Anmerkungen zur Religionsfreiheit

Der Mensch wählt seine Religion nicht frei; er wird hineingeboren. Normalerweise.

Mit seiner Geburt wird er – zumindest durch die monotheistischen Religionen – in ein System der Unfreiheit hineingezogen, denn monotheistische Religionen sind  in ihrer Grundsubstanz totalitär und erheben den Anspruch, im Besitz einer absoluten, nicht diskussionsfähigen Wahrheit zu sein. Religionsunterricht in Schulen und in Tempeln dient der frühkindlichen Prägung im Sinne des jeweiligen übergeordneten Systems; Diktatoren aller Länder und Zeiten kannten und kennen das Prinzip. Die frühe Prägung lässt erwarten, dass die Zahl der späteren Abweichler, Menschen also, die sich auf einen selbständigen Erkenntnisweg machen, nachhaltig und deutlich minimiert wird. Sie bleiben ihrer Religion dank Frühprägung lebenslang verbunden, laufen ihr hinterher wie die Gänseküken ihrem Experimentator.

Um den jeweiligen der zahllosen Gottesgedanken rankt sich ein System dogmatischer und ritueller Vorschriften, die freies Denken radikal beschneiden, denn sie schreiben vor, was zu glauben, was nicht zu glauben ist, was zu achten und was zu bekämpfen ist. Kurzum, sie schreiben dem Menschen vor, was zu tun und was zu unterlassen ist; bis hin zu Kleidungs-, Waschungs- und Essensvorschriften.

Aber ein ganz anderer Punkt ist der Entscheidende. Alle Forderungen der Religionen sind ein Konkretum der Unterwerfung, der versprochene Lohn immer ein Abstraktum. Der Märtyrer stirbt nicht bildlich, sondern faktisch, seinen Lohn jedoch erhält er in „Phrasenvaluta mit Luftdeckung“ wie es Alfred Polgar nennt. Und er fährt fort: „Das Kreuz ist immer Wahrheit, die Auferstehung immer Legende. Die Marter immer real, die Seligkeit immer metaphorisch“, der Sprengstoffgürtel ist immer real, die 72 Jungfrauen als Belohnung immer eine Chimäre.

Gibt es eine üblere Täuschung der Menschen, wenn man sie das Vernichtende in der Realität erleben lässt, das Gute aber immer auf ein unüberprüfbares Jenseits bildlich verlegt? Ist es nicht das denkbar Bösartigste, wenn, wie Albert Camus schreibt,  manche sich paradoxerweise für Ideen oder Illusionen umbringen lassen, die ihnen Grund zum Leben waren? Solche Systeme können nur funktionieren, wenn der Mensch durch Gehirnwäsche  bis hin zur Denkunfähigkeit manipuliert wurde und geistig paralysiert wurde. Es sei denn, es war a priori kein Geist vorhanden, der paralysiert werden konnte.

Es ist ein gleichgeschaltetes, weltweites System der geistigen Unterdrückung, ein fundamentalistisches und totalitäres System der Unfreiheit. „Religionsfreiheit“ bedeutet in concreto, dass es dem jeweiligen Religionssystem erlaubt ist, seine Anhänger zumindest der geistigen Freiheit, oftmals und zunehmend aber auch der körperlichen Handlungsfreiheit zu berauben. Religionsfreiheit bedeutet bedauerlicherweise nicht „frei von Religion“, sondern impliziert einen wuchernden globalen Unterdrückungsmechanismus. „Das Ganze läuft unter dem Namen: Toleranz“ fasst Günther Anders zusammen. Vernunft ist seit der Antike das höchste Gut der frei und ungebunden denkenden Menschheit, nicht hingegen aber unbewiesene Gottesphantasien.

Die Forderungen nach frei agierenden Religionen kommt daher dem klammheimlichen Wunsch entgegen, diktatorische Strukturen und Fäden in das Geflecht demokratischer Denkgewohnheiten sukzessive zu integrieren und werden von denjenigen Menschen mit Nachdruck und Vorliebe propagiert, deren Nutzen im weitesten Sinn von der Unterdrückung von Mensch und Tier  – siehe Schächten – abhängt. Man lügt dazu schamlos ein Unterdrückungssystem in ein System für Freiheit und Menschenrechte um. Nichts beschneidet jedoch Menschenrechte und Freiheit, die Achtung vor Natur und allen Mitlebewesen mehr, als Religion.

