Menschenrechte für Tiere?

Dürfen wir Tiere züchten, töten und essen, weil wir es können? Nein, sagen Tierrechtler und fordern das menschliche Grundrecht auf Leben und Freiheit für Rinder, Schweine und alle anderen „empfindungsfähigen Lebewesen“. Die Debatte wird immer lauter, weil sie auf unser schlechtes Gewissen trifft. Gegen brutale Massentierhaltung sind alle, doch mit welcher Konsequenz?

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15 Kommentare zu “Menschenrechte für Tiere?

  1. Logisch brauchen wir Menschenrechte für Tiere!

    Denn der Mensch ist schließlich auch nur ein Säugetier – „… aber das einzige Tier, das sich einbildet, keines zu sein.“ (Gerlinde Nyncke)

    Jede Spezies muß nach „seiner Art“ existieren und seine natürlichen Grundbedürfnisse ausleben können.

    Um dummem Gesabbel und sophistischen Vergleichen zuvorzukommen: Rind, Schwein, Hühnerschar, benötigt gewißlich kein TV, oder Handy – jedoch der Wunsch nach einem artgerechten Leben in Freiheit, ist bei menschlichen oder sonstigen Tieren immer gleich!

    • Lieber Ulrich, ich stehe vollkommen bei dir! Aber ganz so einfach ist es eben nicht und selbst du, müsstest jetzt irgendwo nackig in einer Höhle wohnen, würdest du die Rechte aller Spezies respektieren, denn da, wo deine Hose hergestellt wurde, steht eine Fabrik, auf dessen Boden unzählige Lebewesen ein beschauliches natürliches Leben führten, also ein Recht auf natürliche Grundbedürfnisse hatten. Und logisch ist es eben auch nicht, Menschenrechte für Tiere einzuräumen, denn einige Fakten unterscheiden Menschenrechte von Tierrechten. Ich will nur kurz anführen das Recht auf verschiedenste kulturelle Freiheiten, Freiheiten auf persönliche Meinungsäußerung etc. was eben ein erweitertes Bewußtsein, wie es leider nur der Mensch hat, voraussetzt.
      Das kann man jetzt unbegrenzt fortführen.
      Menschenrechte für Tiere einzufordern bedeutet, dass der Mensch sich zurück entwickeln muß. Deine Hose währe dann aus Leder oder Fell, welches du in deiner Eigenschaft als Jäger einem anderen Lebewesen entsprechend deiner natürlichen Voraussetzungen „geraubt“ hättest.

      Es geht in unserer jetzigen Zeit darum, dass der Mensch sich tatsächlich als eine höhere Lebensform darstellen sollte und entsprechend der Maxime von Albert Schweitzer handelt: „Ehrfurcht vor dem Leben“. Und damit der Tierwelt endlich den entsprechenden Respekt entgegenbringt, was dazu führen könnte, Tieren alle notwendigen Rechte einzuräumen, ohne unsere – als Teil dieser Tierwelt – eigenen von der Natur gegebenen Rechte einzuschränken.
      Ist nicht so einfach zu beantworten oder sogar zu lösen….das Problem der Menschheit.

      Respekt vor dem Leben, bedeutet für uns Menschen, eben nicht Fleisch zu verzehren, was wir nicht selbst mit unserer eigenen Hände erlegt und zerlegt haben. Geht anatomisch fast kaum….Darum kommt eigentlich nur pflanzliche Nahrung für uns in Betracht, solange wir uns nicht in einer „Urmenschen-Situation“ befinden.

      In den vergangenen hundert Jahren – also einer winzigen Epoche – hat sich die Menschheit im Vergleich zu den letzten 10000 Jahren ungeheuerlich entwickelt. Könnte es vielleicht gelingen, dass ihr jetzt endlich ein Licht aufgeht und die nächsten hundert Jahre endlich zu einer Befreiung der Tierwelt führt?
      Und dass mit Hilfe von TV, Computer und Handy – welche du selbst zum Zwecke der Tierrechte und des Tierschutzes nutzt?
      Sei herzlichst gegrüßt!

