Tierschützer unter sich: Käsefresser, Hundestreichler und Kampfveganer…

Nicht nur die Tierausbeuter und Tierquäler sind das Problem, sondern auch wir Tierschützer. Zum Nachteil der Tiere. Warum? Weil der eine nicht mit dem anderen kann, weil der eine nur Katzen, Pferde oder Hunde liebt und ihm Tauben, Wildtiere oder anderes Nutzgetier völlig gleichgültig sind. Und solange wir dieses Denken nicht aus unseren Köpfen bekommen, solange, liebe Tierfreundinnen und Tierfreunde, wird sich zur Freude unserer Gegner nichts ändern.

Von Bettina Marie Schneider

Die erfolgreichste Partei,  die sich uneingeschränkt für Tierschutz und Tierrechte einsetzt, dümpelt weiterhin bei ca 1 Prozent der Wählerstimmen vor sich hin. Ein ziemlich dürftiges Ergebnis, wenn man bedenkt, wie viele Menschen allein in der Tierschutz Szene aktiv sind und welches gewaltige Wählerpotential da draußen schlummert, würde man es nur schaffen, alle ins Boot zu holen.

Dieses Vorhaben gestaltet sich schwierig, denn Tierschützer untereinander können selten miteinander. Nach wie vor sind diese damit beschäftigt, sich zu definieren, … festzulegen, wer sich überhaupt für eine Verbesserung  stark machen darf, wo die politische Mitte nach links und rechts endet und wer mit wem Bündnisse eingehen darf…oder auch nicht.

Darüber hinaus finden täglich auf irgendeiner Plattform öffentlich ausgetragene Schlammschlachten statt, deren Hintergründe für Nichteingeweihte meist schwer nachvollziehbar sind, die jedoch abschreckend und abstoßend wirken, für alle potentiellen Sympathisanten und Neueinsteiger.

Fast jeder Tierschutz Verein, jede Organisation wird irgendwann verleumdet, angegriffen oder scharf kritisiert, oft genug  aus den eigenen Reihen. Bekanntestes Beispiel PETA, eine Organisation, die über die Jahre unstrittig großartige Aufklärungsarbeit geleistet hat und enorm viel für Tiere erreicht, weltweit. Trotzdem findet sich regelmäßig zu jeder Publikation mindestens ein Kommentator aus der Tierschutz Szene, der sich abschätzig über diese Vereinigung äußert, sich einzig auf deren (vermeintliche ?!) Fehler bei den Kampagnen konzentriert und völlig außer acht lässt, dass er damit dem gemeinsamen Ziel schadet.

Manche Tierschützer haben eine sehr eng gefasste  Vorstellung, wie Öffentlichkeitsarbeit auszusehen hat und wer sie leisten darf. In manchen Kreisen verleiht einzig der vegane Lebensstil die Berechtigung sich, sagen wir…für Stadttauben, rumänische Straßenhunde oder gegen Pelzindustrie, Tierversuche und Stierkampf stark zu machen.

Nicht-Veganer  oder Noch-Nicht-Veganer gelten oft als Tierschützer 2. Klasse. Dafür hat sich sogar ein eigener Jargon entwickelt. “Hundestreichler” was auf den ersten Blick recht nett klingt,  ist die abschätzige Bezeichnung für einen Heuchler, der zwar seinen eigenen Hund streichelt aber andere Tiere mordet, und “Käsefresser”  wird  gerne für Vegetarier verwendet und dient auch nicht unbedingt der Verständigung untereinander.

Dann gibt es die widersprüchlichsten Ansichten zum Thema “Zusammenarbeit mit Konzernen und Tierindustrie”. Darf man ein  veganes/tierversuchfreies Produkt bei einem Konzern erstehen, der auch Tierausbeutung betreibt? Darf man Verbesserungen in der Massentierhaltung fordern und fördern oder ist jede Zusammenarbeit Verrat an den Tieren? Wer Diskussionen und Zugeständnisse zu diesen Fragen prinzipiell und in jedem Fall ablehnt, übersieht dabei, dass mit dieser Haltung wichtige Signale für die breite Masse der Endverbraucher verloren gehen.

Wer Tiere liebt und achtet kommt nicht an einem veganen Lebensstil vorbei.

