Wort zum Sonntag

Nachdenkenswerte Wahrheiten
von Dr. Gunter Bleibohm über den „Menschen in der Masse“ :

Dr. Gunter Bleibohm über Philanthropen und Misanthropen :

Der Philanthrop glaubt grundsätztlich an das Gute im Menschen, bedeutet doch Philanthropie Menschenfreundlichkeit oder Menschenliebe. Mit dieser Definition hat sich der Philanthrop bereits das Kainsmal des Illusionisten, des Wunschdenkers, des Realitäts – und Weltfremden als Etikett auf sein Wesen gebrannt. Philanthrop bedeutet in letzter Konsequenz für Klarsichtige eine Beschimpfung, fast Beleidigung, eine offenkundige Verneinung von tiefer Erkenntnisfähigkeit. Es ist die Bezeichnung für einen Menschen, dem das innere Wesen der Menschen fremd ist, das er ausblendet, kurzum, die Vorstufe zur Dummheit. Trotzdem – oder gerade deswegen – gilt der Philanthrop als der Geachtete, als der Gesellschaftsfähige, als Verkörperung eines humanen Ideals, als das Erstrebenswerte schlechthin.

Der Misanthrop, das sprachliche Gegenteil des Philanthropen, gilt als das zu Meidende, als das sozial Unerwünschte, als Sand im Getriebe der Gesellschaft, beschreibt doch Misanthropie die Haltung und Einstellung einer Person, welche das Wesen des Menschen an sich verachtet oder verabscheut – nicht weil es zur Spezies Mensch gehört, sondern weil er das Charakteristikum seines Menschenwesens illusionslos durchschaut hat. Seine innere Vernunft lehrt ihn den Antinatalismus, die einzige Handlungsmaxime überhaupt, die das Kollabieren, das Abgleiten der belebten Welt ins Chaos noch verhindern könnte; auch insofern ist er ein Mensch der Zukunft, der Vernunft.

Homo homini lupus, sagt Plautus, der Mensch ist für den Menschen ein Wolf und Publilius Syrus ergänz in seinen Sentenzen: Der Mensch ist dem Menschen  der schlimmste aller Feinde. Syrus und Plautus formulieren noch anthropozentrisch, allgemeingültig lautet ihre Aussage aber: Homo mundi lupus, der Mensch ist für die Welt ein Wolf, ist für die Welt der schlimmste aller Feinde.

Der Misanthrop ist der Mensch der Erkenntnis, der Denker der Freiheit, der Freund der Wahrheit, aber auch der Eremit, der zum political mainstream die größte aller denkbaren Distanzen aufweist. Misanthropie verkörpert Realitätssinn, Verachtung von Lüge und Anpassung, Liebe zur Eigenständigkeit, kritischen Abstand zum Alltagswahnsinn. Freunde der Redlichkeit, Verehrer der Aufrichtigkeit, Kinder der Wahrheit, lasst die Philanthropen im Sturm der selbstgewählten Verkennung der menschlichen Natur untergehen, macht das Wort Misanthrop künftig zu einem Ehrentitel und hört genau, was Friedrich Nietzsche euch im Antichrist mit auf den Weg gab:

Ich unterdrücke an dieser Stelle einen Seufzer nicht. Es gibt Tage, wo mich ein Gefühl heimsucht, schwärzer als die schwärzeste Melancholie – die Menschen-Verachtung. Und damit ich keinen Zweifel darüber lasse, was ich verachte, wen ich verachte: der Mensch von Heute ist es, der Mensch, mit dem ich verhängnisvoll gleichzeitig bin. Der Mensch von Heute – ich ersticke an seinem unreinen Atem …..

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2 Kommentare zu “Wort zum Sonntag

  1. Es ist leider alles wahr, was in diesem Wort zum Sonntag steht.
    So sieht es tatsächlich aus.
    Ich kann das so sehr nachvollziehen – es ist zum Verzweifeln.

  2. Dr. Bleibohm ist der derzeit größte Denker Deutschlands und das meine ich ehrlich!

    „Der Misanthrop ist der Mensch der Erkenntnis, der Denker der Freiheit, der Freund der Wahrheit, aber auch der Eremit, der zum political mainstream die größte aller denkbaren Distanzen aufweist. Misanthropie verkörpert Realitätssinn, Verachtung von Lüge und Anpassung, Liebe zur Eigenständigkeit, kritischen Abstand zum Alltagswahnsinn. Freunde der Redlichkeit, Verehrer der Aufrichtigkeit, Kinder der Wahrheit, lasst die Philanthropen im Sturm der selbstgewählten Verkennung der menschlichen Natur untergehen, macht das Wort Misanthrop künftig zu einem Ehrentitel.“

    Großartig!!!

    Daß man das Kindergeld erhöht, statt eine Strafsteuer für das Kinderkriegen einführt, gehört zu der großen Dummheit der Philanthropen in Deutschland!

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