Jäger starten Rufmordkampagne nie gekannten Ausmaßes gegen Tierschützer

Jäger sterben derzeit einen Tod auf Raten, sehen sich mit dem Rücken an der Wand – und werden früher oder später auf der Strecke bleiben. Einer „Strecke“, die sie gerne selbst mit vielen Leichen pflastern – Tierleichen. Die gesellschaftliche Akzeptanz der Nimrods bzw. die ihres blutigen Hobbys ist im Sinkflug. Und daran ändern auch alle, dem Pfeifen im dunklen Wald nicht unähnlichen gegenteiligen Beteuerungen nichts. In ihrem nachgerade existentiellen Überlebenskampf, der aber letztlich nichts anderes ist als der verzweifelte, schon schizophrene Züge annehmende Versuch, anachronistische, mittelalterlicher Privilegien zu verteidigen und über die längst abgelaufene Zeit zu retten, suchen und finden sie mächtige, willfährige Verbündete. Die sitzen in der Politik und in der Wirtschaft, in den Behörden, in den Verlagshäusern und abgeschotteten Kungel-Logen. Man kennt und schätzt einander, mitunter aus ganz unterschiedlichen Motiven und Erwartungen heraus. Und wenn es dann jemand wagt, die Kreise dieser unheiligen Allianz zu stören, trifft sie der heilige, vernichtende Zorn dieser unsäglichen Phalanx. H.R. und F.D.  können inzwischen ein Lied davon singen – ein Klagelied. Es ist ein Abgesang auf Anstand, Fairness und Wahrhaftigkeit.

Mit einer bis dato beispiellosen Rufmord- und Verleumdungskampagne versucht sich der Jagdverband in diesen Tagen zweier Tierfreunde und -schützer zu erwehren, die er, Personifizierung des Bösen, neben den grünen Ideologen im Umweltministerium als Hauptfeinde ausgemacht hat. Und in deren Richtung wird mit großen Kanonen geballert. Aber in der Diktion des HJV sind die „selbsternannten Waschbärenschützer“, die, koste es, was es wolle, mundtot gemacht werden sollen, in erster Linie einmal „Jagdgegner“.  Worum geht es? Die Jägerschaft muss fürchten, dass ihrem bis dato unkontrolliertem Agieren in Wald und Feld Grenzen gesetzt werden. Der Entwurf der neuen Hessischen Jagdverordnung könnte ein erster Schritt in diese Richtung sein. Das Papier sieht  u.a. längere Schon – und verkürzte Abschusszeiten für bestimmte Arten vor. Einige Tiere sollen gar nicht mehr bejagt werden. Und das geht ja schon mal überhaupt nicht!

Entsprechend hoch brandet die Gischt der vom Protest-Tsunami ausgelösten Wellen an die Mole des Ministeriums von Priska Hinz. Das ist aber nur ein Teil des von Reflexen getriebenen und dominierten  „Spiels“, in dem es für die Jäger, die ihre (Waschbär-)Felle davon schwimmen sehen, um Sein oder Nichtsein geht. Diese, gemessen an der Bevölkerungszahl bewaffnete Minderheit tritt hochgerüstet an, von ihren überholten Vorrechten zu retten, was zu retten ist. Ein Ziel völlig frei von Eigennutz, natürlich! Und um dieses zu erreichen, muss und darf den Pirschgängern jedes Mittel recht sein. Ist es auch!

Der Öffentlichkeit dauerhaft und erfolgreich weiszumachen, dass das Abknallen Hunderttausender von Tieren nichts anderes als angewandter Natur- und Umweltschutz ist und dem gesellschaftlichen Allgemeinwohl ebenso dient wie der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts in der Natur, dazu gehört schon etwas. Dazu bedarf es „argumentativer“ Klimmzüge, die, wären sie olympische Disziplin, direkt zur Goldmedaille führen würden. Aber die Propaganda – und Desinformationsabteilung des Hessischen wie die des Deutschen Jagdverbandes ist dahingehend blendend aufgestellt und disponiert. Joseph, der alte Klumpfuß, könnte da noch eine ganze Menge lernen… Und Reichsjägermeister Hermann wäre mächtig stolz auf seine Jünger gewesen.