Aber wie viel mehr könnten wir alle erreichen, wenn wir jeden interessierten Tierfreund da abholen, wo er steht, wenn wir jeden Verein, jede Orga so arbeiten lassen würden, wie sie das für zielführend halten? Welche enorme Macht hätten wir, wenn wir uns alle vereint für die jeweils anstehende Problematik stark machen würden ?

Wenn die Taubenretter, die Auslandstierschützer, die gewaltige Liga der Hunde-und Katzenfreunde, die Rattenliebhaber, die Tierbefreier, die Hühnerretter, die Gegner der Massentierhaltung, die Beschützer der Wale und Delfine, …wenn wir alle gemeinsam ..zum Beispiel gegen Tierversuche marschieren würden…oder gegen Stierkampf, für eine Erneuerung des erbärmlichen Tierschutzgesetzes…die Politik könnte uns nicht mehr ignorieren.

So unterschiedlich die Definitionen von Tierschutz teilweise sind, wir haben viele gemeinsame Ziele und Schnittmengen die uns verbinden, wäre es nicht an der Zeit, sich darauf zu konzentrieren? Wir sind die einzige Stimme, die die Tiere haben, um endlich auch die breite Masse zu erreichen, denn nur dann wird es Veränderungen geben. Schritt für Schritt.

Quelle: www.guteskarmatogoblog.wordpress.com

Advertisements

6 Kommentare zu “Tierschützer unter sich: Käsefresser, Hundestreichler und Kampfveganer…

  1. Lieber Wolodja,

    ein sehr guter Artikel! Diese Dinge gehen mir jeden Tag durch den Kopf – und immer wieder komme ich zum Schluss, dass der Tierschuetzer, aber nicht nur, sondern jeder Mensch, der etwas auf sich haelt, heute soweit fortgeschritten ist oder sein sollte, dass er ALLE Tiere in sein taegliches Leben mit einschliesst und bei jeder Handlung seine Vorgehensweise ueberlegt! Wie kann ich durch’s Leben gehen, ohne einem Lebewesen zu schaden? Da kann so manch einer den Kreis viel weiter ziehen, als bisher. Dazu gehoert Auch, so wie ich dies zB immer tue, wenn ich draussen vor mich hingehe. Ich achte immer darauf, dass ich kein noch so kleinesTier zertrete, oder wenn zB nach sehr starkem Regen die Wuermer sich auf der Strasse oder dem Trottoir winden, so hebe ich diese auf und lege sie ins Gras! Dies gilt Auch fuer Kaefer, Bienen, Wespen, Spinnen! Jedes noch so kleine Tier hat Anrecht auf Achtsamkeit! Wenn wir das begriffen haben, faellt es uns Auch leichter, auf die groesseren und grossen Tiere besser Ruecksicht zu nehmen, denn die sind ja nun wirklich nicht zu uebersehen! Ein grosser Fehlgriff war – und das wiederhole ich immer wieder, die Lancierung der ‚Great Ape Protection Act‘, welche sich nur fuer Grossprimaten verwendet und die Kleinprimaten nicht miteinbezieht, welche nun in den Labors weiter zutode gequaelt werden! Aber es ist was im Tun, Auch bezueglich der anderen Labortiere, denn langsam aber sicher beginnen Auch die Fachidioten zu begreifen, dass trotz ihrer Spezialistenkoepfe Tierversuche fuer den Menschen nichts bringen, sondern in vielen Faellen sogar schaden und sehr gefaehrliche Irrtuemer und Fehlrueckschluesse an der Tagesordnung sind! Aber genauso wie man das heute beim Schimpansen sagt, dass man, Auch wenn der Versuch mit Erfolg gezeichnet waere, dieses Tier nicht mehr vivisezieren darf, genauso soll und muss dies in Zukunft und sehr bald fuer jedes andere Tier Auch gelten, denn jedes Tier ist wertvoll und verdient unsere volle Schonung und Respekt, ohne Ausnahme!

    Somit gilt einmal mehr das grossartige Zitat von Rosa Luxemburg: ‚Wer zu wichtigem Tun eilt und aus roher Unachtsamkeit einen Wurm zertritt, begeht ein Verbrechen‘!

