Dr. Gunter Bleibohm: Über Gutmenschen und Fremdenfeindlichkeit

Dr. Gunter Bleibohm über den „Gutmenschen“

Das Wort „Gutmensch“ wird vom Gutmensch als Unwort, fast als Beleidigung empfunden, zumindest aber spätestens dann, wenn es ihm gegenüber direkt gebraucht wird und sein Gutmenschverhalten damit charakterisiert werden soll. Er mag es nicht, er hasst diese Ironie, wenn er als das bezeichnet wird, was er tatsächlich ist, denn seine Welt ist die Welt des Scheins, der angepassten Heuchelei, eine Welt des hündischen Kriechens vor der Massenmeinung. Der Gutmensch ist kein freier Geist, kann es nicht sein, will es nicht sein, sondern er ist der Knecht seiner eigenen Unselbständigkeit, seiner erschreckenden Denkunfähigkeit und Realitätsverweigerung.

Und was sind seine typischen Kennzeichen?

In der Regel ist er ein spezieszistischer Rassist, der typische Schüler der menschlichen Überheblichkeitslehre, denn er duldet, toleriert und entschuldigt am Menschen alles, am Tier wenig bis nichts. Tiere sind ihm Wesen zweiter Klasse. Er ist immer Anthropozentriker, fühlt sich als Krone, als Ziel der Evolution, das Universum dreht sich nur um die Menschheit und nur die Menschenspezies ist der legitime Gesprächspartner seiner hypothetischen Götter.

Er ist ein sadistischer Leidensverherrlicher, frönt er doch meist einem ungebremsten Natalismus, denn Leben definiert er als wunderbar und deshalb muss – um diese Herrlichkeit überall hin zu tragen – viel Leben produziert werden. Er bedenkt nicht das Ende, bedenkt nicht, dass jedes Leben in der Katastrophe des Untergangs endet, meist schrecklich und fürchterlich. Antizipatives Denken ist ihm fremd.

Wenn er doch zu denken beginnt, ist sein Denkhorizont segmentiert. Er sieht ausschließlich vom Weltgeschehen den schmalen Ausschnitt eines menschheitsbezogenen Universums, wodurch all seine ethischen und religiösen Ansätze fragmentarisch bleiben. Er wandert durch die Ruinen, durch die Bruchstücke einer notwendigen universellen Moral und Ethik, die nämlich – um es als kategorischen Imperativ zu formulieren – lauten müsste:“ Demut und Ehrfurcht vor jedem Leben, vor jeder Lebensform, sei deine Handlungsmaxime“, denn nur dann und nur dann wirst du dich vom Gutmensch zum guten Menschen weiterentwickeln, höher entwickeln.

15.3.2016  Gunter Bleibohm


 

Dr. Gunter Bleibohm über „Fremdenfeindlichkeit“

„Fremdenfeindlich“, ein Modewort, heute gern gebraucht von allgegenwärtigen Schlagwortmenschen, deren eindimensionales Tunneldenken das Charakteristikum einer meist stumpfsinnig-opportunistischen Weltsicht ist. Der Rückzug auf Totschlagworte, die naturgemäß eine Diskussion und Reflexion ausschließen, ausschließen sollen, zeigt, dass diese Menschen wenig die Zusammenhänge verstehen, Zwischentöne nicht kennen und das Wenige ihres schmalen Horizonts hinter klug wirkender Sprache verbergen wollen.

Bedeutungsbandbreite

„Fremdenfeindlich“ kennzeichnet den äußersten Punkt einer weiten Bedeutungsbandbreite, die von fremdenfreundlich über zahllose Facetten bis letztendlich zu fremdenfeindlich reicht, eine vergleichbare Spannweite, welche auch die Substantive Freund-Feind abdecken. Mit der Zuweisung dieser Extremposition in einem Disput werden sofort sämtliche Zwischenmöglichkeiten eliminiert und dadurch eine Vielfalt der Argumente direkt ausgeschlossen, mit der logischen Folge, dass der Verwender des Wortes erscheint, als habe er – kraft höherer Weisheit – die Deutungshoheit und das Sachwissen in diesem Thema für sich allein gepachtet. Diktatoren und Tyrannen bedienen sich vorrangig dieser apodiktischen Methode, der homo politicus verwendet es zur Ausgrenzung und Diffamierung konträrer Meinungen.

