Gespräche zwischen Veganern und Fleischessern (Teil 1)

Von Armin Rohm

Die meisten kommen gar nicht so oft in die Situation, ein längeres Gespräch mit einem Veganer zu führen. Doch Veganer haben natürlich sehr oft die Gelegenheit dazu, mit Nicht-Veganern zu reden. Deshalb möchte uns Armin Rohm einmal einen Einblick darüber verschaffen, wie sehr oft meist jedes Gespräch zwischen einem Veganer und einem Fleischesser abläuft :


Gespräche zwischen Veganern und Fleischessern zum Thema ‚Tierkonsum‘ verlaufen vorhersehbar nach dem fast immer gleichen Muster – zumindest dann, wenn die Ausgangssituation dadurch gekennzeichnet ist, dass beide vorgeben, Tiere zu lieben und Tierquälerei entschieden abzulehnen.

Der ‚tierliebe‘ Fleischesser befindet sich in einem offenkundigen Widerspruch zwischen seiner erklärten Haltung und seinem gelebten Verhalten. Er sieht sich deshalb in Erklärungsnot und will den Veganer überzeugen, dass es durchaus in Ordnung ist, Tiere zu essen, während der Veganer die Hoffnung hat, dem Fleischesser die Widersprüchlichkeit seines Handelns aufzuzeigen.

Phase 1: „Fleischessen ist völlig normal, natürlich und (leider) notwendig.“

In der ersten Phase des Gesprächs präsentiert der Fleischesser sämtliche Pro-Fleisch-Argumente, die er selbst schon früh im Leben verinnerlicht hat. Es sind Botschaften, die er so oft von den Eltern, in der Schule, von den Medien und der Werbung gehört hat, dass er sie ohne weitere Prüfung als unumstößliche Wahrheiten in sein Gedächtnis zementiert hat. Das menschliche Gehirn neigt extrem dazu, Vertrautheit mit Wahrheit zu verwechseln. Das bedeutet, die permanente Wiederholung von Lügen, Falschinformationen und Halbwahrheiten hat exzellente Chancen, diese in den Status von Tatsachen zu erheben. Wenn man uns hartnäckig genug indoktriniert, glauben wir so ziemlich alles („Fleisch ist ein Stück Lebenskraft“, „Die Milch macht’s“, …).

Der Fleischesser argumentiert in Phase 1, dass der Mensch schon immer Fleisch gegessen hat, und es schon deshalb nicht falsch sein kann, weil es ja fast alle tun. Er äußert, dass wir Fleisch schließlich zur Ernährung der Weltbevölkerung und unbedingt für unsere Gesundheit brauchen (Eiweiß, Eisen, …). Er stellt klar, dass die Tiere ja schließlich speziell für den menschlichen Konsum gezüchtet werden, es also ihre Bestimmung ist, uns als Nahrung zu dienen. Manchmal kommt auch noch Gottes Wille ins Spiel, eventuell auch evolutionstheoretische Mutmaßungen zur Notwendigkeit des Fleischkonsums, oder auch gerne der berühmte Löwe, der schließlich auch Fleisch frisst. Der Veganer widerlegt geduldig all diese Argumente. Sie sind ihm äußerst vertraut, denn er hat die meisten selbst einen Großteil seines Lebens für wahr gehalten. Umso besser weiß er heute, wie irrelevant sie sind.

Am Ende der Gesprächsphase 1 ist meistens klar: Fleischkonsum ist unnötig, ethisch verwerflich, ökologisch wahnwitzig und gesundheitlich fragwürdig.

Phase 2: „Ich bin der Gute unter den Fleischessern.“

Nachdem sich der Fleischesser in der ersten Phase die Fakten und Zusammenhänge zu den Themen Tierleid, Klimakatastrophe, Welthunger, Zivilisationskrankheiten usw. anhören und ein Ausmaß des Desasters zur Kenntnis nehmen musste, welches nur Zyniker schönzureden wissen, eröffnet er Phase 2 mit der Botschaft: „Ja, das ist wirklich übel. Da stimme ich mit dir völlig überein. Aber ich gehe mit dem Thema sehr bewusst um.“ Er distanziert sich jetzt von den ignoranten Zeitgenossen, die ohne Sinn und Verstand unablässig Fleisch in sich reinstopfen, ohne auch nur eine Sekunde nachzudenken, wie dieses Essen überhaupt auf ihre Teller gelangt.

