Behalte Deine Ausreden für Dich!

Behalte Deine Ausreden für Dich! Entweder Du bist dafür oder dagegen!

Während Menschen täglich ihre Arbeit erledigen, sich in Schulen und Universitäten aufhalten, ihre Freizeit oder den Urlaub genießen, im Auto fahren oder vor dem Fernseher sitzen, in die Kirche gehen oder in ihren Betten liegen – so werden gleichzeitig unzählige Tiere gemästet, gefangengehalten, transportiert und getötet. Doch kaum etwas davon gelangt direkt in unseren persönlichen Alltag.

Wir begegnen normalerweise keinem Tiertransporter, wir hören keinen Bolzenschuss, wir sehen weder Schweine, die über ihren Exkrementen leben müssen, noch erleben wir das Ausbluten von Tieren im Schlachthof. Und doch geschehen diese Dinge Tag für Tag.

Das Unbegreifbare, schwer zu fassende, liegt meiner Ansicht nach in der gleichgültigen Behandlung jedes einzelnen Individuums. Mehrere Milliarden Tiere werden jährlich in Stückzahlen, Grundvieheinheiten, Gramm, Kilogramm oder Tonnen definiert – und genau so werden sie auch behandelt! Wenn man den Tieren tief in die Augen blickt, so bekommt man ein Gespür dafür, welchen Ungerechtigkeiten sie durch die verschiedenen Formen der „Nutzung“ ausgesetzt sind. Das vorherbestimmte Leben ist eine ihnen zugeteilte Rolle, aus der diese Lebewesen keinen selbstständigen Ausweg finden können. Eine mangelnde Selbstbehauptung dieser Tiere im Vergleich zur Überlegenheit der kontrollierenden Spezies „Mensch“ ist keineswegs ein Indiz für die Rechtmäßigkeit dieser Verhältnisse – vielmehr ist diese Lage ein ganz besonderer Grund für die Förderung einer umfassenderen Ethik.

Tiere sind per se keine uns zur Verfügung stehende Quelle, über die die nunmehr 6,4 Milliarden Menschen auf diesem Planeten nach Lust und Laune verfügen können. Die komplexen Voraussetzungen sowie die Bedürfnisse von empfindungsfähigen Lebewesen veranlassen uns zu einer Verantwortung, die wir im Umgang mit ihnen zu tragen haben. Das nichtmenschliche Tier ist objektiv gesehen nicht weniger wertvoll als der Mensch. Der Mensch genießt innerhalb seines Verständnisses maximal eine höhere Priorität, objektiv gesehen jedoch nicht einen automatisch höheren Wert. Der Imperativ „Was Du nicht willst, das man Dir tu‘, das füg auch keinem andern zu!“ ist größtmöglichst erweiterbar auf alle, die ähnlich wie wir physische Schmerzen und psychisches Unwohlsein empfinden können.

Biologisch gesehen sind wir Menschen ebenso Tiere wie beispielsweise Schweine, Affen oder Pinguine. Uns verbindet eine gemeinsame Genetik, ein gleicher Ursprung und ähnliche Fähigkeiten des Empfindens. Dass der Mensch dabei eine besondere und rational hochentwickelte Rolle einnimmt, ist keine rechtmäßige Voraussetzung, um nichtmenschliche Tiere für sich auszubeuten, an ihnen giftige, ätzende oder schädigende Substanzen zu testen oder sie für andere Zwecke einschränkend zu gebrauchen. Das Tier ist im Menschen, denn der Mensch ist ein Tier. Jede Misshandlung und jeder schändlich begangene Mord am Tier, ist ein Verbrechen an uns selbst.

Die Anzahl der für menschliche Zwecke getöteten und benutzten Tiere steigt kontinuierlich. Tierversuche, Zirkus, Zoo, Dressur, Sport und diverse menschliche Egoismen außerdem weisen eindeutig auf ein gestörtes, zwiespältiges und zerrüttetes Verhältnis zwischen dem Menschen und den Tieren außerhalb seiner Spezies hin. Auf der einen Seite kultiviert der Mensch eine Art „freundschaftliches Verhältnis“ zu ganz bestimmten Tieren und integriert diese in seine soziokulturellen Strukturen – andererseits züchtet der Mensch leibeigene Sklaven mit besonderen Merkmalen für besondere Zwecke. Er erschafft genetisch programmierte Subjekte, benutzt sie wie Milchmaschinen, Fleischautomaten, Ei-Lege-Roboter und produziert immer wieder Leichen, Leichen, Leichen… Das klingt extrem? Den Schinken auf dem Teller nennt man Schinken, die Salami auf der Pizza nennt man Salami – was aber liegt da im Grunde genommen? Ein Schinken ist letztlich nicht nur ein Schinken, sondern die programmierte Reduktion von Lebewesen auf einen Konsumgegenstand.

