Henryk M. Broder über Demokratie und Populismus

Henryk M. Broder beschreibt wieder einmal ehrlich, die Zustände in unserem Land. Einer der ganz wenigen, die sich nicht scheuen, unbequeme Wahrheiten auszusprechen. Sehr interessant und auch sehr lehrreich sind jedenfalls seine Worte: „Populisten sind prinzipiell immer die anderen. Es gibt keinen Politiker, der kein Populist wäre. Frau Merkel ist Populistin, Herr Seehofer, Herr Gabriel sowieso ….. und Herr Gysi ist der reine Links-Populist.“

In seiner Kolumne auf welt.de „Höhenflug von Arroganz und Verachtung“ schreibt Broder unter anderem:

Nun, da die schweigende Mehrheit der Amerikaner von ihrem wichtigsten Grundrecht Gebrauch gemacht hat, ist es den Eliten wieder nicht recht. Sie werden auch in Europa ihr blaues Wunder erleben […..]  Wie die Wahl ausgegangen war, erfuhr ich am frühen Mittwochmorgen durch einen Freund, der mich aus dem Bett klingelte. Ich verspürte einen Hauch von klammheimlicher Schadenfreude, so, als hätte ein Seifenkistenchampion, über dessen Übermut sich alle lustig gemacht haben, ein Formel-1-Rennen gewonnen oder gar den Weltmeistertitel […..] Mein erster klarer Gedanke war: Was wird Frank-Walter Steinmeier sagen, der vor Kurzem den republikanischen Kandidaten einen „Hassprediger“ genannt und ausdrücklich „vor der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten gewarnt“ hatte. Ich musste nicht lange auf eine Stellungnahme des Außenministers warten. Mit einem Gesicht, als habe man ihm gerade ein großes Glas Rizinusöl zum Frühstück serviert, sagte der Chef des Auswärtigen Amtes: „Selbstverständlich werden wir dieses Wahlergebnis akzeptieren. Wir akzeptieren es!“ […..]

Und über die Kanzlerin schreibt Broder: Die Kanzlerin gratulierte zwar dem „Gewinner der Präsidentschaftswahlen zu seinem Wahlsieg“, schickte aber einen kleinen Giftpfeil hinterher. Deutschland und Amerika seien „durch Werte verbunden“, dazu gehörten „der Respekt vor dem Recht und der Würde des Menschen, unabhängig von Herkunft, Haarfarbe, Religion, Geschlecht, sexueller Orientierung oder politischer Einstellung“. Auf der „Basis dieser Werte“, so die Kanzlerin, biete sie „dem künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten eine enge Zusammenarbeit an“.

Auf eine solche Ermahnung und Belehrung hatte nicht nur der künftige Präsident der USA, sondern das ganze amerikanische Volk gewartet. Vergesst nicht unsere gemeinsamen Werte! Ein Höhenflug der Arroganz! Es kann allerdings sein, dass die Kanzlerin diese Botschaft eigentlich an den Präsidenten der Türkei richten wollte, auf dem Weg zur Pressekonferenz aber die falsche Mappe mitgenommen hatte…..

Und Broder fährt fort:

Dieser Höhenflug der Arroganz und Verachtung des „flachen Landes“ wurde nur noch durch ein Statement des Präsidenten der EU-Kommission, Jean-Claude Juncker, übertroffen. Er habe mit Präsident Hollande und mit Frau Merkel, mit Herrn Schulz, Herrn Tusk, Herrn Renzi und anderen geredet, „niemand kennt ihn, aber ich habe den Eindruck, wir werden ihn kennenlernen, er uns aber auch“, wobei Juncker die Bedeutung der letzten Worte mit einen satanischen Lächeln unterstrich. Was lernen wir daraus? Die politischen Eliten, angefangen bei den Thinktanks bis zu den Spitzen der EU, haben von den USA keine Ahnung. Sie wissen, wo es in New York die besten Margaritas, in Washington die besten Spareribs und in Los Angeles die besten Tacos gibt, aber sie wissen nicht, wie Amerika tickt.

