Morgenandacht eines jagenden Pfarrers (Teil 2)

Antwortschreiben von Prof. Klaus Hamper an Pfarrer und Jäger Unrath:

Na, Herr Pfarrer Unrath, da hat sich aber jemand zumindest Mühe gegeben. Das Thema ist zwar komplex, aber so viel Sophismus (https://de.wikipedia.org/wiki/Sophismus_(Rhetorik)) wäre nun wirklich nicht nötig gewesen. Man sollte Probleme auf das Wesentliche reduzieren, anstatt sie mit Begriffen wie „Biblizismus“ und „Exegese“ weiter zu komplizieren. Einer der Murphy‘schen Grundsätze, den man oft in wissenschaftlichen Publikationen wiederzufinden glaubt, lautet: „If you cannot convince them, confuse them.“ Genau das tun Sie mit Ihrer Stellungnahme. Ihre argumentative Verzweiflungstat erklärt nichts, sondern bewegt sich folgerichtig in dem von innen verspiegelten Aquarium, in dem Sie wirken. Es ist eben ein grundsätzlicher Unterschied, ob man von außen auf etwas schaut und es beurteilt, oder ob man ausschließlich systemimmanent UND anthropozentrisch denkt und damit am Tellerrand der eigenen Froschperspektive klebenbleibt. Auch wenn Sie im Sinne einer Putativnotwehr bereits jetzt ankündigen, eine weitere Diskussion – auch mit ernstzunehmenden Gesprächspartnern – zu verweigern (warum sollten Sie das tun, wenn Sie sich nicht des brüchigen Eises bewusst wären, auf dem Sie sich bewegen), erlaube ich mir dennoch, einige Punkte Ihrer weitschweifigen Betrachtungen aufzugreifen. Vielleicht lösen sie bei Ihnen ja doch noch einen kleinen und sicher nötigen (wenn schon nicht Zu-Ende- dann doch wenigstens) Weiter-Denkanstoß aus.

„Biblizismus und Exegese“: Beides sind völlig unnötige und untaugliche Mechanismen, wenn die Glaubhaftigkeit des zugrundeliegenden Werks mit höchster Berechtigung angezweifelt werden darf. Subjektive „Gottes“- oder sogar „Befreiungs“erfahrungen ohne nachprüfbare Belege (ich dachte bisher, dass die Kirche über die Jahrhunderte den Mächtigen fast immer bei der Unterdrückung und nicht bei der Befreiung der Massen wie auch der Denkenden geholfen haben) sind wertlos. Was Menschen vor vielen Tausend Jahren mit dem damaligen Wissens- und Bewusstseinsstand zu erfahren und zu verstehen geglaubt haben, das hat heute keinen Belang und auch keine Berechtigung mehr. Wenn so etwas akzeptabel wäre, müssten wir uns in meinem Fach auch heute noch bemühen, das Konzept der Vier-Säfte-Pathologie (https://de.wikipedia.org/wiki/Humoralpathologie) aus der hippokratischen Zeit exegetisch zu rechtfertigen und/oder die physiologischen Erkenntnisse eines William Harvey (https://de.wikipedia.org/wiki/William_Harvey) zu ignorieren. Beides würde heute kein vernünftiger Mensch mehr tun. Täte er es, würde er sich der unbedingten Lächerlichkeit preisgeben. Nur in Bezug auf die Bibel sind es immer noch die von Ihnen beanstandeten „Scheuklappen“ bzw. eigentlich kompletten Doppelpiratenaugenklappen, die Sie und Ihre Firma als erstrebenswert darstellen. Da komme ich mit meinem bisschen Verstand nicht mehr mit.