Auf ihrer Webseite stellt die Jägervereinigung Lauterbach “zwei selbsternannte Waschbärenschützer” als Lügner und Straftäter bloß – unter voller Namensnennung der Beschuldigten:

Siehe: http://www.jaegervereinigung-lauterbach.de/aktuelles.html

Der Vogelsbergkreis ist das Epi-Zentrum der aktuellen Schmutzkampagne. Hier, im Mittelhessischen zwischen Fulda, Alsfeld, Büdingen und Nidda, gibt es malerische alte Fachwerkbauten und tiefe menschliche Abgründe. Und hier ist die Basis der Nimrods besonders gut aufgestellt. Hier zerfließen alle Grenzen zwischen Einzelinteressen, Gemeinwohl, Lobbyistentum, Politik, Behörden und Amtsträgern zu einem undurchdringlichen Konglomerat. Und hier nahm die unsägliche Geschichte auch ihren Anfang, ausgerechnet in jener Nacht, in  der die Römer 1984 Jahre zuvor den Messias ans Kreuz geschlagen hatten. Heute sind die Handelnden andere, aber es mag irgendwie aufs Gleiche hinaus laufen. Es ist ein Kreuz!

In der Nacht zum Ostersamstag 2015 waren auf dem Gelände des umzäunten Lauterbacher Schlossparks zwei Waschbärinnen auf bestialische Weise massakriert worden. Nachdem der oder die Täter die Tiere in Lebendfallen festgesetzt hatten, erschlugen sie ihre Opfer mit einem Hammer bzw. einer mit einem Nagel bewehrten Latte. Eine der Klein-Petzinnen war offenbar als Osterbraten auserkoren. Sie wurde “fachgerecht” filetiert, große Teile Fleischs nahmen die Tierschänder mit.

Horrorgeschichten vom petzigen Zorro

Das Werk von Psychopathen? Denkbar. Möglich. Wahrscheinlich. An diesem Punkt kamen zwei Herren ins Spiel, Harald R. und Francesco D..  Zwei bis dato recht unauffällig und bescheiden im Hintergrund agierende Tierfreunde, die sich in aller Stille, aber mit immensem persönlichen, zeitlichen und finanziellen Aufwand um ihre „Klientel“ kümmern. Dabei handelt es sich um jene schwarz-weiß-maskierten Mini-Petze, die sich bundesweit exzessiver Verfolgung ausgesetzt sehen. Die zwingende Notwendigkeit, den putzigen „Zorros“ gnadenlos nachzustellen, begründen die Jäger mit immer neuen haarsträubenden Horror-Stories, die das zerstörerische Treiben dieser Invasiven belegen sollen. Sie sind die Speerspitze der Angriffsarmee, deren selbst gestellter Auftrag es ist, diese Tiere auszurotten. Man arbeitet daran.

Harald R. unterhält in seinem Heimatort in Herbstein eine Auffangstation für verwaiste Bärenkinder, deren Eltern entweder unter die Räder gekommen sind oder einen „Jagdunfall“ erlitten haben. Francesco D.  versucht  mit einer Gruppe von Tierfreunden, solchen Tieren durch Vermittlung an Tierparks und Zoos ein neues Zuhause zu geben In den Augen ihrer natürlichen Gegner, den Waidmännern und -frauen, haben sich die beiden Männer einer unverzeihlichen Sünde schuldig gemacht. Sie haben den inkriminierten, verteufelten Tieren die Maske der Bestie vom Kopf gerissen und sie als das hingestellt, was sie sind – hochintelligente Tiere, liebenswürdige Tiere mit einem ausgeprägten Sozialleben. Geschöpfe, die trotz ihrer großen Zahl kaum an den Grundfesten unserer Zivilisation zu rütteln vermögen oder andere Tierarten auslöschen. Diese Meinung hätten sie aber mal lieber für sich behalten ….