Und abschliessend sagt Broder:

Was in den USA eben passiert ist, steht auch Europa bevor: Der Aufstand der Mündel gegen die Bevormundung durch Eliten, die es sich in einer Seifenblase aus Privilegien und Vorurteilen gemütlich eingerichtet haben. Diese Eliten haben die „schweigende Mehrheit“ immer wieder aufgerufen, das Schweigen zu brechen, aktiv zu werden, sich einzubringen und einzumischen. Nun, da die schweigende Mehrheit der Amerikaner von ihrem wichtigsten Grundrecht Gebrauch gemacht hat, ist es den Eliten auch nicht recht. Das ist aber nicht der Abgesang auf die Demokratie, es ist der Anfang vom Ende einer langen Ära des Hochmuts. Reality welcome!

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2 Kommentare zu “Henryk M. Broder über Demokratie und Populismus

  1. Herr Broder versteht den Unmut der Leute, die Politiker nicht – oder es ist ihnen egal, so lange es immer noch Leute gibt, die ihr Kreuzchen bei ihren Parteien machen.

  2. Ja, liebe Naturfreundin, es wird mit größter Sicherheit im nächsten Jahr wieder eine große Mehrheit der Deutschen das Kreuzchen bei Systemparteien machen oder ganz zuhause bleiben und damit den Systemparteien zum Sieg verhelfen. Donald Trump und Frauke Petry sind Tierschützern schon jetzt „unheimlich“ Der deutsche Dumm-Michel und das deutsche Lieschen Müller sind mit Argumenten nicht zu überzeugen. Die Volksverblödung der deutschen Staatsmedien wirkt, aber wie! Allein die vielen Tierschützer die abfällig über Pegida denken. obwohl die am konsequentesten gegen die Islamisierung Europas antreten. Statt Pegida zu spenden, da spenden Tierschützer mitunter für die MUT (Tierschutzpartei), damit mit diesem Geld „Willkommensfeste“ für islamische Neubürger veranstaltet werden können. Da ist Hopfen und Malz verloren, mit solcherart Tierschützern ist kein Blumentopf zu gewinnen und es wird alles beim Alten bleiben. Anschließend höre ich sie aber jammern und klagen und die armen Tiere bedauern, die beim Schächten gequält werden.

    Es ist doch auffällig, daß so gut wie alle Anti-Establishment-Parteien und Politiker in Europa den Wahlsieg Trumps mit großer Begeisterung begrüßen, aber das morsche Alte in einer Art Schockstarre verfiel und nun aber trotzig: „Nun gerade!“ schreit. Das erinnert fatal an die letzten Jahre in der DDR als Gorbatschow an die Macht kam und in der Sowjetunion Glasnost und Perestroika einführte, die DDR aber starrköpfig am alten System festhielt (Gorbatschow: “ Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!“). Die winzig kleine DDR wurde größenwahnsinnig, meinte, sie könnte dem mächtigen Moskau, der Besatzungsmacht, Paroli bieten. Das Ergebnis ist bekannt! Gorbatschow vereinbarte, ohne die DDR-Winzlinge zu fragen, die Wiedervereinigung mit Kohl.

    Ähnlich stellt es sich heute dar, mit dem sich gegen Trump und dessen neuen Kurs stellen. Deutschland wird mal wieder größenwahnsinnig, will sich gegen die Politik der USA stellen. Nichts aus der Geschichte gelernt: dumm, dümmer, deutsch! Schon der Kaiser nahm den Kriegseintritt der USA im 1. Weltkrieg nicht ernst, meinte, Deutschland könnte den Ton in der Welt angeben. Und erst der absolut größenwahnsinnige Hitler, der erklärte gar im 2. Weltkrieg den USA den Krieg: Deutschland, Deutschland über alles!

    Daß „Rest“-Europa schon viel weiter ist, als das mal wieder im Leben zu spät kommende Deutschland, das beweisen die großen Zustimmungszahlen für den Brexit in England und das gute Verhältnis der britischen Premierministerin May mit Trump, die großen Zahlen für den Front National in Frankreich mit der LePen an der Spitze, für Geert Wilders „Partei für die Freiheit“ in den Niederlanden, für Präsidentschaftskandidat Hofer von der FPÖ in Österreich und das beweisen die schon seit langem einen neuen Kurs eingeschlagenen Länder Polen, Slowakei, Tschechien, Ungarn.

    Um Deutschland wird es zusehends einsamer, trotzig mimt es den letzten Mohikaner!

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