Wie der sächsische AFD-Landtagsabgeordnete Günter Wild der AfD schadet

Ein Schreiben von Harald von Fehr an Frauke Petry :

Sehr geehrte Frau Dr. Petry,

Tierfreunde und Tierschützer von ganz Deutschland sind seit Gründung der AfD dieser sehr zugetan. Spricht sie doch den Menschen aus der Seele. Doch was jetzt der Landtagsabgeordnete Gunter Wild von Sachsen von sich gegeben hat, ist mehr  als starker Tobak.

Siehe Link: https://www.facebook.com/AfD.Fraktion.Sachsen/videos/1256719071064275/

Erklärte doch dieser AfD-Landtagsabgeordnete, Gunter Wild:

„Warum wollen die CDU und die SPD immer nur beobachten und ermitteln? Wir sprechen hier von Raubtieren ohne natürliche Feinde in unserer Region. Der Waschbär etwa öffnet und plündert Kaninchen- und Hühnerställe, raubt Vogeleier aus den Nestern und in vielen Fällen die brütenden Muttertiere gleich mit. Die heimische Tierwelt leidet stark darunter, daß sich diese invasiven Arten explosionsartig vermehren. Der Berichtsantrag ist nichts weiter als ein Feigenblatt, der an der unkontrollierten, massenhaften Vermehrung nichts ändern wird. Es benötigt eine unverzügliche Regulierung mittels Fang- und Abschußprämien, die dafür sorgen, daß ein Gleichgewicht in der Natur wieder hergestellt wird und erhalten bleibt!“

Dieser Landtagsabgeordnete ist wohl einer der jagenden Spezies, die eigentlich alle Tiere, die nicht gegessen werden, zum Teufel wünscht! Denn seine Argumentation ähnelt sehr der jagenden Zunft, die im Allgemeinen mit Tieren aber rein gar nichts im Sinne hat. Eine mehr als erbärmliche Einstellung eines AfD- Mitgliedes, was die ganze Partei in Verruf bringt, sind doch sehr viele AfD-Wähler Tierfreunde und deshalb sehr bestürzt über die Einstellung eines solchen AfD-Mannes.

Wir sind zwar nicht darüber informiert, wie Ihre persönliche Einstellung zu den Tieren, unseren Mitgeschöpfen ist, doch so abwertend, wie die von diesem Herr Wild, kann sie kaum sein. Damit Sie erfahren, was diese herrlichen Tiere, die keineswegs eine Regulation durch den Menschen benötigen, doch für „böse“ Tiere sind, hier ein kurzes Plädoyer für den Waschbär:

„Die Einbürgerung des Waschbären ist erfolgreich verlaufen und nicht mehr rückgängig zu machen, wir sollten deshalb lernen, mit ihm leben zu müssen“ konstatierte bereits 1981 Dr. Walburga Lutz, eine Pionierin der deutschen Waschbärenforschung. Die erste erfolgreiche und dokumentierte Aussetzung der possierlich anmutenden Kleinbären erfolgte mit Erlaubnis des Preußischen Landesjagdamtes 1934 in Nordhessen. Heute kommt der Waschbär in unterschiedlichen Bestandsdichten in ganz Deutschland vor.  Vor drei Jahren wurde der Bestand noch mit mindestens 500 Tausend beziffert, inzwischen dürften etwa 600 bis 800 Tausend Waschbären des Nachts durch Wald und Flur ziehen.

Das Tierchen mit der Zorro-Maske ist ein Allesfresser, ein sogenannter Nahrungsopportunist: Was er leicht bekommen kann, holt er sich. Er ernährt sich liebend gerne von Obst – und frißt im Verbund auch schon einmal ganze Obstbäume leer – er verschmäht Insekten nicht, räumt aber auch mal Vogelgelege aus und verwertet menschliche Nahrungsabfälle. Lokale Berichte über negative ökologische Auswirkungen von Waschbären liest man in den letzten Jahren immer wieder. Gleichwohl hat bis dato keine wissenschaftliche Untersuchung dieser nach dem Bundesnaturschutzgesetz heimischen Tierart den ernsthaften Druck auf andere Tierarten nachgewiesen.

