Gespräch mit einer Tierschutzermittlerin

Ria Rehberg deckt für Animal Equality Skandale in der Nutztierindustrie auf.
Ein Job zwischen Verzweiflung und Hoffnung auf eine bessere Welt

Ria Rehberg

Vor Ort darf keine Zeit für Gefühle oder Trauer sein“, sagt Ria Rehberg. Sie arbeitet als Tierschutzermittlerin und ist in regelmäßigen Abständen mit dem Leid konfrontiert, das vielen Menschen nur dann ins Bewusstsein kommt, wenn ein schockierendes Video aus einem Mastbetrieb oder Schlachthaus in sozialen Netzwerken die Runde macht. Apathische Tiere, die in winzig kleine Boxen gepfercht sind, offene Wunden, bewusste Grausamkeiten durch die Angestellten der jeweiligen Anlage. „Wenn du in einer Halle mit 30.000 zerrupften und ausgelaugten Legehennen stehst, dann würdest du am liebsten allen helfen. Dein Job ist es aber, die Zustände zu dokumentieren und an die Öffentlichkeit zu bringen.“

Ria ist zweite Vorsitzende von Animal Equality Germany, einer Tierschutzorganisation, die für ihre Undercover-Recherchen innerhalb der Nutztierindustrie bekannt ist. In ihrer Freizeit ermittelt sie nachts in Ställen. „Wir analysieren in der Regel die Zustände in den verschiedenen Industrien, bekommen auch oft Insider-Informationen.“, erklärt Ria. „So haben wir zum Beispiel erfahren, dass in der Geflügelindustrie viele schwache oder verletzte Tiere auf illegale Weise getötet werden sollen.“ Nach umfangreicher Planungs- und Recherchephase versuchen die Ermittler schließlich, in den unter Beobachtung stehenden Institutionen zu filmen. Einfach ist das nicht. „Insbesondere wenn Illegales vor sich geht oder die Arbeiter die Tiere misshandeln, gewährt kein Tierhalter Zugang zum Betrieb. Wir müssen nachts unterwegs sein, um die Zustände tatsächlich ungeschönt dokumentieren zu können.“, erklärt Ria. Die Betriebe betreten die Ermittler dabei aber nur durch offene Türen, eingebrochen wird nicht.

Tatsächlich war es auch eines dieser „Schockvideos“, dass das ehemalige Model während ihrer Studienzeit in Spanien dazu bewegte, ihr Konsumverhalten grundlegend zu ändern. Die Bilder von kleinen Kälbern, die in Tiertransporte geprügelt wurden, setzten sich fest. Die Vorstellung, dass sie das Studentenleben genoss, während „im gleichen Augenblick nur wenige Kilometer von mir entfernt unschuldigen Tieren die Kehle aufgeschnitten“ wurde, erschien ihr plötzlich unerträglich. Ria wird Veganerin und beschließt, sich im Tierschutzbereich zu engagieren. „Ich war entsetzt, welche Tierquälereien ganz legal an der Tagesordnung sind. Zur Haltung von Puten oder Enten gibt es teilweise überhaupt keine gesetzlichen Regelungen.“

Eine der aufsehenerregendsten Enthüllungen von Animal Equality stammt auch aus genau diesem Bereich: einem Mastbetrieb, der Entenfleisch an die Geflügelmarke Wiesenhof liefert. „Wir hatten den starken Verdacht, dass die Enten dort von Angestellten verletzt werden und brachten dann versteckte Kameras an. Als wir diese am Tag darauf wieder abholten, bestätigte sich unser Verdacht. Angestellte im Betrieb spießten dort verletzte Enten mit Mistgabeln auf und entsorgten sie in Müllkisten, während sie noch zappelten und mit den Flügeln um sich schlugen.“ Das Material stellte Animal Equality den Medien zur Verfügung und erstattete anschließend Anzeige gegen den Betrieb.

Während mancher Internetnutzer die Bilder kurz nach dem Schließen seines Browserfensters schon wieder vergessen haben mag, verfolgen sie Tierschutzermittler wie Ria teilweise bis in den Schlaf. Oft fällt es ihr nach eigener Aussage schwer, die Distanz zu ihrem Beruf zu wahren. „Das Masthuhn, was ständig unter seinem eigenen Gewicht zusammenbricht, weil es in der Turbomast zu schnell zu viel zugenommen hat. Die Ferkel, die zu früh geboren wurden, so dass sie von den in Kastenständen eingepferchten Müttern, die sich nicht umdrehen und um sich sehen können, versehentlich totgetreten werden. Das Kalb, was schreiend in seiner Box steht, weil es von seiner Mutter getrennt wurde, damit ihre Milch im Supermarkt verkauft werden kann. In solchen Momenten stoße ich dann schon manchmal an meine Grenzen.“

Ihr Engagement an den Nagel zu hängen, kommt für Ria Rehberg allerdings nicht in Frage. „Ich setze mich dafür ein, dass auch möglichst viele andere Menschen die Möglichkeit bekommen, einen realistischen und nicht von Werbeversprechen getrübten Einblick in die moderne Nutztierhaltung zu bekommen. Damit sie dann für sich entscheiden können, ob sie solche Zustände hinnehmen und unterstützen wollen.“

Ria Rehberg2

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2 Kommentare zu “Gespräch mit einer Tierschutzermittlerin

  1. Am widerlichsten ist das Gesindel, welches sich „fortschrittlich“ gibt, groß auf den Putz haut, wenn es um vermeintliche Menschenrechte geht (Die wirklichen Menschenrechte kümmern sie dabei nicht, wie das Schicksal der deutschen Obdachlosen belegt!), beckmesserisch die Moralkeule schwingt, wenn es um die Verbrechen der Nazis (deren damalige KZ´s usw.) geht, was aber die grauenvolle Ausbeutung und Quälereien in den Tier-KZ´s in der Gegenwart im eigenen Land ignoriert, ja dieses gutheißt. Allen voran solche Parteien wie die „Grünen“ und die Partei „Die Linke“.

    Da ist es schon ein kleiner Fortschritt, daß die Partei „Alternative für Deutschland“ schlimmste Zustände für Tiere beseitigen will, indem sie das betäubungslose Schlachten verbieten lassen will. Bekanntermaßen hatte der Grünen-Politiker Beck von der deutschen Bevölkerung „Verständnis“ für diese Tierquälerei gefordert. Das Absurde: die Systemmedien und die Systemparteien hetzen ununterbrochen gegen die AfD, obwohl diese eine humanere und fortschrittlichere Politik auf vielen Gebieten vertritt, als die Systemparteien. Man hängt der AfD das Prädikat des reaktionären an, ist selber aber viel reaktionärer. Diese demagogische Propaganda ist ein alter Hut, jemanden das anzuhängen, was man selber in viel größerem Maße ist: reaktionär, inhuman, ausbeuterisch.

  2. Vielen Dank für diesen Artikel!
    Es ist so wichtig, die Menschen darüber aufzuklären, was in der Tierindustrie vor sich geht. Das beste „Mittel“ gegen Tierquälerei ist m.M.n. eine vegane Lebensweise.

    Die Politik könnte sehr viel mehr tun,damit die Tiere besser behandelt werden.
    Das reicht vom Verbot des Schächtens und der Kastenstände über die Verordnung tierfreundlicher Besatzdichten und Mindesthaltungsbedingungen sowie empfindlichen Strafen bei Verstößen bis zur Förderung von biologischer und vor allem bio-veganer Landwirtschaft und Gärtnerei.

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