  2. Also demnach müsste die Forderung nach dem folgenden Menschenrecht für Tiere vollkommen richtig und begründet sein: Jedes Tier sollte seine ihm von der Natur gegebene Sexualität frei ausleben dürfen, ohne dass der Mensch dabei regulierend eingreift, und jedes Tier hat das Recht auf eine unbegrenzte Nachkommenschaft?

    • Hallo Rainer,
      irgendwie verwundert es mich nicht sonderlich, dass Du Dir über Dinge Gedanken machst, wie sie in Deinen hier vorliegenden Fragen zum Ausdruck kommen. Ist das für Dich so sehr wichtig und maßgebend, ob unseren Mitlebewesen das Recht zustehen oder weniger zustehen sollte, ihre Sexualität frei oder weniger frei ausleben zu dürfen? Bekümmert Dich tatsächlich jene Deinerseits befürchtete „unbegrenzte Nachkommenschaft“ in der Tierwelt, während das menschliche Bevölkerungswachstum mehr und mehr explodiert und gigantische Ausmaße annimmt? Letztlich sind und bleiben Deine Fragen, Deine Einwände und Befürchtungen doch sehr an den Haaren herbeigezogen, denn jegliche tierische Population regelt sich von selbst – und dies besonders dann, wenn sich der arrogante Mensch nicht mehr länger einbildet, diesbezüglich regulierend eingreifen zu müssen und seine Arroganz endlich einmal ad acta legt, die sich meist darin äußert, auch nur annähernd um einiges klüger und gescheiter als seine Mitlebewesen zu sein.

      Also tu Dir selbst einen grossen Gefallen und vergiss das mal ganz schnell mit jener freien Sexualität und unbegrenzten Nachkommenschaft der Tiere, denn es geht doch in erster Instanz um gänzlich andere Rechte für Tiere, nämlich um jene Grundrechte, die auch wir Menschen für uns beanspruchen, nämlich um das Recht auf Leben, auf Freiheit und Unversehrtheit. Oder meinst Du etwa, dass ein Schwein, ein Huhn, ein Rind oder irgendein anderes sogenanntes „Nutz“tier nicht das gleiche Recht auf Leben, Freiheit und Unversehrtheit hätte wie Du und ich und jeder andere unserer Mitmenschen ebenso?

      Diese Frage musst Du Dir allerdings selbst beantworten und wie Deine diesbezügliche Antwort auch immer ausfallen mag: Jeder Mensch, der solcherlei Grundrechte den Tieren abspricht, verdient es nicht, als Mensch betrachtet zu werden und ist und bleibt nicht nur ein unverbesserlicher und auch verbrecherischer Speziesist, sondern auch ein riesengrosser und hohlköpfiger Dummkopf, der anscheinend vergessen hat oder es in seinem Größenwahn nur ungern wahrhaben will, dass er als „Mensch“ gleichsam auch nur ein Tier ist und es auch immer sein und bleiben wird.

      LG – Wolodja

      • Ich hatte in diesem Zusammenhang ehrlich gesagt weniger die frei lebenden Tiere im Sinn, wo sich das tatsächlich mehr oder minder von selbst regelt, sondern wollte auch diesbezüglich auf das Los vieler sogenannter „Nutztiere“ hinweisen, denen zeitlebens jegliche Sexualität verwehrt wird. Außerdem die Frage aufwerfen, ob es dann nicht ebenfalls ein Problem darstellt, wenn der Mensch sich anmaßt, Katzen aus vermeintlich guten Motiven zu sterilisieren oder diverse Nutztiere bereits bei der Geburt zu kastrieren, vom massenhaften Töten mal ganz abgesehen. Also wenn man so will … aber sei es drum. Es bleibt die Frage, in welchen Rahmen man Grundrechte, die der Mensch für sich beansprucht und die auch für Tiere elementare natürliche Grundbedürfnisse sein müssten, sich dann tatsächlich praktisch umsetzen ließen. Auch wenn man wirklich guten Willens ist, eine Gleichbehandlung anzustreben. Man kann nur das durchsetzen, was auch machbar ist. ,

