Gute Argumente gegen die Fuchsjagd

Leserbrief von Rosemarie Kalscheuer zum Artikel auf rp-online.de:
„Tiere sollen abgeschossen werden – Füchse werden in Dormagen zur Plage“

Unwiderlegbare Argumente gegen die Fuchsjagd gibt es in etlichen wissenschaftlichen Publikationen, die Grundlage für die folgenden Punkte sind. Ich möchte lediglich auf die im Artikel erwähnten Gründe eingehen, mit denen nach altbewährter Jägerlatein-Manier mal wieder das Töten dieser nützlichen Tiere gerechtfertigt werden soll. Zum Glück lässt der Artikel emotional keinen Zweifel daran, dass die Fuchsjagd reines Hobbytöten ist – der herrliche Fuchs als Gegenpol zu seinem hämisch-grinsenden Feind… Ein Feind, der „vorsorglich“ die Flinte mit auf ein frisch gemähtes Feld nimmt. Zu wessen Vorsorge? Doch wohl nur deshalb, weil er die Vollmondnacht nicht abwarten kann und die Chance, einen Fuchs auf einem frisch gemähten Feld bei der Mäusejagd zu überraschen, recht groß ist. Ein Feind, der dann erfolgreich sein „Exemplar“ zur Strecke bringt. Ist es nicht widerwärtig, von einem Lebewesen als von einem „Exemplar“ zu sprechen? Und zeigt nicht alleine diese Wortwahl
die Einstellung zu diesem Geschöpf?

Aber jetzt zum Sachlichen:

Punkt 1: Der Fuchs reißt Geflügel

Jeder Geflügelhalter ist für seine Tiere verantwortlich und muss für ihren Schutz sorgen. Aber nicht dadurch, dass er andere Tiere umbringt oder töten lässt. Der  Zaun um die Geflügelverschläge muss, um die Tiere vor den Bodenfeinden (zu denen nicht nur der Fuchs gehört) zu schützen,  mindestens 50 cm tief in den Boden eingelassen, 2 m hoch und nach außen hin schräg abgewinkelt sein. Gegen Flugfeinde sollten die Verschläge überspannt werden. Offenbar liegt hier eine aus tierschutz-rechtlichen Gründen nicht zu verantwortende Tierhaltung vor.

Punkt 2: Die Fuchspopulation sollte nicht zu sehr steigen

Tut sie auch nicht. In diesem Jahr sind durch die lang anhaltende nasskalte (Rekordniederschläge!) Witterung eh die meisten Welpen verstorben. Zudem war das Nahrungsangebot so gering, dass weitere Verluste zu beklagen sind. Da Eulen und Füchse z.T. das gleiche Nahrungsspektrum haben, klagt selbst die „ Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen“, dass eine derart „enge Nahrungssituation an vielen Brutplätzen … in über dreißig Jahren Uhumonitoring“ noch nicht beobachtet worden sei. In nicht-bejagten Regionen (die gibt es zum Glück tatsächlich!) ist übrigens die Geburtenrate mit 1,7 Welpen je Wurf wesentlich niedriger als in bejagten Revieren!

Punkt 3: Der Fuchs greift Niederwild wie Fasan und Rebhuhn an

Es wäre ja auch zu schade, wenn der Fuchs sich ein Wild nimmt, das ihm von seiner Natur her zusteht, was aber dann dem Jäger nicht mehr als Beute dienen kann… Bzgl. dem Niederwild „Feldhase“ sei hier erwähnt, dass im Jagdjahr 2014/2015 nach Angaben des Landesjagdverbandes NRW 46.984 Feldhasen erschossen wurden (bundesweit 236.106) – davon hätte man ja wohl dem Fuchs ein paar gönnen können… Zumal dieser lediglich kranke und verletzte Hasen erwischt, der Jäger jedoch den gesunden Bestand gefährlich dezimiert!

Punkt 4: Tollwut und Fuchsbandwurm

Tollwut ist seit 2008 in Deutschland gebannt, was nicht der Jagd, sondern der Bekämpfung mit Impfködern zu verdanken ist. Die Wahrscheinlichkeit, am Fuchsbandwurm, einem der seltensten Parasiten Europas, zu erkranken, ist geringer als ein Sechser im Lotto. Übrigens ist die Maus der Hauptträger des Fuchsbandwurms, und sein Hauptüberträger sind Haustiere! Zudem steigert die Jagd jegliche Wildtierpopulation – die Natur versucht, die Verluste durch höhere Geburtenzahlen auszugleichen. Leer geschossene Reviere füllen sich durch neue Einwanderungspopulationen, die eventuell Krankheiten mitbringen und verbreiten.

Punkt 5: Fuchsbau in der Nähe eines Kindergartens

Der Fuchs wird von sich aus nie die Nähe der Menschen, seiner Todfeinde, suchen. Da müssen diese schon mit Fütterungen seine Neugier und Zutraulichkeit wecken, und das kann man ja schließlich vermeiden.

So, das ist jetzt ein langer Leserbrief. Aber ich hoffe, dass ein wenig Aufklärung die Füchse schützt. Wer mehr wissen will, erlese sich Fakten zu Abschusszahlen von Füchsen, grausamsten Jagdmethoden wie der Bau- und Fallenjagd, dem Nutzen der füchsischen „Wald-Gesundheits-Polizei“, der Fuchsjagd als Verstoß gegen das Tierschutzgesetz usw.

Rosemarie Kalscheuer


Tierschützer entsetzt:
Der WWF erklärt die Trophäen- und Auslandsjagd für salonfähig

Und wen wundert es: Der Deutsche Jagdverband (DJV) begrüßt selbstverständlich diese Position des Worldwide Fund for Nature (WWF) zur Auslandsjagd: Wissenschaft und Praxis würden zeigen, dass Trophäenjagd ein wirksames Mittel für Naturschutz sein kann, wenn sie Teil einer breiten Mischung unterschiedlicher Strategien und Maßnahmen wäre. Siehe: „WWF-Position zur Auslandsjagd“

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