Tierschützer und Facebook

Seit ich aktiv im Tierschutz und für Tiere arbeite, werde ich auf Facebook mit Ratschlägen und Kritik überhäuft, die leider oft a) nicht wirklich durchführbar sind, b) bereits längst versucht wurden und nicht funktionierten oder c) die völlig am Thema vorbei zielen. Geleistete Arbeit wird  erschreckend oft schlecht geredet.

Dafür sind die Anforderungen , bzw Vorstellungen, was jemand zu leisten hat, der ehrenamtlich angetreten ist, seine Zeit freiwillig den Tieren zu widmen, teilweise grotesk.

Ich arbeite Vollzeit, verbringe meist selbst während der Arbeit und zusätzlich jede freie Minute damit, die benötigten Kontakte für Hilfsaktionen zu finden und zu vernetzen, Übersetzungen zu erstellen, Unterstützer zu begeistern und Gelder aufzutreiben. „Nur PC und Mailarbeit, hüstel“  hat jemand einmal verächtlich dazu geschrieben, der selbst aktiv Tiere betreut. Mag sein. Ich tue einfach das, was ich am besten kann und auch diese Arbeit hat bereits viele Leben gerettet und Projekte auf den Weg gebracht, die segensreiche Tierschutzarbeit vor Ort finanzieren.

Meine größte Hochachtung vor allen, die Pflegestellen bieten können und aktiv Tiere retten und betreuen, Hochachtung vor allen Aktiven ! Hochachtung vor allen Vereinen und Aktivisten. Nie würde mir in den Sinn kommen, deren oder überhaupt die Arbeit irgendeines Tierschützers öffentlich gering zu reden. Warum auch ?

Ganz gleich an welcher Front gekämpft wird. Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, das Verteilen von Tropfen auf heißen Steinen. Wenig Tropfen und viele heiße Steine. Es ist freiwilliger Verzicht auf Feierabend und Freizeit. Konfrontation mit Leid und Tod und Frustration. Mir wäre nie in den Sinn gekommen, dass es beständig der Rechtfertigung für diese Arbeit und die Art wie man sie leisten möchte, bedarf.

Nur weil man Tierschützer ist, muss man nicht perfekt sein. Bei Gott, ich denke, wir alle geben unser Bestes und anstatt aufeinander herum zu hacken und die Fehler der anderen  öffentlich anzuprangern, wäre Zusammenhalt für die EINE, wichtige Sache hilfreich. Dazu gehört auch, einfach einmal still zu sein und die Zähne zusammen zu beißen oder nach Lösungen zu suchen, die dem Gesamtprojekt nicht schaden.

Denn eigentlich geht es doch …Genau!  Um die Belange der Tiere!

Wenn ich spende, dann spende ich nicht, weil ich gerne meinen Namen auf Facebook lesen möchte sondern weil die Tiere es brauchen, weil die Arbeit der Aktivisten unterstützt werden soll. Ich mache diese Zuwendungen nicht davon abhängig, wie angemessen ich dafür hofiert werde, ob mir die Nase des Spendensammlers gefällt,  sondern wie dringend sie gebraucht werden und wie viel ich beisteuern kann.

Wenn ich die Art und Weise, wie ein Verein, eine Orga arbeitet, für mich selbst nicht ansprechend finde…dann wechsele ich zu einer anderen oder starte eigene Projekte. Ich würde versuchen, es besser, anders zu machen aber niemandem vorschreiben wollen, wie er seinen Beitrag leisten möchte, wie er sein Projekt gestaltet!

Wenn ich der Meinung bin, dass etwas nicht rund läuft oder eingegriffen werden muss, dann würde ich immer versuchen, das intern zu regeln. Tierschutz und ganz besonders Auslandstierschutz, hat teilweise einen sehr angegriffenen Ruf.

