Brief eines superreichen Plutokraten an den Pöbel (Teil 1)

Foto: newstopaktuell.wordpress.com

 „Sehr geehrte Damen und Herren

Es wird Zeit, dass ich ihnen mal schreibe. Jemand hat kürzlich einen offenen Brief an uns alle geschrieben, weil er „Mistgabeln am Horizont“ sah. Dieser offene Brief wurde von vielen von ihnen gern gelesen, weshalb es Zeit ist, dass sie mal eine passende Antwort von mir bekommen.

Gerne würde ich mich auch persönlich vorstellen, doch glauben sie mir: mein Name wird ihnen gar nichts sagen. Wie alle meine Kollegen stehe ich nicht auf der Forbes-Liste, weil sich da sowieso nur billige Möchtegernreiche tummeln – so etwas ist unter unserer Würde. Ich stehe auch nicht im Telefonbuch oder tummel mich auf Bilderbergtreffen oder Weltwirtschaftsgipfeln. Der Konzerneigentümer geht schließlich auch nicht zum Skatabend des mittleren Managements. Eins möchte ich jedoch sagen: wir stehen für altes Geld. Sehr altes Geld – und mehr davon, als sich Bill Gates je träumen lassen würde, obwohl (soviel Respekt muss sein): der hat schon ganz schön viel angeschafft, dass muss man ihm lassen.

Wieviel das insgesamt ist? Nun – wir haben mehr Geld, als es Waren auf der Welt gibt. Wir könnten den ganzen Planeten kaufen, so groß sind unsere Kontostände.
Soviel Geld hat eigentlich keinen Sinn mehr, weil es an sich seinen Wert verliert – doch was macht das schon?! Wir haben dafür gesorgt, dass ohne Geld auf diesem Planeten nichts mehr läuft. Essen, wohnen, heizen, trinken – alles kostet Geld. Sogar „Staatsbürgerschaft“ an sich kostet ein Vermögen – deshalb haben wir auch keine. Ach – das war neu für Sie? Nein – wir sind keine „Staatsbürger“. WIR stellen das oberste Tausendstel der Vermögenspyramide dar. Wir sind staatenlos, weil wir dann keine Steuern zahlen brauchen. Super, oder!?

Wir leben auf großen Yachten, mit Pool, Sauna, Speedbootbuchten und Hubschrauberlandeplätzen. Wir leben in eigenen Flugzeugen und tausenden Nobelhotels, deren Zimmer am Tag doppelt soviel kosten, wie ein Arbeitsloser im Monat von uns bekommt. Von uns? Ja – sagte ich nicht, dass wir die Herren des Geldes sind? Wir machen die Preise – eine angenehme Art, reich zu werden. So wachsen unsere Vermögen fast dreimal so schnell wie das Bruttosozialprodukt der ganzen Welt – Sie können selbst ausrechnen, wann uns de facto der ganze Planet gehört. Natürlich machen wir nichts selbst, denn Arbeit macht krank, nicht reich. Deshalb mögen wir das Pyramidensymbol so gern, schon seit tausenden von Jahren. Oben an der Spitze sind wir, unter uns eine millionenstarke Millionärskaste, die hunderte Millionen geistlose „Leistungsträger“ steuern, die wiederum den Rest der Welt auf Kurs halten.

„Der klassische „Bildungsbürger“ wird langsam durch ein akademisch zertifiziertes, aber intellektuell desinteressiertes Diplom-Proletariat aus Ärzten, Juristen, Lehrern, Bankern und Ingenieuren abgelöst.“ „In solchen Runden wird nicht mehr deklamiert, propagiert, agitiert, musiziert, rezitiert und aus zu großen Flaschen zu schlechter Rotwein getrunken.“ „Stattdessen ergeht man sich in der Kommentierung der unmittelbaren Gegenwart: grosse Pfeffermühlen, der perfekte Garzeitpunkt des Fleisches, Herkunft und ideale Röstung von Kaffee, der Preis der Weinflasche, die neueste Sorte Himalajasalz.“ Vorbei sollen die Zeiten sein, in denen „Bildungsbürger“ Widerstand planen.

