aber noch die zweite Komponente hinzu. Innerhalb der Glaubensvorschriften werden die absurdesten Anweisungen, den Menschen betreffend, ausgeblendet und nicht befolgt. Mag es noch bei jedem einzelnen ein Privatvergnügen sein, sich an Kleidungs-, Waschungs- und Ernährungsvorschriften zu halten, die Tausende von Jahren zurückliegen, mag er diese Regeln zur Befriedigung seiner eigenen geistigen Sklaverei bis zum Exzess befolgen; er behindert und stört damit niemanden.

Kein Privatvergnügen ist es hingegen, wenn so konsequent, wie die menschbezogenen  Anordnungen der Todesbefehle in den „heiligen Schriften“ nicht befolgt werden, genauso konsequent Todesbefehle, welche die wehrlose Tierwelt betreffen, ausgeführt werden. Wir stehen vor einem sittlichen Skandal, einer ethischen Unredlichkeit erster Güte, einem moralischen Verbrechen.

Herzliche Grüße
für pro iure animalis
Dr. Gunter Bleibohm und Harald Hoos

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Wort zum Sonntag

A r t e n s t e r b e n :

Tierarten sterben mit rasender Geschwindigkeit aus, Pflanzenarten sterben mit rasender Geschwindigkeit aus. Die Menschheit wächst mit rasender Geschwindigkeit und frisst sich in den Raum der ausgestorbenen Arten. Aber wer vermisst überhaupt ausgestorbene, vernichtete Arten?

Arten, von denen uns unsere philosophische Überzeugung doch lehrt, dass all das, was nicht existiert, auch nicht leiden kann. Nur das Erinnerungsvermögen des Menschen, das sich beim Blättern in den Büchern der Historie auf vergangene Vielfalt besinnt, denkt an vernichtete Arten zurück – aber emotionslos, sowenig wie das Fehlen der Saurier heute bedauert wird. Man ist soweit im Denken, im Fühlen und Empfinden verkommen, dass die eigene Art als ausreichende Vielfalt genommen wird.

Was wird in Zukunft sein? Die Menschheit wird in kurzer Zeit sich selber allein auf einer zementierten Erde gegenüberstehen und alle Gnadenlosigkeit und Brutalität am eigenen Leib erleben, nämlich die gleiche Brutalität, mit der die Vielfalt des Lebens der Hybris der menschlichen Dummheit geopfert wurde. Die Natur hat sich aber in Wartestellung zurückgezogen und beobachtet mit kosmischem Gelächter den Untergang einer Mörderspezies, die eigene Versklavung der Krone der Idiotie. Der Mensch als Witz der Evolution, als schlechte Komödie auf der Bühne des Universums – so wird es im Feuilleton der Götter zu lesen sein.
Dr. Gunter Bleibohm

M e d u s a :

Waldbrände von der Größe Deutschlands toben wochenlang in Russland, katastrophale Überschwemmung und Erdrutsche suchen China, Pakistan und Indien heim, im Golf von Mexiko ereignete sich die größte Ölpest aller Zeiten, in deren Folge vielfältiges Leben noch in den nächsten Jahren an Sauerstoffmangel zugrunde gehen wird, die Zeitungen sprechen von einigen Tausend menschlichen Todesopfern, die Millionen getöteter Tiere sind keinen Nebensatz in Zeitungen und Nachrichten wert. Kann die Vernichtungsmoral und Gleichgültigkeit des homo extinctor, des globalen Lebenszerstörers, treffender charakterisiert werden?