Religion ist das Synonym für lebenslange Unfreiheit, für eine geistige Versklavung  par excellence.

Gunter Bleibohm/13.08. 2016

Advertisements

7 Kommentare zu “Anmerkungen zur Religionsfreiheit

  1. Dr. Bleibohm:

    „Solche Systeme können nur funktionieren, wenn der Mensch durch Gehirnwäsche bis hin zur Denkunfähigkeit manipuliert wurde und geistig paralysiert wurde.“

    Absolut zutreffend!

  2. Sehr interessante Gedanken.
    Ich denke, dass die meisten Christen in Deutschland nur sehr lose mit dem Christentum verbunden sind. Ich schätze, dass nur ein kleiner Teil den Glauben wirklich ernsthaft praktiziert. Christliche Fundamentalisten gibt es in Deutschland höchstens bei den kleineren Religionsgemeinschaften wie den Zeugen Jehovas oder den Mormonen.
    Die Zahl der Menschen OHNE Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft ist in Deutschland sehr hoch.
    Bei anderen Religionen, vor allem dem Islam, aber auch dem Judentum (siehe Beschneidung und Schächten), sieht es dagegen sehr anders aus. Für diese Menschen trifft das oben Gesagte wohl in den meisten Fällen absolut zu.

  3. Lieber Wolfgang,
    ja Gunter Bleibohm analysiert die Relgionen genau und treffend. Es stimmt, dass der versprochene Lohn immer ein Abstraktum ist, ein unüberprüfbares Jenseits.

    „Der Märtyrer stirbt nicht bildlich, sondern faktisch, seinen Lohn jedoch erhält er in „Phrasenvaluta mit Luftdeckung“ wie es Alfred Polgar nennt. Und er fährt fort: „Das Kreuz ist immer Wahrheit, die Auferstehung immer Legende. Die Marter immer real, die Seligkeit immer metaphorisch“, der Sprengstoffgürtel ist immer real, die 72 Jungfrauen als Belohnung immer eine Chimäre.

    Hier wird das Konkrete gut gegen das abstrakte demonstriert.

    Auch da kann ich nur voll und ganz zustimmen:
    “ Ist es nicht das denkbar Bösartigste, wenn, wie Albert Camus schreibt, manche sich paradoxerweise für Ideen oder Illusionen umbringen lassen, die ihnen Grund zum Leben waren? Solche Systeme können nur funktionieren, wenn der Mensch durch Gehirnwäsche bis hin zur Denkunfähigkeit manipuliert wurde und geistig paralysiert wurde. Es sei denn, es war a priori kein Geist vorhanden, der paralysiert werden konnte.“

    Religion ist geistige Unterdrückung und ein System der Unfreiheit.

    „Religionsfreiheit bedeutet bedauerlicherweise nicht „frei von Religion“, sondern impliziert einen wuchernden globalen Unterdrückungsmechanismus.“

    Dieser Beitrag ist wirklich sehr erhellend und entlarvt die infamen und unterdrückenden Methoden von Religionen. Religion bedeutet Unfreiheit. Ich fühle mich jedenfalls freier ohne Religion – das ist meine Religionsfreiheit.

    Liebe Grüße an Dich – Hubert

    • Lieber Hubert,
      vielen Dank für Deinen Kommentar und ich empfinde es ebenso wie Du, nämlich das Dr. Bleibohm ein grossartiger Aufklärer ist – eben ein „Mensch mit Herz und Verstand“. Und wer Dr. Bleibohm´s Worte und Wahrheiten in den Wind sät und ignoriert, der kann einem nur noch schrecklich leid tun und hinsichtlich derartig unverbesserlicher Religioten tickt es dann immer in meinem Kopf: „Mögen sie mit ihrem imaginären Gott und Religions-Idiotismus von mir aus hoffentlich selig werden!“

      Ich war ja früher selbst einmal solch ein Religiot und bin nunmehr heilfroh darüber, dass mich eines Tages die Vernunft heimgesucht und meine damaligen religiösen Ansichten und Überzeugungen mehr und mehr in Frage stellte. Welch ein Glück für mich, dass ich diesem „wuchernden und globalen Unterdrückungsmechanismus“ noch rechtzeitig von der Schippe gesprungen bin und somit Deine Worte, das Du Dich ohne Religion um ein Vielfaches freier fühlst, nur unterstreichen kann.
      Liebe Grüsse an Dich – Wolfgang

  4. Hat dies auf hubwen rebloggt und kommentierte:
    Dr. Bleibohm analysiert Religionen ganz treffend. Es ist so wie er sagt: Der Mensch wählt seine Religion nicht frei; er wird hineingeboren. Auch das Frühprägung kann ich nur unterstreichen. Auch der kanadische Psychiater Wendell W. Watters, schreibt in seinem Buch „Tödliche Lehre“ (Vorsicht – christlicher Glaube könnte ihre Gesundheit gefährden!) über die frühkindliche Indoktrination, aus der sich Menschen dann nur mit großen Schwierigkeiten wieder befreien können.

