Soll Tierquälerei hinter Betonmauern unsichtbar bleiben?

Presseeinladung von Animal Rights Watch zum Prozess gegen ein Tierschutz-Filmteam bei Magdeburg am 26.09. 2016:

Betreff: Öfftl. Hauptverhandlung wegen Hausfriedensbruch gegen 3 Tierschutz-Filmer/innen
Wann: Montag, 26.September 2016, 09:00 Uhr
Wo: Amtsgericht Haldensleben, Stendaler Str. 18 , 39340 Haldensleben (bei Magdeburg)

Tierschutz-Filmteam wegen Hausfriedensbruch angeklagt – Soll Tierquälerei hinter Betonmauern unsichtbar bleiben?

Animal Rights Watch (ARIWA) veröffentlichte 2013 Filmmaterial aus der „van Gennip Tierzuchtanlagen GmbH“ in Sandbeiendorf (Sachsen-Anhalt) und löste damit eine Kette von Ereignissen aus: Die Aufnahmen von massiver Tierquälerei und schweren tierschutzrechtlichen Verstößen in einem der größten Schweinezuchtbetriebe Deutschlands führten auf der einen Seite zu behördlichen Kontrollen, die einen Großteil der Verstöße bestätigten. Verstöße, die bei früheren Routinekontrollen nie festgestellt worden waren, jetzt aber zu Zwangsgeldern von mehr als 100.000 Euro führten. Auf der anderen Seite wird aber auch gegen die drei Tierschützer/innen, die die Aufnahmen erstellt haben, wegen Hausfriedensbruch ermittelt. Das eingeleitete Strafverfahren gegen Verantwortliche der van Gennip Tierzuchtanlagen GmbH wegen hundertfachen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz wurde Ende 2015 eingestellt. Das Verfahren gegen die Rechercheaktivist/innen nicht: Sie stehen am 26.09.2016, 09:00 Uhr in Haldensleben bei Magdeburg vor Gericht. Finanziell wird die Verhandlung von der Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt und der Erna-Graff-Stiftung für Tierschutz unterstützt.

Drei Tierschützer/innen haben in zwei Nächten im Juni und Juli 2013 die kombinierte Schweinezucht- und -mastanlage für 65.000 Tiere betreten, um heimlich das Leid der Tiere und ihre gesetzeswidrige Haltung zu filmen. Dabei wurden solch gravierende tierschutzrechtliche Verstöße dokumentiert, dass ARIWA Anzeige erstattete. In anschließenden umfangreichen Ermittlungen wurden die aufgedeckten schweren Verstöße – die nicht bei vorhergehenden Routinekontrollen durch das Veterinäramt entdeckt worden waren – bestätigt. Es wurden erhebliche Zwangsgelder im fünf- und sechsstelligen Bereich erlassen.

Im September 2014 zeigte der Betreiber im Gegenzug die Tierschützer/innen wegen Hausfriedensbruch an. Dazu erklärt Erasmus Müller, einer der Angeklagten: „Wir haben die Anlage nachts ohne Einwilligung des Betreibers betreten, weil es sonst keine Möglichkeit gab, die dort anhaltende Qual der Tiere aufzudecken. Dabei wurden keine Türen aufgebrochen oder etwas verändert. Normale Veterinäramtskontrollen sind angekündigt, erfassen bei großen Betrieben in der Regel nur einen kleinen, oftmals vorbereiteten Teil und sehen auch hier oft nur oberflächlich kurz in die Hallen rein. Dass sich Verstöße auf diese Weise nicht effektiv feststellen lassen, ist offensichtlich.“

Aus Sicht von ARIWA ist das Betreten solcher Anlagen zu Dokumentations- und Beweiszwecken gerechtfertigt. „Das Recht der Tiere auf physische und psychische Unversehrtheit und auf ein Leben ohne Qual und Bedrängnis überwiegt unseres Erachtens das Hausrecht der Anlagenbetreiber und deren wirtschaftliche Interessen. Ein milderes Mittel, die Öffentlichkeit über die Zustände in den Tierfabriken zu informieren und die Strafverfolgungs- und Veterinärbehörden zum Tätigwerden zu motivieren, ist uns nicht bekannt“, erklärt Achim Stammberger, Vorsitzender von ARIWA. Denn häufig werden die Veterinärbehörden erst dann gegen Tierschutzverstöße aktiv, wenn Videomaterial vorliegt und dessen Veröffentlichung für öffentliches Interesse an weiterer Aufklärung sorgt. „Wir sehen in der Erstellung und Verbreitung dieser Aufnahmen daher keinen Rechtsverstoß, sondern eine bürgerliche Pflicht.“ Das Urteil kann die rechtliche Bewertung solcher Fälle grundlegend beeinflussen.

