Von feigen und mutigen Kabarettisten

Andreas Thiels Bühnenkarriere als Satiriker neigt sich gemäss seinem Interview in der NZZ vom 16. August dem Ende entgegen. An der Frisur wird es nicht liegen, auch wenn sie mir nicht gefällt. Zu weit hat er sich offenbar in Sachen Islam aus dem Fenster gelehnt, der Ritterschlag vom «Allergrössten» (Schawinski) zum Rassisten dürfte ihm den Rest gegeben haben.

Selbst im kulturellen Bereich ist der Einfluss der als Religion getarnten Staatsideologie «Islam» unübersehbar. Ein vermeintlich neues Phänomen? Mitnichten, nur für diejenigen, die sich wie die drei Affen verhalten und seit Jahrzehnten Augen, Ohren und Mund vor Mohammed und seinen ergebenen Kameraden verschliessen.

Ein Blick zurück: Freimütige Äusserungen prominenter Kabarettisten und Satiriker, die sonst vor keinem Tabubruch zurückschrecken, belegen seit Jahren eine Selbstzensur, die vor allem deshalb erschreckend ist, weil sie nicht einmal mehr für Aufsehen sorgt. Hape Kerkeling: «Ich würde und werde mich mit dem Islam öffentlich nicht beschäftigen. Aus Angst.» Oder Harald Schmidt in einem Interview mit der Taz auf die Frage, ob er einen gefährlichen Beruf hätte: «Nein. Man muss nur ein bisschen wachsam sein. Sie brauchen die nötige Portion Feigheit. Machen Sie doch lieber Witze über Bush, das ist ungefährlich.»

Schmidt gibt ferner zu, dass ihn neben der Reaktion auf die dänischen Mohammed-Karikaturen auch eine Erfahrung eines alten Grossmeisters der TV-Unterhaltung, Rudi Carrell, geprägt hat. Dieser hatte im Februar 1987, als die Sensibilität gegenüber Befindlichkeitsstörungen islamischer Fundis noch lange nicht so ausgeprägt war wie aktuell, Ayatollah Khomeini anlässlich des achten Jahrestages der Islamischen Revolution mit einem Sketch verulkt: «Ayatollah Khomeini wird von der Bevölkerung enthusiastisch gefeiert.» Im Bild dazu wurde der Revolutionsführer mit BHs und Slips beworfen. Teheran reagierte, umgehend von der iranischen Botschaft in Deutschland informiert, unmissverständlich: Die «ungeheuerliche Beleidigung» sollte nicht ungestraft bleiben. Menschenmassen wurden für Demos vor der deutschen Botschaft gegen das faschistische Regime mobilisiert, der deutsche Botschafter einbestellt, deutsche Diplomaten ausgewiesen, das Goethe-Institut in Teheran vorübergehend geschlossen. Das Ende der Geschichte: Der Auslöser der Hassorgie, Rudi Carrell, hat nie mehr einen Witz oder Sketch über irgendetwas gemacht, was im Entferntesten mit dem Islam zu tun hatte. Perfekte mediale Nacherziehung.

Ebenfalls aus Angst zog der Droste-Verlag ein Buch der Autorin Gabriele Brinkmann zurück. Unter dem Pseudonym (aus Angst!) W.W. Domsky verfasste sie den Roman «Wem Ehre gebührt», in dem sie das Thema Ehrenmorde aufgreift und ihren Protagonisten einige deftige Worte in den Mund legt. Nach Durchsicht des Textes durch die muslimische (!) Rechtsanwältin Gülsen Celebi nahm der Verleger das Buch aus dem Programm, denn «spätestens nach den Mohammed-Karikaturen weiss man, dass man Sätze und Zeichnungen, die den Islam kritisieren, nicht veröffentlichen kann, ohne ein Sicherheitsrisiko einzugehen». Endlich verstehe ich, was gewisse politische Kreise unter kultureller Bereicherung verstehen.

Nachhaltig berühmt als ein weiteres Beispiel besorgter Selbstzensur ist die Aufführung der Mozart-Oper «Idomeneo» an der Deutschen Oper Berlin von Regisseur Hans Neuenfels im Herbst vor zehn Jahren. In Abweichung vom ursprünglichen Libretto wollte Neuenfels am Ende vier abgeschlagene Köpfe über die Bühne tragen lassen. Sie standen für die vier Religionsstifter: Buddha, Jesus, den altgriechischen Gott Poseidon und Mohammed. Die Intendantin der deutschen Oper, Kirsten Harms, verbot die Aufführung aus Angst, Gläubige könnten sich beleidigt fühlen und – man höre und staune – unkalkulierbar reagieren. Die Sorge galt weder Buddhisten, noch Christen noch den Freunden griechischer Sagen.

