Nachrichten aus der Zukunft – Teil 3

Liebe Freunde, dieser Rundgang fällt schwer. Es gibt heute viele Quellen, in denen man sich über die grausamen Auswirkungen des Speziesismus informieren kann. Ich will Euch aber eine Quelle nennen, die aus der Zeit um die Jahrtausendwende stammt. Seht Euch diesen Film einmal an, wenn ihr Zeit habt und stark seid.

Link zum Film: EARTHLINGS

Wenn man die Ausstellung verlässt, ist das wie ein Erwachen aus einem bösen Traum. Man tritt in die frische Luft, atmet tief ein und ist froh, nicht in dieser schrecklichen Zeit gelebt und Anteil an diesem Verbrechen gehabt zu haben. Wäre man selbst aufgestanden, wenn man Mensch dieser Zeit gewesen wäre? „Natürlich!“ höre ich auf diese Frage immer. „Undenkbar, daß ich da mitgemacht hätte!“

Doch wie war es wirklich? Konnten die Menschen sich dem System einfach entziehen? Das Denkmal für die Verbrechen des Speziezismus drückt neben der Scham für unsere Vorfahren auch die Hilflosigkeit aus, die Menschen von damals zu verstehen. Deshalb kehre ich gedanklich nocheinmal zurück in den letzten Raum der Ausstellung. Dort erfährt man: Zu Beginn des 20.Jahrtausends wurden die Debatten um das Nahrungssystem immer offener und schmerzhafter geführt. Immer mehr Informationen waren verfügbar, die das bevorstehende Versagen und die Grausamkeit des gesellschaftlich gewachsenen Systems offenbarten.

Eine heftige Diskussion entbrannte um die Rolle der Konsumenten. Waren sie Opfer eines deformierten gesellschaftlichen Systems, weil sie in ihm aufwuchsen und die Grausamkeiten nicht mehr wahrnehmen konnten oder waren sie Mittäter, weil sie diese durch ihren unbedachten Konsum trugen? Waren die immensen Versehrungen an Körper und Gehirn Resultat der gewissenlosen Nahrungsmittelindustrie oder waren diese selbst verschuldet? Konnten die Menschen die Verbrechen gegen Umwelt und Tiere nicht sehen, weil diese von Industrie, Politik und angeschlossenen Medien mit aller Macht geschönt wurden?

Oder wollten sie diese nicht sehen, obwohl sie wussten, daß durch Internet und Bücher ausreichend Informationsmaterial zur Verfügung stand? Waren sie zu bequem? Hielt sich die Abwehr gegen Verzicht auf Tierprodukte deshalb so lange als Mehrheitsmeinung? Bis heute gibt die Teilnahmslosigkeit des größten Teils der damaligen Bevölkerung große Rätsel auf.

Der Konflikt zwischen Idealismus und Pragmatismus :

„Wir müssen Verständnis haben!“ ruft der Pragmatiker. „Es ist ein Prozess, der ohne Krieg geführt wird, der Umdenkprozess muss sich von unten durch ein ungeheuer mächtiges System kämpfen, das die Hirne der Menschen versklavt hat und diese gewissenlos ausbeutet. In einem Krieg kann man den Gegner mit physischer Gewalt niederringen, mit Waffen und Bomben. Wir jedoch haben nur Bilder und Worte. Wir kämpfen zwar für die Moral, aber gegen Gesetze. Wir können die Menschen aus dem parasitären Apparat nur herauslösen, wenn wir die Drähte in ihren Gehirnen veröden. Wenn wir die Krakenarme der Industrie in den Köpfen der Menschen nach und nach austrocknen.“

„Die Menschen sind erbärmlich! Sie müssen büßen! Und die Tierquälerei muss sofort gestoppt werden“ ruft der Idealist.

„Die Menschen jammern über einen Schnupfen und beklagen sich lauthals über zu teures Benzin oder sogar das schlechte Wetter, während nebenan in abgeschotteten Fabriken des Grauens empfindsamen Mitgeschöpfen nach Monaten der qualvollen Turbozucht Bolzen in den Kopf geschossen und mit automatischen Messern die Halsschlagadern zertrennt werden. Millionenfach!“

Der Konflikt zwischen Idealisten und Pragmatikern innerhalb der Tierrechtsbewegung forderte viele Opfer. Die Idealisten konnten die Schmerzen nicht ertragen, forderten einen sofortigen Stop der Tierproduktion, was in diesem System leider eine Utopie bleiben musste. Die Pragmatiker forderten Zurückhaltung und verwiesen auf die Argumentation und unermüdliche Überzeugungsarbeit bei den Verbrauchern, um zum Ziel zu kommen.

Die Gegner der Tierrechtsbewegung nutzten diese inneren Zwiste schamlos aus, indem sie Tierrechtler für Nichtigkeiten anprangerten, der Lächerlichkeit preisgaben und sogar kriminalisierten. Viele engagierte Menschen verloren die Lebensgrundlage und zogen sich entnervt zurück. Erst mit der Einigung der verschiedenen Bewegungen u.a. Vegetarismus, Veganismus, Tierschutz, einhergehend mit schmerzhaften Zugeständnissen, wurde durch die Beendigung der inneren Reibereien den Gegnern der Boden entzogen.

