Stellungnahme des TSV Kempten

Nachtrag zum Beitrag vom 04. März 2017: „Haben Tiere gut gelebt, darf man sie verwerten“

Hallo Frau Kalscheuer,

unsere Vorsitzende, war durch das kurzfristig angesetzte Interview zum Thema Fuchspelz-Verwertung überrascht und ist unwissentlich der Jägerpropaganda aufgelaufen. Eigentlich wollte der Tierschutzverein die Chance nutzen und darauf aufmerksam machen, dass auch Wildtiere und insbesondere der Fuchs des Schutzes durch den Menschen bedürfen. Dass dieser so positive und begrüßenswerte Ansatz so ins Gegenteil verkehrt und wir in dem Bericht letztendlich als Fuchsjagd-Unterstützer verunglimpft wurden, macht uns sehr betroffen.

Uns, dem Kemptener Tierschutzverein sowie seinem Tierheim inkl. Tierheim-Leiterin Frau Bischof, liegt sehr viel daran, mit aller Deutlichkeit klarzustellen, dass wir keine Befürworter der Fuchsjagd sind. Ganz im Gegenteil: Die Bejagung von Füchsen ist ebenso wie bei anderen Beutegreifern wie dem Marder, dem Waschbär oder auch dem Dachs keinesfalls tierschutzgerecht möglich und zudem nicht ökologisch notwendig. Weder verursachen die Tiere ernsthafte Schäden, noch stellen sie eine Bedrohung für andere Tierarten oder eine Seuchengefahr, wie häufig behauptet wird, dar.

Allein in Deutschland werden jährlich fast eine halbe Million Füchse getötet – die meisten Tiere landen sprichwörtlich in der Mülltonne, da nur der Winterpelz zur weiteren Verarbeitung überhaupt tauglich ist. Die angeblich „waidgerechte“ Jagd hat zudem nichts mit Tierschutz zu tun, da Füchse rigoros verfolgt, in Fallen erschlagen, abgeschossen oder von Hunden tödlich verletzt werden.

Aus Tierschutzsicht ist dies klar abzulehnen, ganz davon abgesehen, dass selbstverständlich jegliches Tragen von Pelz letztendlich dazu beiträgt, diese Art von „Mode“ wieder salonfähig zu machen, was schließlich weitere Tierschutzprobleme und entsprechende Missstände nach sich zieht. Sinn und Zweck unseres Tierschutzgesetzes ist es zudem, „aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen“ (§ 1 Tierschutzgesetz).

Im Hinblick auf den Fuchs gibt es keinen vernünftigen Grund, ihn zu töten bzw. ihm gar bei einer Reihe von Tötungsmethoden (bspw. im Rahmen der Bau- und Fallenjagd) vor der Tötung zusätzlich durch Verletzungen und dem Hervorrufen von Ängsten Schmerz und Leid zuzufügen. In dem hier in Rede stehenden Interview wird das Thema Fuchsjagd bagatellisiert und als sinnvoll und sogar notwendig dargestellt, was zum Einen nicht der Wahrheit entspricht und zum Anderen ganz und gar nicht im Sinne unseres Vereins ist. Wir bitten deshalb aufrichtig um Entschuldigung, falls in der Öffentlichkeit ein anderes Bild entstanden sein sollte.

Mit freundlichen Grüßen
i.A. Cornelia Glatz

Frau Martina Patterson an Frau Glatz:

Sehr geehrte Frau Glatz,

ich danke Ihnen sehr für die Stellungnahme. Dass eine Vorsitzende von einem TSV die Verwertung von Jagdopfer unterstützt und somit die Jägerschaft, hatte mich wirklich sehr befremdet. Nachfolgendes spricht m. E. für keinen guten journalisten Stil:

1. Der Plural in der Überschrift „Ansichten von Kemptener Jägern und Tierschutzvereinen“ stimmt de facto nicht.

2. Ihrer heutigen Stellungnahme ist zu entnehmen, dass die Antworten von Frau Peter-Sigg vom Autor Peter Januschke  „ins Gegenteil verkehrt wurden“ .

3. Der Artikel lässt in der Form die erforderliche journalistische kritische Distanz sowie die fundierten sachlich korrekten Informationen vermissen und liest sich wie ein Werbebericht für die Jägerschaft.

Dass ein solcher Bericht veröffentlicht wird, finde ich schon bedenklich. Haben Sie den für die redaktionellen Inhalte verantwortlichen, vertretungsberechtigten Geschäftsführer Markus Niessner aufgefordert eine Richtigstellung und ergänzend Ihre Stellungnahme zu veröffentlichen?

Mit freundlichen Grüßen
Martina Patterson