Er stellt klar, dass er ohnehin nur ganz selten Fleisch isst. Falls überhaupt, achtet er sehr genau darauf, wo ’sein‘ Fleisch herkommt. Er kauft es beim Metzger um die Ecke, den er persönlich kennt. Der Metzger wiederum legt allergrößten Wert darauf, dass es die Tiere bei den Fleischproduzenten seines Vertrauens gut haben. Immer wieder fallen jetzt die Worte Bio, Freiland, regional und artgerecht. Erinnert der Veganer an das Fazit aus Phase 1, dass es unabhängig von den Haltungsbedingungen generell weder notwendig, noch ethisch vertretbar ist, Tiere einzusperren, zu töten und zu essen, dann beeilt sich der Fleischesser die ‚humane Tötung‘ seiner Opfer zu preisen, die vom Metzger seines Vertrauens höchstpersönlich sanft in den Tod gelächelt werden.

Erntet er vom Veganer für dieses Statement einen fassungslosen Blick, folgt vielleicht noch ein kurzer spiritueller Ausflug. Der Fleischesser gesteht zwar ein, dass der Tod für das Tier eine äußerst unerfreuliche Situation darstellt. Da er aber dem Tier gegenüber, ganz nach indianischem Vorbild, eine große Dankbarkeit empfindet und sein Essen voller Demut jedes Mal als etwas ganz Besonderes zelebriert, ist sein Handeln Ausdruck einer tiefen Verbundenheit mit dem Universum und in harmonischer Übereinstimmung mit den Gesetzen der Natur.

Er erfährt jetzt aber direkt, dass man das Wort ‚human‘ nicht beliebig neben mörderische Gewalttaten platzieren kann, auch dann nicht, wenn man seinem Opfer dankt. ‚Humanes Töten‘ gibt es nicht.

Fortsetzung über Phase 3 und 4 folgt im morgigen Beitrag …….

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Ein Kommentar zu “Gespräche zwischen Veganern und Fleischessern (Teil 1)

  1. Ja lieber Wolodja,

    in der Grande Nation gibt es solche Gespraeche erst gar nicht, sondern nachdem die Weltgesundheits-Organisation klar und deutlich verlauten laesst, dass Fleisch kanzerogen ist, verkuendet hier der entsprechende Minister, assistiert von einem Arzt, dass jedes Kind und jede Frau taeglich zweimal Fleisch essen solle – fuer Maenner genuege einmal pro Tag!

    Hier ist die Zeit seit Kolumbus stehen geblieben, denn wo vor 1492 in Europa noch andere Ernaehrungs-Verhaeltnisse herrschten, ist es doch eine unbestreitbare Tatsache, dass seit der Entdeckung der Neuen Welt, alle noetigen Pflanzen, Gemuese und Fruechte vorhanden sind, um uns rund ums Jahr auf die bekoemmlichste Art zu versorgen.

    Aber hier sind das herbstliche Jagdhorn, das winterliche Schweineschlachten, das Fruehlings-Massaker der Laemmer und das Sommerfest der Bratwuerste festgeankert wie ein gesunkenes Schiff auf dem Meeresgrund! Als mein Sohn einmal mit einer schweren Grippe im Bett lag, sagte der Arzt, ich solle ihm Schinken und Coca Cola geben! Dies ist kein Witz, sondern die nackte kalte Wahrheit (SIC!!!!!!!!!!!!!)

    Du siehst also, lieber Wolodja, wo ich zuhause bin, aber in der Schweiz ergeht es einem nicht viel besser, denn bei meinem letzten dortigen Aufenthalt, wo ich Flugblaetter gegen Tierversuche in Basel verteilte, wurde mir von Passanten ins Ohr gefluestert, ich solle verrecken. Gluecklicherweise war ich da doch sehr schlagfertig und antwortete prompt: Danke gleichfalls!

    Ja – so geht das einem auf dieser Erde, von diesem eben erst dem Affen entwachsenen zweibeinigen Wicht, der sich doch fuer einen einmaligen Giganten haelt, der aber, und ich finde, das kann ruhig gesagt werden, seit 1000 Jahren auf der Stelle tritt. In fataler Ueberheblichkeit seiner selbst setzt er technischen Fortschritt auf dieselbe Stufe mit Herzensbildung, ja er trickst diese sozusagen aus. Durch dieses fatale Fehlverhalten katapultiert er sich und alle anderen lebenden Wesen in einen Teufelskreislauf, welcher der eigentlich vorgesehenen seelisch-geistigen Evolution Einhalt gebietet!

    Ich finde es aber doch sehr nuetzlich, immer und immer wieder zu reden und die Ideen und Gedanken immer wieder einzubringen, dass Tiere fuehlende Wesen sind, welche wir nicht toeten sollen, sondern ihnen in geschwisterlicher Liebe zu begegnen und mit ihnen zu leben!

    Inzwischen ganz herzliche Gruesse an Dich und alle Freunde, die diese Zeilen lesen – Eure Siraganda

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