Ansichten von Jägern und Tierschutzvereinen: „Haben Tiere gut gelebt, darf man sie verwerten“

Sehr geehrte Frau Peter-Sigg,
die Arbeit Ihres Tierheims und Ihres Tierschutzvereins und all seiner Mitarbeiterinnen  und Mitarbeiter schätzend gehe ich davon aus, dass Sie unwissentlich ein Opfer der Jägerpropaganda geworden sind. Einige Formulierungen in dem Zeitungsartikel „Haben Tiere gut gelebt, darf man sie verwerten“ vom 20.2.2017 lassen darauf schließen, dass hier „verbal getrickst“ wurde und Sie jetzt als Verfechterin der Fuchsjagd dastehen, das Tragen von Pelzen gutheißen und den Grundsatz des Tierschutzgesetzes nicht kennen. Und das kann und will ich nicht glauben!

Sinn und Zweck unseres Tierschutzgesetzes ist es, „aus der Verantwortung des Menschen für das Tier als Mitgeschöpf dessen Leben und Wohlbefinden zu schützen. Niemand darf einem Tier ohne vernünftigen Grund Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen.“ (Grundsatz Tierschutzgesetz §1)
Im Hinblick auf den Fuchs gibt es keinen vernünftigen Grund, ihn zu töten und ihm gar bei einer Reihe von Tötungsarten (Baujagd, Fallenjagd) vor der Tötung noch durch Verletzungen und Ängste Schmerz und Leid zuzufügen.

Die Tollwut ist in Deutschland seit 2008 ausgerottet.

Die Wahrscheinlichkeit, am Fuchsbandwurm, einem der seltensten Parasiten Europas, zu erkranken, ist geringer als ein Sechser im Lotto.

Fasan, Rebhuhn und Hase stehen lediglich selten und wenn, dann meist als kranke Tiere auf dem Speiseplan des Fuchses. Die Ausbeute der Jäger ist da wesentlich höher. Im Jagdjahr 2015/2016 wurden bundesweit (die Zahlen in Klammern zeigen die Abschusszahlen allein in Bayern) 99.824 Fasane (13.455), 2.683 Rebhühner (1.303) und 241.899 Feldhasen (70.960) erschossen (Quelle: DJV, BJV).

Bodenbrüter werden nicht durch den Fuchs ausgerottet, sondern fallen der extensiven Landwirtschaft zum Opfer.

Geflügelhalter, deren Tiere vom Fuchs gerissen werden, tragen durch unsachgemäße Absicherung des Geheges selbst die Schuld daran.

Die Fuchspopulation nimmt bei Bejagung zu. In nicht-bejagten Regionen (die gibt es zum Glück tatsächlich!) ist die Geburtenrate mit 1,7 Welpen je Wurf wesentlich niedriger als in bejagten Revieren!

Durch Fuchsabschüsse freigewordene Reviere werden umgehend von neuen Füchsen besetzt, so dass die Ausbreitung möglicher Krankheiten wie Räude und Staupe auf diese Weise gefördert wird.

Die Praktiken der Bau- und Fallenjagd möchte ich hier aus Pietätsgründen nicht näher beschreiben, ihre Grausamkeiten sind kaum zu verkraften. Das gilt auch für die Qualen, die Füchsen in Schliefenanlagen zur Ausbildung von Jagdhunden ausgesetzt sind.

Die natürliche Aufgabe des Fuchses als Aasfresser, die ihn zur Wald-Gesundheits-Polizei macht, wird dagegen nicht gewürdigt.

Auch die Tatsache, dass ein Fuchs pro Tag 20 Wühlmäuse erbeutet und es als Alternative nur noch die hochgiftige Chemiekeule mit Kollateralschäden, unter die letztendlich auch der Mensch fällt, gibt, wird geflissentlich verschwiegen.

Trotz all dieser wissenschaftlich nachgewiesenen und unumstößlichen Argumente für den Fuchs und gegen dessen Bejagung wurden im Jagdjahr 2015/2016 laut Jahresjagdstrecke der Bundesrepublik Deutschland (Quelle: DJV) 466.185 Füchse erschossen, davon in Bayern 104.192 (Quelle: BJV) !!!

Siehe: http://www.fuechse.info/artikel_texte/Literaturzusammenfassungen_Fuchs.pdf

Warum??? Weil man dafür einen Grund finden muss bzw. will – es gibt ja keinen nach Tierschutzgesetz „vernünftigen Grund“ –  rücken die Jäger nun die Fellverwertung in den Fokus. Aber dazu sage ich jetzt nichts mehr, dazu kann sich jeder Leser sein eigenes Urteil bilden.

In der Hoffnung, dass die Positionen des Tierschutzvereins Kempten entsprechend sind und auch so öffentlich und korrigierend kommuniziert werden,
verbleibe ich mit freundlichen und tierlieben Grüßen

Rosemarie Kalscheuer
23.2.2017