Pauschalierung

„Fremdenfeindlich“ verwendet desweiteren als Argumentationskriterium einen Pauschalbegriff, nämlich die Menge aller Fremden. Eine Differenzierung, eine Unterscheidung der Fremden in einzelne Individuen will und kann der Sprecher oftmals nicht zulassen. Der Begriff subsumiert notwendigerweise alle Menschen außerhalb des eigenen Umfelds und reduziert die Individuen auf einen Gattungsbegriff, der die persönlichen Merkmale und Fähigkeiten eines Menschen außer Acht lässt.

Definition

Entscheidend aber ist, dass in dem Begriff „fremdenfeindlich“ das Wort „fremd“ völlig undefiniert ist. Ist der Fremde jeder Mensch, der von außerhalb des eigenen Staatsgebietes kommt, ist der Fremde charakterisiert über eine größere räumliche Entfernung oder ist der Fremde ein Mensch aus einer anderen Kultur, einem anderen Erdteil, einer anderen Ethnie? Ist der Däne beispielsweise, der fünf Kilometer von mir hinter der Grenze wohnt, ein Fremder, obwohl eng vertraut, weil er aus einem anderen Staat kommt oder ist der Bayer, 1000 Km entfernt von meinem Wohnsitz, bereits ein Fremder, da weniger vertraut als der benachbarte Däne? Wenn man als Nachbar einen Dänen nicht mag, ist das dann fremdenfeindlich und wenn man einen Bayern nicht mag, dann nicht? Oder wenn man den Bayern nicht mag, ist das normale menschliche Antipathie oder auch schon fremdenfeindlich, obwohl wir beide dem gleichen Staat angehören? Beispielsmöglichkeiten gibt es ad infinitum.

Wertung

Die hohle Phrase der Fremdenfeindlichkeit impliziert, dass der Fremde und das Fremde, das ihn begleitet, per se gut ist, wünschenswert, bereichernd und erstrebenswert für den Empfänger. Der Empfänger ist somit verpflichtet, sich über das Fremde beglückt zu zeigen, denn eine Wahlmöglichkeit oder abwägende Sicht der Dinge ist ihm verwehrt, will er sich nicht dem Vorwurf der Menschenverachtung und eben der Fremdenfeindlichkeit durch diffamierenden  Nachrede aussetzen. Der Phrasensprecher wird somit unmittelbar zum Verbaldiktator, zum Unterdrücker bisheriger demokratisch-freiheitlicher Gepflogenheiten.

Die schützende Dummheit der Ignoranz, das Kainsmal des manipulierten Massenmenschen, ist das goldene Kalb, um den eine untergehende europäische Kultur tanzt, eine Kultur, die unkritisch von Menschen geopfert wird, die nur in der von ihnen missbrauchten Kultur ihr selbstzerstörerisches Räderwerk am Laufen halten können. Mit dummfeierlichen Beteuerungen läuten die Humanitätsfetischisten und Betroffenheitspopulisten – frei nach Oswald Spengler – den Untergang des Abendlandes ein.  Und da die Dummheit qua Masse und unterdrücktem intellektuellem Gegengewicht in einer – heute noch partiell vorhandenen – Demokratie naturgemäß auf der Siegerstraße ist, ist der Untergang der freiheitlichen Kultur unabwendbar geworden. Die Vernunft hat ihren Kampf verloren, Freiheit wird ein erklärungsbedürftiges Wort für die Geschichtsbücher werden.

25.3.2016  Gunter Bleibohm

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2 Kommentare zu “Dr. Gunter Bleibohm: Über Gutmenschen und Fremdenfeindlichkeit

  1. Sehr gute Texte, denen ich nur zustimmen kann.
    Exzellent geschrieben, logisch dargelegte Gedankengänge und sehr entlarvend.
    Danke für diese Texte!

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