Sterbehilfe – von den Bürgern gewollt, vom Staat verboten?

Pressemitteilung zur Sendung „Hart aber fair“ am 2.11.2015 zum Thema: „Sterbehilfe – von den Bürgern gewollt, vom Staat verboten?“

Assistierter Suizid überschreitet die Grenze zur Euthanasie – die Sendung von Herrn Plasberg die Grenze des Erträglichen. Diese Sendung richtet im Gemüt der Menschen großen Schaden an und hätte nicht ausgestrahlt werden dürfen. Mit Propaganda für den  assistierten Suizid sollte hier Einfluss genommen werden auf die Abstimmung im Bundestag am 6.11.2015.
Verschwiegen wurde, dass auch der „moderate“ Entwurf der Abgeordneten Brand und Griese Ärzten die Möglichkeit geben soll „über das Ende von Leben zu entscheiden.“ Der Entwurf des Abgeordneten Sensburg, der als einziger eine klare Werteentscheidung für das Recht auf Leben trifft, wurde völlig unterschlagen.

In dieser einseitigen Inszenierung wurde suggeriert, der assistierte Suizid sei bereits gang und gäbe und gesellschaftlich akzeptiert und es gelte lediglich rechtliche Fragen zu klären. Dies ist jedoch keinesfalls richtig. Aufgrund der sozialen Verbundenheit und des  medizinischen Fortschrittes sind wir heute in der Lage, schwer kranke und sterbende Menschen so zu versorgen, dass sie nicht unerträglich leiden müssen und sich aufgehoben fühlen. Menschen, die einen Wunsch nach assistiertem Suizid äußern, wollen menschlich entgegengenommen werden und menschliche Zuwendung erfahren. Sie erwarten in aller Regel nicht, dass ihr Tod herbeigeführt wird. Es widerspricht zutiefst dem ärztlichen Ethos und der Menschlichkeit eines jeden, leidenden Menschen Beihilfe zum Suizid zu leisten. Die Aufgabe des Arztes ist es, zu helfen,  nicht zu töten oder Gift bereitzustellen. Palliativmedizin kann  suizidpräventiv wirken. Diese Sendung bewirkt das Gegenteil!

Arbeitsbündnis „Kein assistierter Suizid in Deutschland!“
Dr. med. Susanne Ley
Postfach 68 02 75, 50705 Köln
E-Mail: arbeitsbuendnis@kein-assistierter-suizid.de
Köln, 3.11.2015


Zur obigen Pressemitteilung eine Offene Aussendung von Herrn Ulrich Dittmann:

Werte Frau Dr. med. Ley,

Ihrer  Meinungsäußerung zur Thematik und Sendung „Sterbehilfe – von den Bürgern gewollt, vom Staat verboten?“ wird vehement widersprochen. Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.

Die Eingangsfloskel in Ihrer Pressemitteilung lässt zudem jegliche Sensibilität zur geschichtlichen Vergangenheit Deutschlands vermissen: „Assistierter Suizid überschreitet die Grenze zur Euthanasie – die Sendung von Herrn Plasberg die Grenze des Erträglichen.“  So wurde – nur zu durchsichtig –  versucht auf übelste, unfaire Art Assoziationen zu erzeugen.

Explizit ist festzuhalten: In bestimmten Fällen ist Sterbehilfe ohne Wenn und Aber als reine Nächstenliebe und ärztliche Pflicht anzusehen. Insbesondere wenn sich der Betroffene nicht mehr SELBST helfen kann und unmissverständlich und nachvollziehbar bei klarem Verstand seinen Willen zum Beenden des eigenen Lebens äußert bzw. geäußert hat.

Zudem bin ich absolut dagegen, dass der Staat noch mehr Einfluss auf mein privates Leben nimmt – den Bürger immer mehr drangsaliert – von vernunftbetontem “regieren” kann ohnehin kaum noch die Rede mehr sein.

Vielfach sind auch monetäre Interessen im Spiel und es wird mit ärztlich arretiertem Verstand eine Apparatemedizin zelebriert, die nur noch ätzend unnatürlich – und gewiss auch nicht im Sinne eines Gottes ist. Dies an alle gerichtet, die an einen ´Allmächtigen´ glauben und christlich motiviert einer gnadenlosen Barmherzigkeit nach dem Munde reden.

Selbst bei erklärten Gegnern des Freitodes erlebt man Betroffenheit und Umdenken (bes. bei Frauen), wenn man die mittlerweile als selbstverständlich akzeptierte Argumentation  der Frauenbewegung  „…mein Bauch gehört mir“, in Bezug setzt zu der Terminologie, „mein Leben gehört mir“. Insbesondere da es bei einer solchen Entscheidung zum Suizid – wegen schlimmer Krankheit oder im fortgeschrittenen Alter schlicht aus „Lebenssattheit“, um MEIN(!) eigenes Leben geht – und nicht um das eines ANDEREN(!) ungeborenen jungen Lebens, das vielleicht sehr gerne leben möchte. Hier sollten Sie sich ggf. einbringen, werte Frau Ley.

„Wer einem Wesen ein Leben in Leid zumutet und meint, der Wert des Lebens bestehe ausschließlich im Dasein, im Atmen und ansonsten im Vegetieren, hat sich moralisch und ethisch diskreditiert. Er ist ein sadistischer Lebensverächter der übelsten Sorte, ein Mensch, der die viel gepriesene Würde des Menschen, des Lebens schlechthin, massiv mit Füßen in den Dreck seiner beschränkten Weltsicht tritt .” (Dr. Gunter Bleibohm)

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Zu Ihrer Wissenserweiterung sollten Sie zwingend die Gesellschaft ´Humanes Leben – Humanes Sterben´kontaktieren. Siehe http://www.dghs.de/

Mit freundlichen Grüßen
Ulrich Dittmann / 04.11.2015


Hier nochmals die Hart aber fair-Sendung vom 02.11.2015:

Sterbehilfe – von den Bürgern gewollt, vom Staat verboten? Die große Mehrheit sagt: Ärzte sollen Todkranken helfen, wenn diese sterben wollen. Aber das Gesetz dazu ist hoch umstritten. Werden Hoffnungslose mit ihrem Leid alleingelassen? Oder wird eine Gesellschaft unmenschlich, in der es den Tod auf Rezept gibt?

Gäste bei Frank Plasberg sind Roger Kusch vom Vorstand des Vereins Sterbehilfe Deutschland, Prof. Dr. Karl Lauterbach, Dr. Susanne Riha (Palliativärztin), Nikolaus Schneider (ev. Theologe), Jürgen Domian (Journalist) und Kerstin Griese (SPD- Bundestagsabgeordnete).

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2 Kommentare zu “Sterbehilfe – von den Bürgern gewollt, vom Staat verboten?

  1. Vielen Dank für diesen sehr guten Artikel.
    Nun hat der Bundestag den assistierten Suizid stark eingeschränkt, indem Vereine diese Hilfe nicht mehr leisten dürfen.
    Das erschwert es vielen Menschen, freiwillig aus dem Leben zu gehen.
    Was den Sterbenden angetan wird, ist oftmals sehr viel schlimmer als es ein freiwilliges Sterben in Würde wäre.
    Man muss auch wissen, dass es Hospize gar nicht flächendeckend gibt und dass es Krankheiten gibt, deren Folgen einfach unerträglich sind. Mit Schmerzmitteln ist es da nicht getan!

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