Missstände in der Geflügelzucht: „Tierquälerei gehört zum System“

In der Reklame ist immer alles gut: Lila ist der Hintergrund, davor hockt, im Overall und mit einem Lächeln im Gesicht, Ramona Harkers, Hähnchenhalterin aus Haselünne. Daneben abgedruckt: Ein Zitat von ihr. „Meine Hähnchen haben keine Namen. Aber meine Fürsorge.“

Die Anzeige ist Teil einer neuen Werbeoffensive des Zentralverbands der Deutschen Geflügelwirtschaft. In der vergangenen Woche hat die Branchenvertretung eine Geflügel-Charta veröffentlicht. Tierwohl und Tiergesundheit macht sich der ZDG darin zu zentralen Aufgaben. Das Ziel: „Wir wollen das beste Geflügelland der Welt sein.“

Das Engagement kommt gut an bei der Politik. Die Charta sei ein „Zeichen für die Bereitschaft der Branche auf den Verbraucher und den Markt einzugehen“, lobt Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) die Initiative und lässt sich mit ZDG-Vertretern fotografieren.

Doch die Realität außerhalb von Hochglanzbroschüren und Presseaktionen sieht oft anders aus. Viele Tierrechtsorganisationen in Deutschland veröffentlichen immer wieder Fotos und Videos aus Mastställen der sogenannten Intensivtierhaltung. Für ihre jüngste Recherche, deren Ergebnisse SPIEGEL ONLINE vorliegen, filmte die Organisation Peta nach eigenen Angaben in Ställen von sechs Vertragsmästern der Sprehe-Gruppe. Mit 780 Millionen Euro jährlichem Umsatz ist der Konzern aus dem Emsland Deutschlands drittgrößter Geflügelproduzent.

Für die Aufnahmen stiegen die Aktivisten in die Betriebe ein – durch eine offene Tür, ein unverschlossenes Fenster oder eine Lüftungsanlage. Die Filmaufnahmen zeigen vier Männer im Gegenlicht, vor ihnen ein Meer aus Geflügel. Immer wieder greifen die Arbeiter die wild mit den Flügeln schlagenden Hühner an den Beinen und werfen sie in mannshoch gestapelte Transportkisten. Wollen einzelne Tiere ausbüxen, werden sie von den Ausstallern, wie die Mitarbeiter, die die Tiere aus dem Stall für den Transport ins Schlachthaus fertigmachen genannt werden, zurück getreten.

Andere Bilder aus anderen Ställen: Ein Huhn liegt neben einem Futtertrog. Die Beine hat es in einem seltsamen Winkel abgespreizt. Das Tier scheint nur schwer atmen zu können. Es guckt in die Kamera – ängstlich? Resigniert? Bewegen kann sich das Huhn jedenfalls nicht mehr. Ebenso wie ein anderes Tier, welches mitten in der Herde auf dem Rücken liegt. Im Tod sind seine Augen trüb geworden. Ein anderes, das neben einem Artgenossen in einen Eimer gelegt wurde, fiept noch.

„Von Tierwohl sind solche Verhältnisse weit entfernt“, sagt Cornelie Jäger, Mitglied des Tierschutzausschusses der Bundestierärztekammer und Landesbeauftrage für Tierschutz in Baden-Württemberg. Sie sieht in den von Peta aufgezeichneten Fällen verschiedene Verstöße gegen das Tierschutzrecht dokumentiert.

Vieles, worunter die Tiere litten, sei jedoch nicht durch mangelnde Betreuung bedingt, sondern durch das System. Der Preisdruck durch Handel und Verbraucher, der scharfe Wettbewerb und die Vorgaben durch die Konzerne, die ihnen die Tiere abnehmen, ließen den Haltern oft wenig Spielraum.

WEITERLESEN auf http://www.spiegel.de

PETA-Video :

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