Man kann in Bezug auf „Biblizismus“ und „Exegese“ weiterhin angemessen vereinfachend nur den großen Hagen Rether zitieren: „Achtung vor der Schöpfung! Nächstenliebe! Fertig ist die Religion! Mehr braucht kein Mensch!“ Ich finde diesen Ansatz grundsympathisch. Aber mit der Religion ist es ja wie mit dem deutschen Steuersystem: Gäbe es nicht so unendlich viele und unendlich entbehrliche sowie teilweise widersprüchliche und sinnlose Vorschriften, dann würde ein ganzer Berufsstand von Steuerberatern und Finanzbeamten der Arbeitslosigkeit und Verelendung anheimfallen. (Nota bene: In diesem Jahr haben die christlichen Kirchen in Deutschland (wahrscheinlich die reichsten Kirchen weltweit) wieder ca. 11 MILLIARDEN Euro allein an Kirchensteuer abgegriffen, zusätzlich zu den vielen weiteren Millionen, die der allgemeine Steuerzahler aufbringen muss, auch wenn er kein Vereinsmitglied mehr ist (siehe http://www.stop-kirchensubventionen.de/). Das ist natürlich ein schönes und leicht verdientes Geld, auf das man ungern verzichten möchte und welches das Nebelkerzenwerfen lohnt.)

Auch die Rechtfertigung von Religion im Sinne der Frage der Theodizee (https://de.wikipedia.org/wiki/Theodizee) kann man angemessen vereinfachend auf einen einzigen Punkt reduzieren: Ein Gott, der seine Schöpfung auf dem Prinzip „Fressen-und-Gefressen-werden“ aufgebaut hat und gleichzeitig behauptet, diese Schöpfung sei wunderbar (weil der Gesang der Nachtigall ja so schön ist) und alle seine Lebewesen würden von ihm geliebt, kann nur ein bewusstseinsgespaltener und sadistischer Charakter sein. Das Prinzip „Fressen-und-Gefressen-werden“ ist der simpelste und logischste negative Gottesbeweis. Bereits hier könnte eigentlich alle Theologie aufhören.

Sie natürlich leiten aus diesem lebensverachtenden Naturprinzip auch Ihre Jagdrechtfertigung ab, obwohl wir Menschen als einzige Spezies die ethische Wahlmöglichkeit haben, auf das Töten verzichten zu können und nicht blinden Instinkten folgen zu müssen. Gestatten Sie mir die Frage: Haben Sie auch eine von Ihnen gut behandelte Kuh im Garten stehen, um Ihrer Enkeltochter Emma Kakao kochen zu können? Nein? Ach, die Milch kaufen Sie bei REWE oder vielleicht sogar im Bioladen? Könnte es dann sein, dass es auch für Sie beim Zeigefinger krumm machen doch noch ganz andere Motivationen gibt als nur die Beschaffung des ethisch ach so sauberen Jagdfleischs? Zum Beispiel diese hier: https://www.youtube.com/watch?v=-Ls-m1kDwVY (besonders ab Minute 1:30)???

Oder dieses Zitat des „großen“ Hobbyjägers Roderich Götzfried (Vater von Max Götzfried: http://www.maxgoetzfried.de/author/max/, machen Sie sich die Mühe, die Seite mal bis zum Ende runterzurollen und zu lesen) zur eigentlichen Jagdmotivation??? „Wer noch nie so eine Jagd mitgemacht hat, wer noch nie so einen Jagdrausch erlebt hat, wer sich noch nie mehrmals in einem Treiben fast rückwärts überschlagen hat, weil seine Flinte mit dem weiten Schuss einfach eisern immer noch am hohen Vogel klebte, wer sich noch nie die Hände an heißgeschossenen Flintenläufen verbrannt hat und wer noch nie am Abend eines solchen Jagdtages mit seinen Jagdfreunden vor so einer exzellent gelegten riesigen Strecke gestanden hat, der sollte sich jeglicher Kritik an so einer großen Jagd ganz einfach enthalten. Einmal würde die Kritik der Sache nicht gerecht werden und zum anderen würden dadurch vielleicht einige Jäger, die von so einer Jagd träumen, davon abgehalten werden, ihren Traum einmal Erfüllung werden zu lassen.“

