Kritisches zur Silvester-Knallerei

Vernunft, Tierliebe und Umweltbewusstsein kontra Tradition zum Jahreswechsel

Von Anne Dolff

Offenbar gehört das Silvesterfeuerwerk weltweit zu den Traditionen, denen Vernunft und wachsendes Umweltbewusstsein bisher wenig anhaben können. Auch bei einem großen Teil der Menschen, die sich als Tierfreunde bezeichnen, enden Tierliebe und Empathie wohl schlagartig an den Wühltischen mit der neuesten Auswahl an Feuerwerkskörpern und Böllern. Keine Statistik über Umweltschäden, entstandene Brände, teilweise böse Verletzungen und in Panik verendete Wildtiere scheint daran etwas zu ändern.

Es gibt mittlerweile einen sehr einträglichen Markt, der Lösungen für die unangenehmen Auswirkungen der Silvestertradition anbietet, vom Feuerlöscher über Abdeckungen für Autos, bis hin zu Therapien, beruhigenden Medikamenten oder Nahrungsergänzungsmitteln für die Schützlinge geplagter Haustierhalter. Sogar der Tourismus profitiert von einer wachsenden Zahl von Silvesterflüchtlingen.

Es ist also nicht so, als würde die üble Kehrseite unserer Silvestertradition nicht wahrgenommen. Es ist nur eben viel einträglicher sich mit den Auswirkungen zu beschäftigen, als an der Ursache etwas zu ändern. Auch der Staat selber nimmt allein durch den Verkauf der Feuerwerkskörper alljährlich Millionen von Steuern ein, und verdient durch diesen sekundären Markt dann noch einmal zusätzlich.

Texte wie dieser werden jedes Jahr kurz vor Silvester überall veröffentlicht, kaum einer hat dann Lust sie zu lesen. Trotzdem darf man nicht aufhören, immer wieder darauf hinzuweisen, denn Umdenken funktioniert nicht von heute auf morgen und auch nicht ohne wiederholte Denkanstöße. Menschen sind Gewohnheitstiere, sie können und wollen sich nicht von heute auf morgen von ererbten Verhaltensmustern trennen. Angesagt sind also ein langer Weg der Kompromisse und vor allem auch die Entwicklung schöner Alternativen – vielleicht kann Silvester als weniger verheerendes Fest ja auch sehr schön sein?

Australien hat schon vor Jahren das private Silvesterfeuerwerk verboten und organisiert anstatt dessen jeweils ein öffentliches Feuerwerk. Das Brand- und Verletzungsrisiko wird dadurch minimiert, der Schaden für die Umwelt und der Schrecken für die Tiere sind zumindest weniger flächendeckend.

Auch in den Niederlanden hat sich schon etwas getan: 56 Städte und Gemeinden verbieten dieses Jahr private Feuerwerke. Und es gibt feuerwerkfreie Zonen, in denen auch nicht geknallt werden darf, rund um Altersheime, Asylbewerberheime, Tierheime und Krankenhäuser. Auch in den Niederlanden werden die Menschen durch ein städtisch organisiertes Feuerwerk entschädigt.

Zumindest solche kleinen ersten Schritte müssten doch auch bei uns möglich sein! Vielleicht sogar ohne Verbote, sogar freiwillig?

Eine große Bitte im Namen aller Tiere und der Umwelt:

Schränken Sie die Menge der Feuerwerkskörper bitte wenigstens etwas ein und wählen Sie Modelle, die weniger Lärm verursachen. Allein das Pfeifen, Zischen und Leuchten macht den Tieren fürchterliche Angst – das Knallen verstärkt die Panik zusätzlich! Denken Sie bitte bei der Wahl des Ortes, an dem Sie das Feuerwerk zünden, an die Tiere! Zünden Sie auf keinen Fall in unmittelbarer Nähe eines Tieres! Vermeiden Sie die Bereiche, in denen viele Tiere leben und Wildvögel ihre Verstecke oder Schlafplätze haben. Achten Sie darauf, dass es wenigstens Rückzugsbereiche für die verängstigten Wildtiere gibt, in denen sie sich verstecken können.

Beschränken Sie bitte die Knallerei auf einen kurzen Zeitraum um Mitternacht, das Zünden von Knallkörpern löst nicht nur bei frei lebenden Tieren Panik aus, sondern auch bei vielen Haustieren. Um Mitternacht ist jeder Haustierhalter darauf eingestellt, auf überraschende Böller aber kann man nicht immer eingestellt sein. Jedes Jahr laufen deswegen viele Hunde und Katzen panisch weg und verunglücken dabei zum Teil tödlich.

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2 Kommentare zu “Kritisches zur Silvester-Knallerei

  1. Ich hoffe, dass mehr und mehr Leute nachvollziehen können, dass Silvester auch ohne Böller ein schönes Fest sein kann.
    Ich jedenfalls brauche schon seit vielen Jahren keine Knaller mehr, um das neue Jahr würdig zu begrüßen.

    Ich wünsche allen Lesern und vor allem dir, Wolodja für 2016 ganz viel Liebe!

  2. Silvester-Wahnsinn: Es wird soviel Feinstaub durch Böllerei in die Luft gepustet wie an 2 Monaten Autoverkehr. Eine lobenswerte Ausnahme: Ganzjährig ist das Abbrennen von Feuerwerkskörpern im Nationalpark Harz verboten! Die Knallerei bedeute eine akustische Folter für die frei lebende Tierwelt, heißt es. Die Blendwirkung von Feuerwerksraketen könne bei Vögeln sogar zu einem Verlust des Orientierungsvermögens führen.

    Mehr hier: http://barrynoa.blogspot.de/2016/01/extreme-feinstaubbelastung-durch.html

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