Geplantes Chaos ( Teil 3)

Dritter und letzter Teil des Essay´s von Dr. Gunter Bleibohm

Globaler Ausblick

Das Thema des herannahenden Chaos ist seit fast 50 Jahren auf der Tagesordnung unterschiedlichster Gremien und Länderregierungen. Zu erkennen sind minimale Veränderungen, die allerdings weder den globalen Krisen-Tsunami aufhalten noch verhindern. Alle Maßnahmen sind bisher länderspezifisch angelegt und somit global wirkungslos; es ist nicht gelungen, ein gemeinsames weltumgreifendes Handeln und Gegensteuern auf nur einen der Krisenbrennpunkte zu initiieren.

Die Politik, insbesondere die „demokratisch“ angelegte Politik, ist handlungsunfähig, da in Kompetenz und Änderungswillen überfordert und wird letztlich nur durch das Kurzfristziel des nächsten Wahltermins determiniert. Ansätze der Änderung scheitern an Experten-Kontroversen mit bezahlten Gegenexperten verschiedenster Interessengruppen und selbst für den potentiellen Konsensfall ergibt sich nach demokratischem Prinzip immer eine Verwässerung der Ursache- Wirkungskette. Das Krisenrad dreht sich schnell, dreht sich immer schneller, dreht sich synchron zum Bevölkerungswachstum. Die ungebremste Vermehrung der Menschen wird als Handlungsparameter nicht in die Überlegungen einbezogen, ist ein Tabu.

Wachstum ist nach wie vor das Gebot der Stunde, Wachstumskrisen werden mit Wachstumsbeschleunigungs- Gesetzen bekämpft, die Feuerwehr löscht mit Benzin!

Menschheit, Tierwelt und die gesamte belebte Natur schauen in den Abgrund, in die Hölle der Metakrise, in das Auge des Infernos. Ein Abwenden des globalen Zusammenbruchs wird und kann es nicht geben; die Aufzählung weniger Eckpunkte genügt zur Verdeutlichung.

In einer endlichen Welt, auf der Wachstum Handlungsmaxime ist, werden die Grenzen des Planeten, seine Tragfähigkeit – auch bei langsamstem Wachstum! – immer erreicht werden. Ob in 50 Jahren, ob in 500 Jahren – alles wird dieser Grundlogik unterliegen, mit der Folge, dass spätestens zu diesem Zeitpunkt für jeden Neuankömmling auf dem Planeten ein bereits Existierender den Platz räumen muss.

Niemand wird seinen Platz freiwillig räumen. Verteilungs- und Überlebenskämpfe sind die Folge, Stärkere vernichten gnadenlos Schwächere, ein globaler Krieg ums Überleben entbrennt.

Regionen, die bis in unsere Tage noch von der steigenden Menschenflut verschont sind, werden in kürzester Zeit überschwemmt werden. Es wird ein globales, rechtloses Menschenmeer geben. Im Zuge dieser noch unvorstellbaren Völkerwanderung werden letzte Naturreste vernichtet werden, die Vielfalt des Lebens auf der Erde wird sich fast ausschließlich auf den Menschen reduzieren.

Tiere, die der Menschheit von Nutzen sind, werden unter grausamsten Bedingungen für den Konsum versklavt, Wildtiere werden mangels Lebensraum ausgelöscht werden.

Der Mensch nimmt den Platz der Tierwelt ein und wird als rechtlose, anonyme Masse von Nummern in anonymisierten und kontrollierten Städten ein elendes Dasein fristen. Sein Leben, seine Kultur wird wertlos; auch auf ihn wird dann das Grundaxiom zutreffen, dass alles, was im Überfluss vorhanden ist, wertlos, bedeutungslos wird.

Durch die Jahrhunderte aufgebaute und anerzogene kulturelle Hemmungen des Tötens, Raubens und Mordens werden für das persönliche Überleben wie eine Maske abgenommen, eine Maske, hinter der sich das Raubtier „Mensch“ zeitweise der Halluzination seiner Auserwähltheit, seiner Erhabenheit, hingab. Seine immanenten tierischen Instinkte werden wieder aktiviert.

Mit technologischer Raffinesse werden Überlebenskämpfe – jeder gegen jeden – solange geführt, bis schließlich die zu Neige gehenden Ressourcen, der gestiegene Meeresspiegel, die verkarsteten Landstriche, der fehlende Lebensraum auch diesem letzten Aufflackern ein Ende setzen. Im Strudel dieses Taifuns wird die anthropofugale Perspektive Realität, alles nähert sich dem Anorganischen, Mineralischen und Kristallinen an, bis nach einer Übergangszeit aus den überlebenden Mikroorganismen neues Leben entsteht, der Kreislauf des Leides, des Todes erneut beginnt.

Die Realisierung dieses Szenarios hat eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit. Ein Abwenden der Apokalypse würde nämlich bedeuten, dass eine umgehende, weltweite Aufgabe der Wachstumsideologie erfolgen müsste. Selbst wenn dieser unwahrscheinliche Fall im ökonomischen Bereich unter anderem durch ein Ende des Kapitalismus realisiert werden könnte, ist ein g l o b a l e s  Umdenken im menschlichen Fortpflanzungsverhalten nicht zu erwarten.

