Wie viel Zeit bleibt uns noch für Toleranz?

Foto: Schwein in KZ-Haltung

Von Daniela Böhm

Kopfschütteln und entsetzte Blicke meines bis dahin mit mir befreundeten Gegenübers im Zugabteil. Meine bissigen Bemerkungen angesichts des mit Fellmütze bekleideten jungen Mannes sind ihm unangenehm, auch wenn derjenige sie gar nicht hört, weil er mit Kopfhörern eingeschlafen in der Ecke kauert. Kurz bevor ich aussteige, wacht er auf. Ich drücke ihm eine Postkarte von http://www.gelabelt.de in die Hand, für die er sich höflich bedankt. Dass diese Postkarte Teil einer Aufklärungskampagne ist, scheint er, schläfrig, wie er noch ist, gar nicht zu bemerken. „Wer Pelz trägt, trägt den Tod“, steht mit großen Buchstaben auf der Vorderseite dieser Karte.

Den Nachhauseweg als auch meinen restlichen Abend verbringe ich grübelnd. Vor allem über das Wort Toleranz und wie weit die meine angesichts der mangelnden Einsicht meiner Mitmenschen und dem daraus resultierenden immensen Tierleid noch geht. Im Cyberspace forsche ich nach der wirklichen Bedeutung dieses Wortes. Toleranz wurde vom lateinischen Wort tolerare abgeleitet und bedeutete ursprünglich erdulden. Wohlgemerkt: Erdulden und nicht dulden. Die heutige Begrifflichkeit von Toleranz bezieht sich jedoch auf Duldsamkeit und Nachsichtigkeit. Ich beschließe das Wort Toleranz im Zusammenhang mit fleischessenden Konsumenten und Pelzträgern aus meinem Wortschatz zu streichen und ersetze es durch das Wort Erdulden.

„Die Dinge brauchen ihre Zeit, ihre Entwicklung. Es sind halt noch nicht alle Menschen bereit, kein Fleisch mehr zu essen. Nach all den Fleischskandalen in jüngster Zeit werden aber sicher wieder ein paar mehr zum Flexitarier, Vegetarier oder Veganer.“ So ähnlich argumentierte mein Mitfahrer im Zug bei unserer anschließenden Diskussion.

Doch wie viel Zeit haben wir noch? Können wir es uns leisten, weiter tolerant zu sein, angesichts der dramatischen Situation in der Massentierhaltung und den damit im Zusammenhang stehenden anhaltenden Hungersnöten in den Entwicklungsländern? Toleranz für die Futtermittelindustrie bei der Abholzung von Regenwäldern? Toleranz für die Konzerne oder Großbauern der qualvollen Massentierbetriebe und der damit einhergehenden Übersäuerung der Böden und zwangsläufigen Verunreinigung des Grundwassers? Toleranz für nicht-nachdenkende Pelzträger bei jährlich 50 Millionen Tieren, die weltweit für die Pelzindustrie getötet werden? Kann ich gegenüber der Uneinsichtigkeit einer noch immer zum Großteil fleischessenden Bevölkerung tolerant sein? Diese Toleranz bedeutet unter dem Strich knapp 100.000 getötete Tiere pro Minute – 50 Milliarden – weltweit – jedes Jahr. Was das Martyrium der Tiere betrifft, ihr Erdulden, als auch die verheerenden Konsequenzen für unseren Planeten, haben wir keine Zeit mehr für Toleranz.

Quelle: http://www.danielaböhm.com

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2 Kommentare zu “Wie viel Zeit bleibt uns noch für Toleranz?

  1. Daniela Böhm hat recht mit ihren Überlegungen. Wir dürfen nicht weiter tolerant sein angesichts dieses imensen Tierleides und der daraus resultierenden Zerstörung der Natur.
    Vor allem, da die Auslegung des Begriffes Toleranz völlig daneben ist.

  2. Lieber Wolodja,

    wenn es um den Gaumenkitzel der fleischsuechtigen Schwaechlinge geht, sollten wir wohl bis in alle Ewigkeit tolerant bleiben. Sind die tiermordenden Leichenfresser aber tolerant mit uns? Ganz und gar nicht – viel mehr zwingen diese uns ihren faschistischen Lebensstil, Willen und die verantwortungslosen, siehe kriminellen Gesetze auf! Da wir aber (noch) in der Minderheit sind, bleibt uns nichts anderes uebrig, als in unserer Weise weiterzukaempfen und die Leute zu informieren. Da von einer Symbiose aus Intelligent Design und evolutionaerer Entwicklung ausgegangen werden kann, steht aber doch zu hoffen, dass der menschliche Intellekt eines Tages eine gesteigerte Empathie umfasst, welche doch den brachialen Lebensstil auf diesem Planeten veraendern wird! Vielleicht schneller, als dies die aktuelle Situation vermuten laesst!

    Bis dahin bleibt uns nichts anderes uebrig, als zusammen mit wunderbaren Menschen wie Daniela Boehm die Bevoelkerung wachzuruetteln, nach dem Motto ‚Steter Tropfen hoehlt den Stein‘. Wer einmal das unterirdische Hoehlensystem unter der mexikanischen Wueste gesehen hat – und seine blauen Quellen, der ist auch durchaus bereit, diesem Sprichwort eine reale Komponente in den menschlichen Koepfen beizumessen, denn alles, was sich in der Natur abspielt, kann vom menschlichen Geist erfasst, umgesetzt und verwirklicht werden. Und genauso, wie es heute dem Menschen moeglich ist, am Himmel zu fliegen, wird es ihm eines Tages moeglich sein, diesen steten Tropfen zu verinnerlichen und in seinen Geist und sein Herz fliessen zu lassen, so wie Leonardo Da Vinci, der grosse Vorreiter unserer Zivilisation, inklusive den Tierschutz, dies vorausgesagt hatte!

    Liebe Gruesse an Dich und alle Freunde – Eure Siraganda im Tierschutz

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