Wort zum Sonntag

Dr. Bleibohm über Staat und Politik und unsere „Volksverteter“ :

Die Begegnung ist unausweichlich. Jeder Laternenpfahl, jedes Brückengeländer, jeder Straßenbaum dient als Halterung, wird verunstaltet. Es ist die Zeit, da bestimmte Wesen aus ihren unterirdischen Gedankenhöhlen hervorkriechen und das Land mit Banalitäten überfluten. Das ästhetisch sehende Auge wird regelmäßig durch ihre Konterfeis beleidigt, der Jenseits von RTL 2 lebende Mensch ist fassungslos ob der Sätze auf diesen Tafeln. Was bewegt diese Menschen, was gibt ihnen das zutiefst unbegründete Vertrauen, wahlwürdig zu sein? Wer impft ihnen den Wahn ein, der Region den Weg in die Zukunft ebnen zu können?
Dem Intellektuellen muten die Plakataussagen als Agonie des Geistes an, ein letztes Todeszucken der Vernunft. Sie wollen Volksvertreter werden, wollen künftige Aufgaben lösen, dem Land einen Dienst erweisen und bewirken doch in ihrer kollektiven Anpassung, in ihrer Themenborniertheit, kurz in ihrer exorbitanten Unfreiheit des Denkens den Absturz der Welt ins Chaos. Nach dem Scheitern der Diktatur des Proletariats steuert Deutschland nunmehr ungebremst in die Diktatur der Stupidität, in die Diktatur der Ignoranz, in die große Diktatur kleinkarierter, machthungriger Egomanen.

Das stille Verbrechen :
Der heutige Staat sorgt für seine Bürger. Er stellt Bauland zur Verfügung, vergrößert das Straßennetz, schafft den Rahmen, damit günstige Lebensmittel gekauft werden können – die Liste der Waohltaten ist erheblich länger als diese Exempel. Das ungeheure Verbrechen verbirgt sich hinter der gegenwärtigen Güte : Jeder Staat, der Natur unwiederbringlich zerstört, handelt kriminell an zukünftigen Existenzen menschlicher und tierischer Art. Jeder Staat, der Industrienahrung fördert oder duldet, begeht ein Verbrechen gegen die Lebensethik, ein Verbrechen brutalster Art gegenüber der Tierwelt, ein Verbrechen auch gegenüber den Menschen, die denaturierte Kunstnahrung kaufen müssen.
Jeder Staat, der die Vermassung, Verdummung der Menschen aus Gründen leichterer Regierbarkeit fördert, handelt absolutistisch, diktatorisch, tyrannisch. Jeder Staat, der das Wachstum der Menschheit nicht ächtet, trägt zum beschleunigten Untergang der Erde, zum elenden Sterben kommender Generationen bei. Es ist ein Staat, der von mafiösen Geistern in die nahe Apokalypse geführt wird, geleitet von den heutigen Profiteuren des morgigen Untergangs.

Aus den Memoiren von Alexander von Humboldt :

Ich bin nicht geschaffen, um Familienvater zu sein. Außerdem halte ich das Heiraten für eine Sünde, das Kindererzeugen für ein Verbrechen. Es ist auch meine Überzeugung, dass derjenige ein Narr, noch mehr ein Sünder ist, der das Joch der Ehe auf sich nimmt. Ein Narr, weil er seine Freiheit damit von sich wirft, ohne eine entsprechende Entschädigung zu gewinnen; ein Sünder, weil er Kindern das Leben gibt, ohne ihnen die Gewißheit des Glücks geben zu können. Ich verachte die Menschheit in allen ihren Schichten; ich sehe es voraus, dass unsere Nachkommen noch weit unglücklicher sein werden als wir. Sollte ich nicht ein Sünder sein, wenn ich trotz dieser Ansicht für Nachkommen, d.h. für Unglückliche sorgte?
Das ganze Leben ist der größte Unsinn und wenn man achtzig Jahre strebt und forscht, so muß man sich doch endlich gestehen, dass man nichts erstrebt und nichts erforscht hat. Wüßten wir nur wenigstens, warum wir auf dieser Welt sind. Aber alles ist und bleibt dem Denker rätselhaft, und das größte Glück ist noch das, als Flachkopf geboren zu sein. (Alexander von Humboldt)

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Ein Kommentar zu “Wort zum Sonntag

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