Wort zum Sonntag

P H A N T O M :

Gesunder Menschenverstand, ein Widerspruch in sich, ein Phantom, das nicht existiert. Kranker Menschenverstand ist die globale Realität, krankem Menschenverstand entspringt weltweit der totale Vernichtungskrieg gegen die Natur.

C H A R A K T E R Z U G :

Nahezu jedermann sieht sich selbst Zeit seines Lebens subjektiv als Gewinner, auch wenn er objektiv der größte Verlierer in allen Belangen des Lebens ist.

R A S S I S T E N :

Von Diskriminierung kann man korrekterweise nur dann sprechen, wenn das Wesen unschuldig an dem Faktum ist und es nicht ändern kann, wie beispielsweise Rasse, Körperbehinderung oder Geschlecht. Die größte Diskriminierung, die unbeachtet und permanent weltweit in einer nicht zu erfassenden Vielzahl stattfindet, ist die institutionalisierte Diskriminierung tierischer Rassen durch die Menschheit. Folgerichtig ist der Fleischesser immer ein Rassist und diskriminiert in übelster Weise tierische Lebensformen, der Fleischesser ist der Prototyp des mordenden Rassisten.

U N T E R S C H E I D U N G S M E R K M A L :

Der Frosch, der Hund, der Wal, der Mensch gleichen sich in ihrer Bedeutungslosigkeit, in der Absurdität ihrer Existenz, in ihrer Zwecklosigkeit für das Universum, wie ein Ei dem Anderen – mit einer Einschränkung: Der Mensch hinterlässt im Gegensatz zu allen anderen Lebensformen eine finale Spur der Lebensvernichtung gegenüber anderen Arten. Sein einziges Unterscheidungsmerkmal ist damit aber auch das denkbar Infernalischste.

A B F A L L :

Als Abfall werden normalerweise die Reste dessen bezeichnet, was man einstmals besitzen wollte, was man gebrauchen konnte, was man schätzte, was nun aber wertlos geworden ist und entsorgt werden muss. Wer aber glaubt, dass diese Abfolge nur Dinge, nicht aber auch den Menschen betreffen, irrt zutiefst, hat die Welt nicht begriffen.

R E F U G I U M :

Reservate der Einsamkeit, der Freiheit, sind heute zum seltensten Gut überhaupt geworden, zur einzigen Fluchtburg für Unabhängige und Klarsichtige. Diese Refugien sind kostbar, weil die Welle der lärmenden, vernichtenden und alles schluckenden Masse wie ein Tsunami über die Welt hereingebrochen ist, alles überschwemmt, mit geistigstem Schlamm bedeckt – und den Pegel des Morastes weiter steigen lässt, stetig, unaufhörlich.


Aus „Meditationen“ von Mark Aurel :

Wir müssen uns nicht blos sagen, daß das Leben mit jedem Tage schwindet und ein immer kleinerer Teil davon übrig bleibt, sondern auch bedenken, daß es ja ungewiß ist, wenn man ein längeres Leben vor sich hat, ob sich die Geisteskräfte immer gleichbleiben und zum Verständnis der Dinge, so wie zu all‘ den Wahrnehmungen und Betrachtungen hinreichen werden, welche uns auf dem Gebiete des Göttlichen und Menschlichen erfahren machen.

Denn wie Viele werden im Alter nicht kindisch und bei wem ein solcher Zustand eingetreten ist, dem fehlt es zwar nicht an der Fähigkeit zu atmen, sich zu nähren, sich Etwas vorzustellen und Etwas zu begehren; aber das Vermögen, sich frei zu bestimmen, die Reihe der Pflichten, die ihm obliegen, zu überschauen, die Erscheinungen sich zu zergliedern und darüber, ob‘s Zeit zum Sterben sei oder was sonst einer durchaus geweckten Denkkraft bedarf, sich klar zu werden – das ist bei ihm erloschen. Also eilen muß man, nicht blos weil uns der Tod mit jedem Tage näher tritt, sondern auch weil die Fähigkeit, die Dinge zu  betrachten und zu verfolgen, oft vorher aufhört.

(Mark Aurel)

Advertisements

Ein Kommentar zu “Wort zum Sonntag

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s