Wort zum Sonntag


Ich ward, ward ohne meinen Willen; drum wär’s billig, ich würde wieder Staub auf meinen Wunsch, nimm alles hin, was ich empfing; zu schwer sind die Bedingungen, die mir ein Glück, nach dem ich nicht gestrebt, verbürgen sollten! … Du zeugtest mich? Weshalb? Ich heischt es nicht!
John Milton, Das verlorene Paradies, 10. Buch, Vers 746 ff

(An Zenon)

Man soll nicht heiraten, keine Kinder aufziehen, denn unser Geschlecht ist schwach, und Kinder belasten die menschliche Schwäche mit Sorgen. Wer aus Begier eine Ehe eingeht und Kinder aufzieht, wird es später bereuen, wenn er einsieht, wie mühevoll das ist; dabei hätte er es von Anfang an vermeiden können. Wer frei von Leidenschaft ist und das, was er hat, für ausreichend hält, um ein genügsames Leben zu fristen, wird Ehe und Kinderzeugen ablehnen.
„Aber dann wird die Menschheit aussterben, denn wo sollen die folgenden Generationen herkommen?“ wirst du fragen. Wenn doch nur die Dummheit aus dem Leben verschwände und alle weise würden! So aber wird vielleicht nur der eine, den ich überzeugen kann, allein bleiben, und der Rest der Menschheit wird (weiterhin) Kinder zeugen. Aber auch dann, wenn die Gattung Mensch aussterben sollte – müsste man das so sehr beklagen, wie wenn die Gattung Mücke oder Wespe verschwinden würde? So reden Menschen, die die wahre Natur der Dinge nicht betrachtet haben.
Diogenes Epist.47 = G.577, in: Georg Luck, Die Weisheit der Hunde – Texte der antiken Kyniker

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