Die beiden hatten das österliche Waschbär-Massaker seinerzeit öffentlich gemacht. Zeitungen, Fernsehen und Radio berichteten bundesweit über diesen zur Anzeige gebrachten Akt beispielloser Grausamkeit. Aus der damaligen hr-Sendung „Maintower“:

Harald R. stellte Strafanzeige bei der Lauterbacher Polizei, der Tierschutzverein TierfreundLich schloss sich Wochen später mit einer weiteren Strafanzeige an. Warum sich aber nun ausgerechnet die Jäger diesen Schuh angezogen haben und dadurch an den Pranger gestellt sahen/sehen, bleibt ihr Geheimnis. Vielleicht geschah das unter Einwirkung von zu viel Kräuterlikör. „Jägermeister“ ist ja nun mal ein süffiges Zeugs. Doch die Risiken und Nebenwirkungen sind nicht ohne….

Das Ganze sei frei erfunden gewesen, getürkt und inszeniert, verkündete der Landesjagdverband auf seiner Internetseite und in einer gleichlautenden, durch die ganze Republik gejagten Pressemitteilung. Und zwar einzig und allein aus dem Grund, den Jägern zu schaden und Inhalte der neuen Hessischen Jagdverordnung zu beeinflussen. Auch dahingehend, die Fallenjagd auf den Index zu setzen und eine Schonzeit für Waschbären einzuführen. Eine steile, kühne These, die die Jäger aber in Folge aufwändig zu belegen versuchten. Höhepunkt ihrer Kampagne: Der Landesjagdverband und zwei namentlich nicht genannte Jäger aus dem Vogelsbergkreis erstatteten gegen Harald R. und Francesco D. Strafanzeige bei der Gießener Staatsanwaltschaft – wegen Vortäuschens einer Straftat und sogar gegebenenfalls Wilderei. Ferner habe man eine Irreführung der Öffentlichkeit und der Polizei geltend gemacht. Und weil auch dabei der Grundsatz  „tue ‚Gutes‘ und rede darüber“ gilt, wurden die Namen derer, denen man solches vorwirft, in den einschlägigen Veröffentlichungen auch vollständig ausgewiesen, nicht aber die der Anzeigenerstatter. Schließlich geht‘s ja hier auch um Persönlichkeitsschutz.

Die Medien übernahmen die entsprechenden Anschuldigungen unreflektiert. Kaum ein Presseorgan machte sich die Mühe, nachzufassen. Der Lauterbacher Anzeiger, der neben ausufernder Vereinsberichterstattung und unkritischem Verlautbarungsjournalismus bislang noch nichts Pulitzerpreis-Verdächtiges zu Papier gebracht hat, setzte noch eins drauf und titelte gleich „Die Fabel vom bestialischen Tod zweier Waschbären“. Investigativ-Redakteur Christian Stang übernahm die „Argumentationskette“ der Jäger eins zu eins, machte sie zu seiner eigenen und stellte den „Sachverhalt“ in Folge so dar, wie es seine Einflüsterer wollten. Meinungen, Verdrehungen, Weglassungen und abenteuerliche Schlussfolgerungen mutierten zu Fakten und Tatsachen. Aber auch vermeintlich honorige Printmedien wie die „Frankfurter Rundschau“ verfuhren entsprechend. Letztere setzten sogar noch eins drauf. Eine gewisse Regine Seibel titelte in der Online-Ausgabe vom 4. November:  „Zwei Tierschützer sollen Waschbären getötet haben, um die Fangpraxis von Jägern zu verunglimpfen“. Soweit hatten sich noch nicht einmal die Wald- und Revierbeherrscher aus dem Fenster gelehnt. Aber eine solche plakative Headline verkauft sich natürlich besser. Gute Arbeit, Frau Kollegin!

Und so raschelten die diesbezüglichen Verschwörungstheorien alsbald an den Zweigen zahlloser Bäume im gedruckten und digitalen deutschen Blätterwald der Republik. Damit auch beim letzten und allerletzten Leser der letzte Zweifel, bei Harald R. und Francesco D. könnte es sich vielleicht doch um respektable Zeitgenossen handeln, zerstreut werden möge. Inzwischen weiß jeder, dass die beiden von der Gründung und Etablierung einer kriminellen Vereinigung nicht weit entfernt waren und sind.

Vollständiger Artikel hier auf dieser Seite

Quellen:
Webseite der Tierschutz-Union
Blog auf www.rotorman.de

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