Vegan oder nicht – das ist hier die Frage

Kabarettist, Liedermacher und Autor Holger Paetz regt mit seinem Programm „Auch Veganer verwelken“ zum Lachen und aber auch zum Nachdenken an:

„Schön, dass Sie zur Ernährungsberatung gekommen sind“, sagt Holger Paetz und legt gleich los mit den modernen Essgewohnheiten. „Selbst die Kanzlerin isst bei den Sitzungen nur noch Gemüsesticks. Das sollte verboten werden, denn dadurch bilden sich die Zähne zurück.“ Er selbst sei von Kindesbeinen das Fleischessen gewohnt – nicht nur zu Festtagen, sondern täglich. „Wir sind mit Schweinefleisch aufgewachsen“, erzählt er. „Das Schmalz haben wir uns aufs Nutellabrot geschmiert.“ Die Schnitzel seien meist als Jäger oder Zigeuner maskiert gewesen, und wer kein Fleisch aß, wurde als Sektenmitglied verschrieen. Vegetarier seien eine dämliche Luxuserscheinung gewesen: „Jeder kann essen, was er will. Er soll mir nur nicht in meiner Küche begegnen.“

Doch Paetz kann noch härter: Vegetarier kommt von vegetieren, Vegetarier haben mehr Stuhlgewicht, weil der Körper das Zeug los werden will, Vegetarier haben eine längere Lebenserwartung, aber wofür? Alle schlimmen Dinge – Opium, Heroin, Kokain – sind pflanzlich. „Und die Katze frisst auch nur Gras, wenn sie kotzen will.“

Aber es geht noch ein bisschen schlimmer im Verzicht auf Fleisch: Über den Vegetariern stehen die Veganer. „Sie sagen komische Sachen und sehen so fahl aus“, findet Paetz. „Und sie lachen nicht.“ In der Schweizer Armee gelte der Veganer als Krankheitsfall, dabei seien doch Salutieren und sich in den Dreck werfen vegan.

So weit, so gut. Mit diesen und ähnlichen Vorurteilen sehen sich Vegetarier und Veganer täglich konfrontiert. Das wäre aber zu einfallslos und langweilig für ein abendfüllendes Programm und würde sicherlich nicht für ausverkaufte Häuser sorgen.

Holger Paetz verrät endlich, in welche Küche er gehört, nämlich in die fleischlose. Sein Arzt hatte ihm geraten, auf den Konsum von totem Tier zu verzichten, nachdem er bei seinem Patienten eine beginnende Gicht diagnostizierte. Nach anfänglicher Trotzreaktion – „da war ich zum letzten Mal“ – beginnt Holger Paetz, sich Gedanken zu machen. „Es hat ein bisschen gedauert, mich umzustellen“, erzählt er. „Aber erkläre mal einem Schwein, dass du nur ein Stückchen von ihm willst. Und dann nimm auch noch das Messer und steche zu.“ Er beobachte, dass selbst eingefleischte Fleischesser vor dem Verzehr von rohem Fleisch zögern. „Und warum sollten Schwangere keine Innereien essen, wenn die Nierchen und die Leber so gesund sind?“

Als er dem Metzger seines Vertrauens erzählt, dass er kein Fleisch mehr esse, will der natürlich wissen: „Was essen Sie denn dann noch?“ Dabei findet Holger Paetz: „Man wird milder nach ein paar Wochen ohne Fleisch. Und auch die sexuelle Leistung nimmt mit fallendem Fleischkonsum zu. Und außerdem heißt es doch, dass der durchschnittliche Veganer weiblich, jung, überdurchschnittlich gebildet und aus der Großstadt kommt. Für mich hört sich das sexy an.“

Wen streichlen, wen essen?

Er geht aber noch weiter in seinen Gedanken: „Wenn du ein Lamm siehst, dann denkst du nicht unbedingt ans Essen, weil es so süß ist. Das Schwein dagegen lässt sich halten wie die Sau. Und was kann es dafür, dass der Regenwald für den Sojaanbau abgeholzt werden muss? Es hat halt Hunger.“ Wer es mit seinem Gewissen vereinbaren könne, solle doch auch seine Katze und seinen Hund essen. „Wieso finden wir Hundeschmalz pervers und Schweineschmalz nicht?“ Die Frage drängt sich für ihn auf, wo man die Grenze zieht, wen man streichelt und wen man isst?

Vielleicht geht es mal ohne Fleisch, sinniert Paetz. Aber ohne Sahne und Käse? Das können sich viele nicht vorstellen. Dabei vergessen sie ganz, dass die Milch eigentlich dem Kälbchen gehört. Ohne Kälbchen keine Milch. Trotzdem zieht das Kälbchen den Kürzeren.

Entwickeln wir uns in eine fleischlose Gesellschaft?, fragt Holger Paetz. Seiner Meinung nach würde der Klimawandel dafür sprechen. Dagegen, dass es schmeckt. „Aber was schmeckt, macht süchtig und was süchtig macht, macht krank.“

Ist das noch lustig? Nicht durchgehend. Und manchem Besucher bleibt das Lachen im Halse stecken. „Die Veganer zwingen einen zum Nachdenken“, sagt Paetz, der zwischendurch immer wieder ein Liedchen trällert. So auch zum Schluss: „Mitgeschöpfe bleibt am Leben. Frei von Fleisch bleiben unsere Teller, wir waren immer schon vegan.“

Quelle: schwaebische.de

 

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5 Kommentare zu “Vegan oder nicht – das ist hier die Frage

  1. Gut geschriebener in einer Mainstreamzeitung. Man sieht, die können auch anders.
    Freut mich.
    Vielen Dank für diesen Text.

  2. Holger Paetz:
    “ Wer es mit seinem Gewissen vereinbaren könne, solle doch auch seine Katze und seinen Hund essen. „Wieso finden wir Hundeschmalz pervers und Schweineschmalz nicht?“ Die Frage drängt sich für ihn auf, wo man die Grenze zieht, wen man streichelt und wen man isst?“

    Paetz bringt es auf den Punkt, die dekadente deutsche Gesellschaft unterscheidet streng nach Streicheltieren und Nutztieren, widerlich!

    Ich kannte den Kabarettisten Paetz bisher nicht. Ich kann allerdings nicht mitreden, da ich keine derartigen Sendungen im deutschen Fernsehen schaue. Mich würde aber mal interessieren, ob Paetz Sendezeit im deutschen Fernsehen mit seinem Programm bekommt? Vielleicht klärt mich mal ein Fernsehgucker auf. Wenn ja, dann müßte ich eventuell überdenken, doch ab und an mal den Fernseher wieder anzustellen, auch bei mir ansonsten verhaßten deutschen Sendern.

    • Lieber Bernd,
      betreffs dieses Vorschlags kann man nur hoffen und wünschen, dass es letztlich nicht nur ein Vorschlag bleibt, sondern dass er auch schnellstmöglich und auch deutschlandweit realisiert wird. Aber ich ahne Schlimmes, nämlich dass es wie üblich Kräfte und Gegenströmungen geben wird, die diesen Vorschlag niederschmettern und unter den Teppich kehren werden.
      LG – Wolfgang

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