Der gefährliche Prophet

Mohamed ist ein Vorbild für Millionen Muslime – und auch für Terroristen. Der Islamexperte Hamed Abdel-Samad kritisiert ihn nachfolgend als einen Paranoiker und Tyrannen.

Von Hamed Abdel-Samad

Viele Muslime sind noch heute Gefangene der mysteriösen Figur Mohamed, die im 7. Jahrhundert gelebt hat. Aber auch der historische Mohamed ist ein Gefangener – der übertriebenen Verehrung und des Anspruchs der Muslime an seine Unantastbarkeit. Die Omnipräsenz des Propheten in Bildung und Politik, die Überbetonung der religiösen Komponente in vielen islamischen Gesellschaften verhindert die Entstehung alternativer Identitätsquellen. Alles geht auf ihn zurück, er schwebt über allem und bestimmt den Alltag von muslimischen Bürgern, Politikern und Theologen. Gleichzeitig verhindern die emotionale Bindung der Muslime an Mohamed und die unreflektierte Überhöhung des Propheten eine historisch-kritische Auseinandersetzung mit dem Begründer des Islams.

Als ich noch ein strenggläubiger Muslim war, dachte ich, ich wüsste alles über Mohamed, nur weil ich seine Biografie, den Koran und seine zahlreichen Hadithe – seine außerkoranischen Aussagen – gelesen hatte. Als Forscher allerdings musste ich eine kritische Distanz gewinnen. Je mehr ich mich mit Mohamed beschäftigte, umso mehr kam ich mir vor, als hielte ich einen Satz Tarotkarten in der Hand. Manche dieser Karten gaben Trost und Hoffnung, andere waren furchterregend. Hier der ethisch argumentierende Prediger aus Mekka, dort der intolerante Kriegsfürst in Medina. Hier der Mensch, der für Mitgefühl und Vergebung plädiert, dort der Massenmörder und psychisch kranke Tyrann.

Ich wollte deshalb keine neue Biografie Mohameds schreiben, sondern eine ganz persönliche Annäherung an sein Leben, eine „Abrechnung“. Ihr liegen nicht nur heutige Maßstäbe zugrunde, sondern auch die moralischen und gesellschaftlichen Kriterien jener Zeit. Denn auch aus Sicht seiner Zeitgenossen hat Mohamed viel Verwerfliches getan. Darüber hinaus versuche ich, die politischen und psychologischen Motive seines Handelns zu verstehen.

Die Sucht nach Macht und Anerkennung

Mohamed war ein Waisenkind, das nicht bei seiner Familie, sondern bei fremden Beduinen aufwuchs. Als er nach Mekka zurückkam, hütete er wie ein Sklave Schafe für seinen Stamm, bei dem er offenbar wenig angesehen war. Ihm fehlten nicht nur die Liebe und Fürsorge der Eltern, sondern auch Leitfiguren. Die Rolle des Einzelkämpfers war ihm in die Wiege gelegt. Später heiratete er eine reiche Witwe und wurde in ihrem Unternehmen ein erfolgreicher Karawanenführer. Er war gut situiert und glücklich. Doch im Alter von 40 Jahren geriet er plötzlich in eine Sinnkrise. Er wanderte allein in der Wüste umher, meditierte in einer Höhle, hatte Visionen und behauptete, Steine würden zu ihm sprechen. Er litt unter Angstzuständen und trug sich mit Suizidgedanken. Und er glaubte an eine Offenbarung, die ihm vom Himmel gesandt wurde.

Ein zweiter Wendepunkt im Leben Mohameds war seine Auswanderung von Mekka nach Medina. Hier wurde nicht nur der erste muslimische Staat gegründet, hier kam auch der gewalttätige Prophet zum Vorschein, der für seine Ziele über Leichen ging. Der Unterschied zwischen Mohamed in Mekka und Mohamed in Medina ähnelt dem zwischen dem jungen marxistischen Theoretiker Lenin und dem sowjetischen Staatsoberhaupt Lenin. Nach der Machtergreifung gerieten vormals hochgehaltene Prinzipien immer mehr in den Hintergrund, die Logik der Macht und die Angst vor dem Verrat bestimmten fast alles. Kriege verlangten nach neuen Kriegen, und Mohamed begann eine beispiellose Eroberungswelle, die die Welt bis heute prägt.

Seine ambivalente Persönlichkeit wird auch verständlich durch seine Beziehung zu Frauen. Er behandelte sie nicht wie ein Tyrann, sondern eher wie ein Kind, das unter Verlustängsten litt – und diese prägen die Situation muslimischer Frauen bis heute. Die Verschleierung, die Mehrehe, die Unterdrückung sind nicht zuletzt Mohameds Ängsten geschuldet. Gleichwohl sprach er durchaus positiv über Frauen, manche Muslime finden sogar, er habe die Frauen befreit.

Mohamed war süchtig nach Macht und Anerkennung. Diese suchte er bei Frauen – und im Krieg. Allein in den letzten acht Jahren seines Lebens führte er über 80 Kriege. Erst im Schatten des Schwertes erfuhr er die Anerkennung, die er immer gesucht hatte. Doch je mächtiger er wurde, desto stärker war er getrieben von seiner Macht. Je mehr Feinde er ausschaltete, desto mehr wuchs seine Paranoia. Seine Anhänger in Medina kontrollierte er auf Schritt und Tritt. Er versuchte alles zu beherrschen und zu regeln, selbst ihren Schlafrhythmus. Fünfmal am Tag versammelte er sie zum Beten, um sich ihrer Treue zu versichern. Er warnte sie vor den Qualen der Hölle. Sünder wurden ausgepeitscht, Lästerer und Apostaten getötet. Was Sünde war, bestimmte er.

