WHO stuft Wurst als krebserregend ein

Als in vergangener Woche die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Wurst als krebserregend einstufte, gab es in den Medien nicht nur gemäßigte Reaktionen. Es entlud sich auch mit Wucht ein emotionales Gemisch aus Trotz, Wut und fast kindlicher Aggression. Der Tenor in Leserbriefen, Kommentarspalten, bei Facebook und selbstverständlich auch in der „Heute Show“ des ZDF: Ihr Spielverderber! Jetzt wollt ihr uns auch noch die Salami vom Brot nehmen!?

Die zur World Health Organization (WHO) gehörende International Agency for Research on Cancer (IARC) hat in einer aktuellen Stellungnahme verarbeitetes Fleisch als krebserregend sowie rotes Fleisch als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen eingestuft. Ein 22-köpfiges Expertenteam aus zehn Ländern berücksichtigte über 800 Studien zum Zusammenhang zwischen mehr als einem Dutzend verschiedener Krebsarten und Fleischkonsum.

Verarbeitetes Fleisch – also Fleisch, das beispielsweise durch Salzen, Fermentieren, Räuchern oder andere Prozesse behandelt wurde (z. B. Wurstwaren) – wurde aufgrund einer überzeugenden wissenschaftlichen Beweislage, die zeigt, dass der Verzehr Darmkrebs verursacht, der Kategorie »krebserregend für den Menschen« (Gruppe 1) zugeteilt.

Das Expertenteam der International Agency for Research on Cancer geht davon aus, dass sich das Darmkrebsrisiko um 18 % erhöht, wenn man täglich 50 g verarbeitetes Fleisch verzehrt. Dabei besteht ein Dosis-Wirkungs-Zusammenhang, d. h. mit einem höheren Konsum steigt auch das Risiko. Da sehr viele Menschen verarbeitetes Fleisch essen, weist der Vorsitzende des IARC Monographs Programme Dr. Kurt Straif außerdem darauf hin, dass es sehr wichtig für das Gesundheitswesen sei, sich darüber im Klaren zu sein, welchen Einfluss diese Konsumgewohnheiten für die Entstehung von Krebs haben. Das Global Burden of Desease Project geht laut IARC von weltweit rund 34.000 Todesfällen pro Jahr aus, die auf eine Ernährung mit einer hohen Menge an verarbeitetem Fleisch zurückgehen.

Dass in derselben Gruppe wie verarbeitetes Fleisch auch Asbest und Tabakrauch gelistet werden, heißt jedoch – entgegen anderer Darstellungen – nicht, dass alle drei gleich gefährlich sind (welcher dieser drei Bereiche am gefährlichsten ist, geht aus der Einschätzung nicht hervor). Die Klassifizierungen der International Agency for Research on Cancer beschreiben lediglich die Stärke der vorliegenden wissenschaftlichen Beweislage dazu, dass ein Produkt Krebs hervorruft. Demnach ist es also gleich stark wissenschaftlich erwiesen, dass sowohl Asbest und Tabak als auch verarbeitetes Fleisch Krebs hervorrufen.

Rotes Fleisch, d. h. Fleisch von Rindern, Kälbern, Schweinen und Lämmern, wurde in die Gruppe 2A als »wahrscheinlich krebserregend für Menschen« eingestuft – dieselbe Gruppe, in die im März 2015 das Pflanzenschutzmittel Glyphosat aufgenommen wurde. Die Einschätzung bezüglich rotem Fleisch beruht hier auf einer eingeschränkten Studienlage, was bedeutet, dass eine positive Assoziation zwischen Fleischkonsum und Krebs gefunden wurde, aber dass andere Erklärungen für den Zusammenhang nicht komplett ausgeschlossen werden konnten. Die Aussagen beziehen sich ebenfalls vor allem auf Darmkrebs, aber es gibt auch Verknüpfungen mit Bauchspeicheldrüsen- und Prostatakrebs.

Obwohl die IARC in ihrer Stellungnahme nicht einen kompletten Verzicht auf Fleisch fordert sowie auf die nötige Abwägung von Ernährungsempfehlungen hinweist, ist die Aussage von Dr. Christopher Wild, Direktor der IARC, zu begrüßen: »Diese Ergebnisse unterstützen aktuelle Empfehlungen für die öffentliche Gesundheit, den Verzehr von Fleisch einzuschränken.« Außerdem wird Menschen, die besorgt sind, an Krebs zu erkranken, als Möglichkeit empfohlen, ihren Fleischkonsum zu reduzieren, bis aktualisierte Leitlinien speziell zu Krebserkrankungen vorliegen. So deutlich ist bisher selten auf eine merkliche Reduktion des Fleischkonsums hingewiesen worden.

Fazit der Albert-Schweitzer-Stiftung:

Wir begrüßen die Stellungnahme der International Agency for Research on Cancer und die Anerkennung der Befunde durch die WHO. Auch wenn an dieser Stelle nicht über einen kompletten Fleischverzicht oder eine Erhöhung des pflanzlichen Anteils in der Ernährung diskutiert wurde, so schätzen wir die offizielle Empfehlung, den Konsum von Fleisch und Fleischprodukten einzuschränken. Und obwohl das Expertenteam gemäß seiner Aufgabe ausschließlich über gesundheitliche Gründe berichtet, ist eine Empfehlung zur Reduktion des Fleischkonsums insbesondere von solch offizieller Seite wie der WHO immer auch aus Tierschutzsicht zu begrüßen.

Quelle: Albert-Schweitzer-Stiftung

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Ein Kommentar zu “WHO stuft Wurst als krebserregend ein

  1. Nachdem dieses Ergebnis in vielen Medien veröffentlicht wurde, wurde die „Empfehlung“ natürlich gleich mit einem selbst verfassten Anhang der jeweiligen Redaktion versehen. Z.B. im Radio: …….Vegetarier muß man deswegen nicht gleich werden…. oder: Führende Ernährungsexperten empfehlen zu einer ausgewogenen Nahrung Fleisch……….

    Die Diskussion hierzu mündete vorhersehbar und logischerweise im Tenor: Jetzt kann man gar nichts mehr essen.
    Ein Trauerspiel für die geschundene Kreatur.

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