    Wenn die Menschen etwas ignoranter wären, würde die Astrologie gedeihen – wenn sie etwas aufgeklärter wären, würde die Religion aussterben.
    Robert G. Ingersoll

  5. „Die Forderungen nach frei agierenden Religionen kommt daher dem klammheimlichen Wunsch entgegen, diktatorische Strukturen und Fäden in das Geflecht demokratischer Denkgewohnheiten sukzessive zu integrieren und werden von denjenigen Menschen mit Nachdruck und Vorliebe propagiert, deren Nutzen im weitesten Sinn von der Unterdrückung von Mensch und Tier – siehe Schächten – abhängt. Man lügt dazu schamlos ein Unterdrückungssystem in ein System für Freiheit und Menschenrechte um.

    Nichts beschneidet jedoch Menschenrechte und Freiheit, die Achtung vor Natur und allen Mitlebewesen mehr, als Religion.“

    Sehr gut formuliert!

    Und trotzdem können die Menschen nicht von Religion lassen, weil sie krampfhaft sich an was klammern wollen. Ganz widerlich, die Menschen, die um das milliardenfache Elend der Tiere wissen und trotzdem an einen Gott glauben! An was für einen Gott glauben sie da? An einen Gott der seine Augen und Ohren zumacht vor den Schmerzensschreien der Tiere in den Tier-KZ´s und in den Schlachthäusern oder den es nicht interessiert, wie arme Lasttiere in südlichen Ländern unter Schlägen, ohne ausreichende Nahrung und Wasser, 12 Stunden am Tag schwere Ziegelsteine schleppen müssen, auf einem Rücken der mit Wunden übersät ist.

    Nein, wer an einen solchen Gott glaubt und ihn ehrt, der empfindet kein Mitleid mit Tieren oder ist so dumm im Kopf, verblödet durch religiöse Propaganda, daß er zwischen Gut und Böse nicht unterscheiden kann, denn wenn es tatsächlich einen Gott gibt, dann ist es ein unbarmherziger grausamer Gott, der eher als Teufel zu bezeichnen ist.

    Jeder der an einen gütigen Gott glaubt, der sollte sich in Grund und Boden schämen, bei all dem Elend auf der Welt um ihn herum. Nur weil er nicht im Elend leben muß, wie ein Tier z.B. im Tier-KZ, kann er auf die Idee eines gütigen Gottes kommen., Das ist sehr, sehr egoistisch gedacht!

  6. Aus meinen neuen Aphorismen:

    A n n a h m e. – Es fehlt bis heute jeder Beweis für die Existenz eines Gottes, alle Gottesbeweise sind kläglich gescheitert.
    Was wäre eigentlich, was würde geschehen, wenn es gelänge, den unangreifbaren Nachweis für eine Gottesunmöglichkeit, für die Gottes-Nicht-Existenz zu erbringen und alle Gottesvorstellungen nur eine Fiktion, eine Utopie, eine Fata Morgana wären? Was würde aus dem Glaubensbruder, wenn der Boden, das Fundament seiner Lebenshoffnung und Jenseitsperspektive schwände und sich als Sinnestäuschung, als Trugbild erweisen würde? Würde er dann erkennen, dass er gleich dem Tier, gleich jedem Lebewesen in seiner Erbärmlichkeit, in seiner Belanglosigkeit, in seiner Vergeblichkeit, Nichtigkeit und Bedeutungslosigkeit ist?
    Man mache sich jedoch selbst bei Eintritt dieses spekulativen Falls keine Illusion. Schneller als man denken kann, würde ein neuer Ersatzpfeiler innerhalb der Menschheit zur Rechtfertigung ihrer anthropozentrischen Hybris errichtet, denn eines wird der Mensch, solange es ihn geben wird, intellektuell niemals verkraften: Die Erkenntnis seiner universellen Bedeutungslosigkeit, die Umsonstigkeit jedes und damit auch seines Lebens.
    .

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s