Wo das liebe Federvieh in der Hölle schmort

Vorher – nachher: Lebendes und totes Kapital aus dem besten Geflügelland der Welt. Guten Appetit!
Foto: rotorman.de

Von Jürgen

Hühner stehen in der Achtungsskala der menschlichen Nahrungskette auf der untersten Stufe. Das Leben keiner anderen Tierart ist so wenig wert. Wie viele davon jährlich massakriert werden, um auf unseren Tellern zu landen, wird statistisch gar nicht erfasst. Ausgewiesen wird nur das Gesamtschlachtgewicht. Das stieg 2016 gegenüber dem Vorjahr noch mal leicht um 0,3 Prozent an, was einem Plus von 4.300 Tonnen entsprach – auf 1,53 Millionen Tonnen.  In dieser Zahl sind aber auch die eliminierten Enten, Puten und Truthühner enthalten, wenngleich der Löwenanteil der Geflügelfleischproduktion auf Jungmasthühner (957.000 Tonnen) entfiel.   Dass es in der industriell betriebenen Massentierhaltung (schreckliche) Verwerfungen gibt, wissen alle, und tun es mit einem gleichgültigen Achselzucken ab. Hauptsache, das Endprodukt ist billig. Wenn Supermärkte und Discounter heuer ein komplettes Tiefkühlhähnchen der Handelsklasse A für deutlich unter drei Euro anbieten, kann in der vorangegangenen „Produktionskette“ irgendetwas nicht mit rechten Dingen zugegangen sein.

Die Szenen vom fast kahl gerupften Federvieh in den Mega-Fabriken der Hühnerbarone, die sich, aus offenen Wunden blutend, mit gebrochenen Beinen asthmatisch durch den knöcheltiefen Kot schleppen, kennt jeder. Der ein oder andere von uns ist vielleicht sogar erschüttert, aber persönliche Konsequenzen für das eigene Konsumverhalten ziehen die Wenigsten daraus. Trotzdem geht es immer noch einen Tick schlimmer und krasser.

Während es hierzulande ziemlich genau definierte (aber auch ebenso oft ignorierte) Vorgaben für die Haltung von Mastgeflügel und Legehennen gibt, ist der Status jener Zuchttiere, aus deren Eiern die künftigen Leistungsträger schlüpfen sollen, ein rechtsfreier Raum. Die  genetisch aufgerüsteten Erbgut-Lieferanten befinden sich unter der Knute der sogenannten „Vermehrer“, von denen die Hühnermäster und Legehennen-Batterie-Betreiber ihren Rohstoff, die Eintags-Küken, beziehen. Der Vermehrer wiederum holt sich sein Material von spezialisierten Eltern- und Großeltern-Tierproduzenten, die entsprechende Kreaturen mit besonders guten Genen „herstellen“. Gute Gene heißt in der auf Massenproduktion ausgerichteten kommerziellen Hühnerzucht vor allem: Die Tiere brauchen wenig Futter und legen sehr schnell und viel an Gewicht zu – oder hauen die Eier im Akkord raus.

Um das tun und leisten zu können, müssen die Tiere natürlich gewisse Opfer bringen und Einschränkungen hinnehmen. Die Nahrungsrationen sind knapp, Wasser ebenso. Dahinter steckt die Überlegung, dass volle Bäuche die im Businessplan festgeschriebenen Produktionsziele konterkarieren. Das kennen wir Menschen ja auch. Haben wir uns den Ranzen mittags in der Werkskantine vollgeschlagen, greift der Suppen-Koma-Effekt. Man kriegt in Folge nix oder kaum mehr etwas gebacken. Deshalb ist auch beim Füttern der Hühner Schmalhans Küchenmeister. Die Tiere sollen und dürfen kein Sättigungsgefühl entwickeln und schieben deshalb eigentlich permanent Kohldampf und lechzen nach Flüssigkeit.

Weil es auf schnelle Gewichtszunahme oder einen ihrer eigentlichen Natur völlig zuwiderlaufenden hohen Eier-Output gezüchtet ist, zeigt das „Federvieh“ gewisse genetisch bedingte  Ausfallerscheinungen. Das hat zur Folge, dass die Tiere mehr oder weniger stark an schmerzhaften Verformungen der Beine und des Brustbeins leiden, aggressiv werden und Amok laufen. Fehlstellungen oder gar Beinbrüche führen andererseits dazu, dass die Opfer bewegungsunfähig werden und somit an Ort und Stelle verdursten – ein langsamer und qualvoller Tod. Es sei denn, dass die Artgenossen dem Leiden vorzeitig ein Ende bereiten und sich in bester kannibalischer Tradition an den hilflosen Verwandten gütlich tun. Aber etwas Schwund ist ja immer drin – und wird billigend in Kauf genommen.

Aktivisten der Tierrechtsorganisation „Animal Rights Watch“ (ARIWA) haben sich Zutritt zu fünf Elternzuchtbetrieben in Sachsen-Anhalt verschafft, die allesamt zu der mit Wiesenhof eng verbandelten Elmex-Gruppe gehören, dem führenden Mastküken-Produzenten Europas. Das dabei entstandene  Videomaterial ist erschütternd und nur schwer zu ertragen. Wie hier mit lebenden Wesen umgegangen wird, macht fassungslos. Das ZDF-Magazin „Frontal 21“ hat das Material in seiner Sendung vom 28. März ausgestrahlt:

Solche Szenarien hätte sich noch nicht einmal Hieronymus Bosch ausdenken und in Öl gemalt auf die Leinwand bringen können. Die Realität kommt unserer Vorstellung von Hölle schon ziemlich nahe. Aber selbst der Neunschwänzige, so es ihn gibt, würde mit denen in sein satanisches Reich Abkommandierten nicht derart brutal und schöpfungsverachtend verfahren, wie es die Geflügelherrscher mit denen ihnen Anvertrauten zu tun pflegen. Wobei „pflegen“ ja schon mal ziemlich zynisch klingt.  Genauso wie der Slogan der Deutschen Geflügelwirtschaft: „Wir wollen das beste Geflügelland der Welt sein!“

Und jetzt zu Ostern versuchen uns die Chicken-Farmer wieder ihre sonst schwer verkäuflichen Gagas aus der Käfighaltung anzudrehen. Gefärbte oder gekochte Einer müssen nämlich nicht gekennzeichnet werden. Ansonsten gilt: Steht eine „3“ drauf, Finger weg!

Wo es in dieser kriminellen  Schmuddel-Branche sonst noch klemmt, wie die Verbraucher tagtäglich mit Wissen und Unterstützung des Landwirtschaftsministeriums getäuscht werden, wo die größten Drecksäcke sitzen und mit welchen Tricks und Methoden sie vorgehen, ist HIER NACHZULESEN

Quelle: rotorman.de

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Ein Kommentar zu “Wo das liebe Federvieh in der Hölle schmort

  1. Unfassbar, was den Tieren angetan wird.
    Hühner gehören zu meinen Lieblingstieren.
    Sie sind so liebenswerte Wesen und ich mag sehr, wie sie sich bewegen und welche Laute sie von sich geben.
    Ich würde sehr gern selbst Hühner retten, aber leider kann ich es bisher nicht (kein Zugang zu Garten, keine Zeit, da voll berufstätig mit langen Arbeitszeiten).

    Ich bin aber wieder einmal überaus glücklich, vegan zu leben.

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