    • Da hat Rainer mit seiner Überlegung vollkommen Recht.
      Menschenrechte für Tiere – für unsere Brüder – bedeutet nun mal das Recht auf unbegrenzte Nachkommenschaft, wie es die Natur eingerichtet hat. Dies bedeutet (hier ein nur klitzekleines Beispiel), dass eine Zwangssterilisation wie z.B. für streunende Katzen oder für Stadttauben, nicht in Frage käme. Die Folgen sind jedem hinlänglich bekannt. Es müßte also – entsprechend dem Menschenrecht – für die Nachkommenschaft dieser unserer „Geschwister“ ein artgerechtes Leben ermöglicht werden. Faktisch eine unlösbare Aufgabe. Die Frage ist viel zu komplex, als dass man sie mit ja oder nein beantworten könnte.
      Zumal nur der Mensch in der Lage ist, bewußt zwischen Recht und Unrecht zu unterscheiden. Jedenfalls der intelligente….
      Ein sehr tiefgreifendes Thema.
      Räumen wir jedem Tier die selben Rechte wie uns ein, verstoßen wir sogar gegen ein Gesetz der Natur, dass nur die stärkste und am besten angepasste Lebensform Bestand hat (ausgenommen natürlich die Symbiose zwischen unterschiedlichen Arten).
      Eine Regelung von Tier- und Menschenrechten kann also nur über die Form von Gesetzen – die das miteinander der Gesellschaft regeln – erfolgen, welche wiederum von Tieren nicht begriffen werden, sie handeln ausschließlich nach natürlichen Gesetzen. Der Mensch hat die natürlichen Gesetze schon längst mißachtet und meiner Meinung nach unumkehrbar in seinem Sinne verändert (Die Folgen scheint er laaaangsam zu verstehen und ich hoffe für die nachfolgenden Generationen, dass es nicht schon zu spät ist).
      Eine Lösung kann nur in Regeln liegen die nun endlich – im Sinne eines erweiterten Bewußtseins – die Tierwelt mit einschließen muß.
      Defacto ein zur Zeit unlösbares Problem, da der Mensch nicht mal in der Lage ist, mit seiner eigenen Spezies zurecht zu kommen – was ich als Voraussetzung für eine solche Diskussion halte.

    • Wolodja, ich muß den Grundgedanken von Rainer beipflichten, denn es geht tatsächlich darum, dass wir akzeptieren müssten, keinen Einfluss mehr auf die Population vieler Lebewesen zu haben. Wenn wir darüber reden, dass sich jegliche tierische Population von selbst regelt, müssen wir darüber reden, dass sich diese Populationen im Zusammenhang mit natürlichen Gegebenheiten, wie z.B. Feinden entwickeln würde. Das bedeutet, dass sich ohne unser Zutun (nur mal als Beispiel) in unserer heimischen Flora und Fauna, Bären und Wölfe ansiedeln würden. Ein schöner Gedanke – in den Wald jedoch, würde ich nur noch ungern gehen wollen.
      Wenn Rainer aber eher das Problem auf die sog. Nutztiere bezieht, muß man hierzu anmerken, dass es ein „Populationsproblem“ bei sog. Nutztieren gar nicht geben kann, da es bei der Durchsetzung von „Tierrechten“ gar keine sog. Nutztiere mehr gibt.
      LG Micha

  3. Aufgrund der hier angestoßenen Diskussion über „Menschenrechte für Tiere“ und jegliche diesbezüglich geäußerten Bedenken, Vorbehalte und Einschränkungen möchte ich nochmals folgendes anmerken:

