Ruhe in Frieden, kleine Nummer 53

Humboldt-Pinguine im Mannheimer Luisenpark in ihrem Gehege.
Einer von ihnen mit der „Nr.53“ wurde im Februar von einem unbekannten Täter gestohlen
und wurde inzwischen tot aufgefunden.
Foto: Uwe Anspach/rnz.de

Siehe: „Ruhe in Frieden, kleine Nummer 53“

Ein Herr Degen vom SWR vermochte diesen ganzen Wirbel um einen entwendeten und nunmehr tot aufgefundenen Pinguin nicht nachzuvollziehen, da es sich für ihn doch „nur um ein Tier“ gehandelt hätte. Nachfolgend ein mich abermals sehr ansprechender Brief von Martina Gerlach an diesen Speziesisten vom SWR :

Betreff: Nur ein Tier? „Auschwitz“ lässt grüßen …

Herr Degen,

wie sagten Sie? Am Ende ging es ja nur um ein Tier. – So ungefähr äußerten Sie sich, um das grausige Geschehen um den verschwundenen bzw. gestohlen geglaubten Pinguin Nr. 53 abzuschließen.  Lassen wir die Kirche im Dorf … Betrachten wir das doch gemäßigt … Angeblich gäbe es ja auch keinen Aufschrei, wenn 100 Wale gestrandet sind … Löwen als Streicheltiere für Touristen stört angeblich niemanden, wenn viele Tiere umkommen, weil sie nicht personalisiert sind … es gibt doch Schlimmeres … usw.

Als ich den verantwortungslosen, von Ignoranz und Speziesismus sowie menschlicher Artenarroganz geprägten Unsinn von Ihnen hörte, musste ich an mich halten.

„’Auschwitz’ fängt da an, wo einer im Schlachthof steht und sagt, es sind ja nur Tiere!“
Th. W. Adorno

Und George Bernhard Shaw sagte einmal:

„Die größte Sünde gegenüber unseren Mitgeschöpfen ist nicht der Hass, sondern die Gleichgültigkeit. Das ist das Wesen der Unmenschlichkeit.“

Endlich – viel zu selten – haben viele Menschen mal Mitgefühl mit einem Tier, also nicht-speziesistisches Mitgefühl. Dann muss man das wohl am besten gleich im Keime ersticken – nicht wahr? Die nicht-speziesistischen Menschen, also Menschen, für die Tiere nicht „nur“ Tiere, sondern alle Tiere leidensfähige, fühlende, denkende, lebensberechtigte, schutzwürdige Geschöpfe sind, schreien täglich, stündlich auf gegen das menschengemachte Leid und Elend der Tiere, gegen die grausamen Verbrechen an ihnen.

Wenn Sie davon – bequem – nichts vernehmen, weil Sie sich eben nicht in Tierrechts-/Tierschutzkreisen engagieren, heißt das noch lange nicht, dass es diese Aufschreie nicht gibt. Sie haben lediglich „verstopfte Ohren“ oder drehen lieber auf andere Wellenlängen … Ich kann Ihnen ja mal die täglichen Auschreie und Hilferufe für Tiere der unterschiedlichsten Gattungen, die Opfer der Spezies Mensch sind, weiter leiten. Sie würden diese nicht aushalten …

Auch ich setze mich seit über 26 Jahren für Hilfe, Rettung, Schutz der Tiere aller Gattungen im In – und im Ausland ein. Täglich bekomme ich die Hilferufe für Tiere und Menschen, die versuchen, sie zu retten. Diese Menschen leisten Schwerstarbeit, meist unbezahlte. Zu solcher wären vermutlich Sie und ganz sicher die, die für die Verbrechen an Tieren direkt und indirekt verantwortlich sind, nicht einmal ansatzweise fähig! Für solche täglich schwer schuftenden Menschen sind Tiere eben nicht „nur“ Tiere!