Ein gekränkter Außenseiter als Kriegsfürst

Die letzten Suren des Koran legten mit ihrer Kriegsverherrlichung und Verdammung der Ungläubigen die Saat der Intoleranz. Da der Koran als das ewige Wort Gottes gilt, das für alle Zeiten Gültigkeit hat, sehen heutige Islamisten die alten Kriegspassagen als Legitimation für ihren weltweiten Dschihad. Mohamed versprach seinen Kämpfern nicht nur das ewige Paradies, sondern bereits im Diesseits satte Gewinne und schöne Frauen als Sklavinnen. Das war die Geburtsstunde der „islamischen Ökonomie“. Kriegsbeute, Sklavenhandel und die Einführung einer Kopfsteuer für Ungläubige blieben noch Jahrhunderte nach Mohameds Tod die Haupteinnahmequellen der islamischen Herrscher. Ob Omaijaden, Abbasiden, Fatimiden, Mamelucken oder Osmanen – alle muslimischen Eroberer beriefen sich auf Mohamed. Heute rechtfertigt die Terrorbande des „Islamischen Staates“ (IS) ihre Feldzüge mit dem Werdegang des Propheten, der Kriegsgefangene enthaupten ließ und Ungläubige aus ihren Wohnstätten vertrieb.

Doch auch im Gewand des Kriegsfürsten blieb Mohamed in gewisser Weise ein Kind. Er war ein empfindsamer, gekränkter Außenseiter, ein permanent Enttäuschter von der Welt. Ob als Schafhirte, Händler, Prediger oder Feldherr, Mohamed war ständig auf der Suche nach einer neuen Zuflucht. Mal hieß diese Zuflucht Khadidscha (seine erste Ehefrau), mal waren es die Buchstaben des Koran, mal die gläubigen Männer, mal die liebenden Frauen. Und am Ende wurde das Schlachtfeld seine endgültige Heimat.

Mohamed starb vor 1.400 Jahren, doch endgültig begraben wurde er nie. Er hinterließ ein Regelwerk, das bis heute jede Angelegenheit des muslimischen Alltags bestimmt. Seine sozialen Ansätze aus Mekka spenden Trost und Heil. Seine Kriege aus medinischer Zeit rechtfertigen Gewalt. Er hat Züge seiner Persönlichkeit, die man krankhaft nennen könnte, an die Muslime weitergegeben: Allmachtsfantasien und Größenwahn, Paranoia und Verfolgungswahn, Kritikunfähigkeit und Zwangsstörungen. Die beste Würdigung, die Mohamed heute erhalten könnte, wäre, ihn als den Menschen zu sehen, der er war, und den Glauben an seine Allmacht zu überwinden. Mit anderen Worten: ein gefährliches Idol zu beerdigen………..

Hier bitte WEITERLESEN auf http://www.zeit.de

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4 Kommentare zu “Der gefährliche Prophet

  1. Schizophrene Persoenlichkeiten sind immer gefaehrlich und die Umgarnung der anfaenglichen Bewunderung erlaubt keine Verteidigung mehr, entweder man erliegt, oder man stirbt!

    Verliebtheiten mit dem Islam kommen einen teuer zu stehen! Was anfaenglich mit sehr viel Festlichkeit und orientalischem Zauber mit der Tuer ins Haus faellt, offenbart sich dem noch einigermassen unverbloedeten Adepten schon bald als Buechse der Pandora, deren Grund so weit hinunterreicht, dass er selbst der schaerfsten Brille den Tiefblick vernebelt! Ihr entfliegen nach anfaenglichen Dueften die schlimmsten Monster, aus deren Klauen es kein Entkommen mehr gibt! Jeder, der nicht innerhalb der islamischen Kultur geboren wurde, sollte tunlichst von dieser ‚Religion‘ die Finger lassen! Bedauerlich ist’s fuer jene unuebersehbare manipulierte Masse, welche dort drin geboren wurde! Da gibt es hoechstwahrscheinlich und leider kein Entrinnen! Arme Menschen – und noch aermere Tiere, die unter dieser GEISSEL zu leiden und zu sterben haben!

  2. Liebe Siraganda,
    du findest immer sehr treffende Worte – vielen Dank daffür!
    Ich habe das Buch von Hamed Abdel-Samad über Mohamed gelesen. Dieser Autor ist ein mutiger Mann.

    Ich finde es sehr merkwürdig, dass die allermeisten Muslime auch heute noch diesen Mann so verehren, als wäre er Gott selbst. Gehirnwäsche?

    • Liebe Natur Freundin,

      sehr gut, dass Du dieses Buch gelesen hast, da hast Du mir etwas voraus, denn das muss ich noch nachholen, aber ich hatte zu diesen Kreisen Zugang, so wie zu vielen anderen Auch, immer um etwas zu lernen, mein ganzes Leben lang – und heute bin ich froh, dass ich nie nachgelassen habe, denn man lernt nie aus, Auch wenn man hundert Jahre alt wird! Jeder Tag, an welchem man was neues lernt, war nicht umsonst!

      Liebe Gruesse an Dich von Siraganda

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