Das schmutzige Geheimnis der Fleischindustrie

Bild: Shutterstock

Wir essen die Umwelt kaputt! Die industrielle Viehproduktion trägt deutlich mehr zum Klimawandel bei als bislang bekannt. Das Problem wird sich in den nächsten Jahren verschärfen, denn die Gier nach billigem Fleisch wächst und die Folgen werden weitgehend ignoriert. Noch streiten Forscher, wie stark der weltweite Anstieg der Durchschnittstemperatur in den nächsten Jahren sein wird. Die jüngsten Zahlen sind aber beunruhigend: Dieser Juli war laut US-Klimabehörde NOAA der wärmste Monat seit 1880 – seit damals werden Messungen durchgeführt.

Kein Zweifel besteht indes, dass dieser Klimawandel größtenteils vom Menschen verursacht wird. Vor allem die Verwendung fossiler Energieträger wie Öl und Kohle führt zu Emissionen von Treibhausgasen wie Kohlendioxid. Industrie, Verkehr, Energieerzeugung – der hohe Lebensstandard hat seinen Preis.

Völlig vernachlässigt wird aber ein Aspekt, der uns schwer im Magen liegen sollte: Unsere Ernährung trägt einen großen Teil zum Klimawandel bei. Konkret ist es der Fleischkonsum, der gravierende Auswirkungen hat. Und zwar aus mehreren Gründen:

  • Die Landschaft verändert sich: Rodung von Wäldern und Umwandlung von Grasland in landwirtschaftlich genutzte Flächen wirken sich nachhaltig auf das Klima aus.

  • Futtermittel: Für Kühe, Schweine und Hühner wird zum Teil Futter verwendet, dessen Anbau Auswirkungen auf das Weltklima hat – etwa durch großflächigen Sojaanbau in Südamerika. Berechnungen von Experten zufolge werden für ein Kilogramm Fleisch heute zehn Kilogramm Futtermittel benötigt.

  • Emissionen durch Herstellung und großzügigen Einsatz von Düngemitteln, vor allem stickstoffhältiger Dünger, etwa beim Anbau von Mais.

  • Wasserverbrauch: Um Fleisch zu produzieren, wird Wasser benötigt – viel Wasser: Schätzungen zufolge werden für ein Kilogramm Rindfleisch 15.000 Liter Wasser verbraucht.

  • Energieeinsatz in der Landwirtschaft: Um Ställe mit Energie zu versorgen, um Traktoren und Maschinen anzutreiben, werden fossile Energieträger verwendet.

  • Methan-Ausstoß: Wissenschaftlich als „enterogene Fermentation von Wiederkäuern“ bezeichnet, geht es um die die Methanemissionen aus dem Verdauungsvorgang und den Fäkalien von Rindern. Die Fütterung mit Kraftfutter erhöht den Methan-Ausstoß pro Kuh. Der Viehproduktion wird das Eineinhalbfache der natürlichen Methanemissionen zugerechnet. Es mag witzig sein, über die Kuh-Verdauung zu reden, doch das Treibhausgas Methan hat mehr Auswirkungen auf den Treibhauseffekt als CO2 (GWP, Global Warming Potential). Alle schauen weg

Welche Folgen das für das Klima nach sich zieht, hat die Dokumentation „Cowspiracy“ aufgezeigt. US-Filmemacher Kip Andersen fühlte sich einer „Kuhverschwörung“ auf der Spur: Erstaunlich ist nämlich die weitgehende Ignoranz, die diesem brisanten Thema entgegengebracht wird – und zwar nicht nur seitens Politik und Wirtschaft, sondern auch seitens der Umweltschutzorganisationen. Für Andersen ist dies, als würde man über Lungenkrebs sprechen, aber das Rauchen nicht als Hauptursache erwähnen. Das könnte aber daran liegen, dass Organisationen wie Greenpeace die unbequeme Wahrheit nicht ansprechen wollen, um ihre Spendeneinnahmen nicht zu gefährden. Und so konzentriert man sich lieber auf minimal sinnvolle Maßnahmen wie den Einbau sparsamer Duschköpfe statt im Großen zu denken. Kernaussage des Films: Die industrielle Fleischproduktion ist Hauptursache des Klimawandels – und nur mit Umstellung auf vegane Ernährung kann dies abgewendet werden.

Über den genauen Anteil am Klimawandel streiten indes die Experten: Die in „Cowspiracy“ genannten 51 Prozent Anteil an Treibhausgasemissionen beruhen auf Berechnung des World Watch Institutes (eine US-Forschungseinrichtung), bei denen Methan und Landnutzung deutlich mehr Beachtung finden als bei anderen Berechnungen. Diese Zahlen werden allerdings vielfach in Zweifel gezogen, in unterschiedlichen Studien werden Werte zwischen 18 und 40 Prozent genannt – auch das deutlich mehr als den meisten von uns bewusst ist. In einer vielzitierten Studie aus 2012 (Vermeulen und andere) wird der Anteil der Lebensmittelproduktion an den Treibhausgasemissionen auf 19 bis 29 Prozent geschätzt.

Tatsache ist: Die industrialisierte Viehhaltung hat große Auswirkungen auf Luft- und Wasserverschmutzung, auf die Biodiversität und die rasche Änderung geographischer Verhältnisse in allen Weltregionen. Anders gesagt: Wir essen die Umwelt kaputt. Erstmals hatte ein Report der FAO, der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, 2006 auf den „langen Schatten“ der Tierproduktion hingewiesen: Diese sei unter den Top Drei der wichtigsten Faktoren für Umweltprobleme weltweit; Viehhaltung sei für neun Prozent der menschlich verursachten (anthropogenen) CO2-Emissionen verantwortlich sowie für mehr als ein Drittel des Methan-Ausstoßes.

Das enorme Ausmaß der industriellen Viehhaltung wird an den unglaublichen Zahlen ersichtlich, die den Fleischkonsum rund um ein einziges Ereignis dokumentieren: Am Super Bowl-Sonntag, also am Tag des Endspiels der amerikanischen Football-Liga, werden in den USA 1,3 Milliarden Hühnerkeulen verspeist. Das bedeutet, dass 650 Millionen Hühner nur für diesen einen Tag geschlachtet werden. Typisch USA? Nein, denn Fleisch ist auch in vielen anderen Ländern der Erde zu einem großen, „unverzichtbaren“ und „selbstverständlichen“ Bestandteil der Ernährung geworden. Wie sich das auf das Klima und auch auf die betroffenen Tiere auswirkt, wollen allerdings die allermeisten Fleischkonsumenten gar nicht erst wissen.

FAKTEN:

  • 1,3 Milliarden Menschen weltweit sind in der Tierproduktion beschäftigt
  • 312 Millionen Tonnen Fleisch werden heuer weltweit produziert (FAO). In den vergangenen 50 Jahren hat sich die Produktion damit vervierfacht, bis 2050 soll sie auf 465 Millionen Tonnen steigen.
  • 70 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen weltweit dienen laut Schätzungen des Weltagrarrats der Unesco der Nutztierhaltung.

Hier noch die oben erwähnte Doku des US-Filmemachers Kip Andersen in deutsch-synchronisierter Fassung:

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