Null Toleranz für Tierquäler

Veröffentlicht am 20. April 2017 von Tierschützerin Bettina Schneider

Wer sich im Tierschutz engagiert, macht früher oder später unliebsame Bekanntschaft mit so ziemlich jeder perversen Abart menschlicher Grausamkeit und was  mich angeht, hat diese Arbeit mein Menschenbild dramatisch verändert. Ich finde, es gibt eindeutig zu viele Menschen, die die Welt in keinster Weise benötigt. Was sie sich alles einfallen lassen, um Tiere zu foltern, zu verstümmeln oder zu erniedrigen lässt Dantes Inferno dagegen wie eine kuschlige Gute Nacht Geschichte erscheinen und weckt in mir Gefühle, die mich selbst als Serienmörder enden ließen, wenn ich ihnen nachgeben würde.

Da dies keine so erstrebenswerte Option ist,  versuche ich stattdessen also zu verstehen was passieren muss, damit sich ein Mensch zum Monster entwickelt, denn nur mit Gleichgültigkeit und Dummheit ist die Neigung zu sadistischen Handlungen nicht erklärbar. Gleichgültigkeit, Dummheit und Profitgier ist die eine Seite der Medaille im Tierschutz, gegen die man aktiv ankämpfen kann und teilweise erfreuliche Erfolge erzielt.

Anders bei Gewalttaten gegen Tiere. Sie werden schon seit langem als Indikator für eine ernste Erkrankung der Psyche angesehen, die bei weitem nicht nur auf Tiere beschränkt ist. ..und das macht sie so gefährlich!

„Für jeden, der sich einmal daran gewöhnt hat, das Leben irgendeines Lebewesens als lebensunwürdig anzusehen, besteht die Gefahr, dass er eines Tages auch zu dem Schluss kommt, menschliches Leben sei wertlos“, schrieb der Humanist Albert Schweitzer.

Robert K. Ressler, der Profile über Serienmörder für das FBI erstellte, formulierte es konkreter: „Mörder […] beginnen ihre zweifelhafte Karriere oft damit, als Kinder Tiere zu töten oder zu quälen.“

Immer mehr Studien belegen, dass Gewalttaten gegen Tiere von Gerichten ernst genommen werden müssen. Gerade wiederholte Tierquälerei ist ein wichtiges Alarmsignal und kann auf eine schwere psychische Störung des Täters hindeuten, auch auf die Möglichkeit, dass er diese Gewalt irgendwann gegen Menschen richten wird.

Es gibt mittlerweile Studien die belegen, dass Täter, die in der Kindheit oder Jugend Tiere gequält haben, mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auch Gewaltbereitschaft gegenüber Menschen zeigen. Bei den Fällen, wo Kinder und Jugendliche ersichtlich Freude daran haben, Tiere zu quälen, ist es besonders offensichtlich. Hierbei handelt es sich um eine Art von Sadismus, der auch sexuell motiviert sein kann, und therapeutische Hilfe ist unbedingt notwendig. (Mir würde neben „therapeutischer Hilfe“ auch noch die ein oder andere Maßnahme einfallen, aber auch die würde mich ins Gefängnis bringen!)

Wenn unsere Justiz auch dem Leid der Tiere noch relativ unbeeindruckt gegenüber tritt und die Urteile enttäuschend milde ausfallen, wenn ein Täter doch einmal gefasst und strafrechtlich verfolgt wird, Fakt ist:

Eine Studie an psychisch kranken Menschen, die wiederholt Hunde und Katzen gequält hatten, zeigte auf, dass alle Probanden auch ein hohes Maß an Aggression gegen Menschen aufwiesen. Für Wissenschaftler zieht sich die von der Tierquälerei ausgehende Faszination wie ein roter Faden durch das Leben von Serienvergewaltigern und Mördern.

Dafür gibt es zahlreiche Beispiele:

Alle sind in ihrer Grausamkeit schwer zu verkraften, aber es sind mittlerweile fast schon „alltägliche“ Schilderungen, die jeden Tag in der ein oder anderen Abwandlung auf meinem Schreibtisch landen, weil um Hilfe für die medizinische Versorgung der Tiere gebeten wird, die solche Martyrien überlebten und nun wieder zusammengeflickt werden müssen oder OPs benötigen.

Patrick Sherrill, der 14 Postangestellte umbrachte und sich dann selbst erschoss, war bereits dafür bekannt, „Haustiere“ zu stehlen und dann seinen Hund auf sie zu hetzen.

