Das alternative Wort zum Sonntag

Friedrich Nietzsche über das Altwerden und den Tod:

Abgesehen von den Forderungen, welche die Religion stellt, darf man wohl fragen: warum sollte es für einen altgewordenen Mann, welcher die Abnahme seiner Kräfte spürt, rühmlicher sein, seine langsame Erschöpfung und Auflösung abzuwarten, als sich mit vollem Bewußtsein ein Ziel zu setzen? Die Selbsttötung ist in diesem Falle eine ganz natürliche naheliegende Handlung, welche als ein Sieg der Vernunft billigerweise Ehrfurcht erwecken sollte: und auch erweckt hat, in jenen Zeiten, als die Häupter der griechischen Philosophie und die wackersten römischen Patrioten durch Selbsttötung zu sterben pflegten. Die Sucht dagegen, sich mit ängstlicher Beratung von Ärzten und peinlichster Lebensart von Tag zu Tage fortzufristen, ohne Kraft, dem eigentlichen Lebensziel noch näher zu kommen, ist viel weniger achtbar.

Die Religionen sind reich an Ausflüchten vor der Forderung der Selbsttötung: dadurch schmeicheln sie sich bei denen ein, welche in das Leben verliebt sind.
(Friedrich Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches)

Seneca, Briefe an Lucilius, 24 :

So vergeht alles, um wiederzukehren. Ich tue nichts Neues, ich sehe nichts Neues: am Ende wird auch dieser Wechsel mir zum Ekel. Es gibt so manche, die es nicht für schmerzlich halten zu leben, wohl aber für überflüssig.

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