Aber so etwas begreifen Sie sicher nicht bei solch speziesistischer Einstellung. Speziesismus ist Rassismus in seiner höchsten Form und die Grundlage allen Elends, Leids und aller Qual. Weil die überhebliche Spezies Mensch sich anmaßt, täglich 123 Millionen Tiere zu ermorden, soll das Leiden eines einzelnen Geschöpfes deshalb weniger gewichtig sein? Für jedes Lebewesen ist das das Schlimmste, was es erleiden muss … auch wenn es immer noch Leidvolleres, Grausameres gibt!

Diese nicht speziesistischen Menschen haben sich eigenständiges Denken bewahrt oder wieder gefunden, da sie sich aus der Schablone befreiten, in die man in dieser sog. zivilisierten Gesellschaft von Kindheit an hinein manipuliert wird.

„Die ganze Lehre von den Menschenrechten fällt zusammen, wenn wir nicht allen fühlenden Wesen ein Recht auf Verschonung von allem unnötigen Leid zuerkennen.“
Magnus Schwantje, 1909

„Es gibt keinen objektiven Grund für die Annahme, dass menschliche Interessen wichtiger seien als tierische.“
Bertrand Russell, 1872-1970, brit. Philosoph, Pazifist und Nobelpreisträger

Außerdem: Nur solche Menschen wie Sie denken, dass sie keine Tiere sind.

Und ein Zoo-Direktor, wozu ja der vom Luisenpark zu zählen ist, lebt quasi auf Kosten der Tiere, der Zootiere. Dass der solch ein Schicksal „gemäßigt“ sieht, ist zwangsläufig so. Ohne Zootiere müsste er vermutlich umschulen. Im Übrigen: Auch Zootiere sind gequälte Tiere. Auch Pinguine gehören nicht in diese Breitengrade. Sie gehören in ihre natürlichen Lebensräume – die Antarktis – und dort konsequent vor Menschen geschützt.

Aber für etliche im Luisenpark war Nr. 53 offensichtlich eben nicht „nur“ ein Tier: „Unser kleiner Pinguin ist tot. Wir werden Dich vermissen, Nr. 53!“

Das lässt Mitgefühl und Trauer vermuten – obwohl es doch „nur“ ein Tier war, für viele aber eben ein nicht weniger gleichberechtigtes Lebewesen. Denken Sie mal darüber nach, Herr Degen, und hoffentlich auch um. In diesem jetzigen Denkstadium würde ich Ihnen weder einen Menschen noch ein Tier anvertrauen. Ich müsste um Beide Angst haben, was aus ihnen wird. Ich bin immer wieder entsetzt, was für Unwissende oder Ignorante von Medien auf die Öffentlichkeit losgelassen werden – mit welcher Gefahr für die Nicht-Menschlichen.

Für eine anständige Welt!
Martina Gerlach

Martina und Shawn Patterson an Torben Degen:

Sehr geehrter Herr Degen,

wir schließen uns dem Schreiben von Frau Gerlach an und senden Ihnen ein paar Zitate von klugen Männern:

„Jeder, der gewöhnt ist, das Leben anderer Lebewesen als wertlos zu erachten, läuft Gefahr, schließlich auch das menschliche Leben als wertlos zu sehen.“
Albert Schweitzer

„Ein Mensch, der ein höheres Säugetier, etwa einen Hund (…), wirklich genau kennt und nicht davon überzeugt wird, dass dieses Wesen ähnliches erlebt wie er selbst, ist psychisch abnorm und gehört in eine geschlossene psychiatrische Klinik, da eine Schwäche der Du-Evidenz (Empathie) ihn zu einem gemeingefährlichen Monster macht.“
Konrad Lorenz, Nobelpreisträger, 1980

„Der Mensch glaubt manchmal, er sei zum Besitzer, zum Herrscher erhoben worden. Das ist ein Irrtum.  Er ist nur Teil des Ganzen. Seine Aufgabe ist die des Hüters, Verwalters, nicht des Ausbeuters. Der Mensch hat Verantwortung, nicht Macht.“
Onondaga

„Wir brauchen für Tiere keine neue Moral. Wir müssen lediglich aufhören, Tiere willkürlich aus der vorhandenen Moral auszuschließen.“
Franz Kafka

Mit tierfreundlichen Grüßen
Martina & Shawn Patterson

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