Wie es weitergeht, haben wir alle in der Schule gelernt. Eine erstarkte und in der westlichen Welt vereinte Tierrechtsbewegung erlangte mit einem Mal die Macht, Medien und Politik zu beeinflussen. Im Jahr 2012 konnte Mark Zuckerberg durch eine weltumspannende Kampagne überzeugt werden, einen Teil seines Vermögens für wirksame Gegenwerbung zu nutzen, mit der schließlich die mediale Macht der Fleischindustrie gebrochen wurde. Die Lawine des Umdenkens nahm an Fahrt auf und war nicht mehr aufzuhalten. Schließlich reagierte auch die Politik, unter anderem durch Einführung einer Kennzeichnungspflicht für tierquälerische und umweltschädigende Produkte sowie Produkte, für die Tierversuche durchgeführt wurden. Das Erwachen war schmerzhaft. Es war ein Erwachen aus einer Plastikwelt. Es war der Anfang vom Ende der milliardenfachen Tierqualen.

Mark Zuckerberg ist heute kaum noch bekannt für seine Facebook-Gründung. Wie ihr wisst, ist er zu einem Helden der Geschichte geworden. Im Jahr 2029 wurde ihm für seine Verdienste für den Wandel des menschlichen Bewusstseins, das bald zum weltweiten Verbot der Massentierhaltung führte, der Friedensnobelpreis verliehen. Wie wir alle wissen, wuchs zu dieser Zeit aber schon heran, was den Menschen Jahre später zum Verhängnis wurde. Doch das ist ein anderes Thema.

Das Denkmal für die Verbrechen des Speziesismus besteht aus konservierten Tierresten, die neben einer ehemaligen Schlachterei in Köln ausgegraben wurden. Klauen, Borsten, Hörner, Schnäbel und Knochen. Unmengen an achtlos weggeworfenen Knochen. Ein Denkmal des Schreckens und der Mahnung, daß sich der Mensch nie wieder über die Natur erheben darf.

Gegenüber des düsteren Denkmals steht ein Denkmal für das Leben. Es ist ein Denkmal für Ellis Zauberbaum. Man muss nicht einmal nahe herangehen, um Ellis berühmte Worte in der weiten Krone schimmern zu sehen. Elli schrieb sie einen Tag nach dem schmerzhaften Verlust ihrer Esche. Es sind Worte der Hoffnung, aber auch Worte der Mahnung, nicht den Glauben an sich zu verlieren und seinem Herz zu folgen. Es sind Worte, die heute jedes Kind kennt, weil sie in die Geschichte eingingen: Zauberbäume gibt es überall da, wo Bäume nicht gefällt, sondern von Menschen geliebt und bewundert werden.

Quelle: http://www.nachrichten-aus-der-zukunft.net

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3 Kommentare zu “Nachrichten aus der Zukunft – Teil 3

  1. Ja lieber Wolodja,

    da ist jedem denkenden und fuehlenden Menschen das Herz schwer – die restlichen Troglodyten nehmen einen Schritt drueber und fressen und feiern weiter – ignorierend, dass genau sie es sind, die das schwere Herz der andern verursachen!

    Liebe und traurige Gruesse an Dich und alle Freunde – Eure Siraganda

  2. Earthlings – ein Film, den ich mir nur zu kleinsten Teilen und noch nie ganz ansehen konnte.
    Es ist ein Alptraum.
    Es muss eine schreckliche Tortur gewesen sein, diesen Film zu drehen, zusammenzustellen und zu besprechen. Ich hätte das nur unter sedierenden Drogen überhaupt fertiggebracht.

    Mein Vater, der von Beruf Fliesenleger war und eine zeitlang in einem Schlachthof in Hamburg als solcher gearbeitet hat, hat mir als (älteres) Kind von ein paar Szenen berichtet, die er dort erlebt hat. Er hat mir bestimmt nicht alles gesagt (um mich zu schützen), aber schon diese Ausschnitte haben mir gezeigt, dass diese Arbeit die Menschen unglaublich abstumpfen und verrohen lässt.

    Und in diese Höllen schickt die Welt immer mehr und mehr und mehr Tiere.

    In etwa zwei Generationen seit meiner Geburt hat sich die Erdbevölkerung verdreifacht und durch den wachsenden Wohlstand können es sich die Leute weltweit leisten, immer mehr Tiere zu essen.
    Wie viel Leid und Gewalt dies weltweit bedeutet, ist für mich und uns alle unvorstellbar.

    Es gibt nur einen Ausweg, den man nehmen kann: keine Tiere (Tierprodukte) mehr essen (konsumieren).
    Ich bin immer wieder froh, mich seit Jahren vegan zu ernähren.

  3. Der Film Earthling hat mich bereits schon vor Jahren, in mehreren Etappen angeschaut , vom Fleisch- und Wurstessen weggebracht, da er schonungslos den Umgang des Menschen mit den Tieren und deren Elend zeigt. Ein sehr guter Film.

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