Wort zum Sonntag

W ü r d e :

Der einzige Ort, an dem man redlicherweise das obszön gewordene Wort von der Würde des Menschen, von der Würde des Lebens generell, heute noch schreiben darf, ist unter die Schuhsohle. Dort, und nur dort, wird dieses missbrauchte Wort mit jedem Schritt im Dreck zertreten.

K l u f t :

Menschenrecht und Menschenwürde sind nebulöse, spukhafte Gebilde, die ihren Ursprung nicht verleugnen können. Sie sind ein Höllenextrakt aus der Alchimistenküche des Humanismus, ein magisches Elixier, das in Maßen genossen heilsam wirken kann, übermäßig dosiert hingegen  tödlich wirkt.
Es ist eine Ideologie, welche die Überheblichkeit religiöser Weltbilder, nämlich die der menschlichen Sonderstellung in der Welt, in das profane Tagesgeschehen transformiert. Zu den tragenden Säulen heutiger Weltsicht wurde Speziesismus und Anthropozentrismus auserkoren, beides Denkmuster, welche die höchste Lebensverachtung der nicht-menschlichen Welt gegenüber durchgesetzt und manifestiert haben.

Allein durch die Wortwahl Menschenrecht und Menschenwürde wird die Kluft zu anderen Lebensformen unüberbrückbar aufgerissen, Recht und Würde stillschweigend exklusiv für den Menschen reserviert und nicht-menschlichen Lebensformen kaum zugestanden oder gar völlig abgesprochen. Alle Träger menschlicher Gene – unabhängig von ihren Denk – und Verhaltensweisen – genießen demgegenüber den Schutzstatus von Menschenrecht und Menschenwürde, durch welchen sie in der Wertescala aller Lebewesen nachweislich immer im höheren Rang stehen als alle Leiden, welche die Menschheit andersartigen Wesen und der Biosphäre insgesamt zufügt. Tierversuche sind nur eins der üblen Resultate aus dieser künstlich erzeugten Kluft der Rechte, sind das Ergebnis aus dem gezielten Missbrauch des Begriffes Würde.

Menschenrecht und Menschenwürde sind zu Markenzeichen eines international streng geschützten Gutes mutiert, welches für das reibungslose Funktionieren der humanoiden Naturvernichtungsmaschinerie unverzichtbar ist. Die Maschinerie bezieht ihre Energie aus den Großkraftwerken von Wirtschaft, Presse, Religion und Politik, die Energie selbst wird jedoch gefördert in den tiefen, dunklen Stollen der Gedankenbergwerke menschlicher Dummheit.

W u n s c h :

Wäre es nicht das wunderbarste Geschenk für die gesamte Natur, wenn eines Morgens alle männlichen Angehörigen der menschlichen Rasse aufwachten und feststellen müssten, dass sie in dieser Nacht unfruchtbar geworden sind?

Z u s a m m e n h a n g :

Das Ende allen Seins, der Übergang zum rechtlosen Vegetieren jeglichen Lebens, ist weder eine Frage der Religion noch der Philosophie, sondern schlicht und ergreifend ein Ergebnis emotionsloser Mathematik.

Sowenig, wie in eine Badewanne beliebig viel Wasser eingefüllt werden kann, sowenig kann eine endliche und räumlich begrenzte Welt beliebig viele Menschen tragen und schon gar nicht dauerhaft ernähren. Trotzdem wird dieser einfachste Zusammenhang nicht verstanden, was wiederum ich nicht verstehen kann.


Die Mehrheit hat nie das Recht auf ihrer Seite.
Nie, sag‘ ich!
Das ist auch so eine von den gesellschaftlichen Lügen, gegen die ein freier, denkender Mann sich empören muss.
Henrik Ibsen


Ein Irrsinniger ist nicht deshalb gefährlich, weil er seine normale Umgebung körperlich bedrohen könnte, sondern weil er die Vernunft seiner normalen Umgebung allmählich vernichtet. Der Irrsinn in dieser Welt ist stärker als der gesunde Menschenverstand, die Bosheit ist mächtiger als die Güte.
Joseph Roth, Leviathan – Triumph der Schönheit

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Ein Kommentar zu “Wort zum Sonntag

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