Deshalb haben wir den Yuppie eingeführt – demonstrativ brave, gehorsame, geistlose blutjunge Knechte mit Millionen überschüttet – deshalb haben wir eigene Bands geschaffen, eigene Musikrichtungen entwickelt und eine Armee von Unternehmensberatern finanziert, die unseren Willen in die Chefetagen der Firmen hineintragen, damit die Mitarbeiter die neuen Werte in die Familien bringen – flankiert vom Diplom-Proletariat, das wir nach den Studentenunruhen schnellstens auf Kurs gebracht haben – in dem wir aus jungen Studenten reiche Berater mit Ferrari machten, während der Professor noch einen alten VW-Bus fuhr.

Nicht Leistung sondern Gehorsam unserer Kultur gegenüber, der Kultur des Mammonismus sind bis heute ausschlaggebend für führende Posten in Wirtschaft, Politik und anderen bekannten Sparten des Schwerverbrechens. Dafür haben wir gesorgt mit einem ganz einfachen Trick: Wir geben den Spitzen ein paar Millionen, sorgen dafür, dass sie sich für die Größten halten – und wir können in Ruhe unseren Geschäften nachgehen. Kennen Sie das Pyramidensymbol auf dem alten US-Dollar? Ein Auge an der Spitze der Pyramide: das sind wir.

Nur wir und unsere Spitzenkräfte sehen, dass wir das alte Pharaonenreich wieder errichten – mit uns als allsehende Gottkönige an der Spitze, als die einzigen, die wissen, wie das Spiel läuft. Die anderen dürfen mit ihrer Lebenskraft an der Pyramide bauen und werden von ihrem puren Gewicht zerquetscht – je weiter unten sie sind, umso mehr haben sie zu tragen. War das alles? Nein. Wir haben noch viel mehr getan. Anders als sie sind wir nicht blöd! Wir können uns die klügsten Menschen der Welt einfach kaufen. Wir brauchen noch nicht mal selber zu denken.

So haben wir dafür gesorgt, dass sie sich von Lügenmedien hervorragend informiert fühlen – dabei bekommen sie nur in schneller Reihenfolge Desinformationshäppchen geliefert, die sie ohne Hintergrundwissen gar nicht mehr zu einem Gesamtbild zusammenfügen können – und noch bevor sie auch nur Luft holen können, bekommen sie schon die nächste Falschinformationsdusche. Es bräuchte schon lange den Beruf des Nachrichtenlotsen, der den ganzen Tag alle Kanäle kontrolliert, um die Puzzelteile zusammenzufügen – doch den Job gibt es nicht bei ihnen.

Stattdessen haben wir ihnen acht Millionen Aufseher verpasst, die genau darauf achten, was und wie Sie essen, was und wie Sie trinken, worüber sie sich amüsieren und das sie das auch oft genug am Tag tun. Aufseher? Haben Sie noch nie gehört, oder!? Was meinen sie, warum wir aus ungebildeten Schnöseln beliebte Moderatoren machen – oder beliebte Fußballstars, die wir nach dem gezielten Aufbau mit Geld zu Führerpersönlichkeiten für den kleinen Mann machen und sie regelmäßig auch zu politischen Themen befragen um so IHRE Meinung zu bilden?!

So kommt es, dass sechzig Prozent der Deutschen (immerhin 48 Millionen Menschen) nicht mehr an Recht und Ordnung im Lande glauben, keinen Krieg mit Russland oder für unseren Reichtum vorteilhafte Handelsabkommen wollen, aber völlig hilflos sind. Hunderttausend meinen: einer alleine kann nichts ändern? Richtig! Selbst 48 Millionen alleine können nichts ändern.

Fortsetzung heute Nachmittag …….

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