Haben Sie tatsächlich noch nie an dem großen gesellschaftlichen Jagdevent einer „Bewegungsjagd“ (beschönigender Jäger-Ausdruck für Hetzjagd) teilgenommen, bei denen zahllose Wildtiere nicht tot umfallen, bevor sie den Schuss hören (wie Sie wider besseres Wissen wunschdenken), sondern „krank geschossen“ (auch so ein ekelhafter beschönigender Jägerausdruck) manchmal tagelang umherirren, bevor sie im Unterholz elendiglich krepieren? Warum kaufen Sie Ihr „gelegentliches“ Wildfleisch, wenn Sie es denn schon zu brauchen glauben („weil es ja so lecker ist“, Zitat H. Rether), nicht einfach beim Förster Ihres Vertrauens, der übrigens Profijäger ist und kein Hobbyjäger (ich wüsste nicht, was an diesem realitätsbeschreibenden Begriff abwertend sein soll), wie Sie ja auch die Milch bei REWE (oder im Bioladen) kaufen? Da würden Sie auch viel Geld für die teure Ausrüstung und die Jägerprüfung (die von Ihresgleichen gern hochtrabend „grünes Abitur“ genannt wird und heute bereits nach einem 14-tägigen Crashkurs abgelegt werden kann und damit eher einem „grünen Sonderschulabschluss“ entspricht) sparen. Was könnte man mit diesem gesparten Geld alles Gutes tun . . .

Und zum Thema Hubertusmesse könnten Sie ruhig doch etwas sagen, denn auch die evangelische Kirche feiert solche Blutmessen. Dass mir das bislang entgangen war, mag verzeihlich sein, aber Sie als studierter evangelischer Kirchenmann UND Jäger wüssten das nicht? Googeln Sie mal „Hubertusmesse“ und „evangelisch“. Da werden Sie Augen machen.

Die ultimative philosophische Simplifizierung, die man trotzdem als Lebensprinzip akzeptieren kann, ja sogar soll, ist und bleibt aber der alte Kant’sche Kategorische Imperativ (https://de.wikipedia.org/wiki/Kategorischer_Imperativ), den man auch für Jäger verständlich so übersetzt: „Was Du nicht willst, dass man Dir tu‘, das füg‘ auch keinem and‘ren zu.“ So einfach kann Philosophie und Ethik sein, die nach dieser Maxime und entgegen Ihrer Aussage („Meine Ethik – Deine Ethik“) übrigens nicht teilbar ist.

Respekt – so führte es Frau Wittkowski in dem Schriftwechsel mit Ihnen aus, den ich direkt unter Ihrer Antwortmail für die geneigte Leserschaft eingefügt habe – muss man sich verdienen. Da hat sie wohl sehr recht. Respekt verdient man sich als studierter Kopf auch und vor allem durch intellektuelle Redlichkeit. Auch Sie könnten sich diesen Respekt verschaffen, wenn, ja wenn Sie auf Ihrem Wege versuchten, jeden Tag ein Stückchen weiter zu denken und auch die Fragen, die hinter den vordergründigen und einfachen Antworten warten, zu beantworten. Dann werden wir in einigen Jahren meinungsmäßig sicher nicht mehr weit auseinander sein. Als intellektuelle Wegzehrung sei Ihnen dafür die Lektüre von drei Essays von Dr. Gunter Bleibohm anempfohlen, die ich mir erlaube, Ihnen im Anhang zu überreichen: „Propheten“ zur Frage der altertümlichen Gottes- und Befreiungserfahrung, „Illusion Menschenwürde“ zum Thema der Gottgleichheit und „Kirche und Jagd“.