Bedenke: Der Antrieb dieser Umstände speist sich aus der Summe aller Menschen, die sich auch weiterhin dafür entschließen, diesen Verhältnissen nicht mit Veränderung sondern mit kontinuierlicher Gleichgültigkeit zu begegnen.

Eines muss man sich konsequent vor Augen führen: Jedes Tier ist ein selbstständiges Individuum, mit konkret eigenen Empfindungen, einem individuellen Befinden und einer tatsächlichen Subjektivität. Es ist hauptsächlich der menschliche Drang zur Überheblichkeit, welcher die wechselseitige Herabsetzung des empfindenden nichtmenschlichen Individuums zu einem Objekt des wirtschaftlichen Marktes antreibt.

Quelle: soylent-network.com

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4 Kommentare zu “Behalte Deine Ausreden für Dich!

  1. Sehr guter Artikel.
    Ein ganz neues Argument habe ich gestern gehört: „Du hast so ein negatives Weltbild. Du siehst immer nur das Schlechte. Das ist ungesund, davon wirst du krank.“
    Ja, in der Tat, ich bin krank in meiner Seele ob des unfassbaren Mordens um mich herum.

  2. Ein super Artikel, ich stimme dem voll zu. Aber auf unserem Planeten fressen sich auch Tiere gegenseitig auf. Z.B. jagt der Puma die Gazelle und die Gazelle hat mindestens die gleiche Todesangst wie die armen Geschöpfe im Schlachthof. Von den vielen anderen Tieren die sich durch andere Tiere ernähren erübrigt es sich an dieser Stelle dem klugen Leser und Leserin es auf dieser Seite näher beschreiben zu müssen. Das die Menschheit millionenfaches Leid über die Tiere bringt ist auch eine Herausforderung an die Bewusstseinsbildung der nachwachsenden Generationen. Der Mensch ist nicht die Krone der Schöpfung, sondern die Krone der Zerstörung dieses Planeten. Dazu fällt mir eine Aussage von Max Frisch (1911-1991, schweizer Schriftsteller) ein:
    Die Delphine haben mindestens die Intelligenz des Menschen, doch keine Arme und Hände, deswegen haben sie die Welt nie erobert, und deswegen zerstören sie die Welt nicht.

    • Lieber Jan-Yannik,
      Dein „aber“ vermag ich nicht zu unterschreiben und nachzuvollziehen. Natürlich jagt der Puma die Gazelle und diese hat die gleiche Todesangst wie all die Tiere, die in den Schlachthöfen hingerichtet und ermordet werden. Was willst Du den Lesern dieses Blogs mit Deinem „aber“ verdeutlichen? Dass der menschliche Fleischkonsum doch eigentlich gar nicht so schlimm sei, weil Tiere ja auch Tiere essen würden?
      Jedoch das ist schon erst einmal falsch, denn nicht alle Tiere essen Tiere, sondern nur Raubtiere essen andere Tiere. So wird beispielsweise ein Kaninchen niemals ein anderes Tier töten, um es zu essen.

      Der Löwe, der Puma und jedes andere Raubtier hat letztlich keine Wahl. Es steht ihm nicht frei, eine Entscheidung gegen das Töten zu treffen und sich vegan zu ernähren. Der Mensch aber kann sehr wohl entscheiden, ob er töten will oder nicht. Er kann Tiere töten und sie aufessen, er kann sich aber auch ebenso pflanzenbasiert ernähren und vegan leben. Mit anderen Worten: Der Löwe tötet, weil er muss, tötet jedoch der Mensch, so tut er dies, weil er will.
      Nein und nochmals Nein, denn hinsichtlich unserer Ernährungsweise sollten sich Fleischkonsumenten nie und nimmer das eine oder andere Raubtier zum Vorbild nehmen, denn hiermit erteilen wir einerseits unseren eigenen Entscheidungsmöglichkeiten eine radikale Absage und kultivieren damit andererseits die schlechteren statt der besseren Optionen menschlichen Handelns.

      MfG – Wolfgang

      • Lieber Wolfgang,
        mit meinem „aber“ wollte ich auf keinen Fall den Fleischkonsum der Menschen rechtfertigen und schon garnicht Raubtiere zum Vorbild nehmen.
        Auf Deine Frage was ich den Lesern dieses Blogs verdeutlichen wollte, ist es mir wichtig, dass ich lediglich verdeutlichen wollte, dass es Todesängste in der freien Natur unter Tieren genauso gibt wie auf Schlachthöfen, allerdings hat die Schöpfung keine Schlachthöfe vorgesehen, so ist ein Bolzenschuss bestimmt noch grausamer als ein gezielter Todesbiss eines Löwen. Im Prinzip sind wir beide mit unserer Meinung ja nicht kontrovers, ich hatte ja Deinem Artikel meine volle Zustimmung attestiert.

        Beste Grüße
        Jan-Yannik

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