„Thesenanschlag“ an der Tür der Pauluskirche in Dortmund mahnt mit zwölf Punkten zum Schutz der Tiere

„Wenn Schlachthäuser gläsern wären, hätte sich längst etwas geändert“, meinte Friedrich Laker, Pfarrer in der Pauluskirche in Dortmund an der Schützenstraße. Anlass: ein „Thesenanschlag“ mit zwölf Punkten an der Tür der Pauluskirche zum Schutz der Tiere. Der Aufruf wurde am Abend des 1. Advent auch bundesweit an die Leitungen der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), der katholischen Bischofskonferenz und die Leitungen aller ev. Landeskirchen sowie den Medien geschickt.

„Ziel ist es“, so Friedrich Laker, „damit die Kirchenleitungen aufzurufen, endlich ihre Stimmen hörbar und nachhaltig gegen das millionenfache Leid in der Massentierhaltung und den Tierversuchen zu erheben“. Darüber hinaus solle auch Einfluss auf Politik, Landwirtschaft und Forschung genommen werden. Bislang, so kritisierte der Pfarrer, habe sich bis auf ganz wenige Ausnahmen bei diesem Thema in den Leitungsgremien der Kirche kaum etwas bewegt.

Die Verfasser des Aufrufes, dazu gehört auch Pfarrer i.R. Dr. Ulrich Seidel, Vorsitzender der Aktion „“Kirche und Tiere e.V.“, sehen in Massentierhaltung und Tierversuchen eine „tiefe Verletzung der Mitgeschöpflichkeit“ und der Würde des Lebens. Vor dem Hintergrund, dass täglich 1,5 Millionen Tiere getötet werden oder dem Schreddern von Küken müsse sich der Mensch fragen: „Wie gehen wir mit der Schöpfung um“, sagte Friedrich Laker und kritisierte die „industrielle Ausbeutung“ von Tieren. Die Verfasser sehen mit ihrem Aufruf in der reformatorischen Tradition, „mutig und unverdrossen drängende theologische Themen anzusprechen und sich den dabei unweigerlich entstehenden Konflikten zu stellen“.

  • Immer mehr Menschen betrachten die industrielle Massentierhaltung, die Tierversuche und das damit verbundene qualvolle Leben und Sterben der Tiere als tiefe Verletzung der Mitgeschöpflichkeit. Sie halten es für unvereinbar mit der Würde des Menschen und der Würde der Tiere, das immense Leid weiterhin tatenlos hinzunehmen.
  • So wird auch Kritik an den Kirchen immer lauter. Viele Menschen fragen, warum Theologie und Kirche nicht hörbar und nachhaltig ihre Stimmen gegen das millionenfache Leid erheben.
  • Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Moral können sich nicht allein auf den Mitmenschen beschränken, sondern müssen alle Geschöpfe einbeziehen. Wir halten daran fest, dass Tiere sind wie wir Menschen: leidensfähig, intelligent und sozial, als beseelte Individuen geschaffen.
  • Am Verhalten gegenüber unseren „Geschwistern der Schöpfung“ (Franz von Assisi) wird sich erweisen, wie glaubwürdig unser Bekenntnis zum Schöpfergott wirklich ist.
  • Wir rufen die Kirchenleitungen auf, sich endlich diesen drängenden Fragen zu stellen. Wir erwarten von der Kirche als moralischer Autorität, dass sie in einem intensiven Dialog Einfluss nimmt auf Politik und Landwirtschaft mit dem Ziel, radikal neue Wege beim Umgang mit Nutztieren zu gehen.
  • Ebenso fordern wir einen intensiven Dialog mit Politik und Wissenschaft über die unzähligen qualvollen Tierversuche. Sie müssen hinsichtlich ihrer vorgeblichen Unverzichtbarkeit kritisch hinterfragt und schrittweise abgeschafft werden.
  • Kirche muss Anwältin sein derer, die nicht für sich selbst sprechen können: „Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind“. (Sprüche 31, 8)
  • Ausdrücklich mahnen wir Gemeinden, Christinnen und Christen an, Konsequenzen im persönlichen Verhalten zu ziehen. Angesichts eines unvertretbar hohen Konsums tierischer Produkte – mit all den negativen Folgen für Menschen, Tiere, Klima und nicht zuletzt den Welthunger – sind alle aufgerufen, ihr Verhalten zu ändern.
  • Bei allem kann die „Ethik des Genug“, die von der Aktion „Brot für die Welt“ postuliert wird, die Basis für ein neues Denken und Handeln sein.
  • Dieser Aufruf sieht sich in der Tradition der Reformation, mutig und unverdrossen drängende theologische Themen anzusprechen und sich den dabei unweigerlich entstehenden Konflikten zu stellen.