    Nie und nimmer benötigen Tiere beispielsweise das menschliche Recht auf Meinungsfreiheit oder das menschliche Recht, an eine Wahlurne treten und für irgendeine politische Partei ihre Stimme abgeben zu dürfen. Derartige Rechte für Tiere einzufordern wäre sicherlich ein Schwachsinn, der sämtliche Tierrechtler dieser Welt der Lächerlichkeit preisgeben würde. Nein, derartige „Menschenrechte“ stehen hier überhaupt nicht zur Debatte, sondern stattdessen die all unseren Mitlebewesen zustehenden Grundrechte, wie z.Bsp. das Recht auf Verschonung von menschlicher Gewalt, welches für mich nur ein Grundrecht aller Tiere ist und bleibt. Grundsätzlich gilt, was Albert Schweitzer einmal sagte und lehrte: „Ich bin Leben, das leben will, inmitten von Leben, das ebenso leben will!“

    Doch wie „intelligent“ und „fortschrittlich“ ist eigentlich diese angebliche „Krone der Schöpfung“, sobald man bedenkt und alltäglich damit konfrontiert wird, wie diese Wahrheit eines Albert Schweitzers weltweit und allstündlich mit Füßen traktiert, gröblichst missachtet und um eines profanen Gaumenkitzels wegen gewissenlos ignoriert wird?

    Was jene Grundrechte für Tiere betrifft, so halte ich es mit den Worten von Dr. Gunter Bleibohm und vermag diese nur mit roter Tinte zu unterstreichen:

    „Wir haben nicht das Recht, innerhalb der menschlichen Spezies die vorhandenen Interessen von Menschen deshalb geringer zu schätzen, weil sie zu einer anderen Rasse oder zu einem anderen Geschlecht gehören, somit sind wir auch nicht berechtigt, die vorhandenen Interessen von nichtmenschlichen Lebewesen deshalb geringer zu schätzen, weil sie zu einer anderen biologischen Gattung, zu einer anderen Lebensform gehören. So wie man Rassismus, Frauenunterdrückung und Sklaverei geächtet hat, ist eine Ächtung des Speziesismus, d.h. der Ungleichbehandlung von Lebewesen aufgrund ihrer Art, unbedingt erforderlich.“

    Wer also auch immer jene Grundrechte für Tiere kritisch beäugt, dem sei jenes von Dr. Gunter Bleibohm und Harald Hoos ins Leben gerufene „Manifest zu den Grundrechten der Tiere“ dringlichst als aufklärende und höchst nachdenkenswerte Lektüre empfohlen. Siehe hierzu meinen Blog-Eintrag vom 12. Dezember 2013:
    https://wolodja51.wordpress.com/2013/12/12/manifest-grundrechten-tiere-17324366/

    LG – Wolodja

  4. Gut gemeint, ist nicht immer gut gemacht:
    Im steten Bestreben mich knapp auszudrücken, ist mein Erstkommentar „Logisch brauchen wir Menschenrechte für Tiere!“, so buchstabengenau ausgelegt, natürlich falsch und muß zu Irritationen führen. Pardon.

    Gemeint war und richtig ist: Tiere haben das gleiche Recht auf Leben wie Menschen.
    Steht so ähnlich ja schon im Beitrag-Eingangstext „ Es wird das menschliche Grundrecht auf Leben und Freiheit (auch) für Rinder, Schweine und alle anderen empfindungsfähigen Lebewesen eingefordert”.

    Was dann im einzelnen(!) für die einzelnen(!) Spezies wichtig ist, weiß jedes Individium wohl selbst am besten – und das sollte dann im Sinne der „Einforderung auf elementare Grundrechte“ auch akzeptiert werden:

    Z.B. für ein Huhn normale Weizenkörner und freien Auslauf – für den Menschen, eher einen Korn in flüssiger Form und freien Ausgang, diesen zu sich nehmen zu können!?

    Beste Grüße in die Runde!
    Ulrich

    N.S.: Zur weiteren Vertiefung der Thematik siehe ansonsten – wie schon angeführt – Wolodja-Blog:
    https://wolodja51.wordpress.com/2013/12/12/manifest-grundrechten-tiere-17324366/

    • Ulrich, ganz klar, dass deine Einlassung zu diesem Thema von mir auf die Goldwaage gelegt wurde, aber auch nur deswegen, um auf dieses Thema näher eingehen zu können. Danke für diesen Anlass…..
      Denn für unsere nichtmenschlichen Geschwister, endlich wirkliche und reale Rechte einzufordern, dies unterstütze ich nach meinen Möglichkeiten.