Ihr eigenes Werk, eine islamkritische Skulptur mit dem Titel «Aggression», Teil der Jahreswerkschau der Düsseldorfer Kunstakademie, brachte die junge Schweizer Künstlerin Fleur Stoecklin 2006 um den Schlaf. Nachdem sie mehrere Drohungen erhalten hatte, bat sie darum, das Werk aus der Ausstellung zu entfernen. Der Rektor der Hochschule, Peter Lynen, erfüllte ihr den Wunsch.

Man mag von Andreas Thiel als Persönlichkeit halten, was man will, als Satiriker und Kabarettist ist er grosse Klasse. Darum darf er die Dinge auch beim Namen nennen, zum Beispiel, dass der von 1,3 Milliarden Menschen mehr oder weniger verehrte Prophet Mohammed Mord, Sklavenhandel, Vergewaltigung und Kinderschändung nicht nur gutgeheissen, sondern gefördert und dazu aufgerufen hat. Es stellt sich die Frage, warum nach der Welt nun auch noch die Satire schweigt und zur Tagesordnung übergeht oder gar einer Politik das Wort redet, die auf eine Kapitulation vor einer gewaltbereiten Ideologie Islam hinausläuft. Ein laizistischer Rechtsstaat deckt den Tisch für einen toleranten Dialog. Nur: Von 57 Mitgliedsstaaten der «Organisation der Islamischen Konferenz» (OIC), dem weltweit bedeutendsten islamischen Zusammenschluss auf Staatsebene, besitzt nur ein einziger, Indonesien, eine Verfassung, die auf Gleichheit, Rechtsstaatlichkeit und Toleranz basiert. Da fällt mir der Philosoph Gerhard Engel ein: «Am Runden Tisch können nur Personen Platz nehmen, die sich als prinzipiell gleichrangig sehen. Wenn aber Nicht-Muslime nicht als gleichrangig gelten und Atheisten und Agnostiker sogar niedriger als Tiere stehen, wird ein gläubiger Muslim den runden Tisch zerschlagen – schon um seine Position im Paradies nicht zu gefährden.»

Saudiarabien hat kürzlich beschlossen, den Bau von 200 weiteren Gotteshäusern (genannt Moscheen) in Deutschland zu finanzieren. Ich finde, wir sollten uns dringendst revanchieren. Ich weiss, seit spätestens diesem Satz lebe ich gefährlich, was solls, ich werde auch auf der Bühne meinen Mund nicht halten, denn wenns schiefläuft, wartet ja das Paradies.

Marco Caimi

Der Autor Marco Caimi ist Arzt und Kabarettist
Quelle: „Die nötige Portion Feigheit“

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4 Kommentare zu “Von feigen und mutigen Kabarettisten

  1. Hat dies auf hubwen rebloggt und kommentierte:

    Unglaublich diese Schere im Kopf, wo man aus Angst vor islamischen Befindlichkeiten Selbstzensur übt, um mit hypersensiblen Muslimen nicht zu kollidieren. Alle Nicht-Muslime werden als Feinde des Islam gesehen. Es gibt keine kulturelle Freiheit im Islam.

  2. Es gibt mutige Leute, aber kaum jemand ist bereit, wie der dänische Karikaturist, der die Mohamed-Karikaturen zeichnete, sein Leben mit Polizeischutz und unter STÄNDIGER Lebensgefahr zu verbringen.
    Das kann ich durchaus verstehen.

    Wenn allerdings jemand dann doch Kritik übt (z.B. Hamed Abdel-Samad), dann sollte man diesen Mut LOBEN. Statt dessen machen demjenigen dann auch noch die Islamfreunde der „Antifaschisten“ das Leben zur Hölle.
    Wie sagte noch ein Kabarettist einst: „Freiheit, das heißt, keine Angst zu haben, vor nichts und niemand!“
    Daran kann man ermessen, in welcher Art von „Freiheit“ wir leben.

    Sehr guter Artikel!

    LG

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