Vielleicht Balsam für das eigene Ego,  wenn man sich ausgiebig auskotzt, bemitleidet wird, Dampf ablassen kann oder Zustimmung findet. Aber dieser kurze Moment im Netz ist für lange Zeit Steilvorlage für alle Gegner, die sich bestätigt fühlen, wann immer das, was in der Kritik steht,  öffentlich zelebriert wird. Ich weiß, es läuft manches falsch im Tierschutz und auch unter Tierschützern. Trotzdem . Wir sitzen alle im gleichen Boot und jeder Auftritt nach außen tangiert uns daher alle. Eigentlich haben wir alle ein einziges Ziel, wenn wir es wirklich ernst meinen, eigentlich sollte nur eines im Vordergrund stehen…

Denn es geht ja… genau! …nicht so sehr um uns, sondern um Tiere und wie man sie am besten unterstützt. Kleiner Tipp: So eher nicht !

Einmal ganz abgesehen davon, dass dieses Facebook Verhalten eher Kindergarten oder in schlimmeren Fällen, Mobbing Qualitäten hat…meist kennt man die oft sehr komplexen Hintergründe nicht.

Wann immer ich lese, dass sich jemand schlecht oder „undankbar“  behandelt fühlt, Misstände oder Versäumnisse  herausposaunt, eine Orga schlecht redet oder Unregelmäßigkeiten angeprangert, werde ich hellhörig, denke zunächst an die Flurschäden, die dabei ALLEN Vereinen entstehen. In den meisten Fällen wäre intern zu regeln gewesen, was auch immer zu regeln war. Aber man hat den anderen Weg gewählt. Auch wenn das eigentlich für den Tierschutz als Gesamtheit nicht hilfreich war. Das macht mich traurig oder stößt mich ab. Je nachdem.

Und dann gibt es diesen wunderbaren „entfreunden“ oder „blockieren“ Button. Man muss auch als Tierschützer auf Facebook nicht mit jedem kommunizieren, mit jedem „befreundet“ sein oder bleiben, dessen Verhalten man im Privatleben nicht tolerieren würde oder einfach doof findet.

Ich nehme mir die Freiheit, die Menschen, mit denen ich arbeite, die Menschen mit denen ich kommunizieren möchte, deren Posts ich auf Facebook sehe, und sie meine,  nach ihrer Wertschätzung AUCH für Menschen auszuwählen. Danach, dass bestimmte Schnittmengen einfach gleich sind, besonders in Sachen Anstand und Fairness, damit ich sie gerne auf Facebook treffe. Danach, wie sie über andere schreiben, ganz gleich ob es dabei um Vereine, um Parteien, Minderheiten oder Mitstreiter geht.

Davon gibt es zum Glück eine ganze Menge . Deren Posts, deren Rat und Beistand, Kritik und Ermutigung beflügelt alle Projekte und macht Facebook erst zu dem Platz wo ich gerne sein möchte. Unter „Freunden“.

Dass ich das konsequent so einhalte, dafür darf man mich übrigens gerne kritisieren. Es entspricht in diesem Fall absolut der Wahrheit

Quelle: guteskarmatogoblog.wordpress.com

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Ein Kommentar zu “Tierschützer und Facebook

  1. Auf dem selben Blog ein sehr, sehr guter Beitrag zum, Gedenken an den Stier Lorenzo:

    https://guteskarmatogoblog.wordpress.com/2016/07/12/tragischer-todesfall-in-der-stierkampfarena-ruhe-in-friedn-lorenzo/

    Daß die Stiere schon Tage vor ihrem „Auftritt“ in den Arenen so gefoltert werden, das war mir bisher nicht bekannt. Mit so einem Land, wie Spanien, da bilden wir Deutschen in der EU eine „Wertegemeinschaft“? Pfui, Teufel, Deutschland! Die Deutschen sollten sich in Grund und Boden schämen in so einem Land Urlaub zu machen, statt es zu boykottieren. Rußland wird von Deutschland mit Boykott überzogen, und mit Spanien halten wir, unterstützen es finanziell bei der Bankenkrise?

    Einfach nur widerlich! Es sind dieselben „Gutmenschen“ die in Deutschland sich über die AfD und Pegida aufregen, die aber keine Skrupel haben, mit Spanien zu halten und dort Urlaub zu machen. Einfach nur widerlich!

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