Veganer sind ja sooo…. intolerant !

Fleischesser erleben Veganer häufig als überaus intolerant und die Forderung nach mehr Toleranz seitens der Veganer erscheint auf den ersten Blick völlig nachvollziehbar und berechtigt. Bei genauerer Betrachtung des Sachverhalts jedoch merken wir aber sehr schnell, dass die Sache mit der Toleranz vielleicht doch nicht ganz so einfach und eindeutig ist, wie viele Menschen zu glauben scheinen.

Von Armin Rohde

Es ist leider nicht ihr Fleisch, worüber die Omnivoren reden, sondern das Fleisch wehrloser, sinnlos ermordeter Lebewesen. Es ist das Fleisch von Tierkindern, die leben, lieben, spielen, Spaß haben und glücklich sein wollten. Genau wie wir Menschen. Mit demselben Recht. Fleischesser geben sich zwar lebenslang allergrößte Mühe, die einzigartigen Persönlichkeiten, deren Leben sie zum eigenen Vergnügen auslöschen lassen, als eine x-beliebige Ware ohne moralischen Wert zu betrachten, die man kaufen, besitzen, essen oder auch einfach wegwerfen kann. Beispielsweise ‚verdinglichen‘ sie die Kälber, Rinder und Schweine, deren Hinrichtung sie beauftragen, indem sie  diese lieber Wiener Schnitzel, Steak oder Kotelett nennen. Auf diese Weise dissoziieren sie sich von der Tatsache, dass es jemand und nicht etwas ist, was sie da gedankenlos in sich hineinstopfen. Doch die Fakten verschwinden nicht dadurch aus der Welt, dass man sie leugnet. Bei jeder Begegnung mit Veganern holt sie ihr Selbstbetrug fast zwangsläufig ein – selbst dann, wenn der Veganer das Thema gar nicht kommentiert.

(Würde ein Fleischesser tatsächlich sein Fleisch essen, indem er sich z.B. sein amputiertes Raucherbein nach der OP einpacken lässt, um damit beim nächsten Grillevent für kulinarische Furore im Freundeskreis zu sorgen, so hätte seine Forderung nach Toleranz deutlich bessere Chancen, bei Veganern Gehör zu finden.)

Ist Tierquälerei tolerierbar?

Toleranz würde bedeuten ‚dulden‘ oder ‚gewähren lassen‘. Das ist einfach verdammt viel verlangt angesichts des größten Massenmordes in der Geschichte der Menschheit. Wir töten weltweit jährlich mehr als 70 Milliarden Landtiere allein zum Verzehr. Das sind sechs Millionen Tiere pro Stunde. Mehr als zwei Millionen Tiere müssen nur in Deutschland täglich ihr Leben lassen. Das sind 86.112 Tiere pro Stunde, 1.435 Tiere in der Minute bzw. 24 pro Sekunde.  Jeder, der gegenüber diesem entsetzlichen Gemetzel ‚Toleranz‘ zeigt, stellt sich automatisch auf die Seite des Unrechts, macht sich selbst schuldig und beschmutzt die eigene Seele mit Blut

Wer das Böse ohne Widerspruch hinnimmt, arbeitet in Wirklichkeit mit ihm zusammen. (Martin Luther King)

Toleranz gegenüber anderen Ansichten und den daraus resultierenden Handlungsweisen ist immer dann nicht möglich, wenn dieses Verhalten anderen fühlenden Lebewesen wissentlich, oder gar vorsätzlich vermeidbares Leid zufügt. Eigentlich nicht schwer zu verstehen. Das gilt auch dann, wenn ich selbst gar nicht derjenige bin, der andere quält und tötet. Natürlich mache ich mich auch dann schuldig, wenn mein Verhalten (Tiere essen) erfordert, dass andere das unerfreuliche, blutige Geschäft (Tierkinder abstechen) in meinem Auftrag erledigen.

Die ‚Toleranz‘ der Fleischesser

Bevor Fleischesser sich selbst voreilig als tolerant beschreiben, sollten sie vielleicht auch erst einmal den Unterschied zwischen Toleranz und Gleichgültigkeit recherchieren. Die Tatsache, dass ihnen das Leben und Leiden anderer oftmals völlig egal ist, hat nichts Edles, sondern ist vielmehr das tragische Resultat massiver emotionaler Verelendung. Um Tierkadaver überhaupt essen zu können, müssen die Menschen ihre angeborene bedingungslose Empathie betäuben. Wieder und wieder. Bereits als kleine Kinder lernen wir von unseren Eltern, dass es Geschöpfe gibt, die unseres Mitgefühls nicht würdig sind. Wir erlernen die Kunst des selektiven Mitgefühls. Ein psychologischer Taschenspielertrick, der es uns erlaubt, manche Lebewesen von ganzem Herzen zu lieben und manche zu ermorden (oder ermorden zu lassen ), ohne den Wahnsinn unseres Tuns auch nur ansatzweise zu bemerken. Die Selbsttäuschung ist so perfekt, dass wir unsere erlernte Gleichgültigkeit tatsächlich mit Toleranz verwechseln und äußerst gereizt reagieren, wenn uns jemand auf diesen Sachverhalt hinweist.