Wir laden Sie ein, der Verhandlung beizuwohnen und darüber zu berichten. ARIWA wird ab 8:30 Uhr vor dem Gerichtsgebäude das Videomaterial aus der Schweinezucht in Sandbeiendorf zeigen und mit einer Kundgebung auf das Tierleid in der modernen Nutztierhaltung aufmerksam machen. Es wird Möglichkeiten für Foto- und Videoaufnahmen sowie für Interviews mit den Angeklagten geben.

Unter folgendem Link finden Sie Fotoaufnahmen aus der „van Gennip Tierzuchtanlagen GmbH“ in Sandbeiendorf, das in den beiden besagten Nächten 2013 angefertigt wurde. Sie dürfen es mit dem Quellenhinweis „Animal Rights Watch“ im Zusammenhang mit dieser Pressemeldung verwenden:

https://www.flickr.com/photos/animalrightswatch/albums/72157671354550422
Bitte kontaktieren Sie uns bei Interesse an dem erstellten Video-Material.

Pressekontakt:
Sandra Franz, Tel.: 01577-6633353, E-Mail: presse@ariwa.org
Erasmus Müller, Tel.: 0151-10705030

Animal Rights Watch e.V. (ARIWA) ist eine gemeinnützige, bundesweit tätige Tierrechtsorganisation. ARIWA deckt die Zustände in der Tierindustrie auf und fördert eine tierfreundliche, vegane Lebensweise. Die bundesweit verteilten Ortsgruppen führen Kampagnen und Aktionen gegen Tierausbeutung und für die Anerkennung von Tierrechten durch.

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2 Kommentare zu “Soll Tierquälerei hinter Betonmauern unsichtbar bleiben?

  1. Das verwundert nicht, daß Tierquälerei in den deutschen Tier-KZ´s nicht dokumentiert werden soll. Die Nazis ließen auch ein paar mal das Internationale Rote Kreuz KZ´s besichtigen. Natürlich machten die Nazis vorher alles so, daß das Rote Kreuz keine wesentlichen Mängel oder gar Verbrechen fand. Ansonsten ließen sie auch keinen rein, hätten Filmleute auch vor Gericht gestellt. In dieser deutschen Tradition bleibt man. Nun sind es in heutiger Zeit keine Menschen, sondern Tiere. Aber da diese genau wie Menschen Schmerzen und Leid empfinden, ist das Verbrechen an ihnen genau so schlimm wie das Verbrechen der Nazis damals an Menschen.

    Bei den alten Nazi-Verbrechen scheut man sich nicht, auch noch 95jährige vor Gericht zu zerren, so einen alten gebrechlichen Mann der nur 4 Wochen in einem KZ als Sanitäter tätig war, der an keinen Verbrechen beteiligt war. Man argumentiert jetzt, daß jeder der irgendwie mit einem KZ zutun hatte, schuldig sei an den Verbrechen. Und diese uralten Männer sperrt man tatsächlich noch ein, wie andere Fälle belegen.

    Widerlich! Zu den Verbrechen heute an den Tieren aber schweigt man, zerrt noch diejenigen vor Gericht, die diese Mißstände aufdecken.

  2. Nein! Jegliche Tierquälerei, und dazu gehört auch Schlachten und Schächten, Tierversuche, Massentierhaltung usw, sollte stets an die Öffentlichkeit gebracht werden. Und alle Teilnahmslosen betreffs all des schrecklichen Elends und Leidens sollten beim Schlachten/Schächten selbst Hand anlegen müssen.
    Und welch ein Armutszeugnis es doch ist, engagierte Tierschützer, die diese Barbareien ans Licht der Öffentlichkeit bringen, vor ein Gericht zu zerren und zu verurteilen. Statt dieser großartigen Menschen sollten die Tierquäler und Befürworter der rücksichtslosen Tierausbeutung hart bestraft werden. Und alle Richter, die engagierten Tierschutz-Aktivisten eine Geldstrafe aufbrummen oder sie IM NAMEN DES VOLKES auf andere Art und Weise kriminilasieren, sollten ins Gefängnis wandern.

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