Quelle: nordstadtblogger.de

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10 Kommentare zu “„Thesenanschlag“ an der Tür der Pauluskirche in Dortmund mahnt mit zwölf Punkten zum Schutz der Tiere

  1. Vielen Dank an die Pfarrer F. Laker und U. Seidel für ihr Engagement in der verlogenen
    Kirche. Es wird Positives bringen.

  2. Dieser Thesenanschlag gehört einer breiten Öffentlichkeit (auch Fernsehen) zugänglich gemacht zu werden! Aber da sehe ich schwarz! Er wird wohl noch nicht einmal in den Kirchenzeitungen veröffentlicht werden und auch nicht in den Kirchgemeinden zur Diskussion gestellt werden.

    Egal, auch wenn es nur ein paar wenige Rufer in der Wüste gibt, so sind die ihrem Gewissen gefolgt und können sich in den Spiegel schauen, weil sie nicht weggeschaut haben. Solcherart Christen muß man achten, die Amtskirchen dagegen ob ihres Wegschauens verachten!

  3. Jeder kann sich das als PDF-Datei ausdrucken und selbst an die Kirchen verteilen oder anschlagen oder als E-Mail-Anhang an die Pfarrer versenden.

    • Werte Frau Franke,
      vielen Dank an Sie für diesen grossartigen Hinweis und wichtigen Tip, nämlich diese Thesen eigenhändig an Kirchentüren anzubringen bzw. mittels Email an Pfarrer zu versenden.
      Mit freundlichen Grüssen an Sie – W. Herrmann

      • Lieber Herr Nowack, so genau weiß ich das nicht mehr, das ist ja schon lange her. Ich glaube, sie kam dann letztendlich doch nach Butenland.
        Ich schreibe ja des öfteren bei solchen Meldungen an Veterinärämter.
        Ebenso wie ich jetzt den Anschlag an ziemlich alle irgendwie erreichbaren Pfarrer in Berlin geschickt habe.
        Herzlich
        Angela Franke

  4. Ich stimme den Vorkommentatoren in vollem Umfang zu. Eine Handvoll guter Christen macht noch keine gute Kirche.

    Aber selbst, wenn diese Aktion nur zur Rettung eines einzigen Tieres beiträgt, hat man damit Gutes getan. Im Talmud heißt es: „Wer auch nur ein einziges Leben rettet, rettet die ganze Welt“. Meines Wissens steht im Talmud nicht, dass es sich dabei nur um menschliches Leben handeln muss.

  5. Den Initiatoren dieser Aktion alle Ehren, aber letztendlich huldigen sie trotzdem einer imaginären Gestalt – Gott genannt – , die all dieses Leid zulässt. Ihr Gott ist nicht gutherzig. Irgendwie ist es ein Ausdruck von Schizophrenie sich im Namen eines Gottes für Tiere einzusetzen.
    Man muß es jedoch befürworten, da auf diesem Wege, der ein oder andere Gläubige zum Nachdenken angeregt wird.

  6. Bezugnehmend auf meine Anfrage an Angela Franke zu der gefolterten Kuh, habe ich eigene Recherchen angestellt, leider auf meine Anfrage bei Hof Butenland keine Antwort bekommen, darum mächtig gegoogelt. Hier das Ergebnis, was niederschmetternd ist, denn das zuständige Veterinäramt hat die arme Kuh nach erfolgter Operation wieder dem Bauern (dem Folterer) gegeben, also die Kuh nicht beschlagnahmt, siehe:

    http://barrynoa.blogspot.de/2016/12/tierqualerstaat-deutschland.html

    Unrechtsstaat Deutschland! Mehr ist dazu nicht zu sagen!

    • Danke für die gründliche Recherche, Herr Nowack!

      Längerfristig sollte anstelle der Beschlagnahme die Inobhutnahme stehen. Ersteres wird auf Sachen – leider noch auf Tiere – angewendet. Letzteres wendet man auf Menschen an und leider noch nicht auf Tiere.
      Aber wenn es den Tieren hilft und sie in liebevolle Obhut kommen, ist es aus pragmatischen Gründen erstmal egal, wie man den Verwaltungsakt nennt.

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