Earl Kenneth Shriner, der einen 7-jährigen Jungen vergewaltigte, erstach und verstümmelte, war in der Nachbarschaft bekannt dafür, Hunden Feuerwerkskörper in den After zu stecken und Katzen zu erhängen.

Brenda Spencer, die in einer Schule in San Diego mit einem halbautomatischen Gewehr den Schulleiter und den Hausmeister tötete und neun weitere Menschen verletzte, hatte wiederholt Hunde und Katzen gequält. In mehreren Fällen hatte sie den Tieren die Schwänze angezündet.

Albert DeSalvo, der „Würger von Boston“, der 13 Frauen tötete, fing in seiner Jugend Hunde und Katzen in Orangenkisten und beschoss sie mit Pfeilen. (10)

Carroll Edward Cole, der für 5 der 35 Morde, derer er angeklagt war, exekutiert wurde, gab an, dass seine erste Gewalttat als Kind darin bestanden habe, einen Welpen zu erwürgen.

1987 wurden drei High School-Schüler im US-Bundesstaat Missouri angeklagt, einen Klassenkameraden erschlagen zu haben. Auch sie waren bereits seit Jahren für wiederholte Fälle von Tierverstümmelungen bekannt. Einer der Täter gab zu, er habe schon so viele Katzen umgebracht, dass er sie nicht mehr zählen könne.

Zwei Brüder, die ihre Eltern umbrachten, hatten zuvor ihren Klassenkameraden erzählt, sie hätten eine Katze geköpft.

Der Serienmörder Jeffrey Dahmer spießte Hundeköpfe, Frösche und Katzen auf.

Wie die Anthropologin Margaret Mead einmal kritisch anmerkte: „Eines der gefährlichsten Dinge, die einem Kind passieren können, ist es, ein Tier zu quälen oder zu töten und dabei ungeschoren davonzukommen.“

Da sich häuslicher Missbrauch immer gegen Schwächere richtet, gehen Tier- und Kindesmissbrauch oft Hand in Hand. Eltern, die die Bedürfnisse eines Tieres ignorieren oder Tiere quälen, neigen dazu, dies auch auf ihre Kinder zu übertragen.
Doch nicht nur, wenn Eltern Tiere quälen, sollten alle Alarmglocken klingen. Kinder, die Tiere quälen, wiederholen damit oft nur, was sie zuhause gelernt haben. Und ihre Gewalt richtet sich gegen das einzige Mitglied ihrer Familie, das noch schwächer ist als sie selbst: ein „Haustier“.

Eine Gesellschaft die Tierquälerei vor Gericht als „geringfügige“ Delikte einstuft, ignoriert damit eine Zeitbombe.

Behörden und Gerichte sollten Tierquälerei mit aller Härte bestrafen, die beteiligten Familien auf weitere Anzeichen von Gewalt untersuchen und eine intensive Beratung für Straftäter fordern.

(Quelle http://www.peta.de/staatsanwalt)

Ich kann das Abrutschen der Gesellschaft in einen immer heftigeren Strudel aus Gewalt und Perversion gegenüber den Schwächsten leider nicht aufhalten. Aber ich kann meinen Zorn und die Abscheu über solche Verbrechen in positive Energie umwandeln und zumindest ein klein wenig dafür sorgen, dass die Überlebenden solcher Torturen eine Chance erhalten, um wieder gesund zu werden und ein lebenswertes Katzen- oder Hundeleben führen zu dürfen. Es gelingt sehr oft und die Bilder der glücklichen Tiere in ihrem neuen Zuhause, wo sie Liebe und Geborgenheit erfahren dürfen, diese Bilder sind der Treibstoff für meine Arbeit…

Iron, Powder und Hope…die mir alle drei sehr am Herzen liegen, werden gerade bei SCARS Griechenland gesund gepflegt, zumindest, soweit das möglich ist. Sie werden die Erinnerung an ihre Begegnung mit Sadisten, die Spuren der Vernachlässigung und des Hungers immer als Narben am Körper tragen. Iron wird immer hinken und ohne Schwanz bleiben, Powder wird sich wohl nie ganz von den Strapazen und den Entbehrungen auf der Straße erholen und Hope bleibt wahrscheinlich taub und in der Motorik behindert, sein Köpfchen wurde zig mal mit voller Wucht gegen eine Betonwand geschlagen.

Ich bin den wunderbaren Menschen von SCARS unendlich dankbar, dass sie sich gerade um solche Tiere kümmern und hoffe inständigst, alle Schützlinge werden überleben. Wer diese Arbeit unterstützen möchte kann hier überweisen. Die Tierarztrechnungen sind immens, aber die Erfolge ebenfalls.

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Quelle: guteskarmatogoblog.wordpress.com