Für den Deutschen Jagdverband ist das allerdings kein Grund, diese Tiere nicht zu verunglimpfen. Seit Jahren verbreitet die Jägerorganisation immer wieder die gleichen vagen Behauptungen. So sollen die überwiegend nachtaktiven Räuber auch für den Bestandsrückgang der europäischen Sumpfschildkröte verantwortlich sein (aktueller Bestand in Brandenburg etwa 70 bis 100 Stück) und auch Graureiherkolonien, die bei den Jägern selbst auf der Abschußliste stehen, dezimiert haben. Wissenschaftler konnten sich vor Ort ein Bild machen und widersprechen diesen Darstellungen.

In der Folge des von den Jägern ausgehenden Waschbären-Mobbings liest man in Print- und in Onlinemedien Headlines wie „Der maskierte Jäger erobert das Land“, „Terror-Waschbär macht Regierungsviertel unsicher“, „Aggressive Waschbären killen Jagdhunde“ oder „Waschbären für Artensterben verantwortlich“. Die Intention dieses breitangelegten Mobbings wird meist mitgeliefert: „Wir brauchen weiterhin die Fallenjagd.“

Der Waschbärenforscher Frank Michler wirft dem Deutschen Jagdverband in diesem Zusammenhang eine tendenziöse Argumentation vor. Der Jagdverband verbreite ein undifferenziertes und vorgefertigtes Meinungsbild und Daten, die nicht der Faktenlage entsprechen. Man könnte meinen, hier handele es sich um einen vorsätzlichen Täuschungsversuch der Öffentlichkeit.

Im Jagdjahr 2014/15 wurden über 116.000 Waschbären in Deutschland getötet.  Die Bestandsentwicklung wird dadurch nicht einmal aufgehalten, ein meßbarer Beitrag zum Artenschutz ist ebenfalls nicht zu erkennen. Es wird deshalb Zeit, daß die zuständigen Politiker in Bund, Ländern und Kommunen aufwachen, und das Jägerlatein nicht ungeprüft zur Vorlage von Gesetzen und Verordnungen machen, die der Allgemeinheit nicht nutzen und den Tieren erhebliches Leid zufügen.

Sehr geehrte Frau Dr. Petry,

damit der AfD nicht noch mehr unnötiger Schaden zugefügt wird, sollten Sie etwas mehr Einfluß auf  jägerfreundliche und tierfeindliche AfD-Parteimitglieder nehmen. Wir wissen, daß die AfD, was den Schutz und die Rechte  der Tiere anbelangt, sehr vernünftige und  mit den Interessen aller Tierfreunde übereinstimmende Ansichten hat, die keinesfalls durch solche Parteimitglieder, wie den Abgeordneten Gunter Wild, zunichte gemacht werden sollten. In Erwartung, daß Sie unser Ansinnen nachvollziehen können und uns diesbezüglich Ihre Ansicht dazu zukommen lassen, verbleiben wir im Namen der Tierschutz-Union und aller Menschen,
denen unsere Natur, die Tiere und auch ihre Mitmenschen noch etwas bedeuten.

Mit freundlichen Grüßen
Harald von Fehr

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Ein Kommentar zu “Wie der sächsische AFD-Landtagsabgeordnete Günter Wild der AfD schadet

  1. Im AfD-Grundsatzprogramm steht zwar nichts von Waschbären, aber unter Punkt 13.7 steht: „Wir sehen Jäger als Naturschützer, deren Fachkenntnisse wieder stärker berücksichtigt
    werden müssen.“ Es geht damit wohl auch um „Fachkenntnisse“ dieser Mörder in puncto Waschbären.
    Würde sich die Jägerlobby gegenüber menschlichen Einwanderern genau so äußern wie gegenüber den Waschbären und ihrem angeblich schädlichen Verhalten gegenüber indigenen Arten, wäre die Jägerlobby ein Fall für den Verfassungsschutz. Aber Waschbären haben leider keine Lobby und somit leider keinen Anspruch auf „politisch korrekten“ Umgang.

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