      Die Sichtweise des Autors Edgar Kupfer-Koberwitz in dem kürzlich vorgestellte Beitrag
      https://wolodja51.wordpress.com/2015/08/21/buch-empfehlung-die-tierbrueder-von-edgar-kupfer-koberwitz/
      spiegelt meine Denkweise wieder.
      Ein sehr zu empfehlendes E-Book, welches man kostenlos als Pdf-Datei downloaden kann.
      Achtung Werbung…

      LG an alle

  5. Hallo Wolodja,
    Ja du hast schon Recht, dass Menschenrechte natürlich nicht 1 zu 1 auf die Tierwelt umgelegt werden können und jeder hier weiß, was mit dem Ausspruch „Menschenrechte auch für Tiere“ gemeint ist. Der Verweis auf das Manifest zu den Grundrechten der Tiere ist darum sehr zutreffend, so wie dieses Manifest in seiner Form die Basis für einen Wandel zu wirklichen Tierrechten sein kann.
    Da sich die Spezies Mensch allerdings auf diesen Planeten derart ausgebreitet hat und praktisch jeden Winkel dieser Erde bevölkert und beansprucht, ist die Durchsetzung dieser Rechte mit riesigen Veränderungen und Einschnitten für die menschliche Spezies verbunden. Für uns Tierschützer/rechtler sicher kein Problem, wir stellen aber nur einen minimalen Bruchteil dieser Bevölkerung dar.
    Und ich möchte noch einmal wiederholen, was die Durchsetzung eines solchen Manifestes für uns bedeuten würde, nämlich Einschränkungen in unserem eigenen Leben. Und damit meine ich nicht unser überbordenes Konsumverhalten, sondern Grundbedürfnisse unserer Art, und diese beinhalten u.a. das Bedürfnis nach sozialen und kulturellen Strukturen, dem Bedürfnis ein sinnerfülltes Leben zu führen (soweit man nicht die Kraft und Fähigkeit besitzt ein Nihilist zu sein) und das Recht, sich fortzupflanzen, welches das eigentliche Problem – die Überbevölkerung – dieser Erde ist. Die natürliche Auslese wurde unter der Spezies Mensch ausgehebelt und darum werden wir uns immer breiter machen müssen, was zum Ende doch zu Einschränkungen anderer Lebensformen führen muß.
    Die Akzeptanz, nichtmenschlichen Tieren Grundrechte einzuräumen, bedeutet die Einsicht der Spezies Mensch, eigene Grundrechte zu beschneiden (Geburtenkontrolle etc.)
    Welche Chancen hat in dieser Zeit eine Forderung, unseren nichtmenschlichen Brüdern und Schwestern Grundrechte einzuräumen?
    Diese Chance ist meiner Meinung nach utopisch.
    Wenn man nur beginnt, eine Forderung dieses Manifestes umzusetzen, nämlich die Durchsetzung des Rechts nichtmenschlicher Tiere, auf Verschonung vor menschlicher Willkür und Gewalt, dann wäre das schon traumhaft…
    Ergo werden „menschliche“ Tiere Regeln erarbeiten, aufstellen und durchsetzen müssen. Aufgeklärte und empathiefähige Menschen.

    • Lieber Michael,
      vielen Dank für Deinen Kommentar, den ich sehr aufmerksam und interessiert gelesen habe. Einige Deiner Gedanken und Äusserungen vermag ich aber dennoch nicht ganz nachzuvollziehen. So schreibst Du z.Bsp. unter anderem:

      „Die Akzeptanz, nichtmenschlichen Tieren Grundrechte einzuräumen, bedeutet die Einsicht der Spezies Mensch, eigene Grundrechte zu beschneiden (Geburtenkontrolle etc.) Welche Chancen hat in dieser Zeit eine Forderung, unseren nichtmenschlichen Brüdern und Schwestern Grundrechte einzuräumen? Diese Chance ist meiner Meinung nach utopisch.“

