Wort zum Sonntag


Dr. Bleibohm über Gespräche mit Fleischessern :

Es ist grundsätzlich der gleiche Ablauf, gehorcht doch jedes Gespräch über Tiermissbrauch mit einem beliebigen Fleischesser folgenden Schema: Er bekennt zunächst, dass auch er ein grosser Tierfreund sei, dass er kaum Fleisch esse, dann nur Biofleisch und dass das, was mit den Tieren geschehe, wirklich schrecklich sei. Insistiert man weiter, warum er Tiertötungen – trotz seines Wissens um deren moralische Verwerflichkeit – nicht persönlich entgegentrete, nehmen seine rhetorischen Windungen meist clowneske Züge an. Das Gespräch endet gewöhnlich damit, dass unser Gegenüber uns durch sein Schweigen niederbrüllt, das Thema wechseln will und sich bei nächster Gelegenheit schneller zurückzieht, wie seine Finger von einer heißen Herdplatte. Wir haben nicht den Mund für seine Ohren, für seinen Verstand.
Das Gesprächsergebnis ist, wie das Gespräch selbst, von stereotyper Regelmäßigkeit. Unser Gegenüber hat nicht bemerkt, wie er in den tiefen Abgrund zwischen seinen Worten und Taten gestürzt ist, wie er sich in seiner intellektueller Redlichkeit erniedrigt hat, er weiß hingegen aber sicher, dass er richtig handelt und uns zürnen muss.

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