Vorurteile und schwachsinnige Aussagen über Tierschützer

Von Tierschützerin Christa Blanke
(Animals Angels)

Ich habe schon drauf gewartet und gehofft, dass sie nicht kommt. Aber nun ist sie da. Und ausgerechnet in der ZEIT: die Aufrechnung von Flüchtlingselend gegen Tierelend. In der Ausgabe Nr. 51/2015 der ZEIT bezeichnet Autorin Elisabeth Raether Menschen, die sich über Tierquälerei aufregen und sich für Tiere einsetzen, als „verwöhnt“. Als Menschen, die sich „jeden echten Kontakt mit der Außenwelt“ ersparen, die in einer „Puppenheim-Atmosphäre der Verdrängung leben“ und existentielle Probleme nicht wahrnehmen würden. Als Menschen, deren „Alltag (…) mit sittlichem Drama aufgeladen“ werde.

Ich gehöre laut der Autorin also zu den „Verwöhnten“, zu denen, die gegen die lebenslange Anbindung von ‚Milch‘kühen kämpfen, weil ihnen ein „echter Kontakt mit der Außenwelt“ fehlt. Mein Alltag ist mit „sittlichem Drama aufgeladen“, weil ich mich mühselig durch die geschönten Statistiken der Fleischproduktion kämpfe. „Existentielle Probleme“ nehme ich nicht wahr, weil ich meine Zeit ja damit verschwende, mich um halbtote Hühner ohne Federn auf einem LKW, der nach Holland fährt, zu kümmern. Ich lebe in einer „Puppenheim-Atmosphäre der Verdrängung“, weil ich in Rumänien, umgeben von Männern mit blutigen Messern, bei dem illegalen Gemetzel von Schweinen dabei bin.

Die Selbstgerechtigkeit, mit der die Autorin Noten verteilt, ist schon außergewöhnlich. Bringt sie aber auch den Mut auf, http://www.animalmermorial.org zu besuchen und den Gesichtern dort in die Augen zu sehen? Wir kennen jedes dieser Tiere persönlich. Wir wissen, dass jedes einzelne ermordet wurde unter grauenhaften Umständen. Wir waren dabei.


Von links nach rechts: Rocco (Italien 2013), Concetta (Spanien 2013) und Selim (Türkei 2015).

Wieviele Flüchtlinge kennt Frau Raether persönlich? War sie bei Hunger, Krankheit, Folter und Tod persönlich dabei? Hat sie eine Überfahrt im überfüllten lecken Boot mitgemacht? Wenn ja, dann könnten wir uns solidarisieren gegen die Gewalt in der Welt, die viele Facetten hat. Nur wer eine schwache Position hat, muss das eine Leid gegen das andere Leid aufrechnen. Nur wer schwach ist, muss sich aufwerten, indem er andere abwertet.

Was die ZEIT-Redaktion nicht verstehen will (oder kann): Wir Tierschützer sind Vorbilder. Wir Tierschützer bieten ein Modell für gesellschaftlich relevantes Handeln, grade dann, wenn die Aussichten auf persönliche Anerkennung und praktische Erfolge sehr gering sind.

Was Tierschützer schon seit Jahrzehnten leisten mit einem vorurteilsfreien, nicht von Speziesgrenzen eingeengten ethischen Denken und mit pragmatischem kreativen Handeln, das muss nun in weiten Teilen der Bevölkerung stattfinden, wenn Deutschland und Europa die Herausforderungen der aktuellen Krisen bestehen wollen. In der Tierschutzbewegung gibt es viele authentische Antworten auf Fragen, die weit über den Tierschutz hinausgehen und die jeder Bundesbürger früher oder später beantworten muss, wenn unser Land aus den aktuellen Krisen gestärkt und lebendig hervor gehen soll.

Lassen wir also der ZEIT ihre Vorurteile und machen wir weiter Tierschutz, damit wir http://www.animalmermorial.org anklicken und sagen können: Ich gebe mein Bestes für Euch, auch wenn es leider nicht genug ist…

Mit herzlichen Grüßen
Ihre
Christa Blanke

Hier noch ein Interview mit Tierschützerin Christa Blanke:
Schluss mit den Schlacht-Tiertransporten

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3 Kommentare zu “Vorurteile und schwachsinnige Aussagen über Tierschützer

  1. Lieber Wolodja,

    Christa Blanke ist ein wirklicher Animal Angel und stets in meinem Herzen bis zum Tod! Dort drin bleibt sie und nimmt ihren Ehrenplatz ein! Zusammen mit Maja von Hohenzollern, der Begum und ihrer Mutter, Taylor Radig (ueber die ich noch berichten werde), Pam, meinem ueber alles geliebten Captain Paul Watson, Michael Aufhauser (und natuerlich noch viele, denn die Liste ist ja unendlich lang.

    Aber diese wunderbare Frau mit einem solch starken Herzen voller Liebe zu den todgeweihten Tieren ist mehr als nur bewunderungswuerdig – und wenn es einen Himmel gibt, so moechte ich die Ewigkeit an ihrer Seite verbringen! Wenn ich an sie denke, dann tut es bei mir drinnen weh – und das will was heissen, denn das ist Liebe….

    Liebe Gruesse Auch an Dich und alle Freunde – Eure Siraganda

  2. Sehr gut, was Christa Blanke zu diesem Artikel in der ZEIT sagte.
    Und ich kann dir nur zustimmen, liebe Siraganda, Christa Blanke ist eine mutige und sehr starke Frau und tut unendlich viel für die Tiere.

  3. „Autorin Elisabeth Raether bezeichnet Menschen, die sich über Tierquälerei aufregen und sich für Tiere einsetzen, als „verwöhnt“. Als Menschen, die sich „jeden echten Kontakt mit der Außenwelt“ ersparen, die in einer „Puppenheim-Atmosphäre der Verdrängung leben“ und existentielle Probleme nicht wahrnehmen würden. Als Menschen, deren „Alltag (…) mit sittlichem Drama aufgeladen“ werde.“

    Diese widerliche Elisabeth Raether greift zu einem probaten Mittel, Tierrechtlern „echten Kontakt mit der Außenwelt abzusprechen, ihnen anzuhängen, sie würden in der „Puppenheim-Atmosphäre der Verdrängung“ leben, wo doch genau das Gegenteil der Fall ist, denn speziesistische Typen wie diese Raether leben in einer Atmosphäre der Verdrängung und sind unsoziale Wesen.

    Derlei Propaganda erinnert an die Hetze der Kirchen in der Zeit um 1900, wo sie „Abtrünnige“ mit genau denselben Floskeln begegneten. Daß diese Raether eine Schreibtischtäterin ist, das liegt auf der Hand, denn durch derartige Verdrehung der Tatsachen wird eine längst überfällige Systemveränderung hin zu einem konsequenten Antispeziesismus hinaus geschoben und jede Verzögerung fordert hunderte Millionen von Tieren, die weiter leiden müssen.

    Typen wie diese Raether kann man nur verachten und ideologisch bekämpfen und man darf sich von solchen Demagogen auch nie und nimmer irre machen lassen.

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