  2. Sehr guter Artikel.
    Ich weiß, dass andere da sehr viel strikter sind und Vegetarier geradezu verachten.

    Ich selbst war aber lange Zeit (zu lange aus heutiger Sicht) Vegetarierin. Daher blicke ich nicht auf sie herab – wie sollte ich – sondern sehe sie als künftige Veganer.
    Und bevor ich Vegetarierin wurde, habe ich Fleisch gegessen – weil ich es nicht besser wusste und auch, weil ich mich nicht traute, das Fleisch einfach wegzulassen.
    Aufgewachsen bin ich nämlich wie viele mit der Doktrin, dass man Fleisch essen müsse, sonst würde man krank.
    Heute weiß ich: Das genaue Gegenteil ist der Fall.

    Wir sollten also lieber werben statt zu verurteilen.
    Ich versuche das.
    Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass z.B. gemeinsames Kochen wirklich einen Stein ins Rollen bringen kann.

  3. Frau Schneider hat vollkommen recht. Wir müssen uns zusammenschließen, wenn wir etwas erreichen wollen. Wenn man sich abgrenzt von den Anderen (Fleischesser, Vegetarier, Katzen- und Hundeschützer usw.) und sich einbildet, man ist der bessere Tierschützer, erreicht man fast nichts. Man muss mit Allen reden, nur so kann man Menschen davon überzeugen, dass die vegane Lebensweise die einzig erstrebenswerte für echte Tierschützer ist. Aber diese Zwischenstufen gibt es nun einmal, ob es uns gefällt oder nicht. Jeder Schritt in diese Richtung ist ein guter Schritt.

  4. Frau Kloos: „Wir müssen uns zusammenschließen, wenn wir etwas erreichen wollen.“

    Da gebe ich zu bedenken, daß sich Feuer und Wasser schlecht vertragen! Ich kann mir schlecht vorstellen mit einem Dackelfreund (Bin ich auch, da ich in der Kindheit und Jugend einen Dackel hatte) zusammen in einer Tierschutzfront zu sein, wenn dieser zwar ein Dackelfreund ist, aber gleichzeitig Jäger.

    Oder ich kann mir nicht vorstellen mit Tierfreunden aus einem der vielen Tierschutzvereine zusammen zu arbeiten, die, wie so oft, sie sich nur um Hunde und Katzen kümmern, denen das Leid der Nutztiere egal ist, ja die zu ihren Tierheimfesten auf dem Grill das Fleisch von Schweinen oder Hühnern anbieten, sei es als Grillwurst oder sonst wie.

    Auch kann ich mir nicht vorstellen gemeinsame Sache mit der TSP zu machen, solange die eine Frau Kloos nicht als Mitglied aufnehmen, nur weil sie angeblich rechte Ansichten vertritt. Wie soll man mit solchen Leute gemeinsame Sache machen, die in ihrem Multikultiwahn dem betäubungslosen Schlachten indirekt Vorschub leisten und vermeintliche Rechte ausschließen?

    Ein Bekannter von mir ist aktiver Hundeschützer, ist auch aktiv beim Schutz von gefährdeten Arten tätig, hat aber keinerlei Skrupel Fische zu angeln und ist im Angelverein als Funktionär für die Kinder-und Jugendarbeit tätig, wirbt tüchtig bei Kindern für den Angel“sport“.

    Mit all diesen Leuten in einer gemeinsamen Tierschutzfront?

    • Natürlich haben Sie nicht unrecht. Ich habe mit den Anderen auch gewiss nicht die Jäger und andere empathielosen und starrsinnigen Typen gemeint, sondern in erster Linie all jene Tierfreunde, die Tiere wahrhaftig lieben und für die daher aller erforderliche Tierschutz nicht nur eine leere Worthülse ist. Wenn ich mich total abgrenze und in meine 4 Wände zurückziehe (was fast unmöglich ist) und mich nur noch mit Menschen, die genauso eingestellt sind wie ich, unterhalte, erreiche ich diejenigen nicht, die ihr Herz noch nicht ganz verschlossen haben. Um die geht es mir. Nach dem Motto steter Tropfen höhlt den Stein, habe ich schon so manche positive Erfahrung gemacht, dass Menschen anfangen nachzudenken und ihr Verhalten umstellen. Dass es auch genügend Menschen gibt, an die man nicht heran kommt, steht dabei ausser Frage. Bei diesen ist alle Mühe vergebens und ich vergeude meine Ernergie auch nicht mit ihnen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s