      Hierzu geht mir folgende Frage durch meinen Kopf: Nehmen wir einmal an, das z.Bsp. unseren sog. „Nutztieren“ endlich das elementare Grundrecht auf Leben und Unversehrtheit zuerkannt und zugestanden werden würde. Wieso würde dieses den Tieren zustehende Grundrecht auf Leben dann ein Grundrecht des Menschen beschneiden? Ist es etwa ein Grundrecht der Spezies Mensch, Tiere ausnutzen, missbrauchen, mästen, töten, schlachten und aufessen zu dürfen? Nein, dieses Recht steht uns Menschen nicht zu, auch wenn sich der speziesistisch verseuchte Mensch noch so sehr einbildet, dieses Recht zu besitzen. Da er aber dieses Recht nicht hat, Tiere milliardenfach abzuschlachten und seiner Fraßkultur zu opfern, kann wohl auch kaum eine Rede davon sein, dass dieses angebliche Grundrecht des Menschen gefährdet und beschnitten werden könnte ….

      Dann fragst Du:
      „Welche Chancen hat in dieser Zeit eine Forderung, unseren nichtmenschlichen Brüdern und Schwestern Grundrechte einzuräumen?“ und schiebst sogleich nach, das solche Forderungen doch sehr „utopisch“ sein würden. Mag ja sein, dass solcherlei Forderungen uns „utopisch“ erscheinen, jedoch derartige Fragen und Bedenken hat es in unserer Geschichte und Vergangenheit angesichts notwendiger Veränderungen und Umwälzungen auch gegeben.
      Wie gross waren wohl damals die Chancen derer, die gegen das damalige Verbrechen der Sklaverei ankämpften? Oder wie gross waren die Chancen derer, die sich dafür stark machten, für Frauen die gleichen Rechte zu erstreiten, die einst nur Männern zustanden? Hätten diese Kämpfer mit Herz und Verstand damals resigniert und angesichts ihrer „utopischen“ Ziele ihre Hände ernüchternd in den Schoß gelegt, dann wäre diese Welt, in der wir heute leben, mit Sicherheit noch um ein vielfaches schlimmer und perverser, als sie es ohnehin schon ist.

      Mit anderen Worten:
      Trotz aller entmutigenden „Utopie“ gilt es dennoch, sich unentwegt und unbeirrt für die Grundrechte unserer nichtmenschlichen Schwestern und Brüder einzusetzen, denn nur dann können „utopische“ Forderungen auch Gestalt annehmen und verwirklicht werden. Der Mensch hat in seiner Arroganz und Skrupellosigkeit seinen Mitgeschöpfen eine Hölle des Grauens und Leidens zugedacht und bereitet. Und aus diesem Grund hat der Teufel für Tiere auch keinen Klumpfuß, sondern eine menschliche Fratze. Und dieses verbrecherische Treiben des Menschen im Umgang mit nichtmenschlichem Leben muss endlich aufhören und zu einem beschämenden Kapitel der Menschheitsgeschichte werden. Und ich glaube an dieses Ziel – wenn ich dessen Verwirklichung aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht mehr erleben werde.

      „I Have a Dream“ ….. und diesen Traum kann mir alle Utopie dieser Welt nicht zerstören!
      LG – Wolodja

      • Lieber Wolodja, gerne will ich mich erklären, denn ich sehe ein, dass viele meiner Argumente nicht ausführlich dargestellt sind und mitunter zu Verwirrungen führen. Dieses Thema ist aber auch so vielschichtig, dass man ganze Bände damit ausfüllen könnte.
        Zunächst will ich dich zitieren: „Ist es etwa ein Grundrecht der Spezies Mensch, Tiere ausnutzen, missbrauchen, mästen, töten, schlachten und aufessen zu dürfen?“
        Nein! Dieses ist kein Grundrecht der Menschen. Menschenrechte sind „so“ nicht definiert, aber Menschenrechte sind definiert und niedergeschrieben und entsprechende Manifeste verabschiedet.
        Mein Einwand lautet, dass wenn man unsere nichtmenschlichen Geschwister dem Menschen gleichstellt, wird dieses zu Einschränkungen für die Grundrechte der Menschen führen. Ich will hier nur ein Beispiel nennen. Es ist das Beispiel, was mir als erstes durch den Kopf geht, wenn ich darüber nachdenke: was wäre wenn……. man Tieren das nachfolgende Recht entsprechend der Erklärung einräumen würde.
        (Resolution 217 A (III) der Generalversammlung vom 10. Dezember 1948
        Allgemeine Erklärung der Menschenrechte)