Die vergessene ‚dritte Partei‘

Neben den Fleischessern und den Veganern gibt es eben, wie gesehen,  noch eine dritte Partei, nämlich die Opfer dieses unwürdigen Geschehens. Diese Partei hat berechtigte Erwartungen an das Verhalten der Veganer, umso mehr, weil sie die ihnen bislang verwehrten, elementaren Rechte nicht selbst einfordern und durchsetzen kann. Veganer haben es sich deshalb zur Mission gemacht, den unterdrückten, gequälten Geschöpfen ihre Stimme zu geben und entschlossen für das Ende der Ausbeutung der Tiere durch den Menschen zu streiten, wenn nötig laut, unfreundlich und unbequem. Die Art ‚Toleranz‘, die sich Fleischesser so sehr von den Veganern wünschen, würde diese dritte Partei aus ihrer Perspektive zurecht Zynismus und Verrat nennen. Es müsste den Fleischessern auch vor diesem Hintergrund eigentlich klar sein, dass die gewünschte ‚Toleranz‘ keine akzeptable Option für Veganer sein kann.

Wenn die gesellschaftliche Mehrheit nach Toleranz ruft …

Toleranz ist meist eine selbstbewusste Geste der gesellschaftlichen Mehrheit gegenüber Minderheiten. Sie entspringt einer Position der Stärke. Toleranz ist Ausdruck von Gelassenheit und der inneren Gewissheit, selbst in Übereinstimmung mit den kollektiv dominanten, akzeptierten Werten zu handeln. Wenn die Fleischesser bei einem Bevökerungsanteil von gerade mal einem Prozent Veganern derart beunruhigt sind, dass sie glauben, Toleranz gegenüber ihrer eigenen gesellschaftlichen ‚Norm‘ einfordern zu müssen, dann wirkt das alles andere als souverän. Diese Nervosität könnte ein zarter Hinweis sein, dass sie insgeheim längst wissen, dass es nicht in Ordnung ist, was sie tun. Es könnte auch sein, dass sie bereits ahnen, dass vielleicht schon bald eine ganz neue Geschichte geschrieben wird, in der Ignoranz und Gewalt keinen Platz mehr haben werden.

Armin Rohde

Advertisements

7 Kommentare zu “Veganer sind ja sooo…. intolerant !

  1. Lieber Wolodja,

    Ein ganz hervorragender Artikel von Armin Rohde! Der Jetztmensch muss JETZT lernen, aus der Fleischfresserhoehle rauszukommen und einen neuen Lebensstil waehlen, denn die Moeglichkeit dazu ist da! Fuer den milliardenfachen Tiermord weltweit gibt es keine Entschuldigung mehr, denn der Tiermord gehoert ins Mittelalter! Aber spaetestens seit nach dem Zweiten Weltkrieg besteht fuer jeden Menschen weltweit die Moeglichkeit des unblutigen Speiseplanes! Wenn der unmuendige Buerger dies nicht versteht, dann sollten die Gesetzesvertreter das noetige Gewissen haben und entsprechende Gesetze machen, welche das Toeten von Tieren generell verbieten!

    Solange es gesetzlich erlaubt ist, Auch nur ein einziges Tier zu toeten, solange bleibt der Mensch ein Charakterlump, der sich nicht ’nur‘ dem Toeten von Tieren hingibt, sondern Auch dem Toeten seinesgleichen in Krieg, Terrorismus und anderen perversen Aktionen, welche alle dieselbe Handschrift tragen – MORD – und Mord ist immer Mord, Auch wenn er an einem Tier begangen wurde und die neunmalklugen Klugscheisser der biblischen Exegese, bei denen das Hirn direkt auf dem Darm sitzt, da sie kein Herz haben – daher Klugscheisser – den altehrwuerdigen Satz ‚Du sollst nicht toeten‘ umgewandelt haben in ‚Du sollst nicht morden‘! Diese pharisaeische Schlaumeierweisheit aber hinkt, denn zwischen einem ‚Moerder‘ und einem ‚Killer‘ besteht kein Unterschied, denn inzwischen ist die Verquickung des weltweiten ‚Esperanto-Dialektes‘ soweit fortgeschritten, dass die Amalgamschmiede die perfektesten geistigen Waffen liefert, die keinen Floh mehr durchlassen, Auch nicht die Floehe der Pharisaer und Gesetzesverdreher, welche noch der vorfrueheren Zeit angehoeren, aber ihr Diktat der Neuzeit aufdraengen wollen!

    Inzwischen ganz liebe Gruesse an Dich und alle Freunde, Eure Siraganda im Tierschutz – JEDES LEBEWESEN HAT DAS RECHT AUF LEBEN – OHNE AUSNAHME!

  2. Sehr guter Beitrag. Armin Rohde hat so recht. Es wid endlich Zeit für einen Wechsel. Es gibt keine Ausrede mehr. Veganer können und dürfen nicht aus falsch verstandener Toleranz weg schauen und die armen Fleichesser schonen. Steter Tropfen höhlt den Stein.

    • Lieber Bernd,
      danke vielmals für Deinen Tip, der allerdings des meinerseits oftmals genutzten Penny-Marktes im 5 Km von meinem Wohnort entfernten Königswalde auf völlig fruchtlosen Boden fällt, denn in diesem Markt grenz es schon an ein Wunder, mal das eine oder andere vegane/vegetarische Lebensmittel zu entdecken und somit kaufen zu können. Vermutlich bestimmt in vielen Einkaufscentern hier in meiner Region die Nachfrage nach vegan/vegetarischen Produkten das jeweilige Angebot – und weil diese Nachfrage im Königswalder Penny-Markt und auch in der Kreisstadt Annaberg nicht sonderlich gross, sondern eher mickrig klein ist, sitze ich dementsprechend auf dem Trockenen, was für mich als Veganer natürlich wenig vorteilhaft, sondern sehr ärgerlich und auch sehr enttäuschend ist.
      LG – Wolfgang

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s