Und was erwartet Deutschland?

Man täusche sich nicht, aber die heutigen Zuwanderungsströme sind ein milder Vorgeschmack kommender Zuwanderungen. Der Strom wird nicht mehr versiegen, kann nicht mehr versiegen, die Büchse der Pandora wurde geöffnet. Die Fehler heutiger Entscheidungen, Entscheidungen getroffen als Resultat einer stupiden Toleranzideologie und als Barmherzigkeitswahn drittklassiger Humanitätsfundamentalisten, werden künftige Generationen mit einem schrecklichen Fluch dieser Fehlentscheidungen gedenken lassen, Entscheidungen, welche der nächsten Generationen das Vegetieren in Unfreiheit auf einem zerstörten Planeten beschert haben.

Und sub specie universi – unter dem Blickwinkel des Universums?

Der Schlusssatz gebührt dem Philosophengenie Friedrich Nietzsche:

„In irgendeinem abgelegenen Winkel des in zahllosen Sonnensystemen flimmernd ausgegossenen Weltalls gab es einmal ein Gestirn, auf dem kluge Tiere das Erkennen erfanden. Es war die hochmütigste und verlogenste Minute der »Weltgeschichte«; aber doch nur eine Minute. Nach wenigen Atemzügen der Natur erstarrte das Gestirn, und die klugen Tiere mussten sterben. – So könnte jemand eine Fabel erfinden und würde doch nicht genügend illustriert haben, wie kläglich, wie schattenhaft und flüchtig, wie zwecklos und beliebig sich der menschliche Intellekt innerhalb der Natur ausnimmt. Es gab Ewigkeiten, in denen er nicht war; wenn es wieder mit ihm vorbei ist, wird sich nichts begeben haben.“

Dr. Gunter Bleibohm / 02.Oktober 2015

Advertisements

4 Kommentare zu “Geplantes Chaos ( Teil 3)

  1. Lieber Wolodja,

    Auch der dritte Teil ist super! Vielen Dank fuer diesen Dreiteiler!

    Hier noch ein kleines gute Nacht Bonbon fuer Dich, denn diesmal hat’s die richtigen erwischt

  2. Ein erschreckender und zugleich realistischer Zustandsbericht unserer Erde, die durch die Bestie Mensch der totalen Vernichtung ausgesetzt ist. Die meisten dieser Mitglieder der sogenannten Krone der Schöpfung sind sich dieser Tatsache nicht bewusst und werden dies auch nie sein, da sie sich nur mit sich selber beschäftigen, nach dem Motto: Zuerst kommt der Mensch, dann kommt lange nichts. Erst wenn es zu spät ist für eine Umkehr, wird vielleicht ein globaler Aufschrei durch den Menschenbrei über die verwüstete Erde schallen. Eigentlich muss man hoffen, dass das Ganze schnell zu Ende ist, damit nicht noch mehr der gefolterten und gequälten Tiere leiden müssen.
    Danke auch an Siragande für die guten Worte.

  3. Man benötigt schon viel Kraft, um diese klaren und wahren Worte zu akzeptieren aber Hr. Bleibohm hat mit diesem Essay den Nagel auf den Kopf getroffen. Seine Analyse ist vortrefflich und erschreckend zugleich. Nach dem Lesen dieser 3 Beiträge bleibt eine gewisse Ratlosigkeit zurück und man könnte direkt in Depressionen verfallen. Man bekommt das Gefühl der Ohnmacht und trotzdem dreht man sich weiter im Karussell des Untergangs – weil man am Leben hängt. Ein Leben dass nur Spaß macht, wenn man diese Umstände verdrängt. Wenn man verdrängt, welch riesiges Unrecht unserer Mitwelt passiert und unsere wunderbare Natur, unser wunderschöner Planet schonungslos dahingerafft wird.
    Eine Rettung ? Nicht in Sicht. Insoweit wirft folgendes Zitat aus dem ersten Teil des „geplanten Chaos“ eine große Frage auf:

    Zitat: [Der Text sei aber auch ein unverdaulicher Brocken allen Ignoranten – dem aufhorchenden, zielgerichteten Nachdenklichen hingegen ein Kompass]

    Dass dieser Text allen Ignoranten ein unverdaulicher Brocken ist, ist klar. Für den, der dieses Essay begreift ist dieser Text ein Kompass – ein Richtungsweiser. Aber wohin? In den Untergang?
    Bleibt (für mich) festzustellen, dass dieser Text auch dem aufhorchenden, zielgerichteten Nachdenklichen ein unverdaulicher Brocken ist. Vieleicht aber haben wir – die aufhorchenden, zielgerichteten Nachdenklichen – die Möglichkeit, diesen Brocken zu verdauen?!
    Für mich zählt trotz dieses – früher oder später eintreffenden – Szenarios eins: Ich setze mich weiterhin dafür ein, dass das Leid der wehrlosesten Wesen unseres Planeten, bis dahin gelindert wird.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s