Sozialethiker Remele fordert neue christliche Tierethik

„Die Würde des Tieres ist unantastbar“

Engagiertes Plädoyer gegen jedes unnötige Töten von Tieren
und gegen „despotischen Anthropozentrismus“, der Leid von Tieren ausblendet:

Für die Abkehr von der „weitgehenden Nichtbeachtung der Tiere durch die christlichen Kirchen“ und eine neue christliche Tierethik tritt der Grazer Sozialethiker Kurt Remele in seinem jüngst erschienenen Buch „Die Würde des Tieres ist unantastbar“ ein. Es stellt ein engagiertes Plädoyer gegen jedes unnötige Töten von Tieren und gegen den auch von Papst Franziskus kritisierten Herrschaftsanspruch dar, der den Menschen als verfügungsberechtigt gegenüber allen Mitgeschöpfen betrachtet und deren Leid ausblendet.

Bis heute hätten akademische Theologie und kirchliche Praxis den in Frage gestellten Herrschafts- oder Unterwerfungsauftrag in der Bibel „nicht wirklich hinter sich gelassen“, bedauerte Remele in einem Interview. Man könne heute zwar häufig „salbungsvolle Sonntagspredigten“ über die Schönheit und Gutheit der Schöpfung Gottes hören und über die menschliche Verantwortung, sie zu erhalten, „aber nach dem Hochamt setzt man sich im Pfarr- oder Gasthaus zusammen und isst den Sonntagsbraten, der in der Regel von Tieren stammt, die ihr kurzes und qualvolles Leben in Tierfabriken verbracht haben“, ärgerte sich der auf vegane Ernährung umgestiegene Grazer Theologe.

Remele´s Tierethik fordert, dass das Töten von Tieren nur als letzter Ausweg gestattet ist, etwa im Fall von Selbstverteidigung gegen Tiere, die das Leben eines Menschen akut bedrohen. Verantwortungsbewusste Christen sollten folgende Konsequenzen aus einer tierethischen Haltung ziehen: kein Essen von Tieren und auch keinen anderen Tierqualprodukten, keine Stierkämpfe, keine Wildtiere in Zirkussen, keine (Hobby-)Jagd und keine medizinischen und wissenschaftlichen Tierversuche. Gerade in der sogenannten Ersten Welt gibt es laut Remele ein breites Angebot an Alternativen zu Konsumgütern, die mit Tierleid verbunden sind.

Aus dem Inhalt :

1. Was läuft da in der Ethik?

  • Auslöschung. Über das Ende des Dodo und anderer Tierarten
  • Ausschluss. Über den traditionellen moralischen Status der Tiere
  • Ausweitung. Über die Würde der Tiere und andere ethische Begriffe

2. Die Bibel: Gottes Lizenz zum Töten von Tieren?

  • Gottes Wille und die Versuchung des Sakralismus
  • Gottes Wille als das Glück aller Wesen
  • Gottes Wort im historischen Kontext
  • Vernünftige Argumente: Quälen nein, töten ja?
  • Resümee: Eine kleine Ethik des Tötens von Tieren

3. Das Christentum: Arroganter Anthropozentrismus?

  • Christen gegen die Kreatur: Eine Anklage
  • Kein Platz für Tiere: Kirchenväter, Ketzer, Katzen
  • Metzger, Matadore, Monsignori: Katholische Ikonografie und Grausamkeit gegenüber Tieren
  • Gequälte Hermeline, gestreichelte Katzen und andere tierethische Widersprüche

4. Ausbeutung mit Feingefühl? Christliche Tierethik konkret

  • Tiere mit Wohlwollen und Feingefühl behandeln
  • Sich der Tiere bedienen?
  • Tiere essen: Eine gedankenlose Völlerei?