        Artikel 3
        Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.

        Konsequent umgesetzt, bedeutet dies, das ´Recht auf Leben` unserer nichtmenschlichen Geschwister nicht einzuschränken. D.h, die gesamte Tierwelt wird sich entsprechend dieser Rechte uneingeschränkt entwickeln. Nur die Gesetze der Natur werden regulierend eingreifen, jedoch nicht in dem Maße, wo die nichtmenschlichen mit den menschlichen Lebensformen aufeinandertreffen. Will sagen, wir werden nicht mehr ungeschützt einen Waldspaziergang machen können, da sich Regularien der Natur gebildet haben, die z.B. vertriebene Tiere wie z.B. Bären oder Wölfe wieder in ihren ursprünglichen Lebensraum zurückfinden lassen. Wir werden Einschränkungen unserer normal gewordenen Bequemlichkeit hinnehmen müssen. Denn aus Rücksicht vor dem nichtmenschlichen Leben, werden wir kaum noch mit dem Auto mal von A nach B kommen, ohne eines der nun vielen überquerenden Lebewesen zu gefährden. Und selbst der Hobbygärtner wird nunmehr seinen liebevoll gepflegten Garten resignierend links liegen lassen, weil der Maulwurf nun seine Arbeit übernimmt – leider nicht im Sinne des Hobbygärtners. Ich weiß auch nicht wie ich (oder du) reagieren würde, wenn sich plötzlich eine Rattenmutti dazu entschlossen hat, ihre Jungen in meiner (oder deiner) Wohnung groß zu ziehen. Beispiele dieser Art ließen sich beliebig fortführen und hier weiter zu diskutieren, sprengt dieses Forum.
        Thema Geburtenkontrolle: Die Geburtenkontrolle wird in naher Zukunft dass einzig moderate Mittel sein, die Probleme der Überbevölkerung zu lösen. (meine Meinung!) Gleichzeitig werden sich unsere nichtmenschlichen Geschwister entsprechend der natürlichen Regularien weiterentwickeln, was bedeutet, dass wir ihnen wieder mehr Lebensraum zugestehen müssen. In dessen Folge sich der Mensch, Dank seines bewußten Lebens nicht mehr unbegrenzt fortpflanzen kann. Das meine ich mit Einschränkungen der eigenen Rechte (in diesem Falle, Begriff Nachkommenschaft). Es sollte auch nicht negativ behaftet sein, sondern man muß sich wirklich der Konsequenzen dieses simplen Ausspruches bewußt werden. Im Sinne der Tierwelt bzw. Mitwelt, die der Willkür der Menschen ausgesetzt ist, sind Grundrechte für Tiere ein absolutes Muß! Ob dieses Ziel erreichbar ist, halte ich für utopisch – weil zur Zeit nicht erkennbar, wenn ich mir die globale Entwicklung nur unter der Spezies Mensch anschaue. Denn wir selbst sind ja nicht mal in der Lage, anderen schutzsuchenden oder auch nur glücksuchenden Menschen das Recht auf ein unversehrtes und friedvolles Leben zu ermöglichen. (Ich will hiermit auch keine erneute Diskussion anschieben)
        Entmutigen dürfen wir uns sowieso niemals, denn dass sich Utopien eines Tages verwirklichen, hat uns schon Jules Verne gezeigt…….