Der Mensch irrt gewaltig, wenn er sich in falscher Sicherheit wähnt, er hat nur noch nicht gemerkt, dass die Notwehr des Planeten begonnen hat, dass Auge um Auge, Zahn um Zahn nicht mehr vor ihm halt machen werden, dass der Krake der Vernichtung begonnen hat, seine Tentakeln in Richtung Menschheit auszustrecken. Medusa  wendet ihm bereits ihr Haupt zu, ihr Blick versteinert alles, was sie sieht. Die Rückkehr in den ewigen Frieden des Mineralischen hat begonnen.
Dr. Gunter Bleibohm

S u p e r m a r k t :

In der Kleinstadt wird noch ein vierter Supermarkt gebaut, genauso überflüssig wie schon der Dritte. Gemeinderat und ökologische Vernunft sind unvereinbare Begriffe in diesem Städtchen, hingegen harmoniert Gemeinderat mit kleinbürgerlichem Geltungswahn perfekt. Für den Supermarkt wird ein Baugelände erschlossen, das seit Anbeginn der Zeit der Natur gehörte. Brombeerhecken boten Kaninchen und Vögeln Schutz, wilde Blumen erfreuten den Spaziergänger und dienten Bienen und Schmetterlingen als Nahrung.

Eines Morgens ist alles vorbei. Bagger planieren das Gelände, statt Gräser wächst der Supermarkt jetzt in den trüben Himmel. Kaninchen, Vögel, Bienen und Schmetterlinge sind vertrieben, Blumen und Büsche sind vernichtet – der Tod hat sich ausgebreitet, zahlreiche Lebenswelten sind spurlos verschwunden und für immer vertrieben.

Könnte man noch über ökologische Dummheit und ökonomische Unkenntnis kopfschüttelnd hinwegsehen, treibt den Denker ein anderer Umstand in die Revolte. Der Umstand nämlich, dass für einen vermeintlich momentanen Vorteil nur begrenzt vorhandene Natur unwiederbringlich zerstört wird, der Umstand, dass derartige Gimpel nicht nur heutiges Leben vernichten, sondern selbst ihren Kindern Lebensraum vorenthalten und der Umstand, dass diesen Denkzwergen sogar das geringste Gespür für ihr schändliches Tun fehlt. Sie fühlen sich in ihrer Beschränktheit großartig, sind voller Stolz auf das Vollbrachte und merken nicht, dass sie Totengräber künftigen Lebens sind; aus der Selbstzufriedenheit und Froschperspektive der Biedermänner dieser Welt wachsen die Metastasen des Untergangkarzinoms.
Dr. Gunter Bleibohm

F u r c h t :

Die Furcht vor meinen eigenen Zukunftsprognosen, vor meinen Visionen zur Veränderung der Welt, lähmt mich immer mehr. Alles was ich beobachte, was ich lese, alles was an Ereignissen eintritt, bestätigt die Voraussagen, ereignet sich täglich, immer schneller, immer brutaler. Es ist das Erschrecken über mich selbst, den großen Ablauf so konkret erkannt zu haben, das Erschrecken über mein Rechthaben.

Dabei hätte ich mir sehnlichst gewünscht, unrecht gehabt zu haben. Nicht für die Menschheit, aber für die Natur.
Dr. Gunter Bleibohm

Religionskritische Zitate :

Gott ist das einzige Wesen, das, um zu herrschen, noch nicht einmal existieren muss.
(Charles Baudelaire, frz. Schriftsteller, 1821-1867)

Messgewänder sind das Kostüm der Narren am Himmlischen Hof.
(Ambrose Bierce, am. Schriftsteller, 1842-1914)

Ein Blutstrom fließt durch achtzehn Jahrhunderte, und an seinen Ufern wohnt das Christentum.
(Ludwig Börne, dt. Schriftsteller, 1786-1837)

Die Bibel – und zwar nicht nur das Alte, sondern auch das Neue Testament – ist in zentralen Teilen ein gewalttätig-inhumanes Buch, als Grundlage einer heute verantwortbaren Ethik ungeeignet.
(Franz Buggle, dt. Psychologe, 1933-2011)

Welch primitive Mythologie, dass ein menschgewordenes Gotteswesen durch sein Blut die Sünden der Menschheit sühnt!
(Rudolf Bultmann, dt. Theologe, 1884-1976)