5. Das Wohl aller Wesen, das Wohl eines jeden Wesens: Eine zeitgemäße christliche Tierethik

  • Gemeinwohl: Alle Kreaturen groß und klein
  • Pro Life, Pro Animal: Eine konsistente Ethik des Lebens
  • Achtsamkeit: Dinge wahrnehmen, die wir nicht gerne sehen
  • Das Wirken des Geistes: Von anderen Religionen lernen
  • Persönliche und gesellschaliche Moralkonflikte
Advertisements

Ein Kommentar zu “Sozialethiker Remele fordert neue christliche Tierethik

  1. Lieber Wolodja,

    nachdem ich mir heute ganz fest vorgenommen hatte, mich zurueckzuhalten und den anderen die Freude zu goennen, einen Kommentar aufzusetzen, sehe ich, dass aber Auch heute wieder ein hoch interessanter Artikel erscheint, der auf einen Kommentar meinerseits wartet! Ganz bestimmt wird das neue Buch von Kurt Remele meine Buechersammlung bereichern! Solche Schriften sind dringend notwendig und bei mir, wie bei vielen Tierschuetzern hoch willkommen!

    Wie ich dem obigen Text entnehme, orientiert sich Kurt Remele bezueglich der Ethik am Evangelium der Essener, welches uns lehrt, Tiere nur im Falle der Selbstverteidigung zu toeten, was von den gaengigen Landeskirchen nie impliziert wurde, im Gegenteil, schlachteten die sogar alle vegetarischen Stroemungen wie Katharer, Bogomilen etc. aufs grausamste ab, indem sie diejenigen Christen, welche den Fleischverzehr verweigerten als Ketzer bezeichneten! Diese brachiale, mittelalterliche Hoehlenjaeger-Mentalitaet ist nun reif, entsorgt zu werden, denn wenn die Landeskirchen mit der Neuzeit Schritt halten wollen, muessen sie radikal umdenken und vom EINGEFLEISCHTEN SPEZIESISMUS endgueltig Abschied nehmen! Das mittelalterliche Denken ist die Pest der Neuzeit und verhindert den seelisch-geistigen Fortschritt des Menschen! Dieser hat tatsaechlich grosse Muehe, sich aus der archaischen Brachialzeit herauszuschaelen und froent immer noch jenen Gewohnheiten, auf welche der Mensch der Vergangenheit leider nicht immer verzichten konnte, welche aber heutzutage total fehl am Platze sind.

    Man bedenke, dass es vor der Zeit der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus keine Kartoffeln, Mais, Tomaten, Kakao, Quinoa, Avocado und andere Fruechte und Gemuese gab, und vor der Roemerzeit obendrein keine Kirschen (des Lucullus), vor Marco Polo keine Pfirsiche, keine Teigwaren (der diese aus China mitbrachte – die beruehmten Spaghetti)! Es gab also nur gewisse Kornarten und Holzaepfel, da war klar, dass zB die Innerschweizer Bergbauern den Winter nicht ohne tierische Zugabe verbringen konnten, zumal der Transport von Bananen aus Italien durch die Maremma ueber den Gotthard bis zum Eintreffen in Altdorf, wohl nicht so ganz ein Super-Ding war! Aber genau hier ist der heutige Jetztmensch mit seinem Hirn stehengeblieben und kommt nicht weiter! Er befindet sich immer noch genau auf dieser Stufe – und von hier muss er raus, raus aus Urzeit und Mittelalter, hinein in die Neuzeit, denn heute ist Auch der Tisch in Altdorf mit den koestlichsten Dingen der tropischen Laender gedeckt – und auf tierische Beilagen (in Spanien der Hauptgang) kann vollstaendig verzichtet werden, was wiederum fuer Koerper, Seele und Geist ein unverzichtbares Relikt des Fortschrittes darstellt, welches heute unverzichtbar ist und jedes Lebewesen schont und achtet! Es muss endlich in den Koepfen des heutigen Menschen das Licht zuenden, dass er auf Fleisch verzichten kann und soll, denn diese barbarische Brachialkost hat in unserer modernen Zeit nichts mehr verloren, was sehr viele Menschen (in China zB bereits 80 Millionen begriffen, erfasst und verstanden haben!

    Wir wollen mal sehen, ob der Mensch der Zukunft mutig ist und einen Schritt in die richtige Richtung tut, oder ob er weiterhin feige zuruecksteht und an Knochen nagt!

    Inzwischen ganz liebe Gruesse an Dich und alle Freunde von Siraganda im Tierschutz

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s