        Nun habe ich dieses Thema vieleicht wiedermal etwas „zerredet“, denn der eigentliche Sinn dieses Beitrages liegt ja darin, dass Menschenrechte für Tiere – wenn sie nur teilweise durchgesetzt werden könnten, zum Ende der Ausbeutung der geschundenen Kreaturen führen würde und das kann und muß man nur befürworten.

        Einen Vergleich zu ziehen, dass Utopien, wie das Ende der Sklaverei oder die Gleichberechtigung der Frau ja auch verwirklicht worden sind, möchte ich abschließend und unkommentiert mit einem kurzen Beitragsauszug aus dem Kompendium von Helmut F. Kaplan illustrieren.

        [ Es war eine Illusion zu glauben, daß sich die Tierrechtsbewegung analog zur Befreiung der Sklaven und zur Emanzipation der Frauen entwickeln werde. Logisch und ethisch sprach ja in der Tat viel für eine solche Parallele:
        In allen drei Fällen geht es darum, moralische Diskriminierungen aufgrund moralisch belangloser Merkmale zu erkennen und zu überwinden: Wir haben erkannt, daß die Hautfarbe belanglos ist. Wir haben erkannt, daß die Geschlechtszugehörigkeit belanglos ist. Und wir beginnen zu erkennen, daß auch die Artzugehörigkeit moralisch belanglos ist: Warum soll man jemanden quälen dürfen, weil er zu einer anderen Art gehört? Die Ausbeutung und Diskriminierung aufgrund der Art, aufgrund der Spezies, der Speziesismus, ist genauso falsch wie Rassismus und Sexismus!

        Aber drei Punkte haben wir leider nicht oder zuwenig beachtet:

        – Tiere können keinen Beitrag zu ihrer Befreiung leisten.
        – Ihre Peiniger haben keine Rache von ihnen zu befürchten.
        – Bei der Befreiung der Tiere wird der wichtigste oder zweitwichtigste menschliche Trieb massiv berührt: das Essen.

        Die illusionäre Einschätzung der Tierrechtsbewegung wurde durch den autistischen, inzestuösen Lebensstil der meisten Tierrechtler begünstigt: Man trifft nur seinesgleichen und hält die hier gemachten Erfahrungen für gesellschaftlich repräsentativ. Nur so sind die hirnrissigen Strategien und haarsträubenden Hoffnungen zu erklären.
        Wer Kontakt zur gesellschaftlichen Wirklichkeit hat, wer die Menschen beobachtet und wer mit ihnen spricht, erkennt, daß hier mit Ethik und Argumenten meist nichts, aber auch wirklich gar nichts zu erreichen ist.
        Der Glaube, daß sich die Befreiung der Tiere in Analogie zur Befreiung der Sklaven und zur Emanzipation der Frauen vollziehen werde, war eine schöne Illusion, vielleicht sogar eine vorübergehend hilfreiche und notwendige Illusion. Aber jetzt ist es hoch an der Zeit, sich von dieser Illusion zu verabschieden.
        Wer Tiere retten will, muß Realist werden. ]

        Und darum Wolodja mein Einwand: Wenn wir Tierrechte fordern, müssen wir uns aller Konsequenzen bewußt sein.

        LG an alle – Michael

  6. Zitat Michael B.:
    „Wenn Rainer aber eher das Problem auf die sog. Nutztiere bezieht, muß man hierzu anmerken, dass es ein “Populationsproblem” bei sog. Nutztieren gar nicht geben kann, da es bei der Durchsetzung von “Tierrechten” gar keine sog. Nutztiere mehr gibt.“

    Ist mir schon klar, aber bis dahin … ?

    • Zitat Rainier:
      Ist mir schon klar, aber bis dahin … ?

      Bis dahin wird es keine Tierrechte geben…

      Ich denke, wenn es Rechte für Tiere geben sollte, wird es in einer fernen Zukunft Übergangsfristen geben, die es den dann noch existierenden sog. Nutztieren (welche auf Grund des Wandels schon stark reduziert wären) ermöglichen würde, artgerecht in Obhut des Menschen – alters- und naturbedingt ihr Leben zu beenden.

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