Mit freundlichen  Grüßen
Prof. Dr. Klaus Hamper

Frau Bianca Wittkowski an diesen „ehrenwerten“ Herrn Pastor:

Sehr geehrter Herr Unrath,

haben Sie schon Mal darüber nachgedacht, wie es ist jeden Tag in Angst und Schrecken zu leben? In einem Krieg? Sie wissen nicht, ob Sie oder ihre Kinder, ihr Partner, Bruder, Schwester, Mutter, Vater, Freunde in Gefahr sind? Jeden Tag müssen Sie befürchten, dass jemand der ihnen nahe steht, verletzt oder getötet wird. Man trachtet ihnen nach dem Leben, obwohl Sie nichts verbrochen haben. Jäger spielen Krieg, sie zerstören Familien, sie terrorisieren die Heimat der Wildtiere. Und das, obwohl es nicht notwendig ist, weder macht es einen ökologischen Sinn, noch müssen wir Tiere töten um satt zu werden. Ist das nicht Habgier und töten aus einem niederen Grund? Respekt muss man sich verdienen, in meinen Augen tun das Menschen, die jedes Leben achten und andere, ob Mensch oder Tier, so behandeln, wie sie selbst behandelt werden wollen.

Freundlicher Gruß
Bianca Wittkowski

Pastor Unrath an Frau Wittkowski:

Sehr geehrte Frau Wittkowski,

vielen Dank für Ihre Mail, die mich allerdings ein wenig ratlos hinterlässt. In Anführungszeichen zitieren Sie einen Pfarrer, ohne diesen namentlich zu benennen. Falls Sie der Meinung sein sollten, mich zitiert zu haben, muss ich Ihnen energisch widersprechen. Was ich gesagt habe war, dass ich industriell produziertes Fleisch aus Massentierhaltung guten Gewissens nicht mehr essen konnte und deshalb Jäger geworden bin. Damit ist implizit ausgesagt, dass bei der verantwortlich ausgeübten Jagd Tiere nicht leiden. Dies nehme ich tatsächlich auch für mich in Anspruch. Wenn ich schieße, ist das Wild tot, bevor es den Knall gehört hat. Statt dessen lese ich nun seit Tagen, wie mir Jagdpraktiken unterstellt werden, derer ich mich nicht bediene. Ich erlaube mir außerdem darauf hinzuweisen, dass das fünfte Gebot nun definitiv nichts mit dem Töten von Tieren zu tun hat. Wenn Sie sich einmal die Mühe machen, die 10 Gebot im Zusammenhang zu lesen, werden Sie feststellen, dass sie so etwas wie ein Gesellschaftsvertrag für eine bäuerliche Gesellschaft Palästinas in der ersten Hälfte des ersten vorchristlichen Jahrhunderts sind. Diese bäuerliche Lebensweise war wesentlich geprägt durch den Besitz von Rind, Esel und Vieh. Mit Vieh sind Schafe und Ziegen gemeint. Man wird nicht ganz falsch liegen, wenn man annimmt, dass diese auch geschlachtet wurden.

In meinem Beitrag habe ich einer vegetarischen Lebensweise ausdrücklich meinen Respekt bekundet. In der Tat habe ich lange überlegt, ob es ethisch geboten sein könnte, Vegetarier zu werden (und nicht wegen eines missverstanden fünften Gebotes (biblizistisch argumentieren interessanterweise nur die Kritiker meines Beitrages, während ich konträre Bibelaussagen zur Sprache gebracht habe, um deutlich zu machen, das man in dieser ethischen Frage gerade nicht einfach mit der Aufzählung von Bibelstellen argumentieren kann)). Ich habe für mich die Notwendigkeit aus ethischer Überzeugung nicht gesehen. Wir sind uns völlig einig darin, dass kein Tier gequält werden sollte. Ich behaupte, dass eine verantwortlich ausgeübte Jagd das beherzigt. Auch wenn das nicht Ihre Meinung ist (und noch einmal: davor habe ich Respekt), dürfen vielleicht doch diejenigen, die mitnichten einfach schießwütige Hobbyjäger sind (und das sind noch die harmloseren Beleidigungen, die ich in den letzten Tagen lesen durfte)  zumindest den grundsätzlichen Respekt erwarten, der jedem Menschen zusteht.
Mit freundlichen Grüßen
Karl-Martin Unrath

Wolfgang Weuster an den jagenden Pfarrer:

Sehr geehrter Herr Unrath,

vielen Dank für Ihre umfangreiche Antwort mit der Begründung Ihres ethischen Verständnisses. Ihre Aussagen erinnern mich fatal an die Klosterbrüder, die einige Säugetiere und Vögel zu Fischen ehrenhalber erklärten, um sie in der Fastenzeit zu verspeisen. Sie interpretieren nach meiner Auffassung die Begriffe Religion und Ethik  passend zu Ihren Bedürfnissen. Haarsträubend Ihre Aussage: „Dass der Mensch diese Befreiung verdient hat, dass er sie wert ist, bedingungs- und voraussetzungslos, dass der Mensch Würde hat, die ihm ohne eigenes Zutun zukommt, das ist gemeint mit der Gottebenbildlichkeit des Menschen…“ Jedes Geschöpf (von Gott geschaffen oder nicht) hat diese Würde, die ihm ohne eigenes Zutun zukommt! Dieser Erkenntnis sollten sich gerade die Kirchen nicht länger verschließen!

„Albert Schweitzer konnte den Gedanken der „Ehrfurcht vor dem Leben“ viele Jahrzehnte lang mit einer nichtvegetarischen Lebensweise verbinden. Ich kann das auch.“ Im Gegensatz zu Ihnen war Albert Schweitzer jedoch lernfähig, er wurde weise, er erkannte die Zusammenhänge und zog daraus die Konsequenz. Diesen Weg gehen übrigens die meisten Vegetarier und Veganer. Sie haben augenscheinlich noch eine lange Wegstrecke vor sich. Eine erfolgreiche, zielführende Wanderschaft wünscht (besonders im Sinne der von Ihnen gejagten Tiere)
Wolfgang Weuster

Dr. Gunter Bleibohm an Pfarrer Unrath:

Lieber Herr Unrath, auch wenn Sie nicht mehr antworten mögen, was ich in Ihrer aussichtslosen Position gut nachvollziehen kann, möchte ich Sie doch auf einen logischen Fauxpas aufmerksam machen, der Ihnen offenkundig entgangen ist. Sie stellen nämlich die Existenz eines Gottes als Faktum dar, was es mitnichten ist. Allein der Beweis für diese Behauptung fehlt bis heute. Insofern gleichen Sie einem Architekten, der sein Haus im zweiten Stock zu bauen beginnen will und dabei vergessen hat, das Fundament zu legen.

Zur Erbauung und als Wort zum Sonntag deshalb zwei Aphorismen im Folgenden, die um diesen Themenkomplex kreisen. Und wir Atheisten trösten uns derweil mit dem Satz des großen Voltaires: „Was wäre das Leben doch so verdrießlich, wenn wir nicht die Pfaffen hätten, über die wir uns lustig machen können“.

Ein wunderschönes Wochenende
Ihr Dr. Gunter Bleibohm

Und hier noch die beiden Aphorismen:

Klarstellung:

Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? (Mt 6, 26)

Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? Seid ihr wirklich viel mehr denn sie? Warum meint ihr, dass ihr viel mehr seid? Und wo seid ihr viel mehr? In der Masse, in der Notwendigkeit eurer Existenz, in der Überheblichkeit, im Irrtum eurer Bedeutung? Seid ihr mehr, weil der Zufall euch in eine menschliche Form gepresst hat oder seid ihr nur mehr, weil euer Denken so dürftig ist, dass ihr es nötig habt, andere zu übertreffen? Gibt es einen Beweis, dass ihr viel mehr seid? Oder gilt euch als Beweis, dass ihr alles andere, was nicht menschlich ist, mit dem Vorschlaghammer auf dem Amboss eurer Unzurechnungsfähigkeit zerschlagt, sobald sich Gelegenheit dazu bietet.

Und was wäre wirklich, wenn ihr irgendwo mehr wäret – außerhalb eurer subjektiven Phantasie? Was würde es ändern? Was seid ihr wirklich außerhalb eurer Gedankenwelt, außerhalb eurer Hybris, außerhalb eures Überheblichkeitswahns? Könntet ihr überhaupt so etwas denken und auch das Ergebnis verkraften? Oder brecht ihr dann verzweifelnd zusammen und flüchtet hinter die fiktiven Mauern einer Jenseitsreligion, einer dieser Glaubenskulte, die euch in eurer Jämmerlichkeit und Bedeutungslosigkeit über den Sinn und Wert eurer Existenz belügen, bis ihr endlich genau so verendet seid wie die Vögel, wie jedes Tier, wie jedes Leben schlechthin. Ausnahmslos, immer, gleichmachend, gerecht.

Wohlan, ertragt den Richterspruch des Universums, der euch eure Bedeutung lehren wird. Und was seid ihr wirklich?

  • Sub specie universi: eine Nichtigkeit, euer Planet, ein nahezu nicht auffindbarer kleiner Punkt im Universum.
  • Sub specie vitae: eine Nichtigkeit, eine – möglicherweise gar singuläre – Marginalie im Riesenreich der unbelebten Materie.
  • Sub specie aeternitatis: eine Nichtigkeit, ein nahezu nicht auffindbarer   kleiner Zeitraum in der unendlichen Zeit.
  • Sub specie terrae: eine Nichtigkeit, ein belebtes Wesen unter zahllosen Milliarden anderer Lebewesen, ausgestattet mit einer begrenzten Zeitspanne an Lebenskraft, ein Wesen, das bei der Geburt bereits dem Tod, der endgültigen Vernichtung, entgegeneilt.

Dies ist der Rahmen, in dem sich eure vermeintliche Bedeutung, euer Leben, abspielt, das ist der Rahmen, der dem kleinsten Wurm die gleiche Notwendigkeit, aber auch die gleiche Vergeblichkeit, Bedeutungslosigkeit und Vergänglichkeit zuweist wie einem Menschenwesen. Vor dem Horizont des Universums hört hier jegliche Ungleichheit auf, denn alles ist gleich nichtig, beliebig, sinnlos.

Und eure kurze Lebenszeit? In der Vorausschau ein Wollen, in der Rückschau ein Vergessen, durchsetzt mit den Nebeln der Erinnerung. Die Ängste, die Hoffnungen, die glücklichen und die schrecklichen Momente versinken im Vergessen, versinken im Zeitablauf in der Nie-Gewesenheit. Warum war das alles und ist heute nicht mehr? Nur um zu dem heutigen Tag zu gelangen? Zu diesem Tag, der mit allen Ereignissen auch im Nichts versinkt? Leben ist etwas virtuelles, ein leerer Wahn, ein Taumeln zwischen Vergessen, Erleiden und Wollen, eine sadistische Quälerei des Seins gegenüber einer entarteten Materie, einer Materie, die mit mehr oder weniger Bewusstsein in die Form von Leben geknechtet wird.

Jagt die Lügenpfaffen endlich vom Hof, hetzt die bissigen Hunde der Vernunft auf sie, bringt ihnen bei, dass ihr endlich aus dem Schlaf der Glaubensumnachtung erwacht seid und euer kurzes Leben, dieses zufällige Aufflackern der Materie, der Erkenntnis widmen wollt, der Erkenntnis, von der Gleichwertigkeit jeglichen Lebens. Zwingt die Narrengilde der Jenseitsprediger ihrem unsinnigen Anthropozentrismus abzuschwören, bringt ihnen Demut vor der real existierenden, belebten Materie bei, beendet endlich die Blutspur ihrer Glaubenshalluzinationen auf diesem Planeten und findet euch damit ab, dass kein Gebet hilft, kein Gott existiert und das am Ende eurer Tage sich euer Sein in Nichts wandelt. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie? Nein und nochmal nein, denn alles Leben ist sub specie universi gleich, so wie ein Wassertropfen im Meer dem anderen gleicht, gleich wertvoll, gleich sinnlos, gleich vergeblich.
(Dr. Gunter Bleibohm)


Werter Herr Pfarrer, bitte haben Sie die Freundlichkeit und beantworten Sie mir doch als kompetenter Fachmann für theologische Wunder und logische Unmöglichkeiten eine Frage, die mich sehr beschäftigt: Gott hat die Welt und das Universum geschaffen – so lautet meines Wissens schlagwortartig eine Erkenntnis der Monotheisten. Nun lernten wir beide aber, zumindest ich habe es gelernt, dass sich das Universum stetig weiter ausdehnt, neue Galaxien mit zahllosen Sternen ständig entstehen und wieder vergehen.

Nun zu meiner Frage: Ist an diesen Stellen Gott noch am „Erschaffen, am Schöpfung kreieren“ oder war die Schöpfung für ihn mit dem desolaten Ergebnis, das er mit und auf unserem Heimatplaneten angerichtet hat, als Versuch gescheitert, die persönliche Schöpfung ein für alle Mal für ihn erledigt und hat er dann die weitere Schöpferei der Physik überlassen? Aber wenn er – gesetzt der Fall er ist es selbst und nicht sein Sohn, ein bisher unbekannter Nachkömmling oder einer der Hilfskräfte aus der Engel-, Propheten-, Jünger-, Märtyrer-, und Heiligengarde –  noch in den Tiefen des Universums schöpferisch tätig ist, hat er sich dann nicht so weit von der Erde entfernt, dass er mich gar nicht mehr kennen kann vor lauter Arbeit, kümmert er sich, wenn überhaupt, dann nur noch sporadisch um sein Erstlingswerk, seine Kreaturen und deren Nachkömmlinge oder ist es ihm inzwischen scheißegal, was aus der ganzen Brut wird? Bitte sagen Sie mir als Antwort aber nicht, dass dieses Götterwesen jedes Staubkörnchen auf dem Sirius oder auf Alpha Centauri kennt, also auch mich, den kleinen Querkopf, denn die Gefahr für Sie wäre sehr groß, sich in den Fallstricken des Pantheismus und des Determinismus heillos zu verfangen.

Ich weiß ja nicht, ob Sie beim Theologiestudium so in die Verästelungen der logischen Möglichkeiten des Schöpfens eingestiegen sind oder man Ihnen lediglich beigebracht hat, jede derartige Frage als dummdreiste Blasphemie abzukanzeln, hoffe ich doch, Ihr Interesse an tieferen Fragestellungen geweckt zu haben. Vielleicht würdigen Sie mich einer Antwort, wenn nicht klicken Sie einfach auf die Löschtaste, so wie es Usus bei den Pfaffen gegenüber unangenehmen Fragen ist.
(Autor unbekannt)

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6 Kommentare zu “Morgenandacht eines jagenden Pfarrers (Teil 2)

  1. Prof. Hamper:

    „Ein Gott, der seine Schöpfung auf dem Prinzip „Fressen-und-Gefressen-werden“ aufgebaut hat und gleichzeitig behauptet, diese Schöpfung sei wunderbar (weil der Gesang der Nachtigall ja so schön ist) und alle seine Lebewesen würden von ihm geliebt, kann nur ein bewusstseinsgespaltener und sadistischer Charakter sein. Das Prinzip „Fressen-und-Gefressen-werden“ ist der simpelste und logischste negative Gottesbeweis.“

    Großartige Sätze, die es auf den berühmten Punkt bringen!!!!!!!!!

  2. Lieber Wolodja, liebe Freunde,

    es gibt vielleicht noch Leser, welchen unbekannt ist, dass es nicht nur Jaeger-Priester gibt, sondern auch Torero-Priester! Es gibt da offenbar in dieser unheilvollen Gilde einen affektiven Hang zum Blutbad. Jedenfalls eines steht fest: ein Hirn muss schon sehr krank sein, um diese beiden Aktivitaeten miteinander zu verbinden! Vielleicht koennte mal ein bibeltreuer Christ mir die Frage beantworten, wie schwach sein Gott eigentlich ist, damit fuer ihn immer getoetet werden muss – und weshalb bei dessen Adepten das Herz und der Verstand immer auf der Strecke bleiben….

    Jacques Teissier – Torero und Priester zugleich

    Die Stierzucht-Anstalt des Pfarrers von Valverde

    Gruendungs-Urkunde des Torero-Ganadero-Pfarrers

    Das ‚heilige‘ Emblem – Brandzeichen

    Die Stierzucht des unheiligen Gruendungsvaters

    Der Schatz des Unheiligen Gruendungsvaters auf Erden – die Boxen, zum Aussortieren der Kampfstiere

    Und so kommt das Reich und seine Herrlichkeit daher in seiner ganzen Hoffart

  3. Es ist ungeheuerlich, liebe Siraganda, ein Pfarrer ist auch noch Torero? Eine Kirche, die so einen Sadisten nicht sofort aus dem Pfarrdienst entläßt, ist wahrhaft teuflisch.

    Übrigens, hier die Vita des Pfarrers Unrat:

    „Karl-Martin Unrath, Jg. 1961.Nach dem Zivildienst in der Krankenpflege Studium der Evangelischen Theologie in Frankfurt am Main und Marburg an der Lahn. 1990 Ordination zum Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK). Anschließend Gemeindedienst in verschiedenen Gemeinden der EmK in Südwestdeutschland. Seit September 2008 mit einer halben Stelle Freikirchlicher Referent in der Ökumenischen Centrale, Bundesgeschäftsstelle der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, Frankfurt am Main. Außerdem Religionslehrer an einer kaufmännischen Berufsschule in Saarbrücken und freischaffender lyrischer Tenor. Hobbys: Lesen, Jagd.

    Karl-Martin Unrath ist verheiratet und Vater einer erwachsenen Tochter.“

    Als Hobbys gibt dieser Gottesmann „Lesen und Jagd“ an! Die Jagd, das Töten, ein Hobby!

    Unrat gibt an, daß er ein Tier immer so schnell tötet, daß es das gar nicht merkt. Ich möchte mal sein Gezeter und Wehklagen hören, wenn ein Mörder seine Tochter tötet, nicht schmerzhaft, sondern ratzpatz mit Herzdurchschuß, damit sie nicht leiden muß. Ein Recht auf Leben habe sowohl er, wie seine Tochter, aber auch die Tiere, die er tötet. Das ist so einem ekelhaften Speziesisten aber nicht klar, weil er Spaß am töten findet, es ist ja schließlich sein „Hobby“! Die Tiere die er tötet haben ihm nichts getan, es gibt keinen Grund sie zu töten, denn er leidet auch nicht Hunger ohne deren Fleisch. Töten als Spaß und das als Pfarrer?

    Irgendwo hatte ich mal gelesen, daß offen homosexuell lebende evangelisch-methodistische Pfarrer aus dem Dienst entlassen werden, Jäger darf man aber ungestraft sein, dabei hochgeachtet sein? Eine Kirche, die so handelt, kann man nur als schändlich bezeichnen.

    Pfui Teufel!

  4. Lieber Bernd, liebe Freunde,

    der ist ein Freikirchler, nun verwundert mich gar nichts mehr. Hier anschliessend ein Video, welches die haarstraeubenden Praktiken dieser von allen guten Geistern verlassenen Zweibeiner zeigt. Zum Glueck gibt es solche Zeugnisse, denn sonst wuerde es keiner glauben!!!

    • Liebe Siraganda,
      Christlich-fundamentalistische Gemeinschaften dieser Art gibt es viele – wie sie sich auch immer nennen mögen und wozu sie sich auch immer berufen fühlen. Sich betreffs dieses Videos eine Stunde lang von diesem angeblich „Heiligen Geist“ berieseln zu lassen, dies ist schon fast eine Zumutung an jegliche menschliche Vernunft und bereits schon während der ersten Minuten wird einem klar und deutlich, wie menschenverdummend Religionen sind – und dies gilt meiner Überzeugung nach für jede Religion ohne Ausnahme!
      LG – Wolfgang

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