Die „Weisheiten“ des Aktionsbündnisses „Tiere gehören zum Zirkus“

Katerstimmung unter der Zirkuskuppel: Der Elefant, der majestätisch durch die Manege schreitet, der Nashornbulle, der schon durch seine bloßen Anwesenheit das Publikum fasziniert – sie sollen für immer aus der Manege verschwinden. Ein „Wildtierverbot“ für Zirkusse haben Länder wie Hessen und Thüringen Mitte März im Bundesrat gefordert. Das Länderparlament hat die Bundesregierung aufgefordert, ein Verbot zu erlassen, das Affen, Elefanten, Großbären, Giraffen, Nashörner und Flusspferde umfasst. Für sie wäre dann Feierabend in der Manege. …

Ob es aber so weit kommt, ist sehr, sehr fraglich, denn mir scheint es eher unwahrscheinlich, dass ein solches Wildtierverbot angesichts unserer tierverachtenden Politiker und auch hinsichtlich unseres skandalösen TierNUTZgesetzes tatsächlich kommt.

Zu einer Pressemitteilung des Aktionsbündnisses „Tiere gehören zum Circus“ (Siehe „Weltzirkustag 2016 ganz im Zeichen der Tiere“) ein klarstellender Kommentar von Tierschützer Ulrich Dittmann auf fellbeiser.net:

Inflationär produziert das Aktionsbündnis „Tiere gehören zum Circus“ seit Jahren wichtigtuerische, wohlformulierte Pressemitteilungen, in denen nach gebetsmühlenartiger Manier die wunderbaren Lebens- und Entfaltungsmöglichkeiten der Zirkustiere angepriesen werden. Diese Lobhudeleien über das Wohlbefinden der Tiere im Zirkus – auch wenn diesmal gar eine Prinzessin bemüht wird – sind schlicht eine Lüge.

Fakten – zum x-ten Mal dargelegt: Das Elend der Zirkustiere verröchelt seit Jahrhunderten im Würgegriff kommerzieller Vermarktung. Waren es früher arme exotische Kreaturen der menschlichen Spezies, „Zwerge oder Riesen“, nach Europa verschleppte Schwarze, Indianer, Eskimos, sind es heute „nur“ noch Tiere, die in kleinen Schaukäfigen durch klimatisch fremde Lande gekarrt und dann einem wohlig schaudernden Publikum vorgeführt werden.

Zirkustiere sind zwangsläufig schlimmster körperlicher Beengtheit, unvermeidbarem u. oft qualvollem Dressur-Drill ausgesetzt. Welcher Elefant jongliert beispielsweise schon gerne freiwillig seinen tonnenschweren Körper im „Handstand“ auf zwei Beinen, oder welchem Tiger wurde in die Wiege gelegt, freudig durch brennende Ringe zu springen? Analog selbst der Mensch eher in Meereswogen schwimmt , als in einem „großen mobilen Wasserbassin“, bewegt sich auch gerade ein Seelöwe lieber in ersterem, nämlich seinem natürlichen unendlichen Wasser-Element! Für wie dumm will dieses Aktionsbündnis „Tiere gehören zum Circus“ die Bürger eigentlich noch verkaufen?

Was ist das für ein „Spaß“ sich an solchen Mätzchen zu erfreuen, die den Tieren auf mehr oder minder humane Art eingebleut wurden ? Stereotype Beteuerungen der Zirkusleute betreffs „vorzüglicher Tierhaltung“ sind schlichter Unfug, da es eine gute „Wildtierhaltung“ im Zirkus systembedingt(!) nicht gibt.

Städte wie Potsdam, Stuttgart, Schwerin, Köln, Worms und München haben das Mitführen von Wildtieren auf städtischen Grundstücken für Zirkusunternehmen größtenteils bzw. komplett untersagt. Nicht umsonst sind in Österreich, Luxemburg, Bulgarien und anderen EU-Ländern Zirkus-Wildtierdressuren verboten, sowie entsprechende Verbote auch in außereuropäischen Ländern, u.a. gar in Bolivien und Indien bestehen.

Im Gegensatz zu Haus – und sogenannten Nutztieren haben Zirkus-Wildtiere den Prozess der Haustierwerdung (Domestikation) noch nicht durchlaufen. Sie sind – selbst wenn sie in Gefangenschaft geboren sind – hinsichtlich ihres Verhaltens und ihrer Bedürfnisse immer noch Wildtiere. Kein noch so großes Gehege, geschweige denn die Transportbehältnisse können den Raum ersetzen, den ein Tiger, eine Giraffe oder eine Elefantenherde in freier Wildbahn oft kilometerweit durchstreift. Bei der ganzen Beurteilung der beengten Haltung von Tieren im Zirkus muss man nur seinen intakten Menschenverstand einschalten!

Eine artgemäße Unterbringung ist im Zirkus SYSTEMBEDINGT(!) nicht möglich. Alles in allem ist die Dressur und die Haltung unter den zwangsläufig beengten Verhältnissen schlicht als tierquälerisch einzustufen. Entsprechende GUTACHTEN sind im INTERNET abrufbar. (einfach mal „googeln“!) Siehe u.a. veröffentlichte Stellungnahmen von Dr. Madeleine Martin. Die Tierärztin ist seit 1992 Landestierschutzbeauftragte im Hessischen Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

Ja zu Spaß, Spiel und zirzensischen Kunststücken – aber ohne (Wild-)Tiere! Jeder Zirkusbesucher muss sich darüber im Klaren sein, daß er mit seinem Eintrittsgeld indirekt ÜBELSTEN Tiermissbrauch unterstützt. „Tierfreund“ heißt im Sinne des Wortes „Freund des Tieres“. So mag ein Zirkusbesucher vielleicht ein „Hund-Katze-Maus-Freund“ sein – ein ernsthafter Tierfreund (dieser Begriff umfasst ALLE Tierspezies) ist er aber nicht. Da mag das Aktionsbündnis „Tiere gehören zum Circus“ noch so oft und angestrengt seine selbst zusammengebastelten Weisheiten in alle Welt posaunen!
Ulrich Dittmann


Endlich frei: 33 Zirkuslöwen

US-Tierschützer haben in Südamerika 33 Löwen gerettet. Die Tiere vegetierten unter widrigsten Umständen in Zirkussen. In einem Spezialtierheim in Südafrika bekommen die Tiere nun ein neues Zuhause.

Video über diese Befreiung  hier auf n24.de

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