Der Verrat der Kirchen an den Tieren

Von Bettina Marie Schneider

In Bayern aufgewachsen, mit christlich traditionellen Werten, verfolge ich interessiert die aktuelle Entwicklung der Kirche. Ich selbst fühle mich jedoch längst von dieser Institution entfremdet, die in Sachen Barmherzigkeit und Empathie nur sehr limitierte Vorgaben hat.

Seit der heilig gesprochene Kirchenlehrer Thomas von Aquin befand : „Der wesentliche Wert der Frau liegt in ihrer Gebärfähigkeit und in ihrem hauswirtschaftlichen Nutzen.“ sind ein paar Jahre ins Land gegangen und auch die Billigung des Sklavenhandels hat die Kirche längst überdacht. Zwar war die Bedenkzeit von rund 1800 Jahren etwas lange für meinen Geschmack aber man soll nicht nachtragend sein. Immerhin wird heute die Meinungsfreiheit, was religiöse Belange angeht, von den Christlichen Kirchen in unseren Breitengraden sehr großzügig ausgelegt. Das hat das Christentum manch anderer Religion voraus und dafür bin ich dankbar.

Dass ich mittlerweile ein ziemlich gestörtes Verhältnis zu den meisten Religionen im allgemeinen und zu den Kirchen im Besondern habe, liegt nicht an deren Anhäufung von schier unvorstellbaren Reichtümern, die nie ihren Weg zu den Armen finden. Auch nicht an der in meinen Augen diskussionsfähigen Haltung zu Empfängnisverhütung, Homosexualität oder Gleichberechtigung. Es ist meine Tierliebe, die mich zwangsläufig auf Konfrontationskurs mit der Kirche gebracht hat.

Jeder Tierschützer stellt sich irgendwann resigniert die Frage, wie es möglich ist, dass bis in die heutige, aufgeklärte Zeit, Tiere völlig legal benutzt, bestialisch gequält und getötet werden dürfen, warum keine moralische Instanz schützend eingreift. Diese moralische Instanz hätte die Kirche sein können. Aber das Gegenteil ist der Fall!

Dass wir Tieren in unserer Gesellschaft jeden Tag aufs neue millionenfach Leid zufügen, hat seinen Ursprung auch in der tierfeindlichen Lehre der großen Kirchen. Die von den Kirchen gelehrte Denkweise, Tiere seien minderwertige Geschöpfe und einzig der Mensch beseelt und Krönung der Schöpfung, lässt jeden Missbrauch, jede nur denkbare Auslegung zu Ungunsten der Tiere zu.

Waren die Urchristen noch strenge Vegetarier und achteten Tiere, verdrängte die römische Machtkirche ab dem 4. Jahrhundert gewaltsam diese Auslegung und prägte das Bild vom Tier als „unbeseeltes, minderwertiges Wesen“, eine Denkweise die mittlerweile fest in unserer Kultur verwurzelt ist, und die alle Kirchenreformen überdauerte. Bis zur aktuellen Papst Enzyklika wurde in den ca. 70 Vorgängern seit 1945 kaum etwas über Tierschutz oder Umwelt erwähnt , wohl aber das „Recht der Menschen“, Tiere zu benutzen.

Wenn einzelne Priester sich für die Rechte der Tiere stark machten, standen sie im Gegensatz zu den Lehren ihrer Kirche, was Disziplinar Massnahmen nach sich zog oder den Priester zum Austritt bewegte. Die Theologin Christa Blanke, Gründerin der Tierschutz Organisation Animals Angels, bemühte sich lange Jahre, die Kirche für eine Stellungnahme zu den unsäglichen Bedingungen der Tiertransporte und Tierversuche zu bewegen. Ohne Erfolg. Sie trat im Jahr 2000 aus der Kirche aus, einer Kirche, die nach wie vor Massentierhaltung, Schlachthöfe, Pelzindustrie, Tierversuche, Stierkampf, Tiertransporte und Jagd duldet, teilweise sogar segnet.

In der von Tierschützern lange erwarteten, aktuellen Enzyklika des neuen, als Tierfreund bekannten Papstes, stehen nun endlich ein paar allgemeine Formulierungen zum Thema Tiere und Umwelt Sie werden von den Medien als bahnbrechende Neuerung gefeiert . Ich finde diese Stellungnahme trotzdem enttäuschend.

Denn: Kein Wort war zu lesen, über die bestialische Folter der Stiere vor und während des Stierkampfes, vom brutalen Abschlachten der rumänischen Straßenhunde, von den unsäglichen Qualen der Versuchstiere, den grauenhaften Bedingungen und dem Leiden bei Massentierhaltung und Tiertransporten, von den gepeinigten Stopfgänsen, den misshandelten Fiaker Pferden .

Kein Wort zu den in vielen christlichen Ländern beliebten Tieropfern an Feiertagen, die zu Ehren der Heiligen und zur allgemeinen Belustigung zu Tode gefoltert werden. In Manganeses de Polvorosa gibt es ein traditionelles Dorffest, mit dem Wurf einer (lebendigen) Ziege vom Kirchturm zelebriert, ein Fest zu Ehren des Dorfheiligen Sankt Vincent. Diese Fest ist nur eines von 3000 spanischen Festen, in denen die Misshandlung eines Tieres zur Tradition gehört , meist mit kirchlichem Hintergrund !

Jesus wäre heute mit Sicherheit Vegetarier. Er würde niemals eine Jagdgesellschaft segnen. Er würde Pelzträger aus seinem Umfeld verbannen und die Tiere aus den Käfigen der Versuchslabors von ihren Qualen erlösen, er würde die gepeinigten Schweine, Kühe und Hühner aus den Massentieranlagen und Tiertransportern befreien und die Kleintiere und Vögel aus ihren kleinen Käfigen.

Überhaupt wäre Jesus heute einer der ganz großen Tierbefreier. Es gibt genügend Stellen in der Bibel, die seine Wertschätzung und Empathie für alle Mitgeschöpfe zum Ausdruck bringen und seine konsequente Ablehnung von Grausamkeit jeder Art gegen jedes Lebewesen.

Klare Worte des Papstes, weltweit verbreitet , auf Kirchentagen, in den Predigten der Kirchengemeinden, könnten einen großen Teil des Tierelends eindämmen. In vielen Ländern und Teilen der Welt, wo das Tierelend noch größer ist und der Umgang noch grausamer als bei uns, hat die katholische Kirche nach wie vor enormen Einfluss. Aber leider wurden solche Worte auch diesmal wieder nicht ausgesprochen!

Von dem großen Vorbild und Namensgeber unseres derzeitigen Papstes, dem heiligen Franziskus, ist folgendes Zitat überliefert:

„Gott wünscht, dass wir den Tieren beistehen, wenn sie Hilfe bedürfen. Ein jedes Wesen in Bedrängnis hat gleiche Rechte auf Schutz.“

Die Tiere, die jeden Tag durch menschliches Handeln vermeidbares Leiden erfahren, benötigen den Beistand der Kirche mehr denn je, denn ihre Zahl wird beständig größer.
Eine große Aufgabe für die Kirche, mit der sie noch nicht einmal ansatzweise begonnen hat!

Quelle: guteskarmatogoblog.wordpress.com

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