Nachruf zum Tode von Edgar Guhde

Ce´la vie. Das Leben ist endlich.

Nach Befund Morbus Waldenström begann vor zwei Jahren ein Martyrium aus Krankenhauseinweisungen, Chemotherapie und Phasen der Bezwingungserfolge durch Rehabilitation.  Vor zwei Wochen meldete er die erneute Einweisung aufgrund Metastasenbildung. Eine Woche überlebte er die zweite Chemotherapie. Letztlich wird er mit der Beendigung eines ihm unerträglichem Zustandes der gewachsenen absoluten und unausweichlichen Abhängigkeit von Personen und Methoden, die er lebenslang bekämpfte, den Ärzten und Einrichtungen in der Nähe von Tierversuchen, seinen Frieden gefunden haben. Nach den übermittelten Daten, ist er bis zum letztem Atemzug seiner persönlichen Berufung treu verblieben und hat als letzte Meldung dem Bedauern stattgegeben, dass das Krankenhaus nicht die Voraussetzungen eines Internetanschlusses bieten würde.

Edgar Guhde lebte Tierschutz, der schon früh zu seinem Lebensinhalt wurde. Im Besonderen war er in Tierrechten engagiert und legte als 1. Vorsitzender von PAKTeV die Schwerpunkte auf Schlachten, die religiöse Opferbringung durch Schächtritus, die Haltung der zu Nutztieren deklassierten Opfer der Gesellschaft und die Entwicklung der Alternativen zum Tierversuch, in dessen Rahmen er enge Kontakte zu ZEBET seit dessen Anbeginn unterhielt.

Er delegierte mich zur Zehnjahresfeier ZEBETS und der Teilnahme am Alternativkongresses in der Universität Linz.  Als Politologen war ihm die pragmatische Vorgehensweise bewusst, die das Fundament seiner Beharrlichkeit als unverzagter Vertreter der Sache der Tiere ausmachte. Er setzte einen Schritt vor den anderen und begab sich nicht der Schwäche so vieler Anderer, die mit Ausbleiben konkreter Ergebnisse, aus Resignation die Flucht in die tierschutzrechtliche Bedeutungslosigkeit antraten.

Edgar Guhde war ein Radprofi, der im Jahr sechstausend Kilometer im Sattel und in den Auszeiten der Sommer ganze Bundesländer auf zwei Rädern erkundete. In Berlin Frohnau geboren, verbrachte er ein Jahr wegen Dissertation in DDR Haft und zog beruflich nach Düsseldorf, von wo er fürderhin wirkte.

Bereits in jungen Jahren zum Veganer avanciert, trat er in die ÖDP ein und formulierte zusammen mit der Frau Brunner das Tierschutzprogramm der Partei. Kreuz und quer durchmaß er die Bundesrepublik und hielt unzählige Vorträge über Tierschutz und technische Tierschutzmaßnahmen, in denen er auch nicht versagte, mal vor nur dreien oder vier Interessierten zu referieren.

Nach Eintritt in PAKTeV und Wahl zum 1. Vorsitzendem, richtete er den Verein zum Ansprechpartner für relevante Ministerien auf Landesebenen und Bundesebene aus, erarbeitete zusammen mit Mitgliedern die Agrarpolitischen Leitlinien, führte die Tradition der Arbeitszusammenkunft auf der Grünen Woche ein und erschloß ein ständiges Büro im Umweltzentrum Düsseldorf, das er beständig besetzte und als Arbeitsstätte, als Wirkungsstätte, mit finanzieller Hilfe des Rechtsanwaltes Wolfgang Schindler aus München, der später die Albert Schweizer Stiftung gründete und frühzeitig verstarb.

Unter seiner Regie entwickelte PAKTeV sich zu einem kleinem, aber sehr kompetentem, technischem Ansprechpartner für mit Novellen zu Haltungsverordnungen beschäftigten Ministerien und erwarb sich und damit PAKTeV Professionalität in diesen Belangen. Gleichwohl bereits vor der Bekanntschaft mit Edgar Guhde tierschützerisch tätig, muß ich konzedieren, dass ich Guhde  zu verdanken habe, Tierschutz nicht als temporär empathische Beschäftigung zu verfolgen, sondern als Verpflichtung, gleich bilanzierbarer Erfolge wahrzunehmen begann. So wird es auch anderen ergangen sein.

Neben ministeriellen Anfragen, Bitten um Stellungnahmen und Expertisen, Gutachten, unterhielt er wöchentlich einen Informationsstand in der Düsseldorfer Innenstadt, betrieb mehrere Großverteiler, ersann Kampagnen, schmiedete Bündnisse mit anderen Tierschutzvereinen, betrieb Nachwuchsbildung und pflegte weitreichende Kontakte.

Herausragend war und ist die Erarbeitung des Kleinen Guides, der sich mit dem religiös verbrämtem Schächtritual in Konflikt mit den religiösen Geboten befasst und an alle Tierärzte, wie auch an weitere Adressen verschickt wurde. Nebenbei saß Edgar Guhde in mehreren Kuratorien von Tierschutzstiftungen und verfügte eine Auszeichnung der Arbeit  Helmut Kaplans.

Sein Vermächtnis als Praktiker des Tierrechts ist die Beharrlichkeit, gepaart mit Professionalität und unverwüstlichem Optimismus.
Wir streichen seinen Namen aus unseren Verteilern, nicht aber aus unseren Gedächtnissen.  Und